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Ungelesener BeitragVerfasst: 26. Februar 2006 20:49 
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Es war ungeheuer interessant mitanzusehen gewesen, wie die Zwillinge Claire die darauffolgende Zeit in Beschlag nahmen. Sie hatten sie wohl wirklich vermisst. Es war gar nicht so zu merken gewesen, als sie nicht da war, aber jetzt ließen sie nicht ab von ihr, gingen untergehackt ein Stück, setzten sich dann und redeten und redeten. Sie war jetzt fast neun Tage fort gewesen und hatte wohl einiges zu berichten.

Harry und Luna hatte sie nur kurz zugenickt, aber die beiden verstanden es auch. Luna, die sie ja schon seit längerem kannte, aber auch Harry, seitdem er die Geschichte der Strafsanktion in der Höhle gehört hatte, wusste er, dass die drei etwas verband, dass eine große Kraft in sich barg. Ein Freundschaftsband, das sehr belastbar war. Auch wenn Jules sagte, zwischen Claire und Lee sei dieses Band viel stärker, so war das ihre doch auch enorm. Harry hatte sich schon überlegt, wie das eigentlich bei ihm und Hermine und Ron aussah. Aber auch hier schien so ein Band zu existieren. Ein Band, das schon einige größere Streitigkeiten ausgehalten hatte, und auch ziemlich dehnbar war, und nicht so leicht riss.

"Sie sieht noch immer sehr blass aus." meinte Luna besorgt. "Aber das ist wohl auch kein Wunder. Aber sie hat wieder Boden unter den Füßen, und den Rest wird hoffentlich die Zeit heilen."
Sie gingen eine Zeit schweigend nebeneinander her, bis Harry das Schweigen brach: "Die drei bieten so ein trautes Bild von Zusammengehörigkeit. Als ob bereits diese doch eigentlich wenige Tage dauernde Trennung zuviel gewesen wäre. Wie schwer muss es wohl dann für Lee sein, sie während der Schulzeit nicht zu sehen."
Luna sah ihn an: "Das hast du sehr gut erkannt. Für ihn ist es die Hölle. Aber für sie genauso. Deshalb schreiben sie sich ja fast täglich. Aber du musst nicht glauben, dass sie sich wirklich nie sehen. Sie haben immer Mittel und Wege gefunden, um sich zu treffen. Zumindest alle zwei Wochen für ein paar Stunden. Sie beherrschen beide seit längerem das Apparieren, und somit war es für sie nicht zu schwer."

"Aber aus Hogwarts kann man nicht apparieren." wandte Harry in Erinnerung an Hermines Vorträge ein.
"Das stimmt schon, aber außerhalb. Auch wenn Lee nicht in der Quidditchmannschaft gespielt hat, so ist er doch ein guter Flieger. Er hat sich des öfteren nachts weggeschlichen, ist mit seinem Besen außerhalb des Geländes geflogen und von dort appariert. Oder umgekehrt hat ihn auch Claire in Hogsmeade besucht."

Sie gingen Arm in Arm, wie sie es immer taten, wenn kein Lehrer in Sichtweite war, als hinter der Kurve Bill und Ron auf sie zukamen. Bill grinste sie an: "Hallo Harry. Hallo schöne Frau. Ron hat mir gerade erzählt, dass Claire zurück ist. Ich wollte mich bei ihr bedanken, dass sie vor dem Herkommen, noch bei Fleur vorbeigesehen hat. Die ist jetzt sehr erleichtert, dass alles mit dem Baby in Ordnung ist. Und Ma natürlich auch."

"Ich kann es noch immer nicht so recht fassen: ich werde Onkel." grinste Ron sie an, "eine überaus witzige Vorstellung. Aber dich kann ich mir ja irgendwie schon als Vater vorstellen, Bill. Aber wenn ich so an Fred und George denke. Tja, die beiden mit einem Baby im Arm? Wohl eher nicht." Harry und Luna stimmten in das Lachen mit ein.

"Aber zuvor wäre doch dein zweitältester Bruder Charlie an der Reihe." warf Luna ein.
Rons Lachen erstarb ziemlich schnell: "na, ich fürchte, das wird wohl auch eher nichts."
Luna sah ihn erstaunt an: "Aber wie kannst du das sagen?"

"Tja, wie soll ich das jetzt formulieren, ehem, also, ich weiß es ja nicht sicher, aber ich hab Charlie noch nie mit einer Freundin gesehen. Also, soll heißen, ja, ich glaub er interessiert sich nicht sonderlich für Mädchen." Ron war bei diesen gestotterten Worten ganz rot im Gesicht geworden.

Bill herrschte ihn an: "Also, so ein Blödsinn. Wie kannst du das glauben? Er hat schon einige Freundinnen gehabt. Es war nur noch nicht die Richtige dabei."
"Ach ja? Aber selbst Vater hat schon so was angedeutet, dass Charlie, na ja wohl eher mehr Männern zugetan ist."
"Auch er weiß nicht wovon er spricht. Ich finde es einfach eine Frechheit so über Abwesende zu sprechen. Du weißt ja gar nicht, was wirklich dahinter steckt." Und mit diesen Worten wandte sich Bill erzürnt ab, und ging in Richtung der Zelte davon.

Die drei sahen ihm verwundert nach. "Also, er tut ja gerade so, als wäre das so schrecklich." unverständig schüttelte Ron den Kopf.
"Ich glaub eher, er wollte etwas sagen, was er nicht sagen darf." mutmaßte Luna, "Vielleicht ist Charlie ja nur einfach unglücklich verliebt. Das könnte die Sache doch genauso erklären, oder?"
Ron war nachdenklich geworden, "Da hast du eigentlich auch recht, ich weiß es ja nicht wirklich. Und wenn man bedenkt, dass Charlie und Bill sich immer sehr nahe standen, weiß Bill es wohl besser."

Ron zuckte die Schultern, "Aber ich glaube es ist höchste Zeit zum Abendessen. Mir knurrt ganz entsetzlich der Magen. und sie beeilten sich zum Schloss zurückzukommen.
Sie kamen gleichzeitig mit Claire und den Zwillingen beim Tor an. Ginny und Hermine waren bereits bei Tisch. Sie setzten sich angeregt schwatzend, aber Harry beobachtete Hermine, die Claire mit anderen Augen anzusehen schien, als zuletzt. Sie drückte keine Abscheu mehr aus sondern Mitgefühl und wohl auch etwas Neugier. Harry war sich sicher, dass Claire das auffallen musste, aber sie ließ sich jedenfalls nichts anmerken. Aber nach dem Essen stand sie auf, und meinte auffordernd zu Hermine: "Hast du ein wenig Zeit und begleitest mich?" und Hermine schien bloß kurz zu zögern, folgte ihr dann aber.

Ron sah ihnen sehr verwundert nach. Er hatte ja auch nicht mitbekommen, was Hermine vor kurzem entdeckt hatte, war er doch dabei gewesen mit seinem Patronus anzugeben.
Ginny wirkte unruhig und neugierig. Sie wäre wohl gern mit den beiden mitgegangen. Aber Jules schaffte es schnell sie abzulenken.

"So, nach dieser verpatzten Quidditchprobe, dürfen wir uns am Samstag ja wirklich zusammenreißen. Wenn ich mir Claires Kommentar vorstelle. So in der Art von:

und leider scheinen die Spieler der gryffindorschen Mannschaft heute zum ersten Mal auf ihren Besen zu sitzen. Ich empfehle ihnen für das nächste Mal ein wenig Trockentraining. Also, fürs erste: bloß ein bis zwei Meter über dem Boden, möglichst viele Kissen oder einen schönen tiefen See unter euch und da könnt ihr dann üben, üben, üben. Und bitte nicht gleich zu Beginn mit Bällen, sie scheinen euch ja doch nicht zu liegen, sie sind dazu da sie in das schöne runde Loch da drüben zu treffen, oder die Klatscher den Gegnern um die Ohren zu hauen, aber nicht euch selbst Knockout zu setzen. Kein Wunder dass die Mannschaft von Hufflepuff so brillieren kann. Es heißt doch immer: möge die bessere Mannschaft gewinnen, und wer das ist, sieht ja in Blinder mit Krückstock."
und dabei imitierte er gekonnt ihre Stimme.

Harry setzte ein scherzhaft verzweifeltes Gesicht auf, "Mal mir mal den Teufel nicht an die Wand. Aber so schlecht wie wir heute übten, können wir doch nicht schon wieder sein. Ich hoffe ja doch einen anderen Kommentar von ihr zu hören zu bekommen."
Ron stimmte ihm zu: "Das heute kann nur eine Ausnahme gewesen sein. So schlecht wie heute hab ich nicht mal in meinem ersten Match gespielt, und da war ich wirklich katastrophal."

Ginny sah ihren Bruder mit großen verwunderten Augen an: "Also, mein lieber Ron, das ist wohl das erste Mal, dass du zugibst, eine Katastrophe zu sein." und sie klimperte dabei ganz fest mit ihren Wimpern, war aber auch sogleich damit beschäftigt, sich von ihrem Stuhl zu erheben und nahm, als sie Rons giftigen Blick bemerkte, Reißaus. Und Ron hinter ihr drein, sie lieferten sich eine Verfolgungsjagd, wie Harry es bisher von den beiden nicht gesehen hatte. Lautes Gelächter von mehreren Tischen verfolgte die Geschwister.
Harry konnte vor lauter Lachen nicht mehr essen. Er war sowieso schon satt, also verließ er gemeinsam mit Jim und Jules den Speisesaal, und sie gingen zu ihrem Turm hinauf.

"Na Ginny scheint mir ja heute noch ziemlich unausgelastet zu sein, Harry. Die hättest du beim Training noch ein klein wenig mehr fordern dürfen." schmunzelte Jim.
"Oder übernimmst du das lieber Brüderchen?" wandte er sich an Jules.
"He, halt die Klappe. Das geht dich wohl gar nichts an." zischte Jules daraufhin.
"Aber hallo. Fangt ihr beiden schon wieder an? Was ist bloß heute los mit euch?" Harry verstand die Welt nicht mehr. Er hatte die beiden bisher doch immer so friedlich gesehen, und jetzt zeichnete sich heute der bereits zweite Streit ab?

"Ach ist schon gut. Alle Jahre wieder. Unsere vorgeburtstägliche Streitwoche hat begonnen. Keine Ahnung wieso das so ist. Aber seitdem wir sprechen können entzündet sich diese Auseinandersetzung daran, wer von uns beiden aufgrund des Zeitpunktes der Geburt, ob erster oder zweiter besser sei. Derjenige, der den anderen zurückgedrängt hat und als erster den Schritt ins Tageslicht gewagt hat, oder der, der dem anderen den Vortritt ließ und es dann leichter hatte auf dem vorgeebneten Weg." erklärte Jim.

"Und wie jedes Jahr werden wir uns auch dieses Jahr nicht einigen können, aber diese Streitigkeiten scheinen nun mal in der Luft zu liegen. Keine Angst, nach unserem Geburtstag ist das auch wieder vorbei. Wir haben auch schon mal Claire eingeschaltet um zu vermitteln, aber die hat uns bloß ziemlich ausgiebig ausgelacht und gemeint, es hätten beide und keiner recht und seither hat sie sich nicht mehr dazu geäußert. Und keine Angst" Jules hatte wohl Harrys skeptischen Ausdruck bemerkt, "Wir werden dich nicht um deine Meinung fragen, wir tragen das schon alleine aus."

Na das waren ja erfreuliche Aussichten. Wenn die beiden jetzt auch noch zum Streiten anfingen konnte das Match ja heiter werden. Aber was war denn hier los? Im Gemeinschaftsraum angekommen glaubte er seiner Nase nicht zu trauen. Hier roch es beinahe wie in Trelawneys Turmzimmer. Nach Räucherwerk – eine eigenartige Mischung von Gerüchen war das. "Man merkt dass Mylady wieder im Lande ist." lachte Jim, "unverkennbar." Harry sah ihn mit großen Augen an: "Heißt das, das ist wieder mal ein Werk von eurer Cousine?"

"Na klar, du musst doch nur in den Kalender sehen. Sie räuchert die Räume aus. Als ziemlich bodenständige Hexe kann sie gar nicht anders. Nicht mal unsere Mutter, und die ist auch sehr den alten Traditionen verfallen, macht das mehr. Na, manchmal schon. Aber nicht so unbedingt." Jules verdrehte die Augen und ging um ein Fenster zu öffnen.
"Was meinst du mit alten Traditionen? Claire ist doch nicht alt! Ich kannte es bisher nur von Trelawneys Turm, dieses Gewirr an Gerüchen. Und was ist der Sinn dahinter?"

"Nach den alten Traditionen zu handeln hat nichts mit dem eigenen Alter zu tun. Hast du noch nie was davon gehört? Sogar in Muggelkreisen ist das zuweilen üblich. Also pass auf: diese Tage ist Herbstbeginn und damit Tag-Nacht-Gleiche, soll heißen der Tag und die Nacht sind genau gleich lang. Und damit beginnt die Zeit, wo die dunklen Stunden der Nacht länger andauern wie die hellen des Tages. Also praktisch ein neuer Abschnitt im Jahr. Und für jeden Neubeginn sollte man, so besagt die alte Hexentradition, erst das Alte bereinigen. Und das geschieht durch Ausräuchern der Räume.
Eigentlich ist es das gleiche, wie wenn du in deinem Leben einen neuen Anfang machen willst, solange du nicht dein bisheriges Leben gerichtet hast und alte Lasten mit dir herumträgst, bist du für den Neuanfang nicht wirklich bereit und damit wahrscheinlich zum Scheitern verdammt."

"Aber macht es nichts, wenn ihr die Fenster aufmacht?" fragte Harry, als auch Jim ein weiteres Fenster öffnete.
"Oh doch, es bewirkt, dass wir nicht ersticken. Keine Angst, sie macht das sowieso länger, aber ein klein wenig Frischluft sei uns doch wohl gegönnt."
Die anderen hatten sie dankbar angesehen, scheinbar waren sie sich nicht sicher gewesen, ob es nicht irgendwelche negativen Konsequenzen hätte, die Fenster zu öffnen. Die meisten hatten allem Anschein nach Probleme Claire einzuschätzen. Ihre Ringe, die sie als Heeling-hands auswiesen, die Aktion der Peaceleys, nicht zu vergessen ihr forsches Mundwerk, nein, wer noch nicht näheren Kontakt mit ihr hatte, bemühte sich, nicht negativ aufzufallen.

Ron und Ginny saßen am Kamin und spielten Zauberschach. Als die drei zu ihnen kamen sah Ron auf: "Ich werde es meiner kleinen Schwester schon zeigen. So Frechheiten werde ich mir nicht gefallen lassen."
"Oh großer Bruder, kannst du mich nicht verschonen? Bitte, bitte, ich flehe um Gnade." Ginny versuchte ein verzweifeltes Gesicht zu machen, schaffte es aber nicht so recht. "Soll ich dir helfen?" fragte Jules Ginny.
"Na dann helfe ich aber Ron." erwiderte sofort Jim.
"He, ich brauch keine Hilfe." setzte Ron empört an, überlegte es sich dann aber und meinte, "Na gut, vielleicht ja doch. Setz dich halt neben mich."

Harry sah ihnen kurz zu, ging dann aber um seine restlichen Hausübungen zu erledigen. Von Claire und Hermine fehlte jede Spur. Sie waren auch nicht in ihrem Schlafraum, da Parvatti nach einiger Zeit zu ihm kam und ihn fragte ob er wüsste, wo Hermine sei.

In dieser Nacht hatte Harry Probleme mit dem Einschlafen. Die Worte: "solange du nicht dein bisheriges Leben gerichtet hast und alte Lasten mit dir herumträgst, bist du für den Neuanfang nicht wirklich bereit und damit wahrscheinlich zum Scheitern verdammt" gingen ihm nicht aus dem Kopf. Trug er selbst solche Altlasten mit sich herum? Ja, eigentlich schon.

Da war der Tod seiner Eltern. Sie mussten sterben, weil Voldemort ihn töten wollte. Dann Sirius Tod. Dieser hätte nicht sterben müssen, wenn Harry sich im Okklumentik Unterricht mehr angestrengt hätte. Der sinnlose Tod Cedrics, und und und ............ Irgendwann fiel er in unruhigen Schlaf. Seine Träume waren wirr, aber er hatte sie beim Aufwachen bereits wieder vergessen. Aber was könnte er tun um seine Vergangenheit aufzuarbeiten? Er nahm sich vor mit Luna zu sprechen. Irgendwann einmal, aber sicher nicht heute. Heute musste er sich auf das morgige Quidditchmatch konzentrieren.

Harry hatte gehofft, den Quidditchplatz noch einmal am Freitagnachmittag für ein zusätzliches Training zu bekommen, aber der Platz war leider belegt. So konnten sie nur abwarten, wie das Match am Samstag ausgehen würde. Und hoffen. Der Samstag begrüßte sie nochmals mit strahlendem Sonnenschein, der Himmel war blau und wolkenlos. Wenn das kein gutes Zeichen war. Harry beeilte sich zum Frühstück zu kommen.

Auf dem Weg zum Feld gerieten sich die Zwillinge schon wieder in die Haare. Harry hatte ganz vergessen zu fragen an welchem Tag sie endlich Geburtstag hätten. Er konnte es nicht erwarten, dass diese Zwistigkeiten wieder vergehen sollten.

Als sich Harry vom Boden abgestoßen hatte und der Anpfiff erklang, war er verblüfft die Stimme von Draco Malfoy zu hören. Was war hier los? Hatte er sich doch gefreut, dass Claire rechtzeitig zurück war um ihren Platz als Stadionsprecherin einzunehmen. Aber er hatte schon richtig gehört. Draco war dabei das Spiel zu kommentieren. Claire sah er schon, aber sie saß etwas abseits mit Michel. Da sie aus zwei verschiedenen Häusern kamen, konnten sie ja nicht bei den anderen sitzen. Aber es schien ihnen nichts auszumachen.

"Oh, unser allseits verehrter Harry Potter. Was ihn wohl so in Erstauen versetzt hat? Womöglich hat er sich überlegt, ob es etwas gäbe womit er seine wunderhübsche Freundin erfreuen könnte. Wie wär’s mit: Vom Besen fallen Potter." vernahm er die spöttische Stimme, von Malfoy.

Na warte. Er würde trachten, das Spiel zu einem raschen Ende zu bringen. Draco verzapfte schon so genug Unsinn. Aber hier, wo ihm das ganze Stadion zuhörte, war er sich wohl seiner Macht bewusst. Harry sah sich nach allen Seiten um. Und wirklich nicht weit über ihm entdeckte er das goldene Flimmern. Er beschleunigte und verfolgte den Schnatz. Und keine sieben Minuten waren seit Beginn des Spiels vergangen, als Harry auch schon den Schnatz in Händen hielt. Das Publikum applaudierte wie wild, aber was war das? Das klang dermaßen enthusiastisch, wie es für ein erstes Match nicht üblich war.

Und erst jetzt bemerkte Harry den Grund. Draco lag, von einem Klatscher getroffen am Boden und hielt sich die Hände vors Gesicht. McGonagall brachte ihn gerade dazu die Hände zur Seite zu geben, da sah Harry, dass Dracos Nase nur noch ein matschiges Etwas war. Das musste wohl ein sehr präziser Schuss gewesen sein. Harry schaute sich um, und das überaus unauffällige Beiseitesehen der Zwillinge verriet sie wohl eindeutig als die Schuldigen. Jim zwinkerte Harry zu und hob für einen kurzen Moment den Zeigfinger vor den Mund: psst, nur nichts sagen.

Harry war erleichtert. Erleichtert, dass sie gewonnen hatten, trotz des miserablen Trainings zuletzt. Und erleichtert darüber, dass die Zwillinge nicht zimperlich in der Wahl ihrer Methoden waren. Sie hatten einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Und schienen auch nicht unbedingt auf eine Freundschaft mit Draco aus zu sein


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Ungelesener BeitragVerfasst: 26. Februar 2006 20:49 
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27. Den Tod akzeptieren

Durch die kurzfristig anberaumte Siegesfeier, kam Harry nicht mehr dazu, sich mit Luna zu treffen. Aber dafür hatte er den ganzen Sonntag noch nichts vor. Abgesehen davon, dass er ziemlich lang schlief, aber es war auch am Abend zuvor spät geworden.

Das ergab ein spätes Frühstück und als sich Harry schon darüber Gedanken machte, wie er Luna finden sollte, kam sie ihm auch schon entgegen.
"Na Schlafmütze. Habt ihr so ausgiebig gefeiert? Aber falls du jetzt munter bist, wollte ich dich fragen ob wir draußen spazieren gehen. Es ist wieder ein ganz brauchbares Wetter." und Luna sah ihn fragend an.
"Gern. Ich war grad im Begriff dich zu suchen. Gehen wir?"
Und sie machten sich auf den Weg, gingen Hand in Hand, unterhielten sich über das Match vom Vortag und über diverse schulische Belange.
Am See angekommen setzten sie sich auf den Steg und Harry legte seinen Arm um Luna.

"Willst du mir jetzt sagen, was du auf dem Herzen hast?"
Wieso wusste sie schon wieder, dass er Fragen hatte? Er hatte doch noch gar nichts gesagt.
Luna lächelte "Ich seh's dir doch an. Du hast was auf dem Herzen. Also los, gib dir nen Ruck."

Und Harry drückte sie dankbar ganz fest an sich, küsste sie und sprach: "Du bist ein Schatz - ein ganz, ganz wertvoller Schatz."

Und er begann: "Seit Freitag quälen mich bestimmte Gedanken. Es hat damit begonnen, dass mir Jules und Jim erklärt haben, was es mit dem Räuchern von Claire auf sich hat. Und dann haben sie was gesagt was mich nachdenklich gemacht hat: "solange du nicht dein bisheriges Leben gerichtet hast und alte Lasten mit dir herumträgst, bist du für den Neuanfang nicht wirklich bereit und damit wahrscheinlich zum Scheitern verdammt" Und ich grüble, inwiefern dieser Satz auf mich zutrifft.

Angefangen mit dem Tod meiner Eltern, die gestorben sind, weil Voldemort mich töten wollte. Der Tod meines Paten. Sirius hätte nicht sterben müssen, wenn ich wirklich Okklumentik gelernt hätte. Cedric, von Peter getötet, weil er Voldemort im Weg stand der es auf mich abgesehen hatte, ................. Ich fühl mich schuldig, im Normalfall verdränge ich es ja aber zuweilen drängt es an die Oberfläche. Meine Eltern könnten noch leben, wenn sie mich nicht geboren hätten.............."

"Stopp! So nicht! Nicht du hast Schuld dass deine Eltern starben, sondern Voldemort. Du darfst dir das niemals einreden. Oder vielleicht war die Prophezeiung, von der du mir erzählt hast schuld. Oder derjenige, der sie weitererzählt hat. Oder Dumbledore, der dieses Vorstellungsgespräch von Trelawney in einem öffentlichen Raum geführt hat. Aber auch Peter, der das Versteck deiner Eltern verraten hat. Auch Sirius, der fälschlicherweise geglaubt hat, Peter wäre der bessere Geheimniswahrer."

"Aber das ist doch Blödsinn, Sirius trifft keine Schuld!"
"Genau so wenig wie dich, ich wollte dir damit doch nur vor Augen führen, dass deine Schuldzuweisung nicht richtig sein kann. Wie hättest du als Baby verhindern können, was passiert ist? Du musst anfangen loszulassen. Sicher waren vor allem deine Tante Petunia und dein Onkel daran schuld, dass du das nicht schon viel früher geschafft hast. Aber es ist auch jetzt noch Zeit dafür. Und einer der ersten Schritte ist wohl, dass du herausfindest, wo sich das Grab deiner Eltern befindet und es besuchst. Wir können viel eher mit unserer Trauer um den Verlust unserer Lieben umgehen, wenn wir einen Platz haben, an dem wir ihrer besonders gedenken. Für viele ist das der Friedhof, aber es kann natürlich auch ein anderer Platz sein. Die Stelle, wo diese Menschen gestorben sind, oder ein Platz, wo sie sich gerne aufhielten.

Für mich ist es nicht wirklich der Friedhof, wo meine Mutter begraben liegt, das heißt, das wenige das von ihr übrig blieb, sondern ihr Schaukelstuhl auf der Veranda unseres Hauses. Sie hat es geliebt abends dort zu sitzen und wenn ich zu ihr kam, hat sie mir die wunderbarsten Geschichten erzählt. Immer wenn ich zuhause bin und ihr nah sein möchte, setze ich mich in der Dämmerung in diesen Stuhl, schließe die Augen und dann ist sie bei mir."

Luna war bei ihren letzten Worten immer leiser geworden. Harry hatte sie noch fester in den Arm genommen und an sich gedrückt. Die aufgefrischte Erinnerung an ihre Mutter nahm sie doch sehr mit. "He Liebes. Komm her. Ich bin manchmal so furchtbar egoistisch. Ich denk nur an meine Probleme, und nicht daran, dass du auch den Tod deiner Mutter verschmerzen musstest. Tut mir leid." Und er wischte mit der Hand vorsichtig über ihre Wange, über die ein paar Tränen kullerten.

"Weißt du, eigentlich hab ich diesen Verlust schon längst bewältigt, aber manchmal fehlt sie mir schon sehr. Oft wünschte ich mir sie wäre da zum Reden, zum Zuhören, um ihr von der Schule zu berichten, von meinen Problemen, von meinen Freunden" und dabei kuschelte sie sich noch enger an Harry, "sicher hab ich Leute mit denen ich reden kann, aber wenn ich Claire und ihre Mutter sehe, die so vertraut sind und sich scheinbar alles sagen können - dann schmerzt das manchmal, obwohl auch Claire immer für mich da war."

Sie schwiegen für kurze Zeit, und dann fing Luna wieder an: "Aber entschuldige, ich wollte nicht von mir anfangen, du hast mich doch um Rat gefragt."
"Pst, ist schon gut, so sehe ich wenigstens wieder einmal, dass ich mich zu oft zu wichtig nehme. Aber ich denke eben, dass ich noch nicht wirklich über den Tod meiner Eltern und meines Paten hinweg gekommen bin."

"Ja, das glaube ich auch. Aber du bist auf dem besten Weg. Der erste Schritt ist, dass es dir einmal klar geworden ist, dass es so ist. Erst danach kannst du versuchen, deine Erinnerungen zu verarbeiten. Und ich bin mir nicht sicher, aber ich denke du solltest endlich ernsthaft mit Leuten sprechen, die deine Eltern gekannt haben. Sehr gut gekannt haben. Und wer wäre dafür besser geeignet als Remus und Miranda? Komm, wir schauen, ob wir Remus für dich finden."

Und sie stand entschlossen auf und zog Harry mit hoch. "Sofort meinst du?"
"Ja natürlich, einmal getroffene Entscheidungen verwirklicht man am besten sofort."
Und sie gingen gemeinsam zurück zum Schloss und klopften an Remus Zimmertür.
"Herein" ertönte es von drinnen, und als Harry die Tür öffnete ließ Luna seine Hand los und trat einen Schritt zurück: "Ich lass euch beide allein. Wir sehen uns später.", drehte sich um und war auch schon verschwunden.

"Harry, welch unerwarteter Besuch. In letzter Zeit sieht man dich ja öfters in Lunas Begleitung. Was führt dich zu mir?" Remus hielt ihm die Tür auf und ließ ihn eintreten.
"Ich, ehem, ja, ich, eh Luna hat gemeint ........"
"Also hol mal kurz Luft und dann überlegst du, was du sagen wolltest."
Harry nahm einen neuen Anlauf: "Ich habe mit Luna darüber gesprochen, dass ich den Tod meiner Eltern und von Sirius noch immer nicht verarbeitet habe. Und da hat sie gemeint es würde helfen, wenn ich mehr über sie erfahren könnte. Und da du der beste Freund von Vater und Sirius warst .........."

Remus Gesicht hatte einen ernsten Ausdruck angenommen. Er drehte sich zum Fenster um und sah eine Zeit lang hinaus. "Du weißt aber auch, dass in der Zeit vor James Tod, kein Kontakt zwischen uns existierte, James hat mir nicht mehr vertraut, genauso wenig wie Sirius........"

Harry trat zu ihm und legte ihm die Hand auf die Schulter: "Aber das ist doch nur auf die Zwietracht-ausstreuung von Voldemort zurückzuführen. Da hat wohl kaum jemand mehr einem anderen vertraut. Aber du könntest mir ein wenig mehr von Pa erzählen. Ich hab nie die Möglichkeit gehabt ihn kennen zu lernen. Ich war zu klein, um mich noch an ihn zu erinnern. Ich hab Fotos, ja, aber ich wäre dir dankbar, wenn du mir erzählen könntest. Natürlich nur, wenn es dir nichts ausmacht."

Remus hatte sich umgedreht und sah ihn an: "Du hast recht. Es ist wohl an der Zeit. Willst du etwas bestimmtes wissen, oder soll ich einfach so loslegen, mit dem was mir einfällt?"
"Ich bin mit allem zufrieden. Was kommt dir als erstes in den Sinn?"

Und sie nahmen am Kamin Platz, Remus zauberte Tee herbei und Plätzchen und begann zu erzählen. Und Harry saß da und lauschte. Wieso hatte er das nicht schon längst getan?

6. Sichtwechsel (Remus Erinnerungen 1.Teil)

Mein erster Schultag. Ich durfte nach Hogwarts. Ich - ja ich - obwohl mir meine Eltern immer gesagt hatten, es würde nicht möglich sein. Seitdem ich von dem Werwolf gebissen wurde, nur schwer verletzt überlebt habe, und mich jeden Monat zu Vollmond wandle, werde ich von allen gemieden, die darüber Bescheid wissen. Es wurde mit der Zeit so schlimm, dass meine Eltern beschlossen haben umzuziehen. Die neuen Nachbarn wussten nicht Bescheid und mir haben sie im Keller ein sicheres Abteil gerichtet, wo mich Vater immer zur Vollmondnacht einsperrte. Mutter konnte es nicht, sie weinte immer fürchterlich, wenn es mal wieder so weit war.

Aber seitdem Prof. Albus Dumbledore Direktor in Hogwarts ist, hat mein Vater Hoffnung geschöpft. Er hatte schon einiges Gute von dem Manne gehört und ihn in der Schule aufgesucht. Und nach einigem Nachdenken, hat sich Dumbledore bereit erklärt mich als normalen Schüler in Hogwarts aufzunehmen. Wie war ich in der Nacht vor meiner Abreise aufgeregt. Ich konnte kaum schlafen, so nervös war ich.

Und wie stolz war meine Mutter, als sie mich zum Bahnsteig 9 ¾ begleitete. Sie hatte doch stets bedauert, dass ich nie nach Hogwarts käme, und jetzt war es doch Wirklichkeit geworden. Neugierig sah ich mich um. Wie aufregend war das doch alles.

"Sirius, wo treibst du dich wieder herum? Du solltest bei deiner Cousine Bellatrix im Abteil Platz nehmen. Du wirst doch nicht woanders sitzen wollen."
"Aber Mutter, das kannst du ruhig mir überlassen, wo ich sitze. Ich steig jetzt ein. Tschüss Mutter. Wir sehen uns in 10 Monaten zu Schulschluss." Ich hatte mich interessiert umgedreht. Da stand ein Junge in meinem Alter, mit dunklen Haaren und sah seine Muter höchst gelangweilt an.

"Du wirst dich unterstehen Junge! Zu Weihnachten kommst du nach Hause. So wie jedes Jahr wird die gesamte Familie Black gemeinsam feiern."
"Ach ja? Na da freu ich mich aber schon darauf." sagte es, und verschwand im Zug.

Na der schien ja richtig froh zu sein, von zuhause wegzukommen. Ich verabschiedete mich von meinen Eltern und stieg ebenfalls ein. Es war gar nicht so einfach ein leeres Abteil zu finden. Der Junge, der Sirius genannt wurde saß in einem Abteil, wo noch zwei Plätze frei waren.
"Ist hier noch frei?" und auf die zustimmende Antwort hievte ich meine Koffer ins Gepäcknetz und nahm Platz. Neugierig sah ich mich um. Am Fenster saßen sich zwei Mädchen gegenüber. Eine hatte rote Haare, Sommersprossen und grüne Augen, die andere hatte braunes langes gewelltes Haar, braune Augen und an ihren Fingern 10 Ringe - eine Heeling-hands - als ich damals gebissen wurde, hatte mich auch eine betreut, da sie in St. Mungos mit meinen Verletzungen überfordert waren. Auf diese Weise blieben keine Narben zurück, aber gegen meine Verwandlungen konnte auch sie nichts machen.

Die beiden Mädchen unterhielten sich aufgeregt kichernd. Sirius, der selbst erst kurz vor mir das Abteil betreten hatte versuchte auf sich aufmerksam zu machen, hatte damit aber nicht allzu viel Erfolg. Ihm gegenüber saß ein dunkelhäutiger etwas älterer Junge, der gelangweilt in einem Buch blätterte. Ich setzte mich neben Sirius: "Hi, ich heiße Remus und komme zum ersten Mal nach Hogwarts."
"Hi, ich bin Sirius, und auch ich bin neu. Und ihr beiden Hübschen am Fenster?" herausfordernd sah er zu ihnen hin.
"Ich heiße Lily"
"Und ich Miranda; und wir sind auch beide neu." Aber nach dieser kurzen Vorstellung vertieften sie sich sofort wieder in ihr Getuschel.

Der Junge gegenüber tat, als würde er sie nicht bemerken. Da ging die Tür auf und ein bleicher schwarzhaariger Junge betrat das Abteil. "Ist hier noch frei?" murmelte er und auf unser Nicken beförderte er seinen Koffer mit einem Schlenkern seines Zauberstabes in das Gepäcksnetz. Das ließ sogar den Jungen gegenüber aufsehen. "Hi, ich heiße Paul Jordan, und du?" fragte er den Neuangekommenen.

"Severus, Severus Snape." Sirius und ich hatten verblüffte Blicke ausgetauscht. Ja, ich hatte auch schon ein paar Sprüche geübt, aber ohne Zauberspruch zu zaubern, das schafften Schüler vor der ersten Klasse im Normalfall nicht. Ich sah mir Severus genauer an. Er war ziemlich dürr und hellhäutig, und seine schwarzen Augen hatten eine Kälte und Unnahbarkeit an sich, die mich davon abhielt mit ihm ein Gespräch anzufangen. Seine schwarzen Haare wirkten ungepflegt und seine Nase schien zu groß für sein Gesicht. Er war mir nicht unbedingt sympathisch, aber ich wollte nicht vorschnell ein Urteil fällen. Sirius hingegen schien ganz in Ordnung zu sein. Wir unterhielten uns während der Fahrt und so verging die Zeit wie im Flug.

In Hogsmead angekommen wurden wir Erstklassler aufgerufen zum See mitzukommen. Dort warteten einige Boote auf uns. Sirius und ich bestiegen eines, gemeinsam mit zwei anderen Jungen. Der eine war klein und untersetzt und sah ziemlich furchtsam drein, der andere hatte schwarzes ungezähmtes Haar und wirkte bloß neugierig. "Hi ich bin James, und das hier ist Peter, und ihr seid?"
Wir stellten uns vor und dann ging die Fahrt über den See auch schon los. Es war ein überwältigender Eindruck, als Hogwarts vor uns auftauchte, in dem Moment verstummten sogar Sirius und James, die zuvor ständig den Mund offen hatten.
Wie überrascht waren wir, als uns der Hut alle vier nach Gryffindor einteilte. Und auch die beiden Mädchen Lily Evans und Miranda Aquila, die mit uns im gleichen Abteil saßen wurden zu Gryffindors. Und der dunkelhäutige Junge Paul Jordan stellte sich als Sechstklässler aus Gryffindor heraus. Nur Severus, der die ganze Zugfahrt über kein Wort mit uns gesprochen und seine lange Nase in einem Buch vergraben hatte, kam nach Slytherin. Aber er schien auch gar nichts anderes erwartet zu haben, so hochnäsig nahm er es zur Kenntnis.

Bereits in den ersten Wochen entwickelte sich zwischen Sirius, James und mir eine Freundschaft. Wir verstanden uns auf Anhieb, hatten ähnliche Interessen, und verbrachten die meiste Zeit miteinander. Auch Peter versuchte immer wieder sich uns anzuschließen, und obwohl er nicht wirklich in unsere Runde zu passen schien, ließen wir ihn doch an den meisten Unternehmungen teil haben.

Nur wenn es wieder Vollmond wurde, begab ich mich zu Direktor Dumbledore und er geleitete mich durch einen Geheimgang zu einer Hütte am Rande von Hogsmead. Dort sperrte er mich ein und holte mich am nächsten Tag wieder ab. hier verbrachte ich also nun meine Vollmondnächte. Allein. Die Verwandlungen waren schmerzhaft und kosteten mich immer wieder viel Kraft. Und mit der Zeit war es schwierig, meinen Freunden gegenüber immer wieder neue Ausreden zu erfinden. Sie bemerkten ja, dass ich regelmäßig weg war, und sie sahen, dass es mir in den Tagen danach auch ziemlich schlecht ging. Aber das erste Jahr überstand ich noch mit diesem Geheimnis auf dem Herzen.

Nur eine Person bekam mit, was mein Problem war: Miranda. Sie war es, die eines abends, es war die Nacht nach Vollmond und ich hatte mir einige Wunden zugezogen, die von der Heilerin erstversorgt worden waren, und konnte nicht schlafen, auf mich zukam und mich fragte, ob sie mir helfen dürfe. Ich erschrak, und wollte nicht, dass sie mich berührte, aber sie ließ mein Widerstreben nicht zu, legte mir ihre Hände auf und heilte meine Wunden zur Gänze. Dann sah sie mir ernsthaft ins Gesicht und fragte: "Willst du nicht darüber sprechen? Es muss doch sehr schlimm sein, allein diese Nächte durchzustehen."
Ich hab sie erschrocken angesehen, wusste doch nicht, wieso sie wissen konnte, aber da hat sie bloß ihre Hände gehoben und gemeint: "Ich kann mit meinen Händen nicht nur heilen ich spür auch Krankheiten auf, und was du hast, ist doch eigentlich eine Krankheit, oder?"
Sie hat keine Angst oder Ablehnung gezeigt, sie war fürsorglich und besorgt um mich. Bisher waren nur wenige Menschen mit der Tatsache, dass ich ein Werwolf war so umgegangen.
"Du bist nicht geschockt? Ängstlich? Angeekelt?" ich sah sie mit großen fragenden Augen an.
"Wieso sollte ich? Nur leider, kann ich dir bei dieser Krankheit nicht helfen. Das liegt nicht in meiner Macht. Aber wenn du mal jemanden zum Reden brauchst, bin ich gern bereit dir zuzuhören." und fügte dann noch hinzu, "Aber vielleicht solltest du deinen Freunden Bescheid sagen. James und Sirius scheinen zwar ein paar Wirrköpfe zu sein, die allerlei Dummheiten im Kopf haben, aber ich denke, wenn du ehrlich zu ihnen bist, wird das eurer Freundschaft gut tun."
Ihre Worte hatten mich nachdenklich gestimmt. Aber es den beiden zu erzählen, dazu war ich nicht fähig - noch nicht.
Erst im zweiten Schuljahr, es war kurz vor Halloween, passten sie mich ab, als ich von meinem Vollmondversteck zurückkam und stellten mich zur Rede. Und da konnte ich nicht mehr anders, ich musste es ihnen erzählen. Und ihre Reaktion? Also zuerst waren sie stumm - ein außergewöhnlicher Zustand - aber dann "Und wieso hast du uns das bisher nicht gesagt?" fragte James mich irritiert.
ich hatte Angst, er würde sich jetzt von mir abwenden: "Ich musste Dumbledore versprechen es geheim zu halten, schließlich sollte keine Panik aufkommen." traurig sah ich zu Boden.
Sirius kam zu mir und legte mir die Hand auf die Schulter: "Aber wir sind doch deine Freunde, uns hättest du es doch sagen können. Oder glaubst du, das wäre ein Grund, unsere Freundschaft zu beenden?" Ich sah hoch und beiden sah ich an, dass sie die Tatsache, dass ich mich einmal im Monat zu einem gefährlichen Raubtier verwandelte, nicht bekümmerte. Sie sahen den Menschen in mir, nicht die Bestie. Für sie war ich Remus, ihr Kumpel und ich war so erleichtert wegen ihrer Reaktion, dass ich ihnen vor Freude um den Hals fiel.


Durch ein Klopfen an der Tür wurde Remus Erzählung unterbrochen. Eine Schülerin richtete Remus aus er möge zu Professor Dumbledore kommen.
"Tut mir leid Harry, aber ich muss jetzt gehen. Aber wenn du willst können wir das jederzeit fortsetzen."
"Und ob ich will. Danke dir. Ich bin begierig mehr zu hören."
Und beide verließen das Zimmer. Lupin um zu Dumbledore zu gehen und Harry um in den Gemeinschaftsraum der Gryffindors zu gelangen.


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Ungelesener BeitragVerfasst: 26. Februar 2006 20:49 
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28. Geburtstagsgeschenke

Harry war seltsam zumute. Remus hatte einfach zu erzählen begonnen. Aus seiner Sicht, wie ihre Freundschaft seinen Lauf nahm. Ja Harry hatte auch einige Fragen. Aber er wollte gern, dass Remus zuerst erzählte, was ihm in den Sinn kam und erst danach nachfragen.

Und da war ja auch noch Miranda. Sie hatte doch gesagt, er könnte ihr jederzeit schreiben. So setzte er sich noch vor dem Abendessen hin und schrieb ihr mit ähnlichen Worten, wie er es Remus erklärt hatte, und brachte den Brief auch gleich zu Hedwig.

In der Eulerei traf er Claire. Aber sie schien nicht zum Briefe aufgeben hierher gekommen zu sein, sondern stand nur an der Brüstung und sah in die Ferne.
"Claire? Was tust du da?" fragte Harry.
Sie drehte sich beinah erschrocken um, sie war so sehr in Gedanken gewesen, dass sie ihn nicht gehört hatte: "Ich denk mich fort." und auf Harrys unverständigen Blick: "Ich denk an Beauxbatons, an Lee, an Italien, ...................... ich fühl mich hier so fehl am Platz. Ich gehör nicht hierher. Ich versuche mir klar zu werden, was ich tun soll: bleiben oder gehen."

"Wieso willst du weg? Willst du nicht deinen Abschluss machen? Du hast doch deine Cousins hier, und Michel, und mich............" Harry stockte.
"Das stimmt wohl, aber ich weiß nicht, wo ich hingehöre. In letzter Zeit will ich ständig weg. Egal wo ich bin, ich will weg. Ich war auch einen Tag zu Hause, und auch das war nicht das richtige. Ich bin so unruhig und kann es nicht greifen wieso. Ich hab das Gefühl etwas wichtiges vergessen zu haben, und kann mich nicht erinnern. Ich glaub etwas zu versäumen und hab keine Ahnung was. Aber sieh mich nicht so zweifelnd an . Ich krieg mich schon wieder ein. Aber ich mag diesen Zustand der Unwissenheit nicht. Ich weiß, dass irgendetwas geschehen wird und wüsste gern im Vorhinein Bescheid."
Sie schien wirklich hin und hergerissen zu sein, aber er konnte ihr wohl dabei nicht helfen. "Aber bis du weißt, was du tun sollst, könntest du ja Abendessen mitkommen."
"Tja, so gesehen, hast du eigentlich recht." und sie grinste ihn an und sie gingen gemeinsam zur großen Halle.

Luna hatte keine Zeit mehr für ihn, und so ging er wieder zurück zum Gemeinschaftsraum. Er hatte Snapes Aufgabe noch nicht fertig, und war sich auch nicht sicher, wie er es angehen sollte. Auch Ron war damit beschäftigt, und auch wenn er den letzten Trank ganz brauchbar geschrieben hatte, fiel es ihm diesmal schwer. Claire saß an ihrem Tisch und war mit Briefe schreiben beschäftigt, als Ron sich räusperte, und so lang räusperte, bis sie zu ihm hin sah. "Hast du Halsschmerzen? Oder einfach Durst? Vielleicht solltest du zu Mme Pomfrey gehen ........................" und dabei sah sie ihn herausfordernd an. "Oder gereicht es, wenn ich einen Blick auf deine Aufgabe werfe ?" und dabei verdrehte sie gekonnt die Augen, wartete auch gar keine Antwort ab, und rückte näher zu Ron heran. "Lass mal sehen. Was hat er euch überhaupt aufgegeben?" Und sie ging mit ihm und auch mit Harry die von ihnen gefundene Zutatenliste durch, bemängelte hier etwas, schlug eine andere Zutat ergänzend vor, und in weniger als einer halben Stunde, hatten beide Jungs ihre Arbeit fertiggestellt.


"Danke, du hast mir den Abend gerettet" seufzte Ron theatralisch und er erhob sich um gleich darauf vor ihr auf die Knie zu sinken, und zu fragen: "Mylady, was kann ich ihnen zum Dank für sie geschehen machen? Soll ich den Drachen für sie erlegen und ihnen feste Schühchen aus seiner Haut formen?" Die Umstehenden waren auf ihn aufmerksam geworden und fingen hellauf zu lachen an.

"Oh edler Ritter, lasst doch den Drachen leben, meine zarten Füßchen wollen nur gar selten Schuhwerk tragen. Aber ein Butterbier als Bezahlung wär nicht so übel." und Claire lachte ebenfalls, und reichte Ron die Hand um ihm aufzuhelfen.
"Ihr seid so gütig edle Maid. Ich werde eilen um ihren Wünschen Folge zu leisten. Noch jemand hier, der Lust auf Butterbier hätte?"
Und einige meldeten sich und so zog Ron in Begleitung zweier anderer Schüler los, und kam kurz darauf mit einigen Flaschen Butterbier und etlichen Kuchen wieder zurück. "Tja, einiges hab ich ja doch von meinen Brüdern gelernt. Die Hauselfen waren wieder mal ausgesprochen freundlich."

Es wurde noch einige Zeit getratscht und gelacht und Ron saß neben Claire und unterhielt sich vor allem mit ihr.
Als sie später in ihrem Schlafraum waren, saß Ron noch auf der Bettkante und grübelte. "Was ist los mit dir? Bist du nicht müde?" fragte ihn Harry.
"Oh müde schon. Ich hab aber noch über Claire nachgedacht. Sie ist doch eigentlich schwer in Ordnung."
"Ja da stimm ich dir zweifellos zu, aber ich schlaf jetzt trotzdem. Gute Nacht Ron"
"Gute Nacht Harry." und er saß noch eine Weile einfach so da bis auch er sich hinlegte und schon bald das Geräusch des ruhigen Atmens der Jungs das Zimmer füllte.



Die Unterrichtsstunden bei Hagrid stellten sich diese Jahr als so lehrreich wie noch nie heraus. Das lag zwar nicht unbedingt an Hagrid, war aber Nebensache. Jim und Jules duellierten sich verbal mit Michel, der heute Rückendeckung von Claire bekam. und das, was einer der vier erklärte, blieb den Umstehenden wie von selbst in Erinnerung. Alle vier beherrschten es perfekt, andere durch ihre Art zu sprechen zu begeistern, und sie konnten ihrer Aufmerksamkeit gewiss sein.
Harry bemerkte das aufs neue und war wie schon zuletzt erstaunt, aber zugleich erfreut. Hagrid lebte auf, da seiner Stunde soviel Aufmerksamkeit zuteil wurde, und Harry hatte nicht das Gefühl noch allzu viel in dem Fach lernen zu müssen, prägte sich doch das Vorgetragene wie von selbst in sein Gedächtnis ein.

Claire und Michel steckten ständig die Köpfe zusammen, was ihm von Blaise Zabini ein paar strafende Blicke einbrachte. Aber mittlerweile störte es Michel schon nicht mehr, dass seine Mitschüler aus Slytherin gegen seine Freundschaft mit Claire eingestellt waren. Beim Mittagessen machte sich Draco mal wieder über ihr Aussehen lustig, und sie tat als hörte sie ihn nicht. Aber Jim und Jules konnten sich furchtbar darüber aufregen, und Hermine und Ginny hatten Mühe die beiden davon abzuhalten auf Draco loszugehen.

Und dann hatten sie auch noch Verteidigung gegen die dunklen Künste gemeinsam. Wie es Harry nach den Aussagen der Zwillinge schon vermutet hatte, wurde heute nichts von den Patroni erwähnt, sondern darüber gesprochen, dass fortgeschrittene Zauberei bedeutete, auch ohne die laute Äußerung des Zauberspruchs zu zaubern, was im Kampf von Vorteil sein sollte, und dass die besten der Magier auch keinen Zauberstab zur Bündelung ihrer Kräfte benötigten.

"Ihr müsst euch ja nur daran erinnern, wie ihr als Kinder wohl schon so manchen Zauber zuwege gebracht habt. Oft ohne es bewusst zu wollen, aber diese Zauber waren wohl nicht wirklich klar gelenkt. Aber ein Zauberer, der es wirklich beherrscht kann allein durch die Kraft seiner Gedanken ohne irgendein Hilfsmittel zaubern."
"Aber Prof. Lupin, sagt man diese Kunst nicht vor allem den schwarzen Magiern nach?" fragte Neville.

Remus sah ihn an: "Im Prinzip ja, aber es kommt nicht auf die Form der Magie, ob schwarz oder weiß drauf an, sondern nur auf die Macht des Zauberers. Bzw. und das ist wohl das, was du gemeint hast, gibt es auch die Möglichkeit diese Macht zu vererben, und da ist geschichtlich nur von den schwarzen Magiern die Rede. Aber man sollte nicht immer alles glauben, was geschichtlich überliefert ist ...." und er warf einen schnellen Blick in die Klasse, aber Harry konnte nicht erkennen, wem sein Blick gegolten hatte.

Aber, und seine Gedanken schweiften jetzt ab, wie war das doch auf ihrer Zugfahrt zu Schulbeginn gewesen? Draco war entwaffnet worden, und keiner im Abteil hatte den Zauberstab gezückt, und keiner hatte einen Zauberspruch geäußert. Harry sah zu Draco hinüber und dieser warf ihm giftige Blicke zu. Ob er wohl gerade das gleiche gedacht hatte? Wenn ja, so glaubte er vielleicht noch immer, dass Harry es gewesen war, der ihn entwaffnet hatte. Sollte er nur. Es konnte nicht schaden, wenn Malfoy ein wenig Respekt vor ihm hatte.

Der Nachmittag ging rasch vorbei und als Harry nach dem Abendessen in den Gemeinschaftsraum kam, sah er verwundert, was dort aufgebaut war. Zwei riesige Torten mit jeweils 17 brennenden Kerzen darauf. Ja richtig - der Geburtstag der Zwillinge. Hermine hatte ja auch vor vier Tagen Geburtstag gefeiert, aber nur halb so aufwändig.

Die Gryffindors gratulierten ihnen und bei der Tortengröße gingen sich für alle mehrere Stück aus. Und von ihrer Cousine bekam jeder ein kleines Päckchen. Harry war sehr erstaunt, als sie es öffneten: in jedem lag ein Stein so cirka in Faustgröße. Harry dachte zuerst an einen Scherz, aber der Gesichtsausdruck der Jungs zeigte ihm, dass das ein durchaus ernstgemeintes Geschenk war. Jims Stein war eher rundlich und fast schwarz. Jules Stein war deutlich kantiger und grau weiß.

Ron stieß ihn an und flüsterte: "Ist das wirklich das, was ich vermute? Das sieht so aus, als wären es Kraftsteine." und auf Harrys unverständigen Blick erklärte Ron: "Für jeden Menschen existieren ein Paar solcher Steine. Aber es ist kaum einem Zauberer möglich seine zu finden. Nur Hexen, die auf besondere Weise mit dem Zauberer verbunden sind, und einige besondere Kräfte besitzen können diese Steine für den Zauberer finden. Und sie bewirken, das die Kraft des Zauberers verstärkt werden kann, und zwar nicht für alltägliche Belange, aber zum Beispiel am Nachttisch aufgestellt, wirken sie und im Falle eines Kampfes verdoppeln sie die Kraft von so manchem Zauber."

Und Ron schien recht zu haben, so wie sich Jim und Jules bei Claire bedankten. "Wie kommst du darauf, uns dergleichen zu schenken? Wir haben das doch gar nicht verdient." stammelte Jim. Aber Claire lachte und meinte: "Die sind mir zufällig in die Quere gekommen. Aber so ein Volljährigkeitsgeburtstag verdient doch schon etwas Besonderes." und sie grinste die beiden an und meinte dann noch: "Aber eigentlich bekommt man auf eure Torte ziemlichen Durst." Und Jules schwenkte seinen Zauberstab, murmelte leise und schon war der Tisch mit allerlei Getränken gedeckt und sie feierten noch bis spät in die Nacht hinein.

Später in ihrem Zimmer, platzierten die beiden ihren Stein auf dem jeweiligen Nachttisch. Neville trat hinzu und meinte: "Wie könnt ihr wissen, dass es der richtige Kraftstein ist?"
Aber Jim ergriff seinen Zauberstab und berührte damit seinen Stein und der begann zu leuchten und in allen Farben zu schillern.
Jules forderte Neville auf, das bei seinem Stein zu machen. Aber als Neville mit seinem Stab den Stein berührte passierte nichts. Erst als Jules den seinen nahm und ihn auf den Stein richtete, begann auch der zu leuchten und zu glänzen. Und auch als Harry schon im Bett lag leuchteten die beiden Steine noch immer, nur langsam wurde ihr Leuchten schwächer bis es schließlich ganz erlosch. und beide Steine wieder unscheinbar und wohl von anderen unerkannt auf den Tischen lagen.


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Ungelesener BeitragVerfasst: 26. Februar 2006 20:49 
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29. Nachsitzen bei Snape

Snapes Unterricht war anstrengend wie immer. Sie wurden aufgefordert, den selbst komponierten Trank zu brauen, und das nahm die meiste Zeit in Anspruch. Harry arbeitete gewissenhaft und bemühte sich, sich nicht ablenken zu lassen. Aber Snape hatte scheinbar ein neues Opfer gefunden. Er war ziemlich gereizt in die Klasse gekommen, hatte Dean angebrüllt und sogar Draco angeknurrt. Aber jetzt konzentrierte er sich voll und ganz auf Claire. Es war schwierig sich auf den eigenen Trank zu konzentrieren und nicht auf Snapes Tun zu lauschen.

„Was glauben sie eigentlich, wo sie hier sind? Was soll das hier ihrer Meinung eigentlich werden? Sie verwenden hier einige besondere Zutaten und wiegen sie nicht einmal ab, benutzen keine Uhr, um die Zeit zu kontrollieren. Sind sie etwa der Meinung, dass das, was sie uns in der ersten Unterrichtsstunde über Braukunst erzählt hatten, für alle gilt, nur nicht für sie?“ Snape hatte sich vor Claires Platz aufgebaut und brüllte sie zusammen.
Aber wobei andere zusammenzuckten, schien sie keineswegs zu tangieren.

„Hätten Sie die Güte Sir, das Ergebnis zu beurteilen und nicht meine Arbeitsweise? Und wenn ich glaube weder Waage noch Uhr zu benötigen, dann geht Sie das überhaupt nichts an.“ und sie arbeitete bei diesen Worten einfach weiter.
Snape schien zu explodieren. „20 Punkte Abzug für Gryffindor wegen Frechheiten. Und heute Nachsitzen für dich. Nach dem Abendessen kommst du zu meinem Büro.“ und ohne sie noch eines Blickes zu würdigen, machte er kehrt, setzte sich an seinen Tisch und vergrub seine Nase in einem großen Buch. Harry war froh, dass dieser Streit vorüber war. So hätte er sich nicht konzentrieren können. Und es war mal nicht er selbst, dem Snape Punkteabzug für Gryffindor beschafft hatte. Aber sie hatte auch schon einige Pluspunkte gesammelt, bei anderen Lehrern, die tatsächlich fair beurteilten und nur ihren Einsatz belobigten.

Am Ende der Stunde hatte jeder seinen Trank abgegeben und beim Hinaufgehen zum Mittagstisch, gab es aufgeregtes Gemurmel: „Musste das schon wieder sein? 20 Punkte Abzug.“ und Ron verdrehte die Augen, „Sie legt es scheinbar wirklich darauf an. Vielleicht sind sie sich ja doch ähnlicher als ich bisher gedacht habe.“ Hinter ihnen ertönte lautes Gelächter. Jules versuchte krampfhaft sich zu beruhigen: „Lass sie das aber bitte nicht hören .........................ich fürchte, für diese Aussage wäre sie böse auf dich.“ aber aufgrund seines Lachens war es nicht erkennbar, ob er das ernst meinte oder nicht.

Harry fand an diesem Nachmittag keine Zeit für Luna, aber nach dem Abendessen kam sie zu ihm. „Hast du noch ein wenig Zeit? Ich brauche dich.“ ihre Worte waren leise gemurmelt und sie sah auch nicht fröhlich sondern eher traurig und nachdenklich aus. Natürlich hatte er Zeit für sie. Er hätte noch ein paar Dinge für den morgigen Unterricht zu erledigen gehabt, aber Luna war im Moment wichtiger. Und so gingen sie die Gänge entlang, treppauf, treppab, und irgendwann verzogen sie sich in ein leerstehendes Klassenzimmer.

Luna erzählte ihm dabei von ihren Ängsten, einem Gefühl von Unzulänglichkeit, das sie seit ein paar Tagen befiel und nicht losließ, es aber auch nicht zu greifen war, wo der Grund dafür lag. Sie wurde bloß immer unruhiger und besorgter. Hatte das Gefühl etwas wichtiges zu übersehen. Etwas, sehr wichtiges sogar.
Jemandem, der ihrer Hilfe bedurfte, der Ernsthaftigkeit dessen Problems sie aber nicht bemerkte.
„Ich bin schon beinah jede einzelne Person in meinem Umkreis durchgegangen, aber nichts – ich komm nicht darauf, wer so große Probleme hat.“ und sie barg ihr Gesicht in ihren Händen.
„Hast du schon mit Claire gesprochen? Die fühlt allem Anschein eine ähnliche Unruhe wie du. Sie hat auch gemeint sie hätte das Gefühl etwas wichtiges vergessen zu haben.“

Und sie berieten sich noch einige Zeit. Dabei saßen sie eng umschlungen vor dem einzigen Kamin in der Klasse am Boden, in dem sie ein wärmendes Feuer entzündet hatten. Harry hatte seinen Arm um sie gelegt und trotz ihrer Sorge und ihrem ernsten Gespräch fühlte es sich gut an. Sie im Arm zu halten, zu reden, zwischendurch ein sanfter Kuss, ein tiefer Blick in ihre Augen. Irgendwann hatte auch sie sich beruhigt und genoss es sichtlich von Harry festgehalten und geküsst zu werden.
„Danke, dass du dir Zeit für mich genommen hast.“ meinte sie jetzt zu ihm, „Das bedeutet mir viel.“
„Und für mich ist es selbstverständlich. Wenn ich dir schon sonst nicht helfen kann, so will ich zumindest zuhören.“

Und obwohl Harry genau wusste, dass er noch einiges für den morgigen Unterricht zu erledigen hatte, konnte er sich einfach nicht von ihr trennen. Erst als Lunas Blick auf ihre Uhr fiel und sie erschrak, da es bereits kurz vor Mitternacht war, rafften sie sich auf, trennten sich aber schon vor der Klasse. Wenn sie schon um diese Zeit erwischt würden, dann doch besser allein, als gemeinsam, sonst könnten die Lehrer ja noch auf falsche Gedanken kommen. Harry gelangte ungesehen in seinen Gemeinschaftsraum. Hier war es schon ziemlich ruhig, nur vereinzelt waren noch Schüler zu sehen. Ron war gerade im Begriff seine Sachen zu packen, und grinste ihm entgegen: „Na, wo hast du dich denn herumgetrieben? Und vor allem mit wem?“ Aber Jules stieß ihn von der Seite an und meinte: „Aber Ron, so was fragt ein Mann von Welt doch nicht. Der denkt sich höchstens seinen Teil.“ Und beide begannen zu lachen.
„Ihr könnt ruhig lachen, aber ich muss noch einiges für die Schule erledigen.“ Harry bemühte sich mitleidserweckend auszusehen.

„Ja, ich werde an dich denken, wenn ich demnächst in meinem kuscheligen warmen Bett liege und beruhigt, da ich für morgen alles erledigt habe, einschlafen kann“ grinste Jules. „Ron kommst du mit?“
Der angesprochene wandte sich ihm zu und musterte ihn von oben bis unten: „Also, mir ist deine Vorliebe für rote Haare ja bereits aufgefallen, aber bisher dachte ich, das bezieht sich nur auf Mädels.“ und er trachtete bei dieser Aussage ernst zu bleiben.
Doch Jules begann zu zittern und hob abwehrend die Arme: „Dein vorheriger Gedanke stimmte, ich finde rotes Haar durchaus entzückend, aber auf Jungenköpfen interessiert es mich nicht die Bohne.“ und erneut kicherten beide los.
Harry beobachtete sie. Es war schön zu sehen, dass sich die beiden Jungs, deren Freundschaft ihm zur Zeit am wichtigsten war, mittlerweile sehr gut zu verstehen schienen. Und ihre dummen Späße deuteten darauf hin. Sie konnten über den gleichen Unsinn lachen. „Aber jetzt zieht euch besser zurück, und wenn ich bitten darf, jeder in sein eigenes Bett, sonst komm ich nie zu meinen Arbeiten.“ Und Harry packte seine Hefte aus und begann eilig mit den Arbeiten.

Ron und Jules wünschten ihm noch eine gute Nacht, Jim, der am Kamin mit Hermine gesessen hatte tat es ihnen gleich und auch Hermine stieg zu ihrem Schlafraum. „Vielleicht solltest du mit deinen Arbeiten etwas früher beginnen Harry. Du brauchst doch deinen Schlaf.“ „Ja Mami, ich werde es mir zu Herzen nehmen.“ antwortete er ohne hochzusehen. „Frecher Junge. Kein Benehmen die heutige Jugend, wenn sie mit Erwachsenen sprechen.“

Harry konnte sich endlich konzentrieren und erledigte das notwendige Pensum doch schneller als befürchtet. Aber trotzdem war es bereits kurz vor ein Uhr und so packte er rasch zusammen um auch endlich schlafen zu gehen, als die Tür zum Gemeinschaftsraum aufging und Claire hereinkam. Da fiel es ihm auch wieder ein: sie hatte ja Nachsitzen bei Snape verordnet bekommen. Aber wie sah sie denn aus? Ihr Gesicht und ihre Augen gerötet. Sie musste einige Zeit geheult haben um so auszusehen.
„Claire, was ist mit dir?“ fragte er entsetzt.
„Ach Harry!“ schluchzte sie und warf sich ihm um den Hals. Sie umklammerte ihn und begann erneut zu schluchzen und schien sich überhaupt nicht mehr zu beruhigen. Harry stand ziemlich hilflos da, das einzige was er tun konnte, war seine Arme um sie zu legen und ihr tröstend über das Haar zu streichen.
„Was ist denn geschehen? Beruhig dich doch erst mal? Und erzähl. Hat dir Snape was getan?“

Langsam verebbte das Schluchzen und sie versuchte wieder in normalem Rhythmus zu atmen. Sie ließ ihn los und fuhr sich mit dem Handrücken über das nasse Gesicht. Harry kramte in seinen Taschen nach einem Taschentuch und hielt es ihr hin. Seine rechte Schulter, an der sie gelehnt hatte war von ihren Tränen nass.
Sie trocknete ihr Gesicht und er fragte erneut: „Jetzt fang bitte nicht wieder an, sonder erzähl mir ganz von Beginn: Was war los, das dich so aufgebracht hat?“

Und dabei zog er sie sanft aber nachdrücklich mit sich und drückte sie aufs Sofa, setzte sich zu ihr und schaute sie erwartungsvoll an.

Sie schluchzte noch mehrmals auf und begann: „Also, ich weiß nicht, zu Beginn des Nachsitzens war alles in Ordnung. Auf Severus Tisch lag sogar offen die Beurteilungsliste unserer Tränke vom Vormittag und neugierig wie ich nun mal bin, hab ich nen Blick darauf geworfen und hab gesehen, dass er mir meinen mit O beurteilt hat. Dabei hatte ich schon befürchtet, dass er ihn einfach nicht beurteilen würde, so verärgert wie er war. Jedenfalls hatte ich mir vorgenommen, mich nur ja nicht wieder danebenzubenehmen, schließlich hätte ich mir für den heutigen Abend was anderes vorgenommen – Michel war etwas sauer auf mich – aber ja, es war jetzt nicht mehr zu ändern.“ Immer wieder wurden ihre Worte durch ein Aufschluchzen unterbrochen. „Ich war ja gespannt, was für eine Strafe er mir auferlegen würde, aber es war dann ganz interessant. Er hatte in einem alten Lagerraum diverse Kräuter und Essenzen, und fertige Tränke entdeckt und die sollten wir nun benennen und ob ihrer Brauchbarkeit untersuchen. Das ist eine Arbeit, die ich sogar sehr gern mache, habe ich auch schon einige Male. Wenn jemand den Nachlass eines Verstorbenen aufzulösen hatte, hab ich oft die Kräuter sortiert und überprüft.

Und dass Severus, mir diese Arbeit zutraute, zwar unter seinen sehr gut beobachteten Blicken, - ja, da hab ich mich eigentlich ganz toll und zufrieden gefühlt, hatte ich doch den Eindruck, dass er mir meine Fähigkeiten auf dem Gebiet zumindest nicht aberkannte und überprüfen wollte. Ich bemühte mich, nicht zu reden, nur das Notwendigste, die Kräuter betreffend. Aber nach zwei Stunden waren wir schließlich in ein heftiges Gespräch über die Herstellung von Medizinaltränken vertieft und ich hatte das Gefühl er akzeptierte mich fast als gleichwertige Diskussionspartnerin.

Aber dann klopfte es und Remus kam herein, er hatte kurz mit Severus was zu besprechen, und als er mich sah machte er ein paar persönliche Bemerkungen zu mir, ich kann mich gar nicht mehr erinnern, was es war, aber als er wieder draußen war, war Severus wie ausgewechselt. Er knurrte, war unfreundlich wie zuvor, sprach kein Wort, korrigierte mich, wo ich doch recht hatte und ich wurde so nervös, wusste ich doch nicht, weshalb er so reagierte. So nach und nach, aufgrund ein paar hingeworfener Wortfetzen bekam ich den Eindruck, er würde meinen, Remus sei mein Vater. Diese Erkenntnis erstaunte mich so sehr – mal ehrlich – aber mit Remus hab ich doch wirklich keine Ähnlichkeiten, oder? – und es passierte mir ein kleiner Zuordnungsfehler und darauf schien er nur gewartet zu haben. Er keifte mich an, sagte er hätte ja gewusst, dass er mich mit solch einer verantwortungsvollen Tägtigkeit nicht betreuen könnte und daraufhin bin ich dann auch ausgerastet. Wir haben uns ziemlich übel beschimpft, und als er angefangen hat gegen meine Mutter zu lästern bin ich rausgerannt. Aber nachdem die Tür hinter mir zu war, Hab ich zu heulen begonnen und nicht aufgehört bis ich hier war. Oh Harry, ich hasse ihn!“ Und wieder kullerten, die bereits versiegten Tränen über ihr Gesicht. „Ich hasse diesen Kretin!“

Harry hatte erneut Mühe sie zu beruhigen, und endlich als sie sich wieder etwas gefasst hatte meinte er zu ihr: „Jetzt hörst du mir aber mal zu. Wenn es ihn so aufregt, dass du möglicherweise Remus Tochter sein könntest, dann bedeutet das aber auch, dass du ihm nicht egal bist. Und deine Mutter wohl auch nicht. Du hast erzählt, er hat sie mal geliebt. Wenn er jetzt sieht, dass sie eine so wundervolle Tochter hat, und sein Erzfeind Lupin der dazugehörige Vater – das muss ihn doch aus der Ruhe bringen. Das heißt aber, dass es die Umstände sind, die ihn stören, nicht du bist es. Zuerst hat er dich ja angenommen wie du bist, und es waren deine Worte, wohl auch anerkannt.
Das einzige, was ich nicht verstehe, wieso denkt er gar nicht darüber nach, dass er dein Vater sein könnte?“

Sie schniefte nochmals auf: „Das wäre unlogisch. Ich hab doch einen Tag nach dir Geburtstag, also 1. August, und Severus war damals zum Jahreswechsel mit Mutter zusammen. Ja – und ne Schwangerschaft dauert nun mal im Normalfall 9 Monate, ich bin aber ein Siebenmonatskind, ich war anscheinend schon immer sehr sehr neugierig und hab’s nicht länger ausgehalten, und wollte gucken, was auf dieser Welt so los ist.“ endlich huschte wieder ein zartes Lächeln über ihr Gesicht. „Das heißt: auch wenn er sich meine Unterlagen durchgesehen hätte, könnte er nicht zu dem Schluss kommen.“

Harry dachte nach: „Dabei müsste er sogar eher zu dem Schluss kommen, dass deine Mutter bereits schwanger war, als die beiden zusammenkamen?“

Claire sah ihn jetzt erstaunt an: „Wieso bin ich da nicht draufgekommen? Ja klar, das würde es zwangsläufig bedeuten. Da darf es mich wirklich nicht wunderen, dass er sauer ist. ..................................... Vielleicht sollte ich den Abend noch mal in Ruhe Revue passieren lassen. In Gedanken.“

„Tu das. Du wirst sehen, du hast deine Augen ganz umsonst so malträtiert.“ und Harry wollte aufstehen, aber da sie an ihn gelehnt lag schaffte er es nicht und plötzlich merkte er an ihrem ruhigen Atmen, dass sie eingeschlafen war. Der Abend war wohl zu anstrengend gewesen für sie. Er versuchte sie sanft beiseite zu schieben, was ihm aber nicht gelang. Und wecken wollte er sie auf gar keinen Fall, wusste er doch, dass sie so oft unter Schlafproblemen litt. Also griff er kurzerhand seinen Zauberstab, verbreiterte das Sofa, legte sich so gut es ging bequem hin, dabei hatte er nach wie vor den Arm um sie geschlungen, und zauberte noch eine große Decke über sie beide. Und es dauerte nicht lange, da war auch er eingeschlafen.

„Harry Potter – Harry Potter – Harry Potter muss jetzt aufwachen“ was war denn jetzt schon wieder los, er war doch erst eingeschlafen.
Vor dem Sofa stand Dobby und zupfte an ihm. „Es wird gleich hell und die anderen Schüler werden in den Gemeinschaftsraum kommen. Harry Potter sollte vorher aufstehen, bevor sie dumme Reden führe über ihn und Missis.“ Harry sah, dass es bereits dämmerte und musste Dobby recht geben. Das hätte wohl wirklich ein dummes Gerede gegeben. Er kletterte über Claire, die noch immer schlief und bedankte sich bei Dobby bevor er zu seinem Schlafraum hochstieg. An der Tür drehte er sich nochmals um. Wie friedlich sie jetzt da lag. Und wie viel Kummer sie doch oft belastete.


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Ungelesener BeitragVerfasst: 26. Februar 2006 20:49 
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30. doch noch: Hogsmead

Harry widerstand der Versuchung sich noch mal hinzulegen und ging gleich unter die Dusche. In Gedanken ließ er den Abend Revue passieren: Zuerst Luna, die ihm ihr Herz ausgeschüttet hatte, und deren Gegenwart er so genoss, und dann die in Tränen aufgelöste Claire, die zuletzt vor Erschöpfung in seinen Armen eingeschlafen war, wobei er Dobby recht geben musste: für die anderen Schüler wäre es wohl ein seltsamer Anblick gewesen sie beide auf dem Sofa liegend. Aber was Harry vor einem Monat noch unvorstellbar gewesen wäre: heute kam es ihm selbstverständlich vor, dieses Mädchen, das er doch noch gar nicht so lange kannte, und ihm trotzdem bereits so vertraut war, einfach in seinen Armen zu halten, ohne Scheu, und es als das Natürlichste der Welt betrachtend. Was war sie eigentlich für ihn? Gestern Abend, als sie so hilflos heulend und verzweifelt sich in seine Arme geschmiegt hatte, da war es ihm vorgekommen, als würde er wie ein großer Bruder seine kleine Schwester trösten und beschützen.

Beschützen? Sie, die tagsüber so tough und stark auftrat, über ein Wissen verfügte, dass einen Schulbesuch schon nicht mehr rechtfertigte, Fähigkeiten besaß wie keine andere, auch wenn sie selbst dazu sagte, es wäre ihr lieber, wenn sie sie nicht hätte, dass sie für sie nur eine Last bedeuteten, dass sie lieber das Leben einer "normalen" durchschnittlich begabten Schülerin geführt hätte, wenn sie dafür manches, was passiert war, ungeschehen machen könnte.

Aber nachts, wenn sie schlafen sollte, da wurde aus ihr das kleine ängstliche Mädchen, dass sie sonst nicht zeigte. Sie war zusammengekauert eingeschlafen, wie ein Ungeborenes im Mutterleib, auf engstem Raum zusammengerollt, möglichst wenig Angriffsfläche bietend, und auch in der selben Stellung gelegen, als Dobby Harry weckte. Harry spürte, dass diese Schlafstellung viel mit Angst zu tun hatte. Wenn er so die anderen in seinem Schlafsaal betrachtete: Ron schlief zumeist auf dem Rücken liegend ein, lang ausgestreckt, ohne einen Anflug von Furcht. Dean schlief meist am Bauch, ebenfalls lang ausgestreckt. Seamus hatte fast immer den Vorhang von seinem Bett zu, ebenso Jim, über den Harry nach wie vor nicht allzu viel wusste.
Aber Jules störte der Vorhang, er schlief, eher sich unruhig im Bett wälzend, aber das Fenster neben ihm musste stets geöffnet sein, er hatte selbst mal gesagt: "Ich komme mir eingesperrt vor, und glaube keine Luft zu bekommen, wenn ich das Fenster mal nicht öffnen kann" Der einzige, der auch so eingerollt wie Claire einschlief, war Neville. Auch ihn plagten wohl einige Ängste, kein Wunder, bei dem was seinen Eltern zugestoßen war. Aber selbst Neville streckte sich über Nacht, und des morgens lag er, alle viere von sich gestreckt auf dem Rücken. Er schien im Traum zu wachsen und an Stärke zu gewinnen.

Aber Claire hatte ihre Schlafstellung nicht verändert. Was sie wohl träumen mochte, das ihre Ängste nicht vertreiben konnte?

Jim war der erste, der anderen Jungs, der auch in der Dusche erschien. Er sah Harry forschend an und dieser hatte das Gefühl, als würde er durchleuchtet.
"Danke"
Was war das gewesen? Hatte Jim wirklich einfach danke gesagt, oder hatte Harry sich verhört?
"Wie meinst du das?" fragte er deshalb nach.
Aber Jim grinste ihn jetzt an und meinte: "Ich bin in der Nacht wach geworden und hab euch auf dem Sofa schlafend gesehen. Und danke deshalb, weil du dich allem Anschein nach, in die Reihe von Lee und Jules und mir einreihst, und ganz selbstverständlich die Beschützerrolle übernommen hast. Sei dir sicher: sie gestattet es nur wenigen, ihr so nahe zu kommen und sie schwach zu sehen. Das heißt: sie vertraut dir voll und ganz. Also tu ich es auch. Und du musst nicht glauben, dass ich nicht sehr wohl permanent ein Auge auf sie habe. Auch wenn es vielleicht den Anschein hat, als wäre Jules besorgter um sie als ich, dem ist nicht so. Ich kann es bloß nicht so zeigen wie er."

Harry war über Jims Worte erstaunt. Ja, es stimmte schon: Jules schien mehr besorgt um seine Cousine, aber dass Jim das störte, dass das so aussah, war Harry bisher nicht in den Sinn gekommen.

Jetzt kamen auch die anderen herein und Jim schien das Gespräch für beendet zu halten. Aber Harry nahm sich vor, öfter mal mit ihm zu sprechen. Er wusste wohl wirklich noch sehr wenig über ihn.

Der restliche Tag verlief ziemlich reibungslos. Claire wirkte beim Frühstück eher angespannt, und erwartete wohl, dass sie Snape, ob ihres kommentarlosen Verschwindens von ihrem Nachsitzen zur Rede stellen und ihr erneut eine Strafe aufbrummen würde, aber er beachtete sie gar nicht. Nach dem Abendessen erhob sich Dumbledore und richtete das Wort an sie: "Wie sie wohl noch in Erinnerung haben, wollten wir zuerst die Ausflüge nach Hogsmead streichen. Aber das Ministerium hat uns mitgeteilt, dass zur Zeit wieder etwas mehr Ruhe eingekehrt ist, und ihnen keine unmittelbare Gefahr droht. Also haben wir entschieden, dass diejenigen von ihnen, die die Erlaubnis haben, am Samstag nach Hogsmead dürfen. Sie werden allerdings mit den Kutschen hin und wieder zurück gebracht und müssen uns versprechen den Ort nicht zu verlassen um sich nicht in Gefahr zu begeben." Seine Augen streiften dabei über den Saal und blieben merklich etwas länger auf Harry ruhen.

Zuerst fiel Harry in den Jubel der anderen mit ein, aber dann wurde er nachdenklich. Galt Sirius Erlaubnis noch, nachdem er tot war? Was, wenn sie ihn nicht mit den anderen ins Dorf ließen? Sollte er wieder auf eigene Faust losziehen, oder war das wirklich zu waghalsig?

Doch da war auch bereits McGonagall bei ihm und schien seine Gedanken zu erraten. "Mr. Potter, ihre vorherige Erlaubnis ist ja nun nicht mehr gültig, aber mittlerweile sind drei unterzeichnete Erlaubnisscheine für sie eingetroffen, also spricht nichts dagegen, dass auch sie nach Hogsmead mitgehen. Aber versprechen sie mir, dass sie vorsichtig sein werden, und nichts allein unternehmen, das sie in Gefahr bringen könnte."
Harry hatte ihren Worten erstaunt gelauscht und fragte: "Haben die Dursleys für mich unterschrieben?"
Ein Lächeln huschte über McGonagalls Gesicht: "Nein ihr Onkel und ihre Tante haben damit nichts zu tun. Aber um ihre Neugier zu stillen: eine Unterschrift ist von Philomenea Black, als Frau ihres Paten zeichnungsberechtigt, eine Unterschrift von Professor Remus Lupin, als bestem Freund von ihrem Vater und ihrem Paten, und eine von Miranda Aquila, als bester Freundin ihrer Mutter. Direktor Dumbledore hat entschieden, dass eigentlich jede einzelne Unterschrift für sich gegolten hätte. Aber sie sollten sich bewusst sein, dass diese Personen gehöriges Vertrauen in sie setzen, also enttäuschen sie sie bitte nicht." und damit verschwand sie wieder Richtung Lehrertisch.

Harry war baff. Die Mutter der Zwillinge Philomenea kannte ihn doch gar nicht, Miranda hatte ihn auch erst einmal gesehen, und Remus hatte bisher nicht den Eindruck gemacht, auch noch Harrys Vormund sein zu wollen. Aber als er zum Lehrertisch hochsah, zwinkerte Remus ihm zu, und Harry fühlte sich mit einem Mal unheimlich gut. Und er hatte nicht vor, dieses Vertrauen zu missbrauchen. Er würde sich nicht von den anderen absetzen und es einfach genießen, mal einen Tag außerhalb der Mauern von Hogwards verbringen zu können.

Und am Freitag Abend kam Claire noch zu ihm. Sie sah ihn etwas verlegen an, fing dann aber doch zu sprechen an: "Fass das jetzt bitte nicht als Bevormundung auf, aber wenn hier ein Schüler eventuell in Gefahr geraten könnte, dann wohl doch du. Riddle hat es sicherlich noch nicht aufgegeben dich vernichten zu wollen, und wer zur Zeit zu seinen Anhängern zählt, weiß wohl niemand außer ihm selbst. Schließlich beherrscht er auch den Imperius-Fluch perfekt, also könnte es jeder Dorfbewohner sein."

Harry hatte ihr erstaunt zugehört - erstaunt nicht über die Tatsache, dass sie meinte er könnte in Gefahr sein, sondern über den Namen Riddle. "Warte einmal: ich hab die meisten von Ihm-dessen-Name-nicht-genannt-werden-darf sprechen hören, seine Anhänger nennen ihn den dunklen Lord, und wenige nennen ihn Lord Voldemord, aber fast niemand nennt ihn bei seinem richtigen Namen, außer vielleicht Prof. Dumbledore. Also weshalb du?"

Claire sah betreten zu Boden: "Entschuldige, aber:
ich nenn ihn sicher nicht den dunklen Lord
ich fürchte mich nicht vor Namen
und ich finde es auch nicht gerechtfertigt ihn mit Lord Voldemort anzusprechen, das klingt wie ein Künstlername, bloß für welche Kunst?
Ich kenne seinen richtigen Namen von Remus, also wieso sollte ich nicht diesen Namen verwenden? Er ist Tom Riddle, ein Zauberer mit besonderen Fähigkeiten, ein Zauberer mit einer bösen Vergangenheit, einer, der zu Recht als Verbrecher, als Mörder, als Diktator bezeichnet werden kann. Aber keiner, vor dem ich den Hut ziehen würde. Und wenn, dann hab ich Angst vor ihm als Person, aber nicht vor seinem Namen."

Ja, wenn man es so sah. Sie hatte wohl recht. Lord Voldemort klang für sich schon in gewissem Maß furchteinflößend, Tom Riddle war ein Name wie jeder andere auch.
"Darf ich jetzt trotzdem fortsetzen?" sie sah ihn fragend und stirnrunzelnd an.
"Sorry, bitte fahr fort."
"Also, was ich sagen wollte: Minerva McGonagall hat es ja bereits gesagt: Begib dich bitte nicht in Gefahr. Und damit du eine mögliche Gefahr, die doch nicht sofort als solche erkennbar sein muss, erkennst, würde ich dich bitten, dieses Armband für den Hogsmead-Ausflug zu tragen." Sie hielt ihm ein etwa vier Zentimeter breites Metallarmband entgegen, das mit sieben dunklen Steinen besetzt war. Es sah ziemlich unscheinbar aus, und er fragte sich, was es damit für eine Bewandtnis hatte.

"Wenn du das trägst, wird es dich wie ein Spikoskop vor Gefahr warnen. Wenn du in eine Situation gerätst, wo dir etwas zustoßen könnte - egal ob ein Sturz in die Tiefe, oder ein Todesser vor dir, so beginnen diese Steine zu leuchten, und je nach dem Grad der Gefahr leuchtet bloß einer oder alle sieben. Einer könnte auch bedeuten, dass ein Lehrer um die Ecke kommt, wenn du gerade mit Luna schmusend am Gang stehst" und Claire konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen "Kann auch ganz nützlich sein, nicht wahr? Aber ab drei oder vier heißt es wirklich besondere Vorsicht - wenn alle sieben leuchten, dann bist du schon so gut wie tot, und nur ein besonders glücklicher Zufall wird dich noch retten können." Ihr Gesicht war nun wieder ganz ernst, und sie schien wirklich zu meinen, was sie sagte. "Meine Mutter hat mir dieses Armband geschenkt, nachdem ... " und anstatt weiterzusprechen, fuhr sie mit den Fingern über ihre Narbe, "Und du musst es nicht ständig im Auge behalten, es wird warm, wenn leichte Gefahr besteht, und heiß bei ernster Gefährdung. Aber am Besten wäre, du bleibst in der Nähe der anderen. Tust du mir den Gefallen und trägst es?" sie sah ihn bittend an. Harry war sich etwas unschlüssig, aber andererseits hatte sie Recht: es war wohl wirklich nicht sofort erkennbar, wer eine Gefahr darstellen würde und wer nicht.
"Ja, wenn du es mir anvertraust. Aber deine Mutter hat es doch für dich besorgt."
"Oh keine Angst. Ich bin sehr vorsichtig geworden. Und ich hab inzwischen andere Möglichkeiten Gefahr zu erkennen. Manchmal rieche ich sie beinahe." und sie blähte ihre Nasenflügel. Harry musste lachen, er hatte diese Angewohnheit schon einige Male bemerkt, wenn sie im Gemeinschaftsraum schlief und in Jules oder Jims Armen ruhte, dann blähte sie die Nasenflügel auf die gleiche Art, schien die Sicherheit zu wittern und schlief beruhigt weiter.

"Außerdem werde ich kaum allein unterwegs sein, sondern eher ständig in Begleitung. Michel hat mich gefragt, ob ich eh mit ihm ins Dorf gehe. Lee will auch kommen, und Jim und Jules entgeh ich auch nicht. Ich werde wohl froh sein, wenn der Tag wieder vorbei ist und ich mich zurück ziehen kann."
Aber diesen Worten folgte ein freches Grinsen. Nein, bei allem was Harry bisher mitgekriegt hatte, war Claire eher froh, wenn sie ihren "Bruder" Lee treffen konnte, Michels Gegenwart tat ihr auch gut und gerade sie war diejenige, die es nicht lange an einem Ort, in dem Fall Hogwarts aushielt.
"Und wie regelst du deine Gegenwart zwischen deinem Bruder und deinem Freund?"
"Tja, das wird sich zeigen. Ich hab versucht Michel klarzumachen, dass Lee wirklich wie ein Bruder für mich ist. Aber sehr begeistert ist er nicht.
Und Lee hat es noch nie gemocht, wenn ich in seiner Gegenwart einen Jungen geküsst habe. Und dass das auch noch ein Slytherin sein muss. Das könnte durchaus anstrengend werden." sie verdrehte ihre Augen und meinte dann noch: "Aber ich sollte zumindest schauen, dass ich so halbwegs ausgeschlafen bin. Also Gute Nacht. Ich zieh mich dann in meine Kemenate zurück." und sie verschwand.

Harry hatte mit Luna ausgemacht, gemeinsam nach Hogsmead zu gehen, bzw. eben mit den Kutschen zu fahren. Das Ministerium hatte trotz der etwas entspannteren Lage ein paar zusätzliche Wachen abgestellt, die sich mit ihnen auf den Weg nach Hogsmead machten. Auch einige Lehrer begleiteten sie. Unter anderem auch Severus Snape. Und Harry hatte den Eindruck, als würde er es darauf anlegen, die gleiche Kutsche wie Claire zu nehmen, aber dem konnte sie geschickt ausweichen. Dafür teilte sich jetzt Harry mit Luna und Claire und Michel die Kutsche. Michel hatte sofort den Arm um Claire gelegt und sie eng an sich gezogen und geküsst. "Und es lässt sich nicht verhindern, dass du deinen Bruder triffst?" fragte er sie. "Ich hab dir das schon mal erklärt. Ich werde das nicht noch mal tun. Entweder du akzeptierst das oder nicht." Claire schien schon ziemlich verärgert zu sein. "Okay, ich hab verstanden. Aber ich hätte dich halt gern für mich allein." Harry konnte Michel gut verstehen. Wenn ihm Luna eröffnet hätte, sich noch mit jemandem anderen treffen zu müssen, wäre ihm das wohl auch nicht Recht gewesen.
Claire sah ihn nochmals skeptisch an: "Ich fühl mich einerseits geschmeichelt, andererseits hab ich nun mal mein Leben, Freunde außerhalb Hogwarts und das sollte dir durchaus bewusst sein. Du hast doch auch ein Vorleben, und ich frag dich ja auch nicht danach." Aber Michel sah so aus, als ob er alles über sie wissen, und vollen Anteil an ihrem Leben haben wollte.

In Hogsmead herrschte ein munteres Getümmel. Bereits nach den ersten Häusern sahen sie einen Stand von Fred und George. Sie hatten diesen Ausgang der Schule dazu benutzt, ihr Geschäft in London für einen Tag zu schließen, und ihre Erfindungen den Schülern anzubieten. Die Zwillinge begrüßten sie stürmisch und Harry hätte fast vergessen, dass sie ja auch Claire kannten. Diese umarmte die beiden, was Michel nicht zu gefallen schien. Und da war auch schon Lee, und dem fiel sie so ungestüm um den Hals, dass sich Michel umdrehen musste, und so tat, als ginge ihn das nichts an. Aber nach dieser kurzen aber intensiven Begrüßung bezog Claire Michel mit ein, und die beiden Jungs beäugten sich ziemlich skeptisch und gar nicht freundschaftlich.

Harry wurde von George in Beschlag genommen, der ihm seine neuesten Erfindungen präsentierte und auch sogleich einige Dinge einpackte. Fred hatte Claire ein paar Zettel zugesteckt, die sie aber kommentarlos einsteckte und ihn auf einen späteren Zeitpunkt vertröstete. Dann war sie auch schon mit ihren beiden Begleitern in der Menge verschwunden.

Jetzt waren auch Ron, Ginny und Jules eingetroffen. George begrüßte seine kleine Schwester überschwänglich, und so konnte sich Harry loseisen. Er wollte ein wenig mit Luna durch den Ort schlendern und sich später mit den anderen bei Mme Rosmerta treffen. Er hatte seinen Arm um Luna gelegt, sie plauderten und Harry bemerkte von einigen der Umstehenden leicht skeptische Blicke ob seiner Begleiterin. Aber jetzt machte ihm das nichts mehr aus. Er hatte sich in Luna verliebt, und er stand zu seinen Gefühlen.

Er hatte gar nicht bemerkt, dass sie ziellos den Weg in eine Seitengasse eingeschlagen hatten. Erst als er gewahr wurde, dass es hier so ruhig war, sah er sich um und registrierte, dass sie allein waren. Aber Luna schmiegte sich noch enger an ihn und küsste ihn und er erwiderte ihren Kuss, und so standen sie eng aneinandergeschmiegt, und froh, allein zu sein.

Bis ein heftiges Brennen an seinem linken Handgelenk ihn zusammenzucken ließ. Er krempelte seinen Ärmel hoch und sah mit Bestürzung, dass vier der sieben zuvor schwarzen Steine in kräftigem grün leuchteten. Er hatte Luna schon zuvor die Bedeutung dieses Armbandes erklärt und auch sie wurde unruhig. Sie sahen sich um, waren aber allein in der Gasse. Trotzdem wollte Harry zur Sicherheit auf die Hauptstraße zurückkehren, als zwei Personen in die Gasse einbogen, ein Mann und eine Frau. Sie schienen sich zwanglos zu unterhalten und sie gar nicht zu beachten, aber ein weiterer Stein begann zu leuchten. Sowohl Harry, als auch Luna hatten die Hand an ihrem Zauberstab unter dem Umhang, bereit zu reagieren. Im Normalfall hätte Harry den beiden Personen wohl keine Beachtung geschenkt. Wie sicher war jetzt dieses Armband wirklich? Da erklang hinter den beiden ein Rufen: "He, da seid ihr ja. Wir haben euch schon gesucht. Ihr wolltet doch mit zu Mme Rosmerta kommen?" Ron, Ginny, Jules, Jim und Hermine standen dort beisammen. Die beiden Fremden auf der Straße sahen sich kurz um, setzten dann aber ihren Weg fort. Und langsam erlosch das Leuchten der Steine wieder. Harry hatte das Gesicht der Frau nur kurz gesehen, hatte aber das Gefühl ihr schon mal begegnet zu sein. Die Freunde waren nun bei ihnen angekommen, und nachdem sie ihre nachdenklichen Gesichter gesehen hatten, fragten sie besorgt nach dem Grund.

Als Harry seine Schilderung beendet hatte, sahen sich Jim und Jules kurz an: "Gehen wir erst mal zu Mme Rosmerta. Dort angekommen trat Jim zu ihr hin und fragte sie leise nach etwas. Sie schien zu überlegen, deutete dann aber mit der Hand nach oben zu ihrem Extrastübchen. Sie nahmen sich Getränke mit und gingen hinauf. Die Wirtin mit ihnen. Und sie kramte kurz in einem Kasten, nahm dann eine Art Wahrsagekugel heraus und übergab sie Jim. Der stellte sie auf den Tisch in der Mitte des Raumes. In dem Moment betraten Remus Lupin und Severus Snape das Zimmer. "Was geht hier vor?" fragte Snape auch sogleich, als er der Kugel gewahr wurde. Jim übernahm es mit wenigen Worten die Situation zu erklären.

Dann forderte er Harry auf, das Armband abzunehmen und auf die Kristallkugel zu legen. Dann sollte er die zuvor leuchteten Steine mit seinem Zauberstab nacheinander berühren. Harry hatte Angst, dass man ihn mit Luna knutschend in der Kugel erkennen könnte, aber dem war nicht so. Man sah zuerst die leere Gasse und dann die beiden Personen, die sich näherten. Und als der fünfte Stein berührt wurde, sah man die Gesichter viel deutlicher als zuvor. Und jetzt wusste Harry auch woher er sie kannte. Aber Snape kam ihm zuvor: "Bellatrix!" murmelte er erschrocken. Ja sie war es wirklich: Bellatrix Lestrange, die vor einigen Monaten Harrys Paten Sirius durch den Vorhang gestoßen hatte. Aber er war ja nicht bloß Harrys Pate. Harry sah sich um und richtig: Jim und Jules Gesichter waren ganz weiß geworden.
"Wo ist sie hin?" fragte Jules jetzt mit zitternder Stimme.
Aber keiner konnte ihm darauf Antwort geben. Remus und Severus sahen sich kurz an, befahlen ihnen noch kurz hier zu bleiben und liefen dann hinaus. Bellatrix Lestrange, nach der im ganzen Land gefahndet wurde, hier in Hogsmead, unter all den Ministeriumsleuten und Hogwartslehrern!

Nun herrschte ein noch aufgeregteres Gemurmel als zuvor. Bellatrix war dafür bekannt nicht zimperlich zu sein. Und es war ihr egal, ob sie einen Erwachsenen, Jugendlichen oder ein kleines Kind tötete. Und auch, ob Unbeteiligte dran glauben mussten. Sie war die treueste Dienerin ihres Herrn Lord Voldemort. Sie würde jeden Auftrag ausführen, den er ihr übertrug.

Harry hatte sich so auf diese Kugel und dann auf die Nerozwillinge konzentriert, dass er Luna für kurze Zeit aus den Augen verloren hatte. Erst ihr Schluchzen ließ ihn wieder an sie denken und er eilte zu ihr um sie in den Arm zu nehmen. Erst jetzt, als ihr so richtig bewusst worden war, dass sie beide tatsächlich in Gefahr gewesen waren, fiel die Anspannung von ihr ab und sie verfiel in ein Schluchzen, von dem sie sich erst nach einiger Zeit erholte. Aber auch alle anderen waren blass geworden und nachdenklich. Hermine und Ron wohl vor allem um Harry besorgt, Jim und Jules ob der Anwesenheit der Mörderin ihres Vaters wütend und bestürzt zugleich. Was hätten sie wohl getan, wenn sie sie erkannt hätten?
Bellatrix Lestrange - die Cousine ihres Vaters.

Laute Stimmen klangen von unten vom Lokal zu ihnen herauf, dann erschien Prof. McGonagall in der Tür. Sie war bleich und extrem besorgt.
"Ich muss euch bitten mir zu den Kutschen zu folgen. Bellatrix Lestrange hier im Dorf, so nah bei Hogwards. überall im Dorf wird nach ihr gesucht. Und ihr müsst jetzt schnellstens mit mir mit ins Schloss." In dem Moment ging erneut die Tür auf und Direktor Dumbledore kam herein. "Einen Augenblick bitte noch Minerva. Harry, könntest du mir vielleicht noch mal zeigen, was du gesehen hast?"
Und Harry tat wie ihm geheißen und wieder war eindeutig Bellatrix in der Kugel zu sehen. Albus Dumbledore schien auch nicht erstaunt, hatte er doch schon davon gehört, aber er trat jetzt näher an die Kugel heran und strich mit seiner Hand darüber als würde er sie drehen wollen und jetzt erst kam Bellatrix Begleiter ins Bild. Er war mit fast zur Gänze übergezogener Kapuze aber nicht zu erkennen. Erst eine erneute Geste Dumbledores bewirkte, dass die Kapuze verrutschte und man das Gesicht des Mannes erkennen konnte.
Harry stockte der Atem: "Tom Riddle" entfuhr es ihm, und erst viel später erinnerte er sich, dass es das erste Mal war, dass er seinen Erzfeind bei seinem richtigen Namen genannt hatte.

Minerva McGonagall war noch blässer geworden und drängte nun noch mehr, schnell diese Gefahrenstätte zu verlassen. Es dauerte wohl einige Zeit, bis alle Schüler wieder wohlbehalten die Schule erreicht hatten und sie wurden zur Sicherheit einige Male durchgezählt. Die Neuigkeit von der Anwesenheit Lord Voldemort im Dorf hatte sich wie ein Lauffeuer verbreitet und bot Gesprächsstoff für das ganze Wochenende. Aber es schien jetzt auch klar zu sein, dass das wohl für lange Zeit ihr letzter Ausflug nach Hogsmead gewesen sein dürfte.


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Ungelesener BeitragVerfasst: 26. Februar 2006 20:49 
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31. nächtens

Im Tagesprophet erschien ein längerer Bericht über die Suche nach Lord Voldemort und Bellatrix Lestrange. Das Ministerium hatte eine Unzahl an Leuten mobil gemacht, aber erfolglos. Niemand sonst hatte die beiden gesehen, und wenn Harry nicht das Armband gehabt hätte, wüsste wohl auch keiner davon. Dumbledore hatte Harry und Luna noch am Samstag Abend in sein Büro gebeten, und nachdem er gehört hatte, dass Harry dieses Armband von Claire bekommen hatte auch sie dazu gerufen.

"Mrs Aquila, ich muss mich bei ihnen bedanken. Ich hätte wohl selbst auf die Idee kommen können Mr Potter im Besonderen zu schützen. Woher haben sie dieses Armband eigentlich?"
"Meine Mutter hat es mir gegeben. Und sie hat es von Mater Major. Das war noch bevor ich sie selbst kennen lernte."
"Die gute Anastasia. Ja, sie hat wohl so einige nützliche Dinge in ihrem Besitz. Und sie weiß, wann sie damit jemand anderem Gutes tun kann. Ich wollte sie schon längst einmal besuchen, hab es aber immer wieder verschoben. Hast du sie in letzter Zeit getroffen?"
"Ich war zwei Wochen in den Ferien mit ihr unterwegs. Sie hat mich ja als Mentorin unter ihre Fittiche genommen. Bei ihr lerne ich vieles, was ich im Schulalltag nie zu hören bekäme."

Dumbledore sah sie nachdenklich an: "Das stimmt natürlich - leider. Aber für die alten Künste Lehrkräfte zu bekommen ist auch mehr als schwierig. Und diejenigen, die sich darauf verstehen, würden ihr Wissen auch nicht unbedingt en gros weitergeben."
"Aber es gäbe schon auch einiges, das für viele von Nutzen sein könnte. Und die wahren Geheimnisse der Hexenkunst blieben trotzdem gewahrt."
Harry hatte interessiert zugehört. Er hatte keine Ahnung wovon die beiden jetzt sprachen. Aber dass es noch viel mehr zu erfahren gäbe, als hier in der Schule zu lernen war, wurde ihm immer klarer.

Dumbledore bat Harry nochmals, auch Claire das Bild der beiden, Voldemort und Lestrange zu zeigen. Sie besah sich das ganze ein zweites Mal und meinte dann: "Macht einmal die Augen zu." Und Harry musste ein drittes Mal nacheinander die Steine mit seinem Zauberstab berühren. Und mit geschlossenen Augen hörte er es auch. Zu Beginn ein ganz leises Plopp, bevor die beiden in der Gasse erschienen, und zum Schluss, nachdem sie aus ihrem Blickfeld verschwunden waren erneut ein Plopp. Beides sehr leise, aber trotzdem war es klar, dass es vom Apparieren herrührte.
Da konnten die vom Ministerium lange suchen, wenn Bellatrix und Riddle nur so kurz in Hogsmead gewesen waren.

Harry wandte sich jetzt an Dumbledore: "Aber Sir, mich wundert, dass sie nur deshalb nicht angegriffen haben, weil die anderen in der Gasse erschienen sind. Es wäre doch ein leichtes für sie gewesen uns trotzdem zu töten."
"Ja, vielleicht. Aber Riddle muss gemerkt haben, dass du gewarnt warst. Und verzeih, dass ich das so offen ausspreche, aber er hat ja schon mal gezeigt, dass er sich nicht nur deinen Tod wünscht, sondern das entsprechend zelebrieren will. Und dafür fehlte ihm die Zeit. Und ich frage mich, ob es Zufall war, dass die Nerozwillinge und die anderen gerade zur rechten Zeit kamen?" und dabei sah er Claire forschend an.

Diese sah leicht verlegen zu Boden: "Tja, ich hab weder Jim noch Jules gesagt dass ich Harry das Armband gegeben haben, und nachdem sie es sich zur Aufgabe gemacht haben, meine Beschützer zu spielen, haben sie instinktiv mitbekommen, dass das Armband Alarm gemeldet hat. Ich hab mit ihnen gesprochen. Sie waren etwas böse mit mir, haben aber inzwischen eingesehen, dass es ganz nützlich war, dass sie im rechten Moment aufgetaucht sind. Und Harry wäre es sicher nicht recht gewesen, wenn die beiden absichtlich seine Observierung übernommen hätten. Und ............... ja und ich war ganz froh, dass ich aus ihrem Schussfeld war. Ich hatte genug zu tun meine beiden Begleiter in Abstand voneinander zu halten."
Dumbledore sah sie daraufhin schmunzelnd an: "Ich wusste ja, wieso ich dich so lange bedrängt habe hier auf die Schule zu kommen. Du denkst mit, wenn ich aufs denken vergesse."
Daraufhin überzog doch tatsächlich eine leichte Röte Claires Gesicht, was ihr einen süßen unschuldigen Ausdruck gab.

Die allgemeine Aufregung legte sich in den nächsten Tagen langsam und der Schulalltag hatte sie wieder. In Tränke musste Harry leider feststellen, dass nun er selbst wieder in Snapes Schussfeld geraten war, er bemühte sich allem Anschein nach Claire zu ignorieren, und sie trachtete danach nur nicht aufzufallen.

Und Abends war sie kaum im Gemeinschaftsraum anzutreffen, was ihr einige Male böse Blicke ihrer Cousins einbrachte. Aber auch diese waren nicht nur mir Schulischem beschäftigt. Jules hatte nicht aufgegeben Ginny zu umwerben und nun sah man die beiden immer öfter Hand in Hand und eng umschlungen im Gemeinschaftstraum. Ron hatte zu Beginn nicht allzu begeistert ausgesehen aber er schien einzusehen, dass er daran nichts ändern konnte.

Eines Abends als Harry, nachdem er zuvor wieder einmal mit Luna zusammen gewesen war, als einer der letzten bei den Hausaufgaben saß, kamen Jim und Hermine gemeinsam von draußen in den Gemeinschaftsraum. Es war schon nach Mitternacht und Hermine machte ein recht bestürztes Gesicht als sie Harry sah. Sie wandte sich nur kurz an Jim, küsste ihn auf die Wange murmelte ein rasches "Gute Nacht" und war auch schon auf ihrem Zimmer verschwunden. Harry sah ihr verwundert nach. Dass die beiden zusammen waren, war ja allseits bekannt, was machte Hermine jetzt so verlegen? Aber auch Jim fühlte sich nicht so ganz wohl in seiner Haut. Da begann es Harry zu dämmern. Konnte es wirklich sein, dass ............ ?

Er sah Jim erwartungsvoll an, und dieser wusste wohl nicht, ob er bleiben sollte, oder schleunigst in seinem Zimmer verschwinden.
"Sieh mich nicht so an. Ich hab nichts verbrochen. Du triffst dich doch auch öfters mit Luna." ergriff er nun die Initiative.
"Ja tu ich, aber ihr beide seht aus, als hättet ihr ein schlechtes Gewissen." und abwartend ließ Harry ihn nicht aus den Augen.
Harry hatte Jim noch nie mit so einem trotzigen Gesicht gesehen. "Das geht dich doch wohl gar nichts an. Du solltest nicht vergessen, dass wir beide volljährig, und dir sicherlich keine Rechenschaft schuldig sind."

Harry schluckte. Wollte ihm Jim die Feindschaft erklären? Er hatte es doch gar nicht böse gemeint. Aber er selbst war nach wie vor bloß bei eigentlich unschuldigem Geschmuse mit Luna und hatte auch gar nicht vor, das so bald zu ändern. Zumindest bis jetzt, war ihm das auch ganz selbstverständlich gewesen.
Aber Jim hatte wohl eingesehen, dass er zu barsch gewesen war. "Entschuldige Harry, aber die letzten Stunden mit Hermine waren so schön gewesen, und es muss sich ja nicht unbedingt herumsprechen. Ja, wir haben miteinander geschlafen, aber es wäre nett, wenn du das nicht weitererzählst. So was muss nicht Schulthema werden."
Harry war nun erst recht baff erstaunt. Sowohl darüber, dass seine brave, zuvor eher biedere Hermine mit Jim schlief, als auch darüber dass es Jim so ohne weiteres zur Sprache brachte.

"Ich hoffe, du hast jetzt keinen schlechten Eindruck von Hermine. Ich hab sie wahnsinnig gern und ich will nicht, dass jemand schlecht von ihr spricht. Und es hat sich einfach so ergeben. " Er machte eine kurze Pause, "Darf ich dich was sehr persönliches fragen? So verdutzt wie du bist: Hast du schon mal mit einem Mädchen geschlafen?"
"Nein, hab ich nicht, und wenn dir das auch seltsam vorkommen mag: ich hatte bisher auch nicht geglaubt etwas zu versäumen."

Und da schmunzelte Jim und meinte: "Na ja, solange du es so hältst. Aber wenn du erst mal auf den Geschmack kommst, willst du darauf nicht mehr verzichten."
"Du scheinst wohl schon einige Erfahrung auf dem Gebiet zu haben?'"
"Ein wenig. Aber eigentlich auch nicht allzu viel. Da gibt es hier Leute mit mehr ........"
Und in dem Moment öffnete sich die Tür und Claire schlüpfte herein. Und sie war erstaunt noch jemanden wach anzutreffen.
"Na wollt ihr beide heute nicht ins Bett?"
"Und du Cousinchen? Was treibst du um diese nachtschlafende Zeit noch draußen?"

"Och ich war ein wenig spazieren. Oder so."
"Das oder so deutet auf die Anwesenheit Michels hin?'"
"Könnte sein. Aber Harry, was siehst du mich so vorwurfsvoll an?"
"Oh ich denke er überlegt gerade, was du wirklich getrieben hast."
"Ach ja? Und ich denke, ich werde darüber Stillschweigen bewahren. Gute Nacht ihr Lieben." und damit entschwand sie auch auf ihr Zimmer.

Harry sah ihr nach. "Meinst du, dass sie ... ? "
Jim runzelte die Stirn und antwortete: "Tja, nachdem ich meine Cousine kenne: ja. Sie ist nicht ganz das Unschuldslamm, als das sie manchmal erscheint. Aber bevor du schlecht von ihr denkst: sie ist nicht jemand, der gern alleine ist. Es tut ihr gut, wenn sie jemanden hat an den sie sich anlehnen kann. In dessen Beisein sie einfach sie selbst sein und schwach sein darf. Und dass für sie auch dazu gehört, dass sie demjenigen auch körperlich möglichst nah ist ............... Aber ich warne dich: du bekämst Prügel, wenn du dich zu einer abfälligen Äußerung über sie hinreißen ließest."

Nein, das hatte Harry gar nicht vor. Es war nur ein Thema, über das er bisher nicht nachgedacht hatte. Aber das würde er wohl jetzt nachholen.
Und die nächste Zeit beobachtete er seine Mitschüler mit ganz anderen Augen.


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Ungelesener BeitragVerfasst: 26. Februar 2006 20:49 
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32. Halloween

Mittlerweilen war es Ende Oktober. Die Nacht zu Halloween. Das Schloss war festlich geschmückt und es herrschte reges Treiben auf den Gängen. Und Harry hatte es beinah vergessen: aber wie Jules vorhergesagt hatte, roch es in den Gryffindor Räumen wieder nach einem eigenartigen Rauchgemisch. Diesmal hatte er Claire darauf angesprochen und sie hatte ihm erklärt: "Die Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November, und jene vom 30. April auf den 1. Mai, sind die Nächte, wo sich das Reich der Toten dem unseren am meisten annähert. Das finden manche beängstigend, die mit ihren Toten keinen Frieden geschlossen haben, manche nutzen die Gunst der Stunde um Kontakt aufzunehmen. Zu keiner anderen Zeit ist es so günstig und verhältnismäßig einfach." Sie sah Harry dabei abwartend an. Was wollte sie ihm damit sagen? Wäre es wirklich möglich ................ ? Er musste einfach nachfragen.

"Meinst du damit, ich könnte mit meinen Eltern oder Sirius in Kontakt treten?"
"Theoretisch ja, aber ich weiß nicht, ob du wirklich so weit bist. Allein sicher nicht, aber ob ich dir als Stütze genügen würde ......................... ich hab da ein wenig Bedenken ............... ich würde mich wohler fühlen, wenn sich jemand bereit erklärte uns zu begleiten ."
"Begleiten? Wohin?"

"Ja am einfachsten wäre es am Friedhof. Warst du eigentlich jemals am Grab deiner Eltern?"
"Nein, ich weiß gar nicht, wo es zu finden ist. Tante Petunia hat immer gemeint, sie würde keinen Fuß dorthin setzen." Harry war nachdenklich geworden. Abgesehen von seiner Kindheit, wo er noch des öfteren gebettelt hatte, wenigstens auf den Friedhof zu seinen Eltern zu gehen, hatte er später nicht wieder nachgefragt. Aber jetzt hatte er plötzlich das dringende Bedürfnis dorthin zu gelangen.

Halloween - die Nacht der Toten - und es war ja auch zu Halloween gewesen , als seine Eltern den Tod fanden. "Du musst mich dorthin bringen. Bitte."
Aber Claire sah ihn nachdenklich an und meinte dann: "Wir bekommen großen Ärger, wenn man uns dahinterkommt."
"Hat dich das schon jemals von einem Unterfangen abgehalten?"
"Nein, eigentlich nicht. Aber ich bitte dich das Armband wieder zu nehmen. Es wird für mich sonst nicht möglich sein, gleichzeitig wachsam zu sein und eine Verbindung herzustellen. Aber erwarte dir nicht zu viel. Manchmal ist es mir schon gelungen, aber nicht immer. Und es hängt auch davon ab, ob die Toten bereit dazu sind."

Sie beschlossen auf jeden Fall zum Abendessen zu gehen. Es würde viel zu sehr auffallen, wenn sie auch da schon fehlten. Außerdem sollte Harry Luna Bescheid geben, und Claire musste Michel vorspielen dass es ihr nicht so gut gehe, damit er keinen Verdacht schöpfte. Sie hatte zwar Vertrauen zu ihm, wollte ihm aber ihr kurzzeitiges Verschwinden aus dem Schloss nicht im Vorhinein mitteilen, um zu verhindern, dass er sich aus Sorge um sie verplapperte.

Nacheinander verließen sie die große Halle, begaben sich in ihre Zimmer und wie ausgemacht, warf Harry seinen Tarnumhang über und flog auf seinem Besen zum Fenster hinaus. Claire hatte sich mit dem Desillusionszauber unsichtbar gemacht und so gelangten sie ungesehen außerhalb der Mauern von Hogwarts. In einem Gebüsch verbargen sie die Besen, dann ergriff Claire Harry bei den Händen und er spürte einen starken Schwindel, so dass er die Augen schließen musste, und als dieses Gefühl nachließ, machte er die Augen wieder auf und sie befanden sich am Rande eines alten, ziemlich überwucherten kleinen Friedhofs. Harry war plötzlich mulmig zumute. Zum ersten Mal würde er am Grab seiner Eltern stehen. Dass Claire wusste, wo es sich befand, wunderte ihn schon gar nicht mehr. Da ihre Mutter die beste Freundin seiner Mutter gewesen war, kannte sie es wohl. Claire fasste ihn bei der Hand und ging langsam zwischen den Gräbern hindurch. Am anderen Ende des Friedhofes machte sie vor einem unscheinbaren Grab halt. Ein einfacher Stein war an dessen Kopfende, eingemeißelt die Namen:

James Potter
Elizabeth Potter, geb. Evans
gestorben 31.10.1981

Harry hatte erwartet, dass das Grab, das seine Tante wohl nie aufgesucht hatte gänzlich verwachsen und mit Unkraut überwuchert sein würde.
Aber das Grab war über und über von einer Unzahl von blühenden Blumen bedeckt.
Harry schauderte es. Hier ruhten also die sterblichen Ãœberreste seiner Eltern. Er konnte gar nicht anders, er ging in die Knie und begann lautlos zu schluchzen. Zuerst war Claire im Hintergrund geblieben, aber nach einiger Zeit kam sie doch zu ihm, kniete neben ihm nieder und legte den Arm um ihn.

"Harry, ich glaube, das reicht für heute. Lass heute deiner Trauer freien Lauf. Aber verlang nicht von mir sie zu rufen. Sie sind sowieso hier bei dir, aber zu mehr bist du noch nicht bereit.“ Sie strich ihm über die Wange, erhob sich dann und ließ sich in einiger Entfernung auf einer Bank nieder. Harry schaffte es gar nicht ihr zu widersprechen. Hier am Grab seiner Eltern, hatte ihn die Trauer übermannt, und er ließ seinen Tränen ungehinderten Lauf, und auch wenn es schmerzte, so spürte er nach einiger Zeit eine Erleichterung, die er zuvor nicht kannte. Claire hatte ihn genau beobachtet, genauso wie die Umgebung. Aber auch sie schrak zusammen, als sie eine Hand auf ihrer Schulter spürte.

"Was macht ihr hier? Ihr solltet nicht hier sein. Das ist doch viel zu gefährlich." Es war Miranda, die hinter ihr stand mit einem Strauß weißer Lilien in ihren Händen, den sie jetzt zum Grab brachte. "Harry, mir ist klar, dass du diesen Ort endlich sehen wolltest. Aber heute ist es denkbar ungünstig." Auch sie kniete vor dem Grab nieder, entfachte dann eine Unzahl von Kerzen, die sie auf dem Grab verteilte. "Kommt, für heute reicht es. Ich begleite euch zurück."
Harry warf einen letzten Blick zu dem Grab, reichte dann den beiden Frauen seine Hände und sie befanden sich alsbald wieder vor den Toren von Hogwarts. Harry erschrak ungemein, als er Remus Lupin bei dem Gebüsch stehen sah, wo sie ihre Besen verborgen hatten.

"Ihr seid wohl nicht recht bei Trost! Wie könnt ihr es wagen euch von der Schule fortzustehlen? Ihr müsstet doch beide wissen, dass es gefährlich für euch da draußen ist. Ihr werdet beide die kommende Woche jeden Abend zu mir zum Nachsitzen kommen. Euer Leichtsinn wird euch noch mal umbringen. Verzeih Miranda, aber deine Tochter ist mir doch etwas zu übermütig. Kommt jetzt." Und sie folgten ihm eingeschüchtert, aber er ließ zu, dass sie sich wieder unsichtbar machten. Er hatte wohl nicht vor sie vor den anderen bloßzustellen. Dafür hatten sie aber auch eine Woche Strafarbeiten bekommen.

Im Gemeinschaftsraum entschuldigte sich Claire bei Harry: "Verzeih, es war wohl wirklich leichtsinnig von mir, dich dazu anzustacheln. Ich sollte mein vorlautes Maul besser im Zaum halten." Doch Harry entgegnete ihr: "Und ich bin trotzdem froh, dass du mich dorthin gebracht hast. Das ist mir eine Woche Nachsitzen durchaus wert."

Kurz darauf erschien Ron im Schlafsaal und fragte Harry aus, wo er denn gewesen sei. Und er war böse, als er von seinem Ausflug erfuhr. "Früher haben wir die meisten Sachen gemeinsam unternommen. Das scheint wohl schon lange vorbei zu sein. Ich bin wohl nicht mehr gut genug für dich." Die Enttäuschung war ihm anzusehen.
Aber Harry legte ihm die Hand auf die Schulter: "Ron ich hoffe, du bist nach wie vor mein bester Freund. Ich will deine Freundschaft keineswegs missen. Aber es gibt einige Dinge, die mir eben Claire oder Jules nahe bringen können. Das heißt nicht, dass ich dich ausschließen will, aber manches, wie zum Beispiel den Besuch des Grabes meiner Eltern heute, muss ich zuerst allein machen. Kannst du das verstehen?"

"Ja, wahrscheinlich schon. Aber viel Zeit haben wir zuletzt nicht miteinander verbracht."
"Das stimmt schon. Vielleicht können wir das ja wieder ändern."
"Wär schön." nachdenklich sah Ron ihn an. "Da gibt es in letzter Zeit einiges, was ich gern mir dir bequatscht hätte. Aber du bist selten ansprechbar. Und auch wenn ich mich mit Jules ganz gut verstehe, manches bring ich ihm gegenüber nicht über die Lippen."
"Jetzt bin ich hier. Also was gibt es?"
"So auf Kommando ist das schwierig. Aber ich will es versuchen. Was hältst du von der Beziehung von Hermine und Jim? Ich hatte das zu Beginn nicht so ernst genommen. Ich hatte gehofft, das wäre nur von kurzer Dauer. Aber sie machen den Anschein, als wären sie ein Liebespaar, mit allem was dazugehört." und nach einer kurzen Pause fuhr er fort: "Glaubst du sie schlafen mitsammen?"

Harry wollte der Frage am Liebsten ausweichen, aber andererseits wollte er ehrlich zu Ron sein: "Ja, ich glaube schon. Ist das wichtig für dich?"
"Teils, teils. Ich habe zu spät gemerkt, was ich für Hermine empfinde. Aber andererseits hab ich mich im Moment damit abgefunden. Es gibt ja auch einige andere interessante Mädchen im Haus." und jetzt grinste er wieder. "Eine Zeit hätte ich versucht näher an Claire heranzukommen, aber die ist zwar freundlich, doch bestimmt. Erstens sei sie mit Michel zusammen und zweitens würde sie sich nie mit zwei Brüdern einlassen. Nach der Aussage ist sie aber knallrot geworden und hat sich die Hand vor den Mund gehalten. Und ist ziemlich schnell verschwunden. Ich hab dann darüber nachgedacht: sie hat ja selbst gesagt, sie kennt alle meine Brüder, aber ich kann mir nicht vorstellen, wen sie gemeint hat. Hast du eine Ahnung?"

Harry versuchte nachzudenken. Die Zwillinge hatte sie ganz freundschaftlich begrüßt, über Percy hatte sie nicht ganz so wohlwollend gesprochen und Bill und Charley waren doch wohl schon zu alt für sie. "Keine Ahnung. Bist du sicher, dass sie es so gemeint hat? Ich kann es mir nicht so recht vorstellen."
"Na ja, auch egal. Zur Zeit finde ich Parvatti ganz entzückend. Aber manchmal geht sie mir auch gehörig auf die Nerven."

Harry sah ihn jetzt neugierig an: "Darf ich dich was fragen? Hast du schon mal mit einem Mädchen geschlafen?"
Ron versuchte auszuweichen, gab dann aber zur Antwort: "Ja, einmal. Aber du kennst sie nicht. Es war heuer im Sommer, als wir zwei Wochen bei Charley in Rumänien waren. Eine nette junge Hexe, mit der ich mich ungeheuer gut unterhalten habe. Und irgendwie ist es passiert. Aber sie hat mir gestanden, dass sie eigentlich einen festen Freund hat und mir nicht schreiben wolle. Und du? Hast du schon?"
Harry kam sich schön langsam ziemlich seltsam vor: "Nein, hab ich nicht. Aber eigentlich wär ich schon sehr neugierig."

Da ging die Tür auf und Neville kam herein: "Neugierig worauf?"
Und zu Harrys Entsetzen gab Ron die aufrichtige Antwort: "Darauf, wie es ist mit einem Mädchen zu schlafen."
"Ach so. Tja, du wirst schon noch dahinterkommen."
Was sollte das jetzt heißen? Harry fragte nach: "Hast du etwa schon?"
Und jetzt überzog doch eine knallige Röte Nevilles Gesicht: "Ehem, ja. Aber ich bin furchtbar müde und geh jetzt schnell zu Bett." Und er verschwand in den Waschräumen.
Ron und Harry sahen sich verblüfft an. Neville hatte nicht den Anschein erweckt, sich mit Mädchen herumzutreiben. Aber so konnte man sich täuschen.

Die nächsten Abende fand sich Harry regelmäßig mit Claire bei Lupin ein, zum Nachsitzen. Dieser hielt ihnen noch einmal eine Standpauke und fragte, wer auf die blöde Idee zu diesem Ausflug gekommen sei, und sowohl Claire, als auch Harry nahmen die Schuld auf sich.
"Na wenigstens scheint ihr euch zu verstehen. Das hatte ich ja anfangs ganz anders befürchtet. So, aber damit es für euch wirklich ne Strafarbeit wird, dürft ihr jetzt diese Aufsätze der Erstklassler Korrektur lesen und verbessern."

Oje, Harry konnte sich Interessanteres vorstellen, als die krakeligen schriftlichen Ergüsse der Kleinen zu lesen. Die Arbeiten strotzten vor Fehlern. Remus hatte seine Gedanken gespürt: "Glaubst du, du warst in der ersten Klasse viel besser? So strebsam warst du wohl auch nicht, oder?"
Nein, da hatte Lupin wohl wahr. Wie oft war es vorgekommen, dass er seine Arbeiten im letzten Moment in Windeseile hingefetzt hatte. Harry bemühte sich jetzt etwas verständnisvoller zu sein, und so verging der erste Abend eigentlich sehr rasch.

Der November war ziemlich lernintensiv. Sie hatten eine Unzahl von Prüfungen, in fast jedem Fach, und enorm viele Hausaufgaben.
Das Quidditchtrainig war zumeist verregnet und somit nicht allzu beliebt.
Das zweite Match des Jahres zwischen Slytherin und Ravenclaw hatte Slytherin mit 170 : 60 gewonnen.

Außerhalb der Mauern von Hogwarts war das Leben nicht ganz so eintönig. Immer wieder war im Tagesprophet von seltsamen Unfällen zu lesen. In San Francisco war eine große Brücke zur Mittagszeit einfach so eingebrochen und hatte viele Opfer in die Tiefe gerissen. In Island gab es einen Vulkanausbruch unterhalb eines Gletschers, der bewirkte, dass Unmengen von Schmelzwasser mit voller Wucht ins Tal stürzten und die Ringstraße zerstörte, so dass viele Häuser einige Zeit unerreichbar waren.

Immer wieder mussten sie auch bekannte Namen in der Zeitung unter den Todesopfern lesen, und ein paar Mal erkannten sie an den verweinten Gesichtern ihrer Mitschüler, dass erneut ein Zauberer oder eine Hexe ums Leben gekommen waren.
Nie konnte man genau sagen, ob Lord Voldemort seine Finger im Spiel hatte, aber zumeist war das wohl der Fall. Das Ministerium hatte alle Hände voll zu tun, und hatte die Wachen von Hogwarts abgezogen. Sie vertrauten auf den Schutz von Dumbledore. Dieser hatte einige Leute des Phönixordens dazu gewinnen können, immer mal wieder auf dem Schulgelände Wache zu halten. Bill war nun aber bei Fleur, sie hatten trotz allem vor, ihre Hochzeit entsprechend zu feiern. Dafür war Tonks zu ihnen gestoßen, auch wenn sie nicht übermäßig viel Zeit dafür hatte.

Eines Tages sah Harry eine Frau auf dem Gelände, die er zwar noch nie zuvor gesehen hatte, aber sogleich erkannte: groß, schwarzhaarig, schlank, das musste Philomenea Black sein, Sirius Witwe, die Mutter der Zwillinge, Snapes Schwester. Jim und Jules liefen auch auf sie zu und umarmten sie stürmisch. Sie hatten keine Scheu, zu zeigen, dass ihnen ihre Mutter wichtig war. Draco Malfoy, der zufällig in der Nähe stand machte zwar sogleich seine abschätzigen Bemerkungen, fand aber nicht viele Zuhörer. Auch Claire umarmte ihre Tante lachend, und erst jetzt bemerkte Harry Severus Snape, der sie beobachtete.
Von Jules wusste er ja, dass die Geschwister seit Ewigkeiten nicht mehr miteinander gesprochen hatten.
Erst jetzt schien Philomenea ihren Bruder zu bemerken, abschätzend traf ihn ihr Blick und nur kurz nickte sie ihm zum Gruß zu. Er hatte die stürmische Begrüßung der drei mitbekommen, ob er sich wohl Gedanken machte, wieso Claire seiner Schwester um den Hals fiel? Aber er drehte sich um und verschwand wieder im Schloss.
Auch Harry wurde herzlich von ihr begrüßt. Außer der Haar- und Augenfarbe schien sie wenig mit ihrem griesgrämigen Bruder gemeinsam zu haben. Sie wirkte offen und ihre Augen strahlten eine Wärme aus, die sich Harry bei Snape nicht vorstellen konnte.


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Ungelesener BeitragVerfasst: 26. Februar 2006 20:49 
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7. Sichtwechsel

Mein ach so geordnetes Leben beginnt zu schwanken.

Jetzt unterrichte ich bereits einige Jahre und nie hatte ich Probleme mich durchzusetzen. Von jeher brachten mir die Schüler Respekt entgegen, möglich, dass es oft auch bloße Angst war, aber immerhin folgten sie aufmerksam meinem Unterricht und ich hatte nie Mühe, Ordnung in den Klassen herzustellen.

Begonnen hat eine Änderung mit dem Schuleintritt dieses Potter Jungen. Dumbledore hatte mich eindringlich darum gebeten, ihn wie jeden anderen auch zu behandeln und geduldig mit ihm zu sein. Aber als ich ihn dann das erste Mal sah, ein Abbild seines Vaters James, da ist der alte Hass in mir wieder hochgekommen. James Potter, der mir meine Schulzeit schwer gemacht hat, dem alles so leicht zu fallen schien, der gemeinsam mit seinem Freund Sirius die Mädchenherzen eroberte, die besten Noten hatte, einer der besten Quidditchspieler war.

Dabei schien er das alles gar nicht so ernst zu nehmen. Er stammte aus einer alten Zaubererfamilie, aber das war ihm gleichgültig. Er gab sich genauso mit Muggelstämmigen ab, und unterschied nie.
Sogar dieser Kretin Peter wurde in seinem Kreis aufgenommen, und der war nun wahrlich kein fähiger Zauberer.

Zuerst war ich Luft für ihn, später sein erklärter Feind. Dass wir uns nicht leiden konnten, beruhte aber auf Gegenseitigkeit.

Und dann hatte ich ihm meine Leben zu verdanken. Ich, Severus Snape, der ich mir all meine Fähigkeiten mit Fleiß erarbeitet hatte, ich war ihm zu Dank verpflichtet.
Freilich war es sein Freund Sirius gewesen, der mich erst dieser Gefahr ausgesetzt hatte, aber das ändert nichts an der Tatsache: James hat mir das Leben gerettet!

Wie sehr ich ihn doch dafür hasste.

Hätte er mich doch in die Hütte des Werwolfes lassen! Es hätte zwar meinen Tod bedeutet, aber dann wäre der feine Herr Sirius Black von der Schule geflogen, der bisher getarnte Werwolf Remus Lupin und wohl auch noch James Potter mit ihnen.

Aber es hätte auch bedeutet, dass Albus Dumbledore der Schule verwiesen worden wäre, und das war auch der einzige Grund weshalb ich damals den Mund hielt und Lupins Geheimnis nicht verriet. Ich achtete Albus Dumbledore, er erschien mir als fähiger Zauberer, schien weise zu handeln, etwas zu gütig zwar in meinen Augen, aber niemand ist perfekt.

Dumbledore zuliebe sagte ich nichts. Aber die Wut, der Hass auf meine Mitschüler war stetig da.

Durch Harrys Erscheinen wurde ich wieder daran erinnert. Er sieht nicht nur genauso aus wie James, er hat auch die gleiche hochnäsige Art wie sein Vater. Aber dafür ist er in Tränke eine absolute Null, und ich gebe es zu, es bereitet mir Vergnügen ihn noch mehr hinunterzudrücken. Wenn ich so sehe, wie er von manchen vergöttert wird, er, der Junge, der überlebte. Dass ich nicht lache. Daran hat er ja nun wirklich nicht Schuld. Seine Mutter hat das bewirkt, um die Frau ist wirklich schade.

Sie war eigentlich ganz vernünftig, obwohl sie muggelgebürtig war, aber das ist Miranda ja auch, wurde eine durchaus fähige Hexe aus ihr, und in den ersten Jahren hielt sie sich ja auch von diesem Potter und seinen Freunden fern.
Erst im letzten Schuljahr hat er sie für sich gewinnen können, aber das habe ich sowieso nie verstanden. Außerdem war ich viel zu sehr mit meinen eigenen Belangen beschäftigt.

Ich gab Miranda seit der fünften Klasse Nachhilfe in Tränke, und sie schien einfach nicht zu kapieren, wie man ordentlich arbeitet. Dabei hätte sie doch als Heeling-hands die Tränkebraukunst gut gebrauchen können. As Ergänzung für manche Krankheitsbekämpfung. Später hatte ich dann manchmal den Verdacht, dass sie sich absichtlich so ungeschickt anstellte. Vor allem nachdem wir uns das erste Mal geküsst hatten.

Immer wieder hat sie es darauf angelegt, dass ich ihre Hand führen musste, sei es beim richtigen Umrühren oder Zerkleinern von Zutaten. Wenn ich ihr etwas aus einem Buch erklärte, rückte sie ganz nah an mich heran, dass sich unsere Knie berührten. Ich war viel zu befangen, konnte nicht darauf reagieren, dachte sie spielte bloß ein Spiel mit mir, und würde sich bei einem Fehlverhalten meinerseits mit ihren Freunden darüber zerkringeln.

Bis sie eines Nachmittags hemmungslos zu schluchzen begann: "Ich schaffe das nicht. Ich werde das nie kapieren. Ich werde durch meine Prüfungen rasseln. Und wer geht schon zu einer Heeling-hands, die unfähig ist einfache Tränke zu brauen?" Sie saß über dem Tisch zusammengekauert, den Kopf in den Händen vergraben. Ich konnte nicht anders, als zu ihr zu gehen, ihr übers Haar zu streichen und versuchen beruhigend auf sie einzureden. Und eh ich mir es versah, sprang sie auf, warf sich mir an den Hals und weinte, mich dabei fest umklammernd weiter. Was hätte ich tun sollen? Ganz automatisch legte ich meine Arme um sie, sprach leise auf sie ein. Der Duft ihres Haares stieg mir wieder in die Nase. Diesmal roch sie nach Veilchen. Ihr Haar roch immer anders. Einmal nach Rosen, dann nach Maiglöckchen, Lilien, Flieder, Jasmin, Äpfel, ....................... . Ich liebte diese Düfte, ich liebte...................

Mir war gar nicht bewusst geworden, dass ich meine Nase in ihrem Haar vergrub, dass ich mit meinen Lippen ihre Stirn streifte ihre Wange und als sie den Kopf leicht anhob wie von selbst ihre Lippen suchte. Erst als ich ihren Mund berührte, der sich nicht abwandte, sondern sich mir entgegenpresste, wurde mir bewusst, was geschah. Aber da hätte ich es auch nicht mehr stoppen können. In dem Moment wäre es mir egal gewesen, wenn sie später darüber gelacht hätte. Aber dem war nicht so. Wir küssten uns, ich weiß gar nicht wie lange, wir konnten uns nicht voneinander lösen.

Und als es uns doch gelang, da sah ich in ihre zuvor verweinten Augen, die jetzt so strahlten. "War das denn so schlimm?" hörte ich sie fragen.
"Wie bitte?" fragte ich erstaunt zurück.
"Mich zu küssen. War das so schlimm? Ich hatte befürchtet, du würdest es nie tun."
................
"Nein, schau nicht so böse, ich habe mir das bloß schon so lange gewünscht. Ich war mir nie sicher ob du mich magst."
Meine Hand fuhr durch ihr sanft gewelltes braunes Haar: "Wie könnte man dich nicht mögen? Aber du könntest doch jeden küssen ....."
"Wenn ich aber nur dich küssen will. Stört dich das wirklich so sehr?"
"Nein, eigentlich nicht. Aber ich kann es einfach nicht verstehen."
"Dann lass das Verstehen eben weg, wenn du mich dafür weiter küsst."
Und sie zog mich wieder näher zu sich und küsste mich, und ich beschloss es dabei zu belassen. Hier und jetzt, das fühlte sich so richtig an, so gut. Ich hatte nicht vor an nachher zu denken.

Dass wir uns küssten blieb unser Geheimnis. Ich war noch nicht so weit, mich in der Öffentlichkeit zu einer muggelstämmigen Hexe zu bekennen. Ich fürchtete die Verachtung meiner Mitschüler aus Slytherin. Sie ließ mir Zeit, auch wenn ich manchmal im großen Saal ihre fragenden Blicke auf mir spürte.
Aber unsere gemeinsamen Stunden im Kerker genoss ich dafür umso mehr.

Und dann kam, was wohl kommen musste. Sie entdeckte das Mal des dunklen Lords, das ich seit den vergangenen Ferien trug, und sie wandte sich von mir ab. Sie sah mich so traurig und verletzt, aber auch voller Abneigung an und gab mir keine Chance für Erklärungen.

Einmal nach zwei Jahren hatte ich sie wiedergesehen. Und auf einen neuen Anfang - auf eine zweite Chance gehofft - aber obwohl ich mir dieses Mal nichts zuschulden hatte kommen lassen, verschwand sie nach wenigen Tagen wieder und trotzdem ich sie gesucht habe, immer wieder gesucht habe, war sie unauffindbar.

Bis dieses Jahr ein Mädchen in meine Klasse trat, das obschon ihre Augen und Haare viel dunkler und ihre Wange von einer hässlichen Narbe bedeckt, ein Abbild Mirandas war - Miranda hatte eine Tochter. Noch während der Stunde hatte ich nachgesehen und aufgrund ihres Geburtsdatums wusste ich nun endlich Bescheid: Miranda war damals schon schwanger gewesen, das hatte sie zwar nicht davon abgehalten mit mir zu schlafen, aber das schlechte Gewissen war dann wohl doch zum Vorschein gekommen, und ohne Erklärung war sie verschwunden.

Und dieses Mädchen war mit der Grund, weshalb sich meine Einstellung zum Unterricht geändert hat. Immer wenn ich in diese sechste Klasse komme, bin ich gespannt, auf das was geschehen wird. Sie kam in die Klasse, begleitet von den beiden Jungs, die ich schon zuvor gesehen hatte: die Söhne meiner Schwester, meine Neffen. Ich hatte sie nur einmal kurz zu Gesicht bekommen, knapp nach ihrer Geburt, zu der Zeit hatte ich schon keinen Kontakt mehr zu Philomenea, zu groß waren unsere Differenzen gewesen, ihre Hochzeit mit dem von mir so gehassten Sirius Black, ihre Verachtung für mich, da ich das Mal trug. Mein Vater war der einzige unserer Familie gewesen, der mich deswegen geachtete hatte, aber er war kurz nach meinem Schulaustritt gestorben.

Die drei waren die ersten, die es wagten ohne Scheu in meiner Stunde zu tratschen. Sie achteten nicht auf meine Ausführungen, als ob sie es nicht nötig hätten. und dem war ja auch scheinbar so. Die Zwillinge waren ordentliche Arbeiter, sie erledigten das Brauen gewissenhaft und verstanden sich auch auf die Komposition von Tränken. Aber dieses Mädchen, das mir nach wie vor ein Rätsel ist, sie scheint diese Kunst wirklich zu lieben. Sie arbeitet mit einer Hingabe, die selten zu sehen ist, als Lehrer sollte ich darauf stolz sein und sie fördern, aber ich kann es nicht. Sie ist Mirandas Tochter, die Tochter eines anderen.

Einmal habe ich es für kurze Zeit vergessen, als sie bei mir nachsitzen musste. Es ist eine Freude ihr zuzusehen, sie versteht sich auf die Bestimmung von Kräutern genauso, wie auf das Komponieren und Brauen der Tränke. Sie weiß bereits jetzt viel mehr als in den Lehrbüchern für die sieben Klassen steht. Und sie ist überzeugt von dem, was sie tut.

Ein fachliches Gespräch mit ihr zu führen macht Freude, ihre Begeisterung ist ansteckend. Aber immer wieder werde ich an ihre Herkunft erinnert.

Und sie selbst scheint auch eine Barriere aufzubauen. Wenn sie glaubt ich merke es nicht, spüre ich doch ihre fragenden Blicke. Es wäre wohl ein leichtes sie zum Sprechen aufzufordern, oder vielleicht doch nicht? Ich bin mir gar nicht mehr so sicher. Sie scheint ein Wesen voller Widersprüche zu sein.

Wieso ich mich darüber so aufgeregt habe, als ich sah, dass sich Lion und Aquila auf dem Gang küssten kann ich mir selbst nicht erklären. Schließlich kommt das des öfteren vor, und es hat eben Punkteabzug zur Folge. Aber dieses Mal hat mich dieser Anblick seltsam berührt, dabei geht es mich doch wahrlich nichts an.

Als ich ihre hässliche Narbe bemerkt habe, war ich verwundert, dass sie als Tochter einer Heeling-hands solch eine Narbe trägt. Aber es dürfte sich wohl um das Zeichen eines Fluches handeln, ich kann mir nicht vorstellen, dass ihre Mutter sie es zur Strafe tragen lässt.

Und dann bin ich Miranda selbst auf dem Gang begegnet. Sie ist so schön wie früher, höchstens reifer und ruhiger. Wenn wir uns allein begegnet wären hätte ich doch versucht mit ihr zu sprechen, aber da war ja dieser Potter dabei. Die ganze Nacht hab ich kein Auge zugetan, immer wieder ist ihr Bild vor meinen Augen aufgetaucht. Das alles ist jetzt schon so lange her, aber ich hab sie noch nicht vergessen. Was, wenn es anders gekommen wäre? Wenn sie mich nicht fortgeschickt hätte? Wie sähe mein Leben dann wohl heute aus?

Und heute ist nun auch meine kleine Schwester aufgetaucht. Sie hat sich für Dumbledore zu den Bewachern des Schlosses gemeldet. Ich hatte sie Jahre nicht gesehen, aber sie hat sich kaum verändert. Sie hat ihre Söhne lachend umarmt, und auch Claire, aber nachdem die drei ja zuvor gemeinsam in Beauxbatons gewesen sind, kennt sie sie wohl. Ihr Lachen erinnerte mich an früher. Aber ein Blick in ihre Augen hat mir gesagt, dass es nie wieder so wie früher sein wird. Sie sahen so traurig aus, sie trauert wohl wirklich um ihren Mann.

Ich überlege mir, ob ich sie ansprechen soll. Sich hier zu begegnen wird wohl nicht zu vermeiden sein. Und vielleicht wäre es ja möglich, dass wir uns wieder versöhnen. Seltsam, bisher hatte ich nicht daran gedacht, aber jetzt kommt es mir gar nicht so abwegig vor. Wieso das wohl so ist?


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Ungelesener BeitragVerfasst: 26. Februar 2006 20:49 
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33. Hochzeit bei den Delacours

Die kommenden Tage verliefen ziemlich ruhig. Ein paar Mal hatte Harry auch Mrs. Nero - ehem Black getroffen. Sie war eine sehr besonnene Frau, die nichts so leicht aus der Ruhe zu bringen schien. Sie war wohl auch von den Zwillingen so einiges gewohnt.

Dann brachten eines Morgens die Eulen die Einladungen für die Hochzeit von Fleur und Bill.
Ron erhielt zusätzlich auch die Gästeliste und ihm gingen die Augen über. "Wer soll denn das bezahlen? Mum und Dad können sich das doch nie leisten. Die spinnen. Da stehen locker 200 Leute auf der Liste."
Ginny beschwichtigte ihn: "Also nachdem die Hochzeit bei Fleur in Frankreich stattfindet, warte mal hier steht es ja, in Nizza, werden sie wohl dem Brauch nachkommen, dass die Brauteltern die Hochzeitsfeierlichkeiten ausrichten. Somit muss es uns wohl nicht tangieren."
Harry hatte, als Beinahe-Sohn von Molly ebenfalls eine eigene Einladung bekommen, und Hermine ebenfalls.

Neugierig besahen sie sich jetzt die Namen der Eingeladenen. Da schwirrte es nur so von französischen Namen, die sie noch nie gehört hatten.

Aber sie fanden natürlich die ganze Weasley Verwandtschaft und alle Ordensmitglieder auf der Liste.
"Oh je! Snape ist auch eingeladen. Muss denn das wirklich sein?" jammerte Ron jetzt.
Harry unterbrach ihn: "Dass ihr beide die Erlaubnis bekommt zur Hochzeit eures Bruders zu gehen ist ja klar. Aber glaubt ihr, Hermine und ich können da wirklich so einfach hin? Und außerdem: wie bitte kommen wir denn nach Frankreich?"

Aber in dem Augenblick räusperte sich Prof. McGonagall hinter ihm: "Nachdem ihr eingeladen seid, und uns die Weasleys ja gut bekannt sind dürft ihr natürlich hin. Und Direktor Dumbledore hat sich bereit erklärt euch mittels eines Portschlüssels reisen zu lassen. Mit Muggeltransportmitteln wäre es wohl zu beschwerlich und lang. Die Hochzeit findet am Samstag Nachmittag statt. Ihr dürft bereits am Freitag weg und müsst am Sonntag Abend wieder hier in Hogwarts sein. Noch Fragen?"

"Ja Prof. McGonagall" meldete sich Hermine "kommen Sie auch zur Hochzeit?"
"Ja mein Kind. Hier von der Schule werden Direktor Dumbledore, Hagrid und ich bei den Feierlichkeiten anwesend sein. Aber es würde zuviel Aufsehen machen, wenn Prof. Snape und Prof. Lupin ebenfalls fehlten. Die beiden haben sich bereiterklärt hier zu bleiben."
Harry seufzte erleichtert auf. Snape würde also nicht mitkommen - da freute er sich gleich mehr auf die willkommene Abwechslung.

"Harry, wollten sie noch etwas sagen?" Minerva McGonagall sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an.
"Oh, nein Professor. Und danke, dass wir die Erlaubnis bekommen."
Sie rauschte daraufhin davon und nun prustete auch Ron los. "Hast du gehört. Er hat sich bereit erklärt hier zu bleiben. Als ob er großes Interesse an so einer Hochzeit hätte. Ich kann ihn mir dabei nicht so recht vorstellen."
"Oh ich schon" fiel Ginny ein "Stocksteif würde er dastehen, und wenn die anderen Hochzeitsgäste zum Heulen vor Rührung anfangen, würden sich seine Lippen noch viel mehr kräuseln als sie es sonst immer tun."
Hermine hatte Ron die Liste entwendet und las sie noch einmal genau durch. Sie fand noch einige bekannte Namen, Ministeriumsmitglieder, die im Normalfall nicht allzu viel von Mr. Weasley zu halten schienen.
"Weißt du wieso die Leute vom Ministerium auch kommen? Das verwundert mich eigentlich."

"Fleurs Mutter ist im französischen Ministerium in der Abteilung zur Führung und Aufsicht magischer Geschöpfe beschäftigt. Und Fleurs Vater ist Minister für internationale magische Zusammenarbeit. Da muss es euch nicht wundern, wenn sich die hiesigen Minister überschlagen, zu dieser Hochzeit zu gehen. Schließlich werden auch einige Kollegen der Delacours anwesend sein." Jules hatte nicht mal von ihr Zeitung aufgesehen, als er das erklärte.
"Woher weißt du das alles?" frage Ginny erstaunt.
"Tja, wir waren doch auf der selben Schule. Und wessen Eltern im Ministerium arbeiten, spricht sich schon herum."

"Wow, eine einflussreiche Familie also. Nicht schlecht. Da macht Bill ja eine ganz gute Partie. Und hübsch ist sie obendrein." Ron zwinkerte Harry zu. "Da gibt er uns, seinen jüngeren Brüdern ja mal wieder eine ganz schöne Vorgabe." Er verdrehte theatralisch die Augen.
"Aber Brüderchen. Wie willst du das denn hinkriegen? Soll ich Vater bitten eine Liste der Töchter von Ministern zu erstellen?"
"Das würdest du für mich tun? Das wäre natürlich außerordentlich nett von dir."

Harry freute sich schon richtig auf das Wochenende. Schade nur, dass Luna nicht dabei sein würde. Aber als er ihr Bescheid gegeben hatte, meinte sie bloß: "Das wird sicherlich sehr nett. Und mach dir mal keine Gedanken um mich. Ich hab in letzter Zeit so wenig für die Schule gemacht, da nutze ich das Wochenende mal um zu lernen. Hauptsache ist, dass du wieder kommst." Und als Antwort küsste er sie. Er hatte nicht vor wegzubleiben.

Ron und er hatten ihre Festtagsumhänge auf Vordermann gebracht und am Donnerstag Abend fertig gepackt. Am nächsten morgen nach dem Frühstück sollten sie zu Hagrids Hütte kommen.

Auch Hagrid war ziemlich aufgeregt. "Ich freue mich schon auf die Hochzeit deines Bruders. Das wird wohl eine feine Sache werden."
"Könnte es ein, dass du Mme Maxim wieder triffst?" Hermine war ihr Name natürlich auf der Liste aufgefallen.
Hagrid lief rot an und nuschelte: "Ja, sie wird auch kommen. Hab sie doch seit den Ferien nicht mehr gesehen."

Dann schulterten sie alle ihr Gepäck, ergriffen den Besen, den Dumbledore ihnen als Portschlüssel verzaubert hatte und wenig später landeten sie vor einem großen alten Gartentor.
"DelaCour" stand da auf einem bronzenen Schild zu lesen.
Sogleich kam ihnen auch ein Dienstbote entgegen. Dienstbote? Hatten sie etwa keine Hauselfen?

"Bien Venue! Herzlich willkommen! Darf ich sie weiterbitten?" und er wuselte vor ihnen her und führte sie eine Allee entlang durch einen alten großen Park. Hinter einer Biegung sahen sie dann das Anwesen der Delacours auftauchen. Ein stattliches Haus. Haus? Naja, beinah ein Schloss könnte man sagen. Ron war vor Erstaunen stehen geblieben. "Und das soll Fleurs Elternhaus sein?"
"Ja Monsieur. Mme Fleur wohnt hier mit ihren Eltern und ihrer Schwester. Kommen sie nur weiter. Ihre Eltern erwarten sie bereits."

Und sie gingen die Treppe hoch zu einem großen hölzernen Portal. In der Eingangshalle trafen sie auch bereits auf Mr. und Mrs. Weasley. "Oh da seid ihr ja. Schön, euch zu sehen. ich bin ja so aufgeregt. Habt ihr dieses Haus gesehen? Und diesen herrlichen Park?"
In dem Moment kam auch Fleur an der Seite von Bill auf sie zu. Sie strahlte übers ganze Gesicht und beim genauen Hinsehen konnte man bereits erkennen, dass sich ihr Bauch leicht vorwölbte. Also scheinbar höchste Zeit, dachte Harry verschmitzt.: "Willkommen meine Lieben. Ich freue mich, dass ihr zu unserer Hochzeit gekommen seid. Das ist meine Cousine Michelle. Michelle, zeigst du ihnen ihre Zimmer? Ich hoffe, es macht euch nichts aus, aber bei so vielen Gästen haben wir nicht genügend Räume für alle. Ron und Harry ihr müsst euch leider ein Zimmer teilen, und Ginny und Hermine auch."

Ron hatte große Augen. Ein Zimmer zu teilen war er gewöhnt und hätte dafür keine Entschuldigung verlangt. Sie folgten Michelle und staunten noch mehr über ihre nebeneinander liegenden Zimmer. Jedes hatte ein eigenes Badezimmer und war so groß wie der Jungenschlafsaal in Hogwarts, wo sie zu siebent schliefen.
"Wenn ihr euch frisch machen wollt? Und dann kommt ihr bitte runter in den Salon. Wir wollen noch eine Kleinigkeit trinken, bevor es Zeit wird für das Mittagessen."

Im Salon angekommen sahen sie bereits fast die ganze Weasley Sippe versammelt. Von Rons Brüdern fehlte nur Percy. Ob er wohl kommen würde?

Die Delacours kamen ihnen mit offenen Armen entgegen. "Oh, isch freue misch euch ier su sehen. Bien Venue. Ich heiße euch aufs herslichste Willkommen." Fleurs Mutter hatte Ginny in ihre Arme geschlossen. Ron duckte sich, aber ihm gab sie nur die Hand, genauso wie Hermine und Harry. "Arry, isch freue misch disch wiedersusehen. Fühlt euch ier wie suhause."

Harry und Ron sahen sich an. Wie zu Hause? Na, bei den Dursleys sah es gewiss nicht so aus und so herzlich konnten Tante Petunia und Onkel Vernon wohl gar nicht sein. Und der Fuchsbau? Ja, es war wunderschön dort, ein richtiges verhextes Zaubererhaus eben. Aber mit dem Anwesen hier konnte er wohl wahrlich nicht mithalten.

"Willkommen" meldete sich jetzt auch Fleurs Vater zu Wort. "Ich hoffe, ihr werdet euch hier wohl fühlen. Bill und Fleur haben uns ja schon viel von seiner Familie erzählt. Und jetzt kommt. Trinkt und esst. Es wird heute etwas später mit dem Mittagessen werden, bis die ganze Familie versammelt ist." Dienstboten trugen Tabletts mit Getränken herum, andere welche mit Appetithäppchen und obwohl es noch nicht lange her war, dass sie gefrühstückt hatten, griffen sie gerne zu.

Mrs. Weasley schien sich in diesem Haus nicht allzu wohl zu fühlen. Ständig äugte sie auf die Wände, wo eine ganze Ahnengalerie an Bildern hing. Und sie zupfte stetig an ihrem Umhang herum, der obwohl einer ihrer besten, in diesem Haus fast schäbig aussah. Sogar die Dienstboten trugen feinere Sachen.

Fred und George hatten sich zu ihnen gesellt.
"Eigentlich wollten wir ja unter die Brötchen ein paar unserer Scherzartikel mischen, aber Bill ist uns zuvor gekommen und hat es uns strengstens untersagt. Und ich glaube, er wäre wohl ernsthaft böse auf uns, wenn wir ihm bei seiner Hochzeit einen Streich spielten." George verdrehte die Augen.
Fred fiel mit ein: "Drei Tage wohlfeiles Benehmen. Aber er hat uns etwas versprochen, das er uns aus Ägypten organisiert hat, und das bekommen wir eben nur, wenn wir nicht auffallen." er zwinkerte Ron zu.
"Und was wäre das?" fragte dieser.
"Och, nur eine winzige Kleinigkeit."
"etwas, was wir in unserem Laden gut gebrauchen könnten."
"aber über ungelegte Eier spricht man nicht" und George wollte sich gerade zum Gehen wenden, da hielt ihn Harry zurück: "Kommt Percy eigentlich?"
George verzog den Mund und brummte: "Der gute Perce zieht es vor, mit den Leuten des Ministeriums morgen zu erscheinen. Handelte es sich hierbei nicht um so eine honorige Gesellschaft, bin ich mir nicht sicher, ob er uns mit seiner Anwesenheit erfreuen würde."

Da sich im Moment niemand um sie zu kümmern schien, spazierten sie ein wenig ins Freie. Der Park sah wirklich gewaltig aus. Und wunderschön. Hier gab es uralte dicke knorrige Bäume. Viele davon hatte Harry noch nie gesehen. Trotzdem es bereits Mitte November war blühten unzählige Blumen in den Beeten. Hinter dem Haus war ein Teich, auf dem Schwäne geruhsam herumschwammen. Der Himmel war wolkenlos und strahlend blau, wie sie es in England schon seit einiger Zeit nicht mehr gehabt hatten. Und es war durchaus warm für die Jahreszeit.

"Arry, Arry" ertönte lautes Rufen vom Haus her. Harry drehte sich um und sah Gabrielle, Fleurs kleine Schwester aufgeregt winkend auf ihn zulaufen. Seit er sie beim trimagischen Turnier aus dem See gerettet hatte, war sie sein großer Fan. "Oh isch freue misch euch hier zu sehen. Isch bin schon so aufgeregt. Hoffentlich klappt alles. Fleur ist auch schon so nervös. Und eure Mutter erst." und lachend sah sie zu Ron und Ginny.
"Na darauf kannst du wetten. Ihr ältester Sohn heiratet, noch dazu in so einem noblen Haus. Sie fühlt sich wohl etwas fehl am Platz." meinte Ginny.
"Oh, aber wieso? Mama freut sich so sehr über die Hochzeit. Und Papa hatte auch keine Einwände. Er findet Bill als - wie sag man - Schwiegersohn sehr gut."

"Gabrielle, wieso habt ihr eigentlich so viele Diener und keine Hauselfen? Das ist eher ungewöhnlich." Harry brannte die Frage schon seit ihrer Ankunft auf der Zunge.
"Oh, wir haben Hauselfen. Aber sie sind frei. Mama hat sie schon vor langer Zeit in die Freiheit entlassen. Ein einziger ist wirklich gegangen, die andere sind geblieben und arbeiten nun gegen Bezahlung bei uns. Aber wir haben für die Feierlichkeit einige zusätzliche Dienstboten beschäftigt, die Elfen haben so viel zu tun mit Bereitung der Speisen für das Festbankett. Soll ich euch ein wenig herumführen?"
Hermine hatte aufmerksam zugehört. Es gab also auch noch andere Hexen und Zauberer, die die Hauselfen als eigenständige Persönlichkeiten und nicht als Sklaven betrachteten. Sie musste unbedingt mehr über ihre Beweggründe erfahren.

Gabrielle begleitete sie auf ihrem Weg und erklärte ihnen so manchen Baum, wusste sein Alter und seine Herkunft. Und in einem etwas entlegenen Teil des Gartens kamen sie zu einem abgegrenzten Teil, der sehr verwildert aussah.
"Das ist Großmamas Garten. Sie nennt es ihr Hexengärtlein. Sie ist eine ganz große Zaubertrankherstellerin, und sie zieht viele Kräuter dafür selbst. Ich finde es faszinierend, wenn sie mich einweist, und mir zeigt welche Pflanze welchen Nutzen hat. Und welche Nebenwirkungen bei falscher Handhabung. Ich denke, ich werde einmal in ihre Fußstapfen treten."
Harry sah sie bewundernd an. Sie war einige Jahre jünger als er und wusste bereits genau, was sie einmal machen wollte. Ja, er hatte sein Ziel Auror zu sein noch nicht aufgegeben, aber war er wirklich dafür geeignet?

"Aber ich dachte deine Großmutter sei eine Veela?" erkundigtre sich Ron.
"Oh, ja die Mutter meiner Mutter. Fleur sieht man diese Abstammung ja auch zum Teil an." und sie zwinkerte verstehend, "aber die Mutter meines Vaters ist es, die ich meine. Und ich habe weit mehr aus seiner Familie geerbt, als von Mutters Seite."
Sie begleitete sie noch eine Weile, bis es Zeit für das Mittagessen wurde.


Das Mittagessen war vorüber und sie konnten sich kaum noch bewegen. So reichlich war es gewesen und so viele ihnen nicht bekannte Speisen wurden angeboten. Und zum Trinken ein Cidre, der nur leicht alkoholisch schmeckte, der aber wohl doch nicht so ganz das richtige für sie war.

Harry hatte beschlossen sich ein wenig auszuruhen und Ron stimmte sofort zu. Die Mädchen wollten Fleur suchen und sehen ob sie einen Blick auf ihr Hochzeitsgewand werfen konnten. Und vielleicht auch über die Hauselfen ausfragen.

"Harry! Ron! Aufstehen, ihr kommt zu spät zum Abendessen!" Ginny und Hermine standen in ihrem Zimmer und rüttelten sie wach.
"Essen? Aber wir haben doch gerade erst gegessen" murmelte Ron verschlafen.
"Das ist sechs Stunden her. Ihr solltet euch waschen und umziehen. Ihr seht total zerknittert aus."
Harry wälzte sich aus seinem Bett und ging ins Badezimmer. Die Mädchen hatten recht: er sah fürchterlich aus.
Sie beeilten sich und folgten den Mädchen zum Speisesaal.

Wie schon zu Mittag war er festlich gedeckt, und sie konnten den angebotenen Speisen einfach nicht widerstehen. Nur vom Cidre ließen sie dieses Mal die Finger.
Nach dem Essen spielte eine Gruppe von jungen Zauberern leise Musik und es wurde viel geplaudert und gelacht.
Um Mitternacht ergriff Mme Delacour aber das Wort: "Meine lieben Gäste. Angesichts des morgigen Ereignisses sollten wir uns wohl zur Ruhe begeben. Wir wollen doch alle ausgeschlafen sein am morgigen Tag."
Keiner der Anwesenden hatte Einwände und so leerte sich der Salon sehr rasch. Harry war bereits wieder müde und dankbar, das er sich wieder ausruhen konnte.

Der nächste Morgen war noch sonniger als der Tag zuvor. Das Frühstück wurde nicht gemeinsam eingenommen, sondern eben in der Reihenfolge wie die einzelnen aufstanden.
Molly Weasley war leichenblass. "Ich bin ja so aufgeregt. Hoffentlich geht alles gut."
"Was sollte schon passieren Molly" fragte Arthur Weasley, "Glaubst du sie sagt im letzten Moment nein?"
"Sie vielleicht nicht, aber womöglich er. Was wäre das für eine Blamage" und sie eilte davon um irgendetwas furchtbar wichtiges noch zu erledigen.

Kurze Zeit später lief ihnen Bill über den Weg. Auch er schien ziemlich nervös zu sein.
"Na Brüderchen, willste kneifen?" stänkerte Ron.
"Kneifen - ich? Wo denkst du hin. Aber ich hab Angst, dass Fleur in letzter Minute nein sagen könnte. Mich hat die ganze Aufregung rundherum auch erfasst. Zuerst hab ich ja gemeint, es wäre mir egal. Aber nun würde ich mir wünschen, das ganze hier wäre schon vorbei. Eigentlich wollten wir heute nacht noch nach Ägypten auf Hochzeitsreise, aber unsere Eltern halten das für keine gute Idee. Wir werden also einfach noch ein paar Tage hier bleiben."

"Ist es für Fleur auch nicht zu anstrengend, wo sie doch schwanger ist?" fragte Ginny.
"Nein, keine Sorge. Claire war vor wenigen Tagen hier und hat gemeint es wäre alles in Ordnung. Schwanger sein heißt ja nicht krank sein. Die einzige Bedingung , die sie gestellt hat, ist dass sich Fleur nicht schnürt - also ein enges Mieder trägt, damit man ihr Babybäuchlein nicht sieht. Sie hatte das ursprünglich wirklich überlegt, aber Claire hat ihr gedroht, sie würde ihr sonst ihre Dienste aufkündigen und daher lässt sie es. Sie sieht auch so entzückend aus."
"Ich kann gar nicht verstehen, dass Ma Claire als Hebamme bewilligt. Ich war mir sicher, dass sie ihre eigenen Hebamme empfehlen würde." warf Ginny ein.
"Das hat sie auch. Sie hat sogar einmal mit ihr gemeinsam auf uns gewartet. Und als die Hebamme Fleur gefragt hat, wer denn ihre Hebamme sei, hat sie Claires Namen genannt. Da hat Mas Hebamme gesagt, die kenne sie nicht, aber als Fleur dann sagte: "Vielleicht sagt ihnen der Name Donna Chiara ja mehr" hat sie große Augen bekommen und gemeint eine bessere könne sie gar nicht bekommen. und auf Mas Erstaunen hin, hat sie gesagt, dass Donna Chiara trotz ihres jugendlichen Alters bereits einen ausgezeichneten Ruf als Hebamme genießt. Und damit hat sich Mutter zufrieden gegeben."

Nach und nach trudelten die ersten Festgäste ein. Im Park war ein riesiges Festzelt aufgebaut worden, und kurz vor 14 Uhr waren alle versammelt.

Harry saß neben Hermine etwas weiter hinten, da Ron und Ginny vorne bei ihrer Familie Platz genommen hatten. Wirklich war Percy mit den Leuten vom englischen Zaubereiministerium gekommen und er hatte nur unwillig neben Charlie Platz genommen, da ihm ein Angestellter ausdrücklich diesen Platz zuwies.

Die Feierlichkeiten waren wunderschön.

Harry hatte noch nie an deiner Hochzeit in Zaubererkreisen teilgenommen, und hatte er sich einen Priester erwartet, so wurde er enttäuscht. Die Trauung vollzog eine mit einem dunkelroten Umhang gekleidete Frau, die als Hohe Priesterin vorgestellt wurde.
Und hatte er sich über Verständigungsschwierigkeiten Gedanken gemacht, wurde er auch eines Besseren Belehrt. Die Hexe hatte ihre Stimme so verzaubert, dass jeder, egal welcher Herkunft und Muttersprache sie in der eigenen Sprache verstand.

Fleur war wirklich wunderschön anzusehen. Sie trug ein blassblaues Kleid mit langer Schleppe und wurde von ihrem Vater nach vor geleitet. Die Priesterin sprach feierlich, aber nicht ohne Witz, sie erwähnte sogar einmal die Kinder, die nun mal im Wunsch der Göttin nicht erst in aufrechter Ehe gezeugt wurden. Aber hierbei war kein Tadel zu hören.
Nachdem Bill und Fleur die Ringe getauscht hatte bemerkte Harry, dass sogar Hermine Tränen in den Augen hatte. Und als er sich umsah, sah er, dass es vielen so ging.

Die Mütter des Brautpaares waren sowieso in Tränen aufgelöst und es dauerte nach der Zeremonie einige Zeit bis alle Hexen wieder anwesend waren, und man keine Spur ihrer Tränen mehr in ihren Gesichtern sehen konnte.

Das Essen war noch gewaltiger als am Tag davor und Harry war ganz froh, am nächsten Tag nach Hogwarts zurückzukehren. Sonst hätte man ihn wohl bald rollen können.

Nach der Feier wurde getanzt, gelacht, geplaudert.

Charlie gesellte sich zu ihnen. er war Bills Trauzeuge gewesen.
"Na überstanden Bruderherz?" fragte ihn Ron.
"Ja, Merlin sei Dank. Ich freue mich schon wieder auf Rumänien. Das Anwesen hier mag ja ganz schön sein, aber für mich wäre das nichts. Ich bin lieber draußen bei meinen Drachen. Hier würde ich trotz der Geräumigkeit der Gemächer Platzangst bekommen."
Auch das verstand Harry. So toll es auch aussah, leben wollte er hier gewiss nicht.
"Ach ich könnte mir das schon vorstellen. So ein großes Haus, Diener ringsherum, ein eigener Schwimmteich" Ron schien zu träumen. "Aber sag mal. Wann wirst denn du heiraten. Du bist schließlich der nächstälteste."
"Och, ich hab’s nicht allzu eilig. Muss mir wohl noch erst die richtige Frau dazu suchen." antwortete Charlie.

"Die Zwillinge kamen vom Tanzen zurück. Sie hatten sich unter die ehemaligen Mitschülerinnen von Fleur gemischt und eifrig das Tanzbein geschwungen.
Erschöpft griffen sie nach den dargereichten Gläsern und japsten:
"War wohl ein fehler gewesen, die Meute herauszufordern."
"Genau. Einmal mit einer getanzt, und schon haste alle anderen auch am Hals"
"ich krieg schon gar keine Luft mehr
"Und ich erst. So viel Sport kann nicht gesund sein."
"Mir tun die Füße weh. Ich sollte wohl meine Schuhe ausziehen."
"Ja, das werde ich auch tun. Das ist sowieso viel klüger."
"Wieso haben wir eigentlich Schuhe angezogen?"

Ginny fiel ihnen ins Wort: "Vielleicht weil es zu den guten Sitten gehört?"
"Wieso, Lees Schwester trägt fast nie Schuhe"
"Und die ist doch wohlgesittet."
"Ein braves ehrbares Mädchen"
"Ohne Fehl und Tadel"
"Genau, trotzdem sie keine Schuhe trägt"

Charlie war blass geworden bei ihren Worten.
"Ihr sprecht wohl nicht etwa von Claire?" fragte Hermine erheitert.
"Oh doch tun wir das."
"Na sicher tun wir das tun."
"Claire trägt Schuhe nur zum Tango tanzen"
"Und wenn sehr viel Schnee draußen liegt"
"Sehr sehr viel Schnee"
"Drum hat sie auch immer schwarze Füße"
"So schwarz wie Lees"
"Ihre sind schwärzer"

"Was ist los mit dir Charlie? ist dir nicht gut?" erkundigte sich Ginny bei ihrem Bruder.
"Oh doch, es geht schon. Ist nur ein bisschen viel gewesen die letzten Tage. Oh da kommt ja das Brautpaar. Na wie fühlt es sich an im Stand der Ehe?"
"Ausgezeichnet fühlt es sich an lieber Schwager. Ich kann es dir nur wärmstens empfehlen." und Bill legte den Arm um sie und küsste sei. "Ja sie hat recht. Ich bin froh, dass die Hochzeit vorüber ist. Ich hab doch wirklich befürchtet du könntest es dir noch mal anders überlegen."
"Ich? Wie kommst du darauf? Ich liebe dich doch." und sie küsste ihn wieder.
"Och die Turteltäubchen - wir sollten uns auch um eine gute Partie umsehen."
"Ja das sollten wir George"
"Und dann feiern wir Hochzeit mit noch viel mehr Gästen als hier"

Harry hielt nicht allzu viel vom Tanzen. Er sah sich lieber um.
Da war Hagrid angeregt mit Mme Maxim in ein Gespräch vertieft.
Dumbledore tanzte mit Molly Weasley, die jetzt viel entspannter aussah als am Morgen.
Und Percy tanzte mit Gabrielle. Sie hatte ihn aufgefordert und er sich nicht getraut nein zu sagen.

Gerade als Bill und Fleur wieder auf das Tanzparkett zurückkehren wollte, hörten sie ein Rauschen in der Luft. und ein bestialisch klingendes Geheule. Was war das? Es würde sie hier, unter Anwesenheit der ganzen Ministeriumsmitglieder doch keiner angreifen?


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Ungelesener BeitragVerfasst: 26. Februar 2006 20:49 
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34. Hochzeitsbräuche


Rundherum waren auch die anderen Festgäste aufmerksam geworden. Viele zückten den Zauberstab, bereit zur Abwehr, doch dann merkte Harry, dass sich auf Fleurs Gesicht ein Grinsen ausbreitete, und sie wandte sich an die Gäste: "Meine Lieben, ich denke, ihr könnt eure Zauberstäbe getrost wegstecken. Der einzige, dem nun noch Gefahr droht, ist der hier an meiner Seite stehende frischvermählte Gemahl."

Harry verstand nicht, sah aber, dass Bill jetzt ziemlich genervt drein sah, als er seiner Braut zuraunte: "Ich dachte, du hast deswegen all deine Freundinnen eingeladen. Du scheinst wohl ein paar übersehen zu haben."
"Ja, dann hätte ich wohl zur Sicherheit, die ganze Schule und alle ehemaligen Mitschülerinnen herbitten müssen. Glaubst du, ich habe soviel Zeit gehabt um an alle zu denken? Aber Kopf hoch: du wirst das schon schaffen."

Harry kam überhaupt nicht mehr mit. Und Ron und Hermine ging es genauso. Und jetzt sahen sie auch, was der Grund für das Gejaule war: Über die alten Bäume des weitläufigen Parks kam eine geraume Zahl an Hexen geflogen: sie trugen die buntesten Umhänge, die Kapuzen über den Kopf gezogen und Masken im Gesicht. Zuerst sah es ja so aus, als wären es lauter hässliche alte Frauen, mit Hakennasen, Warzen und ausgeschlagenen Zähnen, bis man erkannte, dass es sich um Gesichtsmasken handelte.

Sie schrieen, kreischten, jaulten, lachten und es klang wirklich schauerlich.
Mr. Delacours hatte sich den Weg zu seinem Schwiegersohn gebannt, an der einen Hand zog er Mr. Weasley mit sich, mit der anderen winkte er eine Zahl junger Männer an seine Seite.

"Keine Angst: wir lassen dich nicht im Stich Bill. Hier wird leider ein alter Brauch wieder ins Leben erweckt: Die Beschlagnahme der Braut, und Herausgabe an den Ehemann, wenn er diverse Fragen beantworten kann. Aber er darf hierbei die Mithilfe anderer Zauberer annehmen."

Die Hexen hatten sie jetzt erreicht und drehten Runde um Runde über ihren Köpfen. Einige setzten zum Tiefflug an, so dass so mancher erschreckt flüchtete.

Bill und die beiden Väter hatten Fleur flankiert, und Harry konnte sich nicht vorstellen, dass es den Hexen so gelingen sollte sie zu entführen. Aber diese hatten sich formiert und eine in dunkles Blau gehüllte Hexe hob ihren Zauberstab, richtete ihn auf Fleur und die Männer wurden wie von einem Stromschlag getroffen zur Seite geschleudert. Und da waren auch schon zwei Hexen bei ihr, ergriffen sie unter den Armen und setzten sie auf einen der Besen, und nahmen sie nun in der Luft in ihre Mitte. Dabei erscholl von neuem das grässliche Geheul, das in Mark und Bein drang.

Dann begann eine der Hexen zu sprechen:

"Du hast dir Fleur zur Frau erwählt
und sie hat ja gesagt
doch ist's nicht ihr Wort allein, das zählt
jetzt wirst du erst mal ausgefragt."

und sie flog wieder zurück in den Kreis der anderen, und eine weitere Hexe setzte fort:

"Du scheinst zu sein ein strammer Mann
ganz wohl und fest gebaut
so denn mein Lieber sag mir an
wir schwer ist deine Braut?"

Bill lächelte, das schien keine schwere Frage für ihn zu sein, aber sein Schwiegervater stieß in an: "Wenn es irgendwie geht, versuch in Reimen zu sprechen, dann ist der Spuk schneller vorbei"

Und Bill setzte an:

"Die Gute, die ihr mir entführt
sie ist ein zartes Wesen
die Waage wird nicht angerührt
es trägt sie jeder Besen"

Und wieder erklang ein Geheul, aber es klang nach Zustimmung, er schien die Frage in ihrem Sinn beantwortet zu haben.

"Du scheinst mir auch recht klug zu sein
und wichtig ist's: diskret
so sprich: seid ihr allein
wie ist sie so im .............. Kochen?"

Ein verlegenes Grinsen war über sein Gesicht gezogen, aber er hatte sich wieder gefasst:

"dein Lob mich ganz verlegen macht
doch kann ich dir versichern
sie ist in allem eine Pracht
da braucht keiner hier zu kichern"

Die Reime waren ja ein wenig holprig, aber das machte wohl nichts. Harry überlegte wie er sich wohl fühlen würde. Was für Fragen mochten hier noch gestellt werden?

"Ich seh es schon, jetzt hier und heut
trägst du die Frau auf Händen
doch ist's auch so, wenn ihr erst seid
in euren eigenen vier Wänden?

Wenn sie das Essen hat verbrannt
dem Hemd fehlt auch der Kragen
und kommt verheulet angerannt
wirst du sie dafür schlagen?"

"Wo denkt ihr hin? Nie könnte ich, die so Geliebte quälen
ich führte sie zum Essen aus
und würd die Stunden zählen,
die sein muss ich oft außer Haus."

Bill schien sich ganz gut zu halten.

"Und wenn das Kind weint in der Nacht
was würdest du dann tun?
abwarten bis sie aufgewacht
oder lässt du sie auch ruhen?"

"Ich hab nicht vor zu drücken mich
vor all der vielen Arbeit
ich lass sie niemals nicht im Stich
das Kind zu windeln, bin ich bereit."

Ein Baby wickeln? Oh, nein, das war keine Wunschvorstellung von Harry. Waren da nicht sowieso die Mütter allein dafür zuständig?

"Du schmierst uns Honig hier ums Maul
dabei wollen's wir belassen
nun waren wir auch gar nicht faul
und fragen nach alten Klassen.

Hat sie dir jemals denn erzählt
wer hat sie erstmalig geküsst?
Und wen hat sie danach erwählt
und es gar fürchterlich gebüßt?"

Bill schielte zu Fleurs Vater, doch der schüttelte bloß verneinend den Kopf, aber ein großgewachsener braunhaariger junger Mann beugte sich vor zu ihm und raunte ihm etwas ins Ohr. Soviel Harry sich erinnern konnte, handelte es sich dabei um Fleurs Cousin Marcel.

"Ihr erster Kuss ist lang schon her
der Junge der hieß Tim
danach kam wohl der gute Pierre
doch hat erwischt sie Mme Maxim
und ihnen Strafe aufgebrummt
davon ihr heut noch der Schädel brummt."

und in der Art fuhren sie noch eine geraume Zeit fort. Bis die Hexe, die zuvor den Zauber über Fleur gesprochen hatte endete:

"Es scheint, als hätte diese Braut
den richtigen gewählt
doch halt seid noch nicht gar so laut
jetzt wird die letzte Frage dir gestellt

Du willst die Frau doch sicherlich
zurück erlangen ganz gesund
drum antworte wie bisher ehrlich
was ist dabei der Grund?

Ist es ihr schönes Angesicht
die Haare lang und blond
oder gar ihr leichtes Gewicht
oder lag es bloß am Mond?"

Bill schien zu wissen, dass er bei Beantwortung dieser Frage vorsichtig sein musste. Zu leicht konnte das was er sagte, gegen ihn ausgelegt werden.

"Es ist ihr Wesen – sie allein
bedeutet für mich Glück
ich will doch stets ihr Partner sein
nun gebt sie mir zurück

und wenn ihr wissen wollt den Grund
wieso sie Alles ist für mich
so sag ich ihr zu dieser Stund
Fleur : ich liebe dich!"


Auf's neue erschallte das Geheule und die anderen Gäste stimmten mit Geklatsche ein. Fleur wurde vor Bill wieder auf den Boden gelassen und liebevoll in den Arm genommen.
"Danke dir. Das hast du bravourös hingekriegt. Ich liebe dich, Bill."
Und ohne auf die anderen zu achten, küssten sie sich lang und innig.

Harry war etwas verwirrt. Die Stimme, der zuletzt sprechenden Hexe kam ihm irgendwie bekannt vor.
Gabrielle war zu ihnen getreten. "Isch finde es witzig, dass sie diese Befragung gemacht haben. Fleur hatte so was vermutet, aber gehofft sie würden es bleiben lassen. Und nun, nachdem sie Bill gequält haben, dürfen sie mitfeiern und essen, trinken und tanzen, aber Jungs habt euch in Acht: bevor sie ihre Masken abnehmen suchen sie sich einen Jungen aus, den sie küssen wollen und derjenige darf es ihnen nicht verwehren. Und ihr seht erst nachher ihre Gesichter. Mag sein, dass die meisten junge Hexen sind, aber das muss nicht sein. Ihr könntet ein böses Wunder erleben." Und sie verschwand wieder kichernd.

"Also wirklich: die dürfen uns einfach küssen? Ohne dass wir sie vorher zu Gesicht bekommen? George, ich glaube wir sollten eine Zeit lang in Deckung gehen"
"Finde ich auch Fred. Ich wollte sowieso schon mal zu den Waschräumen"
Und sie verschwanden in Richtung Haus.
"Also wirklich, wo es gefährlich für sie werden könnte verschwinden sie auf's Klo." und Ginny sah ihre Brüdern scheinbar empört hinterdrein. Aber Harry hatte auch das Gefühl, dass sie das Richtige taten, wagte aber nicht es ihnen gleichzutun.

Mittlerweilen nahmen die neu angekommenen Hexen am Fest teil. Man sah hier und dort eine von ihnen tanzen, und als Ron ihn anstieß und in eine Richtung zeigte sah er die erste, die sich demaskierte: sie hatte sich vor Prof. Dumbledore aufgebaut und sprach auf ihn ein. Der schmunzelte und sie sahen, dass sie ihre Maske abnahm und ihn vorsichtig küsste. Na die war wohl wirklich nicht mehr allzu jung. Sie schien fast in Dumbledores Alter, aber der war keineswegs erstaunt, schien sie sogar zu kennen und sie setzten sich an einen der Tische und unterhielten sich noch einige Zeit.

Nach und nach nahmen sie die Masken ab. Nur einige waren noch immer maskiert. Fleur unterhielt sich gerade mit der Hexe im dunkelblauen Umhang, als die Hohe Priesterin sich zu ihnen gesellte. Sie reichte der maskierten Hexe beide Hände und schien sie herzlichst zu begrüßen. Später am Abend, als keine mehr maskiert war, war nirgendwo mehr jene mit dem blauen Umhang zu sehen.

Fred und George hatten sich zwar lange Zeit versteckt gehalten, waren aber dann doch noch von zwei Maskenträgerinnen abgefangen worden. Diejenige, die Fred küsste, stellte sich als überaus hübsche junge Frau mit dunkelblonden Haaren heraus, und Fred tanzte den Rest der Nacht mit ihr, diejenige die George geküsst hatte war eher unansehnlich, hatte blondes gekraustes Haar und schien sich bei diesem Fest ziemlich fehl am Platze zu fühlen. Er war auch nicht böse, als sie sich bald verdrückte.

"Puh, noch mal Glück gehabt. Also dieses verkleidet sein wäre nichts für mich. Ich sehe mir meine Mädels lieber vorher an bevor ich sie küsse."
"Das heißt also du gehst bei einer Frau nur nach dem Aussehen?" war Ginny entrüstet.
"Nein, so hab ich das gar nicht gemeint. Besser ausgedrückt heißt es wohl: ich lerne sie zuvor gern näher kennen. Das hat damit, ob sie eine Schönheit ist oder nichts gar nichts zu tun. Die Muggel bezeichnen dergleichen wohl gern als blind date, das heißt sie verabreden sich mit Leuten, die sie noch gar nicht kennen. Nein, ich bleib lieber bei der alten Art." und er grinste Ginny herausfordernd an.

Molly Weasley gesellte sich zu ihnen. Sie fächelte sich mit einer Serviette Luft zu. "Ich bin es nicht mehr gewohnt soviel zu tanzen" japste sie, "Ich brauch mal eine Pause. Wie geht es euch? Wie gefällt euch die Hochzeit? Wollt ihr nicht auch tanzen? Also Ron, dich hab ich noch nicht auf der Tanzfläche gesehen. Wieso forderst du nicht endlich mal Hermine auf?"
Ron sah seine Mutter erschrocken auf. Tanzen war nun mal nicht seine Lieblingsbeschäftigung. Aber immerhin hatte er sich heimlich von seiner Schwester ein paar Schritte beibringen lassen. Und mit Hermine zu tanzen, war ihm ja nicht unangenehm.

"Du weißt dass ich ein folgsamer Sohn bin Ma. Also Hermine, darf ich dich um diesen Tanz bitten?" und er deutete eine leichte Verbeugung an.
"Oh, wie könnt ich da wohl nein sagen." Sie machte einen Knicks und folgte ihm. Harry hörte aber noch wie sie Ron zuraunte: "Da hättest du jetzt aber nicht von allein drauf kommen können?"

"Siehst du Mutter. Du hast dir ganz umsonst Sorgen gemacht. Es ist ja doch alles gut gegangen." sagte Charlie zu seiner Mutter.
"Ja, eigentlich schon. Aber als diese Hexen hier angeflogen kamen, blieb mir fast das Herz stehen. Ich kenn das als sehr sehr alten Brauch. Meine Mutter hat mir mal erzählt, dass es bei ihrer Hochzeit so vorgefallen sei. Aber heutzutage ................ . Aber Bill hat sich tapfer geschlagen. Und Fleur hat ihn ja vorgewarnt. Und was das für ein Gemisch von Hexen ist. Die älteste ist beinah so alt wie unser guter Dumbledore, und falls ich das richtig gehört habe ist sie auch Hohe Priesterin. Dabei gibt es in England nur etwa zwölf von ihnen, in Frankreich werden es wohl auch nicht mehr sein. Ich war schon ganz erstaunt, als ich gehört habe, dass eine die Trauung vornehmen würde. Aber diese ist eine Urgroßmutter von Fleur väterlicherseits. Im Normalfall vollziehen bestimmte Abgesandte des Ministeriums die Trauungen. Und dann taucht auf dieser Hochzeit sogar eine zweite auf."
"Ja liebste Schwiegermutter, aber genaugenommen waren es sogar drei. Aber diese lassen wir wohl besser unentdeckt." und Fleur zog ihren Bill lachend zur Tanzfläche.

Molly machte noch größere Augen als zuvor. Diesen Luxus und dann noch all die exklusiven Festgäste, das war wohl etwas viel für sie.
"Mrs. Weasley, was ist eigentlich das besondere an diesen hohen Priesterinnen?" fragte Harry Molly Weasley.
"Ach, ich werde mal versuchen es dir zu erklären. Setz dich doch zu mir."
Sie nahm einen Schluck Wein und begann:


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Ungelesener BeitragVerfasst: 26. Februar 2006 20:49 
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35. Die Hohen Priesterinnen

"Zu Anbeginn waren es Frauen, die einfach eine besondere Gabe in sich spürten. Egal ob reinblütig oder muggelstämmig, sie kamen zu Magiern, die im Sterben lagen, und standen den Angehörigen und den Sterbenden bei, trösteten die Hinterbliebenen und gaben denen, die im Begriff waren von dieser Welt zu gehen, Zuversicht und Beistand. Zuerst fanden sie die Hinscheidenden von selbst, dann, wenn ihr Name bekannt geworden war, wurden sie gerufen.

Auch zu Frauen, die eine sehr schwere Geburt vor sich hatten, bei denen ihnen der Tod schon sehr nahe war. Oftmals konnten sie verhindern, dass die Frauen sterben mussten, aber wenn es ihnen nicht gelang, so nahmen sie das Neugeborene unter ihren Schutz und stellten so zusätzlich zu den Paten eine wichtige Hilfe für das Kind dar.

Zuerst waren es Frauen, die sich angesichts ihrer Berufung gegen die Liebe zu einem Mann und eigene Kinder stellten. So ungefähr alle sieben Jahre bei einer ganz bestimmten Sternenkonstellation wurde einer Hexe diese Gabe in die Wiege gelegt. Nicht jede wusste, damit umzugehen, aber es wurden doch mehr und sie halfen sich gegenseitig und stellten ihr Wissen den Jungen zur Verfügung. Sie hielten regelmäßige Treffen ab, die später als die Treffen des obersten Hexenrates in die Geschichte eingingen. Kein Mann hat je daran teilgenommen, darum waren diese Frauen, den Zauberern oftmals ein Dorn im Auge.

Nach geraumer Zeit gab es auch welche, die es nicht einsahen, ihr Leben nur in Askese und dem Dienst an den Mitmenschen zu stellen. So heirateten sie und bekamen Kinder. Aber bei der Geburt ihrer ersten Tochter verloren sie ihre Gabe, und man sah es als Zeichen ihres Frevels an. Erst später, nach einigen Generationen erkannte man, dass sich diese Gabe weitervererbt hatte. Und so wurden Töchter geboren, die dieselbe Kraft wie ihre Urururgroßmütter inne hatten.

Damit hatte dann das Geraune um die Notwendigkeit der Reinheit ein Ende. In den dunklen Zeiten, als immer wieder Kämpfe tobten, stellte man fest, dass die von den Hohen Priesterinnen gesegneten Kinder wirklich einen besonderen Schutz hatten. Sie waren nicht unsterblich, aber sie hatten einen Schutzengel, der sie oft vor Bösem bewahrte.

Der, dessen Name nicht genannt werden darf, gehört zu denen, die viele dieser Hexen auf dem Gewissen hat. Er hat sie ganz bewusst ausgesucht und getötet, um den anderen Hexen und Zauberern zu zeigen: "seht her, ich habe die Macht die Hohen Priesterinnen zu töten. Glaubt ihr wirklich sie wären was besonderes? Glaubt ihr wirklich, sie können euch so noch schützen?" Die Angst, die sowieso schon herrschte wurde durch diese Gräueltaten noch mehr geschürt.

Als er verschwunden war, und alle langsam wieder aufatmen konnten, kamen sie aus ihren Verstecken wieder hervor. Nicht, dass sie sich aus Feigheit versteckt hätten. Sie waren sich vielmehr ihrer Pflicht bewusst, denen, die sie brauchten, beizustehen, und für all diese wollten sie überleben.

Lange Zeit hörte man dennoch kaum von ihnen, sie tauchten nur auf, wenn einzelne ihre Hilfe brauchten. Erst seit einigen Jahren ist erneut bekannt geworden, dass sich diese Hexen wieder formieren.. Der oberste Hexenrat ist jetzt so stark wie früher, die Oberste des Hexenrates Mater Major, ist auch schon dadurch bekannt geworden, dass sie sich in Angelegenheiten des Ministeriums einmischt, sehr zum Missfallen der Minister.

Und nach wie vor nehmen die Hohen Priesterinnen die Totenfeiern vor, taufen Kinder, geben Hilfesuchenden Beistand, vollziehen manchmal auch Trauungen, und sehen, dass sie ihren Nachfolgerinnen von Hexe zu Hexe ihr Wissen weitergeben. Heute wirft es keiner ihnen mehr vor, wenn sie auch heiraten und Kinder haben. Und nicht jede verliert ihre Kraft, bei der Geburt einer Tochter. Wovon das abhängt, weiß ich aber auch nicht."

Molly Weasley nahm einen großen Schluck aus ihrem Weinglas. Harry hatte aufmerksam zugehört. Das klang für ihn alles so neu. Er hatte in den letzten Jahre geglaubt, in der Zauberwelt schon gut Bescheid zu wissen. Aber es gab immer wieder etwas, was ihn überraschte.

Charlie Weasley und Ginny setzten sich zu ihnen. Sie waren gerade vom Tanzen zurückgekehrt.
"Was besprecht ihr hier gerade?" fragte Ginny interessiert.
"Harry hat mich nach den Hohen Priesterinnen gefragt." erklärte ihre Mutter.
"Oh, ein interessantes Thema. Aber wenn ich bedenke, dass sie vor allem Totenfeiern abhalten, und helfen, dass ängstliche Seelen, den Ãœbertritt schaffen und nicht zu Geistern werden – irgendwie gruselig das Ganze." und Ginny schüttelte sich.

"Aber es ist doch eine wichtige Aufgabe, oder? Ich hab schon von solchen Feiern gehört. Das ist für die Ausübenden unheimlich anstrengend." antwortete Charlie.

Ron und Hermine kamen von der Tanzfläche zurück. Ron strahlte. War es doch das erste Mal seit Schulbeginn, dass Jim nicht dabei war.

Molly Weasley wandte sich an ihren Sohn Charlie: "Du könntest aber auch einmal mit anderen, als nur mit Familienmitgliedern tanzen. So viele hübsche Mädchen hier. Ist da denn keine dabei, die dir gefällt?"
"Oh doch Mutter, aber ich bin für diese sportliche Betätigung nicht allzu geeignet. Aber ich hatte sowieso vor wieder tanzen zu gehen. Hermine, darf ich bitten?"
Und Hermine, die noch etwas außer Atem war, willigte trotzdem ein.

Ron sah ihnen etwas sauer nach. "Er könnte ja wohl auch wen anderen aussuchen." und er setzte sich und machte ein beleidigtes Gesicht.

Jetzt gesellte sich auch Dumbledore zu ihnen. "Liebe Molly, ich muss schon sagen eine wunderschöne Feier. Und für mich bietet sich dadurch die Gelegenheit einige Gespräche zu führen. Ein paar französische Hexen und Zauberer haben mir ihre Bereitschaft bekundet in Hogwarts Wache zu schieben. Vielleicht sind auch einige dabei, die sich dem Orden anschließen werden. Mal sehen."

Und da kam auch der braunhaarige junge Mann, der Cousin Fleurs zu Ihnen: "Direktor Dumbledore, ich hab gehört sie könnten noch jemanden für die Wache in Hogwarts gebrauchen. Ich mache zurzeit meine Ausbildung zum Auror und könnte ab Jänner auch meine Hilfe anbieten. Meine Ausbildner wären damit einverstanden."
"Oh, aber sehr gerne Monsieur Alchimiste. Es wäre mir eine Ehre. Ich hoffe aber, ihr Herr Vater hat nichts dagegen?"
"Oh der hat gegen alle meine Entscheidungen was auszusetzen. Aber ich entscheide schließlich selbst und würde es gern tun."
Als er wieder gegangen war, fragte Molly: "Alchimiste? Ist das etwa ein Sohn des französischen Zaubereiministers?"
"Ja das ist er. Und ich hab schon von ihm gehört. er soll ein sehr fähiger Zauberer sein."

Die Nacht dauerte noch lange an. Aber schön langsam verabschiedeten sich die ersten Gäste und Harry merkte, wie müde er schon war. Auch Ron und den Mädchen ging es nicht anders und so machten sie sich auf den Weg zu ihren Räumen.

Am nächsten Tag schliefen sie endlos lang, und nachdem sie noch ein wenig in dem wunderschönen Park spaziert waren, war es Zeit Abschied zu nehmen. Hagrid verabschiedete sich von Mme Maxim und Molly Weasley umarmte sie alle noch einmal. Dann ergriffen sie den Besen und waren im Nu wieder in Hogwarts.

Beim Abendessen erzählten sie den anderen von der Hochzeit. Draco ätzte vom Nebentisch: "Na das kann was gewesen sein. Habt ihr die Gäste überhaupt abspeisen können? Oder hat sich jeder sein Essen selbst mitgenommen?"

Aber als am nächsten Tag im Tagespropheten ein großer mehrseitiger Artikel über die "Hochzeit des Jahres" zu lesen war, verstummten seine Angriffe.


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Ungelesener BeitragVerfasst: 2. April 2006 14:21 
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36. Eine kleine Beichte


Der Artikel im Tagespropheten verursachte bei den meisten ziemlich viel Aufregung. Dass die Hochzeit eines Weasleys mit einer Französin als "Hochzeit des Jahres" angekündigt wurde, überraschte denn doch viele. Aber diese Titulierung hatte sie wohl vor allem wegen der honorigen Gästeliste bekommen. Einige Minister Englands, einige Frankreichs, sogar der französische Zaubereiminister waren anwesend gewesen. Natürlich wurde auch ein Gruppenbild mit den ehrenwerten Herrschaften abgebildet.

Aber das Brautpaar selbst gab auch ein tolles Bild ab. Fleur in ihrem blassblauen Kleid, Bill mit einem nachtblauen Umhang, sie gaben ein schönes Paar.

Und die Anwesenheit zweier Hoher Priesterinnen füllte auch einige Zeilen.

"Hier steht auch was von dem seltsamen Brauch der Brautentführung" Ginny deutete auf die Stelle in der Zeitung

"Bei dieser Hochzeit wurde auch ein uralter Brauch wieder aufgegriffen: die Entführung der Braut!
Als die Trauung vorüber war, das erste Festmahl genossen, und die Musik schon einige Zeit zum Tanz aufspielte, erschienen uneingeladen wohl zwei Dutzend maskierte Hexen auf ihren Besen. Sie nahmen die Braut in ihre Gewalt und stellten dem armen, geplagten Bräutigam verschiedene Fragen. Der aber hielt sich tapfer, konnte sogar großteils in Reimen antworten, und so wurde sie ihm bald wieder ausgehändigt.

Die Hexen ihrerseits blieben danach auf dem Fest und feierten ungeniert mit. Sie nahmen ihre Masken erst ab, als sie sich einen Mann ausgesucht hatten, den sie küssten."

"War Mater Major nicht süß, als sie Dumbledore geküsst hat?" warf Claire ein.
Harry und die anderen drei sahen sie überrascht an: "Sag mal Claire, du warst aber doch nicht bei der Hochzeit ?"
Es war selten der Fall, dass Claire rot wurde, aber nun schon: "Ähem, nein, natürlich war ich nicht, ich dachte, das stand in der Zeitung" und sie vergrub ihr Gesicht hinter ihrer Ausgabe des Tagespropheten.
"Ich stell dir diese Frage noch einmal: warst du auf der Hochzeit?" Harry sah sie jetzt eindringlich an.
"Hast du mich etwa gesehen? Nein. Wie sollte ich auch dort gewesen sein? So einfach kann man doch nicht aus Hogwarts entschwinden." Und sie bückte sich nach ihrer Tasche, stand vom Tisch auf und ging zu Michel, der schon auf sie wartete.

Tja, Harry wusste, dass es schon möglich war. Sie waren zu Halloween ja auch verschwunden. Aber gesehen hatte er sie ja wirklich nicht. Außer natürlich - sie wäre eine der maskierten Hexen gewesen.

"Jim, sag mal, war deine Cousine das ganze Wochenende hier in Hogwarts?" fragte Hermine Jim.
"Ich denke schon, aber ich bin doch nicht ihr Kindermädchen. Keine Ahnung, sie treibt sich sowieso meistens mit diesem Michel herum. Da fällt es mir wohl gar nicht auf, wenn sie das Gelände verlässt. Glaubst du sie war auf Fleurs Hochzeit?"
"Tja, wenn ich bedenke - diese maskierten Hexen - und ich bin mir ganz sicher, dass ich eine nie unmaskiert sah - würde das zu ihr passen - ich meine, diese Aktion der maskierten Hexen?"
"Tja, das sieht mir sogar sehr nach ihr aus, aber wie gesagt ich weiß nicht, ob sie da war oder nicht. Andererseits kennt sie Fleur, kennt ihre Freundinnen, und für alte Bräuche hat sie sich schon immer interessiert. Und fliegen kann sie auch."
"Schön langsam sollten wir uns aber sputen, sonst muss Hagrid noch auf uns warten" warf Ron ein.

Ja, wo er Recht hatte. Sie packten ihre Taschen und machten sich auf den Weg zu Hagrids Hütte.

Am Ende der Stunde tratschen Harry und Ron noch ein wenig mit Hagrid. Dieser war an diesem Tag so gut gelaunt wie schon lange nicht mehr. Als sie sich auf den Rückweg zum Schloss machten, sahen sie Michel und Claire am Wegesrand. Michel stand hinter ihr, hatte die Arme um sie gelegt und sprach leise auf sie ein. Sie sahen sehr friedlich und verliebt aus.

Aber Ron konnte es nicht lassen. Er trat zu ihnen und fragte jetzt auch noch Michel: "Sag mal, war Claire eigentlich das ganze Wochenende im Schloss?"
Claire blitzte Ron wütend an, aber Michel antwortete: "Ja, wo soll sie denn sonst gewesen sein? Nachdem sie die Einladung zur Hochzeit ausgeschlagen hat, war sie wohl hier." und er küsste sie zärtlich auf die Wange.
"Bist du dir auch ganz sicher, dass sie Samstag Nacht da war?" hakte Ron noch einmal nach.

"Also es tut mir ja wirklich leid dich enttäuschen zu müssen. Aber ich teile mein Zimmer leider mit einigen Jungs aus Slytherin, und ich würde Claire zwar sehr gern anbieten mein Bett mit mir zu teilen, aber ich fürchte sie würde das ablehnen. All zu sehr scheint sie Draco ja nicht zu mögen, dass sie den Wunsch hätte gemeinsam mit ihm in einem Zimmer zu nächtigen. Oder meine Liebe?"
Und sie lachte und meinte: "Also an deiner Seite könnt ich wohl so einiges ertragen, aber Draco Malfoy wohl doch nicht. Nein, ich bleib schön brav in meinem Bettchen in meinem Schlafsaal."

Ron wollte noch einmal zum Sprechen ansetzen, aber Harry hielt ihn davon ab: "Du hast gehört, sie sagt es uns nicht. Lassen wir sie halt in Ruhe. Ich weiß bloß nicht wieso sie es uns nicht sagt. Wir würden sie doch eh nicht an Dumbledore verpetzen." und er drehte sich um und wollte weitergehen, als sie ihm zurief: "Harry, sorry. Ja, klar war ich dort. Du hast meine Stimme schließlich erkannt. Das hab ich an deinem verwunderten Gesichtsausdruck bemerkt. Aber ich konnte mich nicht zeigen. Nicht wegen euch oder Dumbledore oder Minerva. Da gab es andere Gründe, aber die gehen euch nun wirklich nichts an. Aber behaltet es bitte für euch. Dumbledore sieht es nicht gern, wenn andere es merken, dass ich öfter weg bin."

Öfter weg? Ja, nach Italien war sie gegangen, aber das war offiziell bekannte gewesen. Aber sonst?

"Außerdem hätte ich dann ja brauchtumsgemäß jemanden küssen müssen. Und ich glaube, da wäre wohl jemand böse geworden." und sie drehte das Gesicht zu Michel, der sie beruhigend ansah: "Keine Sorge, wenn es nur dem Brauchtum zuliebe gewesen wäre."

"Ach ja? Na dann hätte ich mir Marcels Vater ausgesucht. Um ihm zu zeigen, dass es gar nicht so schlimm ist, nicht reinblütige Hexen zu küssen." und sie lachte aus vollem Hals.
"Marcel? Ist das nicht der Sohn des französischen Zaubereiministers? Wieso grad den?" und Harry schüttelte verwundert den Kopf.

"Ach der Gute hat, bei einer Aufführung in meinem dritten Schuljahr, als ich zu der Darbietung gehörend Marcel geküsst hatte, seinem Sohn nachher sein Beileid ausgedrückt, dass er eine muggelstämmige Hexe küssen musste. Ich war damals so wütend, dass ich ihm am liebsten einen Fluch auf seine Weichteile gehext hätte. Aber keine Angst Ron, du brauchst gar nicht so entsetzt zu schauen, ich hab's nicht getan. Und außerdem hab ich mich in der Wahl meiner Mittel ziemlich gebessert." und sie zwinkerte ihm schelmisch zu.

"Was haltet ihr eigentlich vom Mittagessen?" fragte Michel, "Nur von der Liebe allein hört mein Magen leider nicht zu knurren auf."

Und lachend und schwatzend gingen sie gemeinsam das letzte Stück zum Schloss zurück.


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Ungelesener BeitragVerfasst: 2. April 2006 14:23 
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37. Tratsch aus Beauxbatons und Weihnachtspläne

Am Abend saßen sie ausnahmsweise mal wieder traut vereint vor dem Kamin. Ron und Jules spielten Schach. Hermine und Ginny ließen sich über Pansy aus, die beim Abendessen wieder ihre Hände nicht von Draco lassen konnte. Claire hatte sich an Jim gekuschelt und schlief mal wieder. Hermine sah das zwar nicht allzu gern, hatte sich damit aber mittlerweile abgefunden.

Harry erinnerte sich an das, was Claire zu Mittag erzählt hatte: "Sag mal Jim, Claire hat von einer Aufführung in Beauxbatons gesprochen. Was hat sie damit gemeint?"
"Oh, es ist in Beauxbatons so üblich, dass kurz nach Ostern, bevor die Prüfungen beginnen, einige Schüler etwas aufführen, und da sind dann auch die Eltern dazu eingeladen. Im vergangenen Jahr haben wir zum Beispiel das Musical "The Rocky Horror Picture Show" gespielt, im Jahr davor Lieder von den Comedian Harmonists gesungen und in unserem dritten Jahr, war es eine verbale Auseinandersetzung zwischen Hexen und Zauberern, so als Kampf der Geschlechter. Was hat Claire dir leicht erzählt?"
"Sie hat gesagt, dass der Vater von Marcell unangenehm berührt war, dass sie als nicht reinblütige Hexe seinen Sohn geküsst hat."

"Oh das! Das war eben in unserem dritten Jahr, Marcells Abschlussjahr. Er waren eben die beiden, die die Hauptrollen in dieser Debatte über hatten. Wir anderen waren bloß Statisten mit nur wenig Text. Das ganze haben sie übrigens auf Latein gemacht. Claire ist sowieso ein Naturtalent was Sprachen betrifft, und Marcell wurde wohl von seiner Familie dazu angehalten Latein zu lernen. Für beide ist es keine tote Sprache, sondern durchaus einen lebendige."

"In Latein?", Hermine hatte aufgehorcht, "Aber das haben wohl nicht allzu viele verstanden?"
"Oh da irrst du dich. In Frankreich ist es in Zaubererkreisen durchaus noch üblich diese Sprache zu erlernen. Und vor allem die Lehrer und die Gäste waren begeistert."
"Abgesehen davon, dass der Kuss sehr echt gewirkt hat und sie sich fast nicht voneinander trennen konnten." mischte Jules sich ein.

"Papperlapapp - sei still!" Claire schien doch nicht so fest zu schlafen, wie es den Anschein hatte.
"Ach ja? Gibt es da noch mehr zu erzählen?" fragte Ginny neugierig.
"Tja eigentlich schon einiges. Aber du hast ja gehört: Claire hat was dagegen, dass wir aus ihrem Intimleben erzählen."
"Klappe jetzt - sonst fang ich zu erzählen an. Könnte sein, dass das hier Anwesende interessieren könnte." Claire hatte sich jetzt aufgerichtet, war von Jim abgerückt und blinzelte die Jungs böse an.

"Ich bin ja schon still. Beruhig dich doch." gab Jim klein bei.
"Na ja, aber ich könnte mal schauen, ob ich Bilder von der Aufführung vom Vorjahr finde. Hat jemand das Bedürfnis die beiden Süßen in kessen Dessous zu sehen?"
Ron verdrehte die Augen: "Das willst du uns doch nicht wirklich antun? Sie blenden einen ja schon in ordentlich bekleidetem Zustand."

Ginny musste lachen: "Aber Brüderchen, willst du damit sagen, deine geschlechtliche Orientierung ist gleich wie die von unserem Bruder Charlie? Das hätte ich nicht von dir gedacht."
"He Schwesterchen - hüte deine Zunge. Nein, gewiss nicht."
"Also interessierst du dich doch mehr für Jungs als für Mädchen?" fragte Claire vorlaut.
"Nein, ich sagte doch ....."
"Du hast gesagt deine "Orientierung" sei gewiss nicht die gleiche, wie die von Charlie. Und von ihm ist mir nur bekannt, dass er am weiblichen Geschlecht interessiert ist."
"Woher glaubst du das zu wissen?" fauchte Ron sie an.

"Ich weiß es eben - basta!" Claire ließ keine weiteren Diskussionen zu und wandte sich an Harry: "Hast du dir eigentlich schon überlegt, wo du die Weihnachtsferien verbringen willst? Mutters Angebot steht noch immer."
Ron sah überrascht zu Harry: "Aber Ma hat dich doch auch eingeladen. Willst du nicht in den Fuchsbau mitkommen?"

Harry sah etwas hilflos und unschlüssig drein: "Ich hab mir darüber eigentlich noch nicht den Kopf zerbrochen. Aber es würde mich schon reizen Weihnachten bei Miranda und Claire zu sein. Ich möchte Miranda einiges fragen, und nur brieflich ist das schwierig. Wenn es also ernst gemeint war ....."
"Na sicher war es das. Ron du kannst ja auch zu uns kommen. und ihr anderen natürlich auch. Ma ist es gewöhnt, dass unser Haus entweder sehr leer, oder übervölkert ist. Sie hat ja danach wieder einige Monate zum Erholen."

"Gute Idee," meinte Jim, "Ein paar Tage müssen wir zwar zu Mutter, aber dann könnten wir. Na Hermine - was hältst du davon?"
"Ach meine Eltern haben sich schon daran gewohnt, dass ich auch in den Ferien nicht ständig daheim bin. Also wäre es schon möglich."

"Ginny, was ist mit dir?" erkundigte sich Jules.
"Na ich weiß nicht. Mutter ist immer so froh, wenn wir heimkommen. Die wird das wohl kaum erlauben."
"Aber was. Wenn du willst, soll meine Mutter eben deiner Mutter Bescheid geben, dass sie sich über euer Kommen freuen würde. Sie kann sehr überzeugend sein, wenn sie will."
"Also wenn das ginge - ich fände es toll - Aber habt ihr soviel Platz?"
"Na im Normalfall nicht Aber es gibt ein Gästezimmer, das bekommen die Jungs, und ihr Mädchen schläft bei mir. Ich beherrsche den Zauber Räume magisch zu vergrößern schon sehr gut. Hab das schon öfter gemacht,"

"Wo wohnst du denn eigentlich?" erkundigte sich jetzt Ron.
"Etwas außerhalb eines kleinen Dorfes. Das Nachbarhaus bewohnen die Jordans, unsere Gärten sind nicht voneinander getrennt und enden am Seeufer. Baden werden wir zwar zu Weihnachten nicht können, aber Eislaufen. Und Schlitten fahren auf einem Hügel in der Nähe. Ich glaube nicht, dass uns langweilig wird."

Nein, das klang eigentlich ganz gut. Das war wenigstens was, worauf Harry sich freuen konnte. "Aber wird es mir Dumbledore gestatten? Du weißt schon - wegen der Aktivitäten Riddles?" "Oh darüber würde ich mir keine Sorgen machen. Unser Haus ist magisch geschützt. Also seid ihr dort in Sicherheit."

"Aber wo wir grad bei den Franzosen waren," fing Hermine an, "Dumbledore hat doch einige angesprochen, ob sie Wache in Hogwarts übernehmen würden. Soviel ich mich erinnere hat dieser Marcell ihm für nach Weihnachten fix zugesagt. Das müsste dich doch freuen, wenn du ihn so gut kennst."

Claires Reaktion war aber anders als erwartet: sie erstarrte, das Wasserglas, das sie gerade zum Mund führen wollte glitt ihr aus der Hand und zerbarst in winzige Scherben und ihre Augen waren vor Schreck geweitet. Hermine, die das keineswegs in böser Absicht gesagt hatte erschrak. Sie sah beunruhigt zu Jim, der die Augen rollte und den Kopf schüttelte. So in der Art: Das war jetzt kein guter Einfall.

"Claire was ist mit dir?" Ginny fügte das Glas mit "Reparo" rasch zusammen und legte ihr dann beschwichtigend den Arm um die Schulter. "He Liebes, wieso bist du so erschrocken?"
Und sie fing ganz automatisch eine Melodie zu summen an. Claire erwachte aus ihrer Erstarrung und sah sie dankbar an: "Danke Ginny, es ist nichts. Ich hab nur nicht damit gerechnet, dass ich hier womöglich ehemaligen Mitschülern begegnen könnte. Ich glaub, ich geh jetzt besser mal schlafen." und sie stand auf und wandte sich den Stiegen zu.

Was für eine faule Ausrede war denn das nun wieder? Harry beschloss die Zwillinge später danach zu fragen. Hermine und Ginny erhoben sich ebenfalls. "Gute Idee, da schließen wir uns an." und beide verabschiedeten sich von ihren Freunden und folgten Claire. Aber Harry sah, dass auch Ginny ihnen in das Schlafzimmer der Sechstklässer folgte. Da schien wohl noch jemand neugierig zu sein.


8. Sichtwechsel

"He Kleines. Du hast dich in der Tür geirrt." sagte Hermine zu mir.
"Nö hab ich nicht. Ich will jetzt endlich mal wissen, was uns Claire da so alles verheimlicht." entgegnete ich.
"Ich verheimlich gar nichts. Wieso sollte ich auch? Aber ich muss euch doch nicht alles von meinen letzten Schuljahren erzählen. Aber wenn ihr wollt, schreib ich Ma, dass sie mir die Fotos von den Jungs von der letzten Aufführung schickt. Die könnten euch eventuell gefallen." und Claire ließ sich auf’s Bett fallen.

"Jetzt lenk nicht schon wieder ab. Also, was hat es mit diesem Marcell auf sich? Da war doch noch mehr, als du uns weismachen willst?" hakte Hermine nach.
"Oh Mädels ihr seid anstrengend. Was soll schon gewesen sein? Wir waren ein halbes Jahr zusammen. Das ist alles."
Das wollte ich jetzt aber genauer wissen: "Du warst damals in der dritten Klasse? Und Marcell in der siebenten? Wow, und was bedeutet das bei dir: du warst mit ihm zusammen?"
"Neugierdsnase, na Händchen halten, küssen und so halt."
"Und was fällt unter : so halt?" auch Hermine hatte sich auf den Bettrand gesetzt und spitzte die Ohren.

"Na alles was halt so dazu gehört. Ja verdammt, ich hab auch mit ihm geschlafen, na und? Und mit Schulschluss haben wir uns getrennt. Also genauer gesagt, hab ich mich von ihm getrennt. Und jetzt will ich ihm eigentlich nicht hier begegnen."
"Aber wieso hast du dich von ihm getrennt? Ich hab ihn doch auf der Hochzeit gesehen. Er ist ein Bild von einem Mann: gutaussehend, kräftig, und wenn er Auror wird ist er wohl auch ein fähiger Zauberer."

"Ja sicher, ich hab ihn auch unheimlich gern gehabt. Aber ich war mir sicher, dass es außerhalb der Schule mit uns nicht weitergehen würde. Er ist nun mal beinahe 5 Jahre älter als ich. Glaubst du meine Mutter hätte es gut geheißen, wenn ich mich mit ihm in den Ferien getroffen hätte?"
"Also du erscheinst mir so, als hättest du sehr wohl Wege und Möglichkeiten gefunden ......"
"Ja vielleicht. Aber ich war mir sicher, dass er recht bald eine andere kennen lernen würde, und ich wollte mir wohl diesen Kummer ersparen. Außerdem wusste ich ja, was sein Vater von nicht reinblütigen Hexen hielt. Nein, ich hab lieber verzichtet. Ich hab auch versucht Marcell meine Beweggründe zu erklären, aber er war unheimlich sauer und wir haben uns furchtbar gestritten, als wir uns zum letzten Mal sahen."
"Und jetzt hast du Angst vor seiner Reaktion, wenn du ihn wieder triffst?"
"Na klar doch. Das war auch einer der Gründe, weshalb ich von der Hochzeit so schnell verschwunden bin. Er hat mich dort auch ganz neugierig angesehen, aber ich glaube, er hat mich dann doch nicht erkannt."

"Und was war der zweite Grund?"
"Jetzt reicht es mir aber. Ich sag gar nichts mehr." Claire vergrub trotzig ihr Gesicht in ihrem Polster.
"Aber süß hat er ausgesehen. Mit seinen dunkelbraunen Haaren." geriet ich ins schwärmen.
"He" Claire richtete sich nochmals auf, "du wirst doch Jules nicht untreu werden." ihr Gesicht sah fast entrüstet aus. Aber man sah das schelmische Blitzen in ihren Augen. "Aber glaubst du wirklich ich hätte meine Zeit damit erbracht mit hässlichen Jungs zu schmusen? Nö, die waren alle ganz ansehnlich. Und kein einziger Blondschopf dabei."

Hermine fing an zu lachen. "Oh du sprichst mir aus der Seele, diese Haarfarbe finde ich auch nicht ganz so attraktiv. Wenn ich mir nur den doofen Draco ansehe ...."
Claire sah jetzt wieder ganz ernst aus. "Pass nur auf. Draco ist nicht dumm. Er hat nur die Ansichten seiner Eltern übernommen. Und das ziemlich zur Gänze. Aber dumm ist er keineswegs, vor dem sollte man sich wohl besser in Acht nehmen."
"Hast recht. Er hat schon einiges von seinem Vater Lucius Malfoy abbekommen." das war von mir nur so dahingesagt, aber zum zweiten Mal diesen Abend zuckte Claire zusammen und ich spürte, wie sie sich in ihr Schneckenhaus zurückzog. Aber nicht nur sie, auch Hermine war bleich geworden.

"Was ist los? Hab ich was Falsches gesagt? Das wollte ich nicht. Was ist es, dass dich vor Dracos Vater so erschrecken lässt?" Hermine hatte den Arm um Claire gelegt. Sie, die zuerst doch rechte Ablehnung Claire gegenüber gezeigt hatte, sich nun aber neutral verhielt, sie nahm Claire in den Arm um sie zu trösten.

"Frag nicht." sagte Hermine bloß zu mir gerichtet.
Claire zitterte und sah mich dann aber direkt an: "Lucius Malfoy, ist derjenige, der mir meine Narben zugefügt hat. Aber frag heute bitte nicht weiter. Ich kann dir jetzt nicht mehr dazu sagen." und sie vergrub ihren Kopf an Hermines Schulter und begann lautlos zu weinen.

Ich war nun selbst ganz benommen. Lucius Malfoy hatte sie so gezeichnet? Und mir fiel ein Artikel im Tagespropheten von vor einigen Jahren wieder ein. Hatte dieser Artikel von Claire erzählt? Ich wollte nicht daran glauben. Hoffte es für sie, dass es nicht stimmte. Verwirrt ging ich auf mein Zimmer und versuchte zu schlafen. Aber es dauerte einige Zeit, bis mich der Schlaf von meinen wirren und traurigen Gedanken erlöste.


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Ungelesener BeitragVerfasst: 2. April 2006 14:25 
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Fortsetzung 8. Sichtwechsel

Am nächsten Morgen war Claire sehr blass, und ich wollte sie nicht weiter befragen. Aber am Nachmittag ließ es mir keine Ruhe mehr und ich suchte die Bibliothek auf. Hier gab es ja alle Ausgaben des Tagespropheten zu finden. Ich wusste nicht so genau, bei welchem Datum ich zu suchen hatte, aber sicher im Sommer vor meinem Schuleintritt. und schließlich wurde ich fündig:

Tagesprophet vom: 3. 8. 1992

In der vergangenen Nacht ereignete sich Unfassbares. Einen Tag nach ihrem 12. Geburtstag, wurde eine junge Hexe bei ihrem Heimweg durch den Park von mehreren Männern angegriffen und niedergestochen. Sie fiel (glücklicherweise) aufgrund der schweren Verletzungen ins Koma, doch erstaunlicherweise erschien in dem Moment ein Patronus in Gestallt eines ausgewachsenen Pumas. Er verbiss sich in die Anwesenden und sie flüchteten teils mit schweren Verletzungen. Durch den Patronuszauber in einer Muggelgegend alarmiert erschienen zwei Abgesandte des Ministeriums noch gerade rechtzeitig, um die junge Hexe lebend anzutreffen. Da sie der einen Ministeriumshexe als Tochter einer Heeling-Hands bekannt war, apparierten sie mit der Schwerverletzten sofort zu ihrer Mutter. Diese bemühte sich sofort um das Leben ihrer Tochter. Doch noch ist ungewiss, ob sie diesen Kampf gegen den Tod gewinnen wird. Das Mädchen weist unzählige Schnittwunden auf, und auch einige Wunden, die von einem Fluch stammen dürften.Iin dem Zusammenhang fiel der Name Lucius Malfoy, doch ist dieser Verdacht bis jetzt nicht bestätigt worden.
Wir hoffen für Mutter und Tochter auf eine (baldige) Genesung, und werden bei neuen Erkenntnissen wieder berichten.

Ja, jetzt schien meine Vermutung bestätigt, Claire hatte am 1. August Geburtstag, das kam hin.



Tagesprophet vom 5.8.1992

Das in der Nacht vom 2. August verletzte Mädchen ist noch am Leben. Aber sie hat soviel Blut verloren, dass es nach wie vor ungewiss ist, ob sie überleben wird. Ihre Mutter hat Hilfe von anderen Heeling-Hands bekommen, die sie in der Betreuung ihrer Tochter ablösen.

Das Ministerium hat eine Untersuchung des Vorfalls angesetzt, es ist zu beweisen, wer an diesem hinterhältigen Überfall beteiligt war, vor allem ob wirklich ein Zauberer anwesend war.

Der Verdacht, dass es Lucius Malfoy gewesen wäre hat sich aber mittlerweile entkräftet. Er konnte glaubhaft nachweisen, dass er zu der Zeit mit einigen befreundeten Zauberern zusammen war, die das auch bestätigen können.

Zusätzlich ist noch die Frage zu klären, wieso ein 12jähriges Mädchen, es als Bewusstlose schaffen konnte, einen gestalltlichen Patronus zu erschaffen. Das Ministerium wird auch dem nachgehen, aber es ist anzunehmen, dass die junge Hexe, falls sie überleben sollte, einen Prozess wegen Erschaffung eines Patronus in Anwesenheit von Muggeln über sich ergehen müssen lassen wird.

Pah! Lucius Malfoy hatte es schon des öfteren bewiesen, dass er um Ausreden nicht verlegen war. Ich glaubte eher Claires Worten, dass er es doch gewesen war.


Tagesprophet vom 3.9.1992

Jetzt ist es bereits ein Monat her, dass die junge Hexe überfallen wurde. (der Tagesprophet berichtete) Sie ist am Leben, aber nicht ansprechbar und bisher nicht aus dem Koma erwacht.
Unser Reporter Jack Green erkundigte sich in St. Mungos bei einem Heiler nach den Heilungschancen der jungen Hexe:
"Leider ist uns der genaue Hergang des Überfalls nicht bekannt. Wie wohl allseits bekannt ist, arbeiten Heeling-Hands im Normalfall nicht mit unserem Krankenhaus zusammen, und so ist es nicht verwunderlich, dass Mrs. A. keinen Kontakt mir uns aufgenommen hat. Würden ihre Wunden allerdings nur Schnittwunden, welche ihr von Muggeln zugefügt worden sind, sein, dann hätte sie ihre Tochter sicherlich schon retten können. Demnach ist es naheliegend, dass wirklich ein Zauberer mit anwesend war, und zusätzlich mit den physischen Verletzungen, scheint sie auch seelische abbekommen zu haben, was den Grund, des langen Komas erklären würde. Ob sie wieder erwachen wird, hängt nun davon ab, ob sie genug Willenskraft hat, das Geschehene zu verarbeiten, und genug Lebenswillen, um "zurück" zu kommen. Es werden ihr wohl Narben bleiben, sowohl an ihrem Körper, als auch auf ihrer Seele, aber wir wollen hoffen, dass sie es schafft."
Sollte sich am Zustand der verletzten Hexe etwas ändern, werden wir sofort berichten.

Ich war so in den Artikel vertieft, dass ich nicht bemerkte, dass jemand den Raum betreten hatte. Als ich aufsah, waren es Draco und Pansy. Er feixte und meinte: "Oh, die kleine Wieselin. Kannst wohl auch schon lesen? Was steht denn so interessantes in den alten Zeitungen?" Und er nahm sich den Tagespropheten vom 3.8., den ich noch immer aufgeschlagen hatte, las und verstummte.

Dann verzog er verächtlich das Gesicht und sagte: "Was soll denn das sein? Wieso suchst du diese alten Verleumdungen gegen meinen Vater heraus? Es hat sich doch herausgestellt, dass er nicht daran beteiligt war. Seit wann suchst du nach so ollen alten Lamellen? Reicht es nicht, dass Vater zur Zeit unschuldig eingesperrt ist?" Er hatte automatisch seinen Zauberstab gezückt und funkelte mich zornig an.

"Was ist denn hier los? Draco, es ist wohl verboten, Mitschüler mit dem Zauberstab zu bedrohen!" Es war Claire, die Arm in Arm mit Michel hereingekommen war. Auch sie warf einen Blick in die Zeitung und erbleichte.

"Und du Verräter treibst dich mit diesem Gryffindor Gesindel herum. Ich hätte mir das vor diesem Schuljahr nicht träumen lassen. Du warst früher doch sehr vernünftig." Draco ließ seinen Wut nun an Michel ab, "Und Claire du? Hast du Ginny gesagt, sie solle nach alten Zeitungen suchen? Widerliche Fehlinformationen. Wahrscheinlich hat es diesen Vorfall mit der verletzten Hexe gar nie gegeben, alles nur Publicity."

Claire zuckte wie von tausend Nadeln getroffen zusammen. Sie versteifte sich, ihre Augen glänzten verdächtig, und dann geschah etwas unerwartetes: Draco schrie plötzlich auf, hielt sich die Hand vor die Augen und wimmerte: "Bitte nicht, ich will das nicht sehen, das soll aufhören." und er drehte sich um und lief aus der Bibliothek hinaus, als ob ihn eine Armee von Feinden verfolgte.

Und Claire taumelte, und ohne, dass Michel noch reagieren konnte, glitt sie zu Boden. Er kniete sich sofort zu ihr, und ich sprang auch auf und tat es ihm gleich. Sie reagierte auf unser Zureden nicht. Pansy, die starr vor Schreck da gestanden war, wollte Draco nacheilen, lief aber Prof. Snape in die Hände, der sie zurückhielt und als er Claire bewusstlos am Boden liegen sah, nachfragte: "Was ist hier geschehen?"

"Sie ist plötzlich in Ohnmacht gefallen," erklärte Michel. "ich weiß nicht wieso."
"Niemand fällt so einfach um. Also was ist zuvor passiert?" Snapes Stimme klang noch schärfer als normal. Auch er kniete sich hin und versuchte Claires Puls zu ertasten.
Ich erzählte nur kurz, von Dracos Auftritt, und dass er dann schreiend hinausgelaufen sei, und Claire zusammengebrochen.

"Lion, bringen sie Claire auf die Krankenstation. Und sie Miss Weasley sagen mir, was diese Unordnung auf dem Tisch zu bedeuten hat."
Ich wollte die Zeitungen eigentlich rasch zuschlagen, aber er verhinderte das und sein Blick fiel auch sofort auf die Artikel, die ich gesucht hatte. Er las - stutzte - und sah mich dann eindringlich an. "Wieso haben sie das nachgelesen?" seine Stimmte war schneidend.
Ich bin keine gute Lügnerin, also konnte ich gar nicht anders: "Es ist wegen Claire ........."
Er sah von mir zu der Zeitung, und schloss dann kurz die Augen. "Meinen sie, dass diese Hexe, von der hier erzählt wird Claire ist?"
Ich konnte nur nicken.

"Und Draco hat wohl gemeint, es ginge ihnen darum, seinen Vater bloßzustellen?"
"Ja er wurde furchtbar wütend. Und dann sind Michel und Claire aufgetaucht, er hat gesagt, dass der Artikel wohl sowieso nur zusammengelogen sein und gleich darauf hat er aufgeschrieen, sich die Augen bedeckt, als ob er etwas gesehen hätte, was unheimlich grauenvoll gewesen war."
"Räumen sie das hier weg, und begeben sich dann auf die Krankenstation. Ich werde mit Malfoy sprechen und dann nachkommen." Und er rauschte mit raschen Schritten davon.
Einen Moment blieb ich reglos stehen, tat dann aber, wie er mir geheißen.

Auf der Krankenstation herrschte große Aufregung. Claire war noch immer nicht aus dem Koma erwacht und Mme. Pomfrey war mit ihren Nerven am Ende. Obwohl sie ständig wiederholte: "Bitte verlassen sie das Krankenzimmer!" hatten sich einige Mitschüler eingetroffen und dachten gar nicht daran zu gehen. Michel war auf dem Weg nach oben Jim, Jules und Hermine begegnet, und zuletzt auch noch Ron und Harry über den Weg gelaufen, und sie alle hatten sich ihm angeschlossen. Jules war kurzerhand zu seiner Mutter gelaufen, und sie traf gleichzeitig mit Severus Snape im Krankenflügel ein.

"Was ist passiert? Wie geht es Claire?" rief sie schon von der Tür aufgebracht.
Mme Pomfrey zuckte mit den Schultern: "Ich kann keinen Grund für ihre Ohnmacht finden. Ihr Puls ist tastbar, aber nur ganz schwach. Wenn sie auch keinen Rat wissen, würde ich gern ihre Mutter herbeirufen. Ich habe schon einiges versucht, aber ohne Erfolg."

Philomenea Nero setzte sich zu Claire auf den Bettrand und streichelte ihr übers Haar: "He Kleines, was ist los?" dann wandte sie sich an Snape: "Das ist keine normale Ohnmacht: sie scheint sich dagegen zu wehren wieder aufzuwachen. Wie ist das passiert?"
Und Snape rekonstruierte den Hergang kurz.

"Und was hat Draco gesagt?" fragte Philomena atemlos.
"Dass er plötzlich etwas gesehen hätte. Etwas, was dem Bericht im Tagespropheten entspräche, nur viel schlimmer. Er ist ganz zerstört, und ich hatte Mühe ihn zum Sprechen zu bewegen."
Snape wandte sich an Jim und Jules: "Ihr beide scheint sie ja recht gut zu kennen. Sagt: wäre sie fähig, Draco in ihre Erinnerung hineinzuziehen?"
Die Zwillinge rissen die Augen auf, dann meinte Jim: "Ja fähig vielleicht schon, aber ich kann es mir nicht vorstellen, dass sie das täte. Aber wenn es wichtig sein sollte, müsste man Lee und ihre Mutter befragen."

"Aber mittels Eule dauert es mir zu lange." jammerte Mme Pomfrey. "Ich hab das Gefühl, dass es ihr von Minute zu Minute schlechter geht."
Phil wandte sich an ihre Söhne: "Ihr könnt sie holen. Und beeilt euch bitte."
Sie nickten bloß, ergriffen zwei Besen, die an der Wand lehnten und flogen zum Fenster hinaus.

Snape hatte seine Lippen wieder gekräuselt: "Mit dem Besen werden sie aber auch nicht schnell sein."
"Das vielleicht nicht. Aber es gereicht, wenn sie außer die Mauern Hogwarts fliegen, von dort apparieren sie."
"Sie haben bereits ihre Apparierprüfung?"
"Nein, aber sie tun das schon seit langem. Aber das ist jetzt wohl nicht so wichtig." Sie wandte sich wieder an Claire und summte leise vor sich hin. Ich konnte nicht anders, ich stellte mich neben sie und summte mit. Sie sah mich an, nickte mir zu und ergriff dankbar meine Hand.

Es dauerte wirklich nicht lange, und die Zwillinge kamen mit Lee und Miranda zurück. Claires Mutter war aschfahl und stürzte auf ihre Tochter. Sie hatte Tränen in den Augen: "Wie konnte das geschehen? Wisst ihr den Grund für ihre Bewusstlosigkeit? Ich spür es nicht."
Snape räusperte sich: "Ich hab nach den Schilderungen den Verdacht, dass sie Draco Malfoy an ihren Erinnerungen teilhaben ließ. Daraus könnte ihre Ohnmacht entstanden sein. Also Lee, angeblich kennst du sie am besten: kann sie das und würde sie das tun?"

Lee brauchte nicht nachzudenken: "Ja sie könnte das und nein sie würde es nie tun. Sie verbirgt ihre Erinnerungen sehr sorgfältig, und gerade Draco würde sie diese nicht zeigen. Sie würde nie den Sohn in ihren Hass auf den Vater einbeziehen."
Snape versteifte sich, fragte aber: "Bist du dir sicher? Aber es ist die einzige Erklärung."
"Dann müsste es unbeabsichtigt geschehen sein. ich meine: das ist schon ein paar Mal vorgekommen, sie hat es nicht immer im Griff, wenn ihre Wut überhand nimmt, dann geschehen oft Dinge, die sie nicht bewusst so gesteuert hat."

"Kannst du ihr helfen?" Mirandas Augen sahen Snape verzweifelt bettelnd an.
"Ich hoffe es. Ich muss einen Trank brauen, aufbauend auf dem Trank des Friedens, nur ein wenig modifiziert. Aber das wird wohl drei Stunden dauern. Schafft sie das so lange?"
"Ich kann ihren Zustand etwas stabilisieren. Das müsste gehen." Sie wandte ihr tränennasses Gesicht wieder ihrer Tochter zu.
"Können wir helfen? Wir arbeiten auch ganz sorgfältig. Aber ich kann nicht so einfach zusehen." ersuchte Jim.
"Kommt halt mit. ihr könnt mir beim Zerkleinern der Zutaten behilflich sein." und die drei verließen das Zimmer.

Es war jetzt ganz still, nur Mirandas Schluchzen war noch zu hören. Philomenea legte ihren Arm um deren Schulter. "Weine nicht. Snape schafft das. Er ist doch einer der besten im Brauen von Tränken. Vertrau ihm."
Wir konnten wohl hier nichts mehr tun. So verließen wir leise das Krankenzimmer und machten uns auf den Weg in unsere Gemeinschaftsräume.

Dabei trafen wir auf Draco. Er war blass und seine Augen wiesen dunkle Ringe auf. Was hatte er wohl sehen müssen?
"Wie - wie geht es ihr? Snape hat gesagt sie sei ohnmächtig."
"Ja das ist sie noch immer. Wieso interessiert dich das eigentlich? Du bist doch der Anlass gewesen." fauchte Hermine ihn an.
"Ich - das - ich wollte das doch nicht." und er machte kehrt und rannte davon.
Was wollte er wohl nicht? Ihre schmerzliche Erinnerung sehen, oder die Wahrheit über seinen Vater?

Wir verbrachten die nächsten Stunden in bangem Warten und unsere Hausaufgaben konnten uns nicht ablenken.


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Ungelesener BeitragVerfasst: 7. April 2006 09:57 
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38. Am Leben

Beim Abendessen fehlten einige: Snape, Jim und Jules, die wohl noch mit dem Trank beschäftigt waren, natürlich Claire über deren Fehlen durch Pansys Erzählungen eigenartige Gerüchte kursierten, Draco Malfoy, Minerva McGonagall, die als Claires Hauslehrerin auf der Krankenstation weilte und Remus Lupin, der es als ihr Pate wohl auch nicht aushielt nichts tun zu können.
Später im Aufenthaltsraum war es auffallend ruhig. Die Unruhe von Harry, Ron, Hermine und Ginny übertrug sich auf die anderen Schüler, aber sie waren so rücksichtsvoll sie nicht mit Fragen zu löchern.

"Also, jetzt müssten sie doch mit dem Trank schon fertig sein. Ich werde jetzt nicht mehr warten, sondern raufgehen und nachfragen." Hermine war entschlossen aufgestanden und obwohl es bereits 23 Uhr war, dachte sie nicht an das Verbot sich zu dieser Zeit nicht mehr auf den Gängen herumzutreiben.
"Ich komme mit" hörte man von Harry und Ginny als einstimmige Antwort.
Doch in diesem Moment öffnete sich das Porträtloch und herein kamen Jim und Jules.
Sofort wurden sie mit Fragen bestürmt: "Wie geht es ihr? Wo wart ihr so lange?"

Jim seufzte und meine: "Nu mal halblang: ja, sie wird es überleben. Und mehr wissen wir auch nicht. Snape hat uns ziemlich getriezt, nichts hat ihm gepasst was wir geschnitten haben. Aber dafür hat der Trank dann auch gewirkt. Sie ist kurz zu sich gekommen, hat aber scheinbar selbst keine Ahnung, was eigentlich passiert ist."
Jules setzte fort: "Als sie erfahren hat, was Draco gesehen hat, wurde sie ganz bleich und wäre fast wieder ohnmächtig geworden. Dann hat sie einfach nur zu weinen begonnen und sich nicht mehr beruhigt. Uns haben sie jetzt mal fortgeschickt."

"Und ich bin todmüde. Claire ist in guten Händen. Und wenn Lee bei ihr ist, sind wir sowieso zweite. Also macht euch keine Sorgen und geht auch ins Bett." Jim trat zu Hermine und umarmte sie. "Sei mir nicht böse, dass ich heute keine Zeit für dich hatte. Aber ich war ziemlich geschockt über das, was heute passiert ist. Ich hatte nicht gedacht, dass meine Cousine doch noch so schwach ist, dass ihr dergleichen passieren kann. Ich hielt sie für stärker."

Hermine löste sich ein wenig aus der Umarmung und sah ihm in die Augen. "Vielleicht hast du aber auch in letzter Zeit zuviel Zeit mit mir verbracht. Sonst wäre dir aufgefallen, dass sie die letzten Tage, ja Wochen fast nicht mehr gegessen hat. Und sie ist noch dünner, als zu Schulbeginn. Es geht ihr schon einige Zeit nicht gut, ich merke das an ihrer nächtlichen Abwesenheit. Ich glaube sie hat seit längerem nicht mehr geschlafen. Wie soll sie bei Kräften sein, wenn sie ihre Energien nicht mehr auftankt? Sie strahlt Angst aus. Und eine Müdigkeit, die sie nicht in den Griff bekommt. Das was heute geschehen ist, passt nur zu gut dazu. Sie scheint einfach des Lebens müde zu sein. Sie kämpft gegen alles an, wovon sie glaubt, man verlange es von ihr."

"Woher weißt du das alles? Ja, dass sie nichts isst und wohl wenig schläft hab ich auch mitbekommen. Und dass es ihr nicht wirklich gut geht. Aber ich dachte, ich hätte ein wenig mehr Gespür dafür, da ich Peaceley bin." Ginny die sich an Jules geschmiegt hatte starrte Hermine verwundert an.
"Ich weiß nicht. Ich dachte das sei einfach klar?" Hermine war verwirrt.

Harry hatte die beiden Mädchen aufmerksam gemustert. Ja, dass Ginny eine Peaceley war wussten sie nun ja schon, aber es musste etwas sein, dass Hermine inne hatte, etwas, dass er nicht benennen konnte, noch nicht benennen konnte.

Sie begaben sich allesamt zu Bett. Und jeder für sich hing seinen Gedanken nach, die sich teils um Claire und ihre Verwundbarkeit, teils um die besonderen Fähigkeiten mancher Hexen drehten, die für andere ein Rätsel darstellten.

Ron, der sich immer mehr seiner besonderen Zuneigung Hermine gegenüber bewusst wurde grübelte über sie nach. Er würde ihr so gern näher kommen. Aber er wollte sich nicht zwischen sie und Jim drängen, dachte auch er hätte dabei kaum eine Chance. Er konnte auch Jim gut leiden, aber wenn er nicht da wäre, vielleicht wäre Hermine dann eher an ihm interessiert?

9. Sichtwechsel

Ich sitze an Claires Bett und halte ihre Hand. Seit Severus ihr den Trank verabreicht hat, geht es aufwärts mit ihr, aber nun da sie weiß, was passiert ist, ist sie verzweifelt. Sie zweifelt an sich, sie zweifelt an allem, auch daran ob ihr Leben überhaupt noch einen Sinn hätte.
Ich kenne ihre wirren Gedanken, manchmal, wenn wir uns ganz nah und vertraut waren hat sie dergleichen schon geäußert. Immer war ich sehr erschrocken, so wie ich es auch heute bin.

Ich kann es ihr nicht ausreden.

Und wie stets, fällt mir dabei ihre Aussage ein, die sie vor Jahren getätigt hat, als wir uns über ihren Vater unterhielten. Sie war damals 7 oder 8 gewesen, und ich hab sie gefragt, ob sie ihren Vater je treffen wolle. Da hat sie gemeint, "Ich glaube es wird wohl besser sein, ihn nicht zu sehen. Ma schämt sich wohl für mich. Ich bin es sicher nicht wert."

Miranda hat uns damals zufällig belauscht. Ich weiß noch wie erschrocken sie über Claires Worte gewesen ist. Sie hat versucht ihr die wahren Gründe zu erklären. Aber auch wenn sie sie verstanden hat, so ist ein Rest ihres Zweifels geblieben. Und dieser Zweifel sitzt tief.

Seitdem sie aus dem Koma vor drei Jahren wieder aufgewacht ist, und langsam ins Leben zurückgefunden hat, bemüht sie sich stark zu werden. Und sie möchte es allen recht machen. Und vergisst dabei oftmals auf das, was gut für sie selbst wäre. Nur manchmal hat sie es eine Zeit lang geschafft einfach zu leben. Bis sie wieder an dem Punkt angelangt ist, dass sie die Liebe eines Menschen nicht wert sei. Auch mich hat sie schon oft zurückgewiesen, und ich hab mir den Weg zu ihrem Herzen immer wieder aufs neue erkämpfen müssen. Ich würde sie so gern beschützen. Sie vor allem Unheil bewahren. Aber auch das lässt sie nur in beschränktem Maß zu.

Als sie sich vorhin wieder etwas gefangen hatte, hat sie sich mit schwacher Stimme bei Snape bedankt, dass er ihr das Leben gerettet habe. Der Trottel hat geantwortet, dass er als Tränkelehrer ja für diese Aufgabe zuständig sei. Ich hätte ihm am liebsten eine geknallt, damit er nicht so mit ihr spricht. Wieso kann er nicht ehrlich sein? Ich hab doch bemerkt, dass er es keineswegs als seine Pflicht angesehen hat, er hat sich scheinbar wirklich Sorgen gemacht. Und er weiß nicht, wer sie wirklich ist. Er weiß nur, dass sie Mirandas Tochter ist, und für diese scheint er noch einiges zu empfinden.

Ich bin schon drauf und dran ihm die Wahrheit zu sagen, aber ich fürchte, das würden die beiden, Mutter und Tochter nicht wollen. Aber wird er es je selbst herausfinden? Wird er es schaffen, sie wirklich zu bemerken?

Snape hat zu Claire gemeint sie müsse versuchen, ihre Wut in den Griff zubekommen.
"Und wie?" waren ihre Worte gewesen.
Ich denke es wäre an der Zeit ihn aufzuklären. Ich bin mir sicher er könnte ihr helfen, wenn er nur wollte.
"Lee", eine sehr geschwächte Stimme drang an mein Ohr, "Bleibst du heute bei mir?"
"Wo sollte ich denn sonst hin gehen? Ich kann dich doch so nicht alleine lassen." und ich nahm sie behutsam in meine Arme und spürte wie ihre Tränen wieder zu fließen begannen. "Ja, wein du nur. Ich bin bei dir. Kleine Schwester ich hab dich lieb."


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Ungelesener BeitragVerfasst: 7. April 2006 09:58 
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Fortsetzung Sichtwechsel

Am nächsten Morgen kam die Schulschwester zu Claire ans Bett und bat sie nach dem Frühstück aufzustehen.

"So meine Liebe und jetzt stellst du dich mal hier auf diese Waage. Ja, das muss sein, ich dulde diesmal keinen Widerspruch. Du kannst Zahlen lesen mein Kind? Dann sag mir, ob du dieses Gewicht für deine Größe als ausreichend empfindest?"
"Nicht wirklich, aber ich kann in letzter Zeit nichts essen, es schmeckt mir einfach nicht."

"Dann wirst du dich eben zum Essen zwingen müssen. Und schau nicht so ungläubig: ich werde dir das nicht allein zumuten. Ich habe bereits mit deiner Mutter und deiner Hauslehrerin Prof. McGonagall gesprochen: wir schicken dich aufs erste nach hause. Du hast noch fast vier Wochen bis Weihnachten, in der Zeit wird deine Mutter auf dich aufpassen. Und ich hoffe dich nach den Weihnachtsferien erholt und mit halbwegs akzeptablem Gewicht wieder zu sehen."

Claire hatte sie mit offenem Mund angesehen, nun zog sich ein Grinsen über ihr Gesicht: "Heißt das ich bin solange von der Schule entschuldigt?"
"Ja das heißt es. McGonagall ist der Meinung, dass dir diese unterrichtsfreie Zeit auch gar nicht fehlen wird. Sie scheint eine hohe Meinung von dir zu haben."

Na das wunderte mich aber nicht, Claire war schon seit langem weiter, als es der laufende Unterrichtsstoff erfordern würde, auch wenn sie stets sagte, dass es nicht ihr Verdienst sei - und da hatte sie ja recht - so hatte sie nun mal diese Gabe, Gelesenes nie mehr zu vergessen - wie oft hatte ich sie früher darum beneidet. Aber wenn ich mal wieder ganz verzweifelt über einem schulischen Problem gesessen war hatte sie mir ja auch geholfen. Aber das wollte sie nicht an die große Glocke hängen, dass sie auch die Fähigkeit hatte, anderen etwas so zu erzählen, dass sie es auch nicht wieder vergessen konnten. Das klappt sogar bei Geschriebenem, was ich hin und wieder ausnutzen durfte, wenn sie mir nur Eulen schicken konnte. Ich weiß bis heute nicht, wie das funktioniert, aber es ist manchmal sehr hilfreich! Und ich freute mich ungemein darüber, dass sie für einige Zeit zurück nach hause kommen sollte. So hatte ich sie in meiner Nähe und konnte selbst ein wenig auf sie aufpassen.

Sie war auch absolut nicht enttäuscht über diese Entscheidung und meinte nur, dass sie das Michel selber sagen wolle.

Ich war überrascht als am frühen Vormittag Severus Snape, mit einem ganzen Pack Bücher beladen ins Krankenzimmer kam, zu Claires Bett trat und die Bücher auf ihrem Nachttisch ablud. Sie sah auch sehr erstaunt zu ihm auf.
"Ich hab gehört, du verlässt uns wieder für die nächste Zeit. Und bevor dir in dieser Zeit langweilig wird: diese Bücher kannst du durchackern. Vielleicht findest du darin Antworten auf deine Fragen. Und wenn dem nicht so ist, kannst du auch gern mich befragen. Vielleicht kann ich dir ja doch auch weiterhelfen."

Ich sah wie ihr Gesicht noch überraschter wirkte und tat als sei ich mit anderem beschäftigt, spitzte aber meine Ohren umso mehr.
"Wieso tun sie das? Es ist doch eigentlich nicht ihre Pflicht als Tränkelehrer mir in Bereich von Okklumentik oder Leglimentik zu helfen?"
"Tja, nachdem ich weiß, dass du Prof. Lupin schon länger kennst und ihm wohl auch deine Fragen gestellt hast: so ganz unwissend bin ich in dem Bereich nun auch wieder nicht, schließlich hätte ich mich schon einige Male für das Fach Verteidigung gegen die dunklen Künste beworben, wieso also sollte ich dir mein Wissen nicht zur Verfügung stellen?"
Ich war baff - Snape so hilfsbereit - wusste er vielleicht doch ............... ?

Auch Claire schienen diese Gedanken durch den Kopf zu gehen, aber direkt würde sie ihn nicht darauf ansprechen. "Danke. Ich habe wirklich einige Fragen, die mir noch niemand beantworten konnte. Und" sie hatte die Büchertitel betrachtet, "Auf diese Bücher bin ich in meinen Forschungen noch nie gestoßen. Und ich habe wahrlich schon vieles gelesen."
"Diese Bücher sind auch meine persönliches Eigentum. Ich hoffe doch, ich werde sie in unversehrtem Zustand zurück bekommen. Aber ich schätze, dass du eine ähnliche Ehrfurcht vor den alten Werken hast wie ich. Zumindest im Bereich, was Zaubertränke betrifft habe ich diesen Eindruck bekommen."

"Darauf können sie sich verlassen. Für mich haben Bücher eine Seele, der ich nichts zuleide tun könnte. Ich bedanke mich für das Vertrauen. Ich werde es nicht enttäuschen. Dürfte ich ................. nein, das wäre zu dreist. Entschuldigen sie ................. ."
"Was wolltest du sagen? Oder fragen? Oder bitten? Du müsstest wissen, dass man immer fragen darf, der Gefragte hat doch stets die Möglichkeit nein zu sagen."
Seltsam, ich hatte Snape doch während meiner siebenjährigen Anwesenheit in Hogwarts genossen, aber nun hatte ich den Eindruck als müsste er sich ein Grinsen verkneifen.

"Ich wollte sie fragen, ob sie eventuell bereit wären mir einen Trank Korrektur zu lesen. Für diesen habe ich aber über ein Jahr gebraucht, unter zu Hilfenahme einiger alter, sehr alter Bücher, der Trank funktioniert auch im Prinzip, bloß nicht so, wie ich es gern hätte."
"Was ist sein Fehler?" Snape schien neugierig.

"Er muss täglich eingenommen werden. Und ich hatte gehofft, es würde sich ein dauerhafter Erfolg einstellen. Irgendwo hab ich einen Denkfehler darinnen und ich komme selbst nicht darauf."
"Wenn du die Rezeptur hier hast, kannst du sie mir ja zum Durchlesen hier lassen. Und eventuell auch die dazugehörigen Ãœberlegungen deinerseits. Wenn du solange damit gebraucht hast, scheint es sich wohl um ein eher komplexes Gebräu zu handeln."
Und Claire zögerte einen Moment, griff dann aber in die Tasche, die ich ihr gebracht hatte und nahm einen dicken Ordner heraus, den ich zur Genüge kannte. Dann reichte sie ihn Severus.

Er schlug ihn auf und ich konnte es mir nun nicht mehr verkneifen ihn anzusehen: jetzt war er es, der überrascht wirkte: "Du ................... ?" war seine einzige Antwort. Er blätterte ein wenig darin und schlug ihn dann zu: "In dem Fall kann ich dir wirklich nichts versprechen, aber woher hast du dieses alte von dir modifizierte Rezept? Davon habe ich gehört, es aber nie gefunden. Ich suche dieses Werk in dem es sich befinden muss schon seit langem."

"Das kann ich mir vorstellen, aber ich muss sie enttäuschen, ich habe eine Hexe gefunden Lady Mary Blair, welche mir dieses Buch mit einem Respektabstand von drei Metern betrachten ließ, und Madam Sue-Allen Rochefort, die mich für eine Umordnung ihrer Bibliothek das Buch anlesen ließ. Ich bin einem weiteren Exemplar auf der Spur, aber ich konnte es noch nicht orten. Leider, ich würde es nur zu gern besitzen."
"Das würde ich auch."

Snape verabschiedete sich und nahm Claires Ordner mit sich. Er schien wirklich beeindruckt zu sein, und ich war stolz auf meine kleine Schwester. Sie hatte endlos daran gearbeitet, hatte ihre Aufzeichnungen zwei Sommer lang an den See mitgeschleppt, und wie sie die Rezeptur endlich fertig hatte, doch gezögert sie zu verwenden. Sie war sich im Normalfall ihrer Kompositionen sicher, in dem Fall war sie aber übervorsichtig. Umso zufriedener hatte sie gewirkt, als sich abzeichnete, dass ihr Streben von Erfolg gekrönt war. Das war nun wirklich etwas, worauf sie zu Recht stolz sein konnte: es war ihr Verdienst und nichts, was sie einfach so geerbt hatte.

Am Nachmittag begleitete ich sie zum Gemeinschaftsraum der Gryffindors, damit sie ihren Koffer packen konnte. Sie wurde von den Anwesenden stürmisch begrüßt, aber als sie erklärte, dass sie heim fahren würde löste das doch einige Enttäuschung aus. Hermine und Ginny begleiteten sie auf ihr Zimmer und halfen beim Packen. Harry wandte sich an mich: "Glaubst du gilt die Einladung für Weihnachten noch?"
"Na klar, daran hat sich doch nichts geändert. Miranda freut sich sicherlich über deinen Besuch."

"Sag mal Lee, du kennst Claire doch so lange. Und scheinbar auch gut. Das heißt du weißt doch auch über Remus Lupin Bescheid, oder? Und hast auch bereits vor drei Jahren über ihn Bescheid gewusst, als er hier unterrichtet hat?"
"Ja hab ich, er ist ja oftmaliger Gast im Hause Aquila gewesen."
"Aber wieso hast du nichts gesagt?"

"Wieso hätte ich sollen? Ich weiß, dass Claire keine Angst hat, und ich kenne ein paar Zaubersprüche mit denen ich mich notfalls schützen kann. Und ich wusste ja auch, dass Dumbledore es weiß. Und auch wenn du es vielleicht nicht glauben kannst: ich kann meine Klappe halten, wenn es nötig ist! Ich mag Remus, und ich hab durch den Umgang mit ihm auch viel gelernt. Ich hab selbst als Kind zuweilen unter meiner Hautfarbe zu leiden gehabt. Da lernt man wie es ist anders zu sein."

Harry machte ein verdutztes Gesicht: "Aber du bist doch nicht anders."
"Ich bin schwarz! Vielleicht fällt dir das nicht auf, aber viele reagieren auf Menschen mit dunkler Haut mit Argwohn. Genauso wie manche Werwölfe als Ungeheuer abstempeln, obwohl sie sich nie Gedanken darüber machen, dass sie die meiste Zeit genauso menschlich sind, wie sie selbst. Aber mag sein, dass man toleranter wird, wenn man es am eigenen Leib gespürt hat, wie es ist Außenseiter zu sein."

Claire kam mit vollbepacktem Koffer die Stiegen hinunter. Sie umarmte Ginny und Hermine, Jim und Jules, und ganz selbstverständlich auch Harry: "Pass auf dich auf." und als ihr dieser das Armband zurückgeben wollte meinte sie nur: "Behalt es mal besser. Ich hab die nächste Zeit genug Schutz." und sie griente mich an. Und Ron, der etwas planlos nebenbei stand umarmte sie schließlich auch noch: "Lass deine Ziele nie aus den Augen. Manchmal dauert es eben ein wenig, bis du sie erreichen kannst."

Und dann verließen wir den Turm und trafen in der großen Halle auf Miranda. "Fertig?" fragte sie. "Fast. Nur noch einen Augenblick." Und sie steuerte auf Michel zu, der gerade zum Abendessen ging.

Sie zog ihn beiseite und sprach auf ihn ein. Er schien ziemlich erschrocken und auch enttäuscht, was mich nicht wunderte. Hatte ich doch den Verdacht, dass sie mit ihm Schluss machen würde. Und so wie es den Anschein hatte, hatte ich mich nicht getäuscht. Er sah sie so traurig an, dass ich ihr am liebsten mal wieder den Kopf zurecht gerückt hätte. Wann würde sie es lernen, dass sie es verdient hatte, geliebt zu werden? Kaum kam ihr ein Junge zu nahe, schon suchte sie ihr Heil in der Flucht. Auch wenn es so schien, als wäre sie so selbstbewusst wie sonst keine, so wusste ich doch, dass sie in Wahrheit extrem ängstlich und absolut nicht von ihrer Liebenswürdigkeit überzeugt war.


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Ungelesener BeitragVerfasst: 10. April 2006 16:44 
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10. Sichtwechsel

Was bin ich froh wieder zuhause zu sein. Die vergangenen drei Monate haben mich doch mehr mitgenommen, als ich erwartet hatte. Hier kann ich machen was ich will, kann mich in den Keller in meine "Hexenküche" zurückziehen, kann Spaziergänge machen, wenn mir danach ist, mich zu Mutter in die Küche setzen und ratschen, und die Bücher lesen, die mir Severus gegeben hat. Und nachts hab ich Lee an meiner Seite, der mich im Schlaf in seinen Armen hält. So ausgeschlafen und albtraumlos war ich schon seit den Ferien nicht mehr.

Mutter steht zwar ständig parat um mir irgendetwas essbares in den Mund zu schieben, aber seit ich mir wieder selber kochen kann, schmeckt es mir auch wieder besser. Die Hauselfen in Hogwarts sind zwar sehr bemüht, verstehen es aber nicht, dass ich als strikte Vegetarierin nun mal nichts esse, was von toten Tieren stammt. Sie kochen Gemüsesuppe mit Rindsknochen, oder tolle Mehlspeisen und Cremen unter Zusatz von Gelatine. So was esse ich nun mal nicht. Das hat meine Mutter bereits eingesehen als ich drei Jahre alt war, da ich ihr alles andere ständig auf den Teller zurückgespuckt hatte. Ich kann es einfach nicht essen, und denke mir, dass es schon seinen Sinn haben wird. Vielleicht hält es mich davon ab, der schwarzen Magie zu nahe zu rücken.

Die Bücher, die mir Severus gegeben hat sind unheimlich lehrreich. Sie handeln vor allem von dem Grundwissen zu Okklumentik und Leglimentik, vieles davon wusste ich bereits, aber es ist gut es nochmals nachlesen zu können. Und es sind auch Bücher darunter, die von der Braukunst handeln. Ich kann gar nicht aufhören darin zu lesen. Und an vielen Stellen hat er mit seiner winzigen ordentlichen Schrift noch eigene Bemerkungen dazugefügt – er versteht sein Fach wirklich. Wie gern würde ich einiges mit ihm besprechen, er könnte mir sicher noch vieles beibringen. Aber er schien bisher so verschlossen und unnahbar. Sicher, er hat mir durch den von ihm gebrauten Trank das Leben gerettet, aber das tat er nicht für mich, sondern weil es eben zu seinen Aufgaben zählt. Und immerhin seinen Ehrgeiz weckte.

Die Sache mit Michel tut mir nun wieder leid. Das war mal wieder eine Kurzschlusshandlung, wie ich sie schon so oft gesetzt habe. Lee hat mir mächtig den Kopf gewaschen deswegen.

"Wann wirst du endlich lernen, dass es Menschen gibt, die dich einfach gern haben. Die dich so nehmen wie du bist. Du musst sie nicht vor dir beschützen. Du bist es wert geliebt zu werden, sieh das doch ein."

Er versteht das einfach nicht. Er versteht nicht, dass es schwer ist, Zuneigung anzunehmen. Na ja, eine Zeit lang geht es ja, jemanden kennen zu lernen, ihm näher zu kommen, erste Küsse etc etc, aber wenn ich merke, derjenige kommt mir zu nahe, dann bekomme ich Panik. Vielleicht, weil ich befürchte seinen Gefühlen nicht gerecht werden zu können.

Bisher hab ich zweimal daran geglaubt richtig Hals über Kopf verliebt zu sein. Beim ersten Mal bin ich enttäuscht worden, der Junge hat mich zwar offensichtlich gern gehabt, aber seinerseits Angst vor mehr. Ich habe es als Zurückweisung empfunden und wochenlang damit gekämpft. Wenn ich jetzt versuche logisch darüber nachzudenken, weiß ich, dass es wohl sowieso eine Unmöglichkeit gewesen wäre: er war doch um einiges älter als ich, was hätte er schon mit so einem jungen Mädel wie mir angefangen? Aber er war der erste, abgesehen von meinem Bruder, bei dem ich mich so richtig wohl und geborgen gefühlt habe. Und bei dem ich das Gefühl hatte, ihm könnte ich alles anvertrauen. Er ist zurückgewichen, und ich habe altersgemäß reagiert – ich war beleidigt. Und habe mich kurz danach einem anderen an den Hals geschmissen.

Dass aus dieser Trotzreaktion heraus mehr geworden ist, hat mich selbst wohl am meisten gewundert. Er, der vielumworbene Siebtklässer, Schulcasanova sozusagen, und er hat sich wirklich mit mir abgegeben, wochenlang im Geheimen, aber das war mir ja grade recht, ich wollte doch gar nicht wirklich eine echte Beziehung mit ihm, wir haben uns einfach öfters getroffen, kaum gesprochen, haben uns lange vorgemacht, es sei nur die körperliche Anziehung zwischen uns. Dabei sind wir schon bald dazu übergegangen auch zu reden, über dies und jenes, aber auch über durchaus ernste Themen. Und ich habe seine Nähe einfach genossen. Ich konnte es nicht verstehen, da er mich doch zu Anbeginn nicht so recht menschlich interessiert hat. Er kam mir einfach nur durch sein fehlerloses Aussehen überheblich vor.

Aber kurz vor Weihnachten war ich mir sicher, dass es von meiner Seite aus mehr war, ich hatte mich in ihn verliebt, ich suchte immer öfter seine Nähe, wo es doch zuerst er gewesen war, der unsere Treffen anregte. Und ich bekam es mit der Angst zu tun, hatte ich doch meine Enttäuschung vom letzten Mal nicht recht verwunden.

Zum Weihnachtsball lud mich Jacques ein, mein Mentor seit der ersten Klasse, sonst hätte ich als Drittklässerin ja gar nicht hingedurft. Und ich habe es genossen. Ich habe den ganzen Abend durchgetanzt, aber kein einziges Mal mit Marcel, ich bin ihm wohl bewusst ausgewichen, ich wollte nicht , dass er mich beim Tanzen in seinen Armen hält, hatte Angst ich hätte mich vielleicht nicht unter Kontrolle.

Und dann kam es zum Eklat. Ein Mädchen, Suzanne wurde von einem Mitschüler überfallen und fast vergewaltigt. Sie war in Tränen aufgelöst und er so betrunken, dass er schon beinah nicht mehr mitbekam was um ihn herum geschah. Ihre Freundinnen hatten sie in die Mitte genommen und auf die Krankenstation begleitet, ich wäre dazu nicht fähig gewesen, und dann standen da so ein paar Jungs herum, die blöd zu lästern begannen: "Ja was hat sie denn? Ist doch nichts passiert? Heult sie, weil es nicht geklappt hat? Soll doch froh sein, dass sie einer registriert hat................" und so ging es in einem fort, und ich stand sprachlos daneben, den Mund weit offen, am ganzen Körper zitternd, unfähig etwas zu sagen.

Aber dann konnte ich mich aus meiner Erstarrung lösen, und bin einfach drauflosgerannt, hinaus ins Freie, die Treppen zum Strand hinunter, über den Steg bis an sein Ende, wo ich dann erschöpft und von Schluchzen gebeutelt niedersank. Ich hatte geglaubt, ich wäre schon soweit, so etwas auszuhalten. Ich hatte hart daran gearbeitet, mein Leben wieder in den Griff zu bekommen und musste nun mit ansehen, dass dem nicht so war. Nicht mal dazu, diese Doofköpfe anzuschreien hatte es gereicht. Ich saß da, barfuss, mit meinem leichten Festumhang bekleidet, doch die Kälte spürte ich vorerst nicht. Mein Gesicht und mein Umhang tränennass und sie flossen immer weiter. Ich hatte nicht bemerkt, dass jemand auf den Strand gekommen war, der über den Steg zu mir ging, sich neben mich setzte um mich einfach und ohne Worte in seine Arme zu nehmen, mich fest an sich zu drücken
Aber ich wusste natürlich sofort wer es war, dabei hatte ich wahrlich nicht damit gerechnet.

"Wieso bist du hier?"
"Weil ich dich gesucht habe. Ich habe gehört was passiert ist. Wieso hast du nie etwas gesagt?" und er hob mein Gesicht leicht mit seiner Hand an, so dass ich ihm in die Augen schauen musste. "Ich verstehe es nicht. Ich dachte, du vertraust mir? Ich hoffte es zumindest." und obwohl ich ihn nur schemenhaft durch den Tränenvorhang erkennen konnte, sah ich wie traurig und bekümmert er aussah.

"Und dich zu finden fiel mir nicht allzu schwer. Entweder auf deinem Besen oder beim Wasser. Und hier habe ich dich auch gefunden." Marcel zog mich eng an sich heran. "Wieso läufst du weg wenn du Probleme hast? Wieso kommst du nicht zu mir?"
Ich konnte ihm nicht antworten. Ein neuer Tränenfluss ergoss sich über mein Gesicht, den ich nicht aufzuhalten vermochte. Aber er drängte mich nicht, sondern zog mich nur ganz eng an sich, hielt mich ganz fest in seinen Armen, wortlos, und wartete.

Ich spürte, dass ihm mein Weinen nicht peinlich war, dass er mich nicht einfach für unreif und schwach hielt. Er drückte mich fest und obwohl es mir so schlecht ging, fühlte ich doch diese Geborgenheit, die von ihm ausging. Ich wusste mit einem Mal, dass auch er mehr für mich empfand als wir uns bisher eingestanden hatten. Ich beruhigte mich langsam, nur hin und wieder musste ich noch aufschluchzen.
"Marcel, wie hätte ich zu dir gehen können? Das war nie so ausgemacht."
"Dann sollten wir das schleunigst ändern. Ich weiß, dass unsere Beziehung etwas eigen begonnen hat. und heute versteh ich es noch viel weniger, aber du bist mir mit der Zeit so vertraut geworden, ich hab dich so lieb gewonnen. Ich könnte es nicht ertragen, wenn du mich zurückwiesest. Ich möchte auch, dass wir uns nicht mehr nur im Geheimen treffen. Ich möchte allen zeigen, dass ich die wunderbarste Frau der Welt küssen darf."
Damit brachte er mich doch sogar zum Lachen. Die wunderbarste Frau! und das mir, die ich ständig von Selbstzweifeln besessen war. Ich konnte mich oft selbst nicht leiden, wie konnte es dann jemand anderer tun?

Aber Marcels Worte taten trotzdem unendlich gut. Und er schien keineswegs zu scherzen, er war sogar beleidigt als ich lachte.
"Könntest du das bitte mir überlassen? Ich weiß wovon ich spreche."
Und dann küsste er mich so zärtlich, dass ich alles andere vergaß. Das hier schien im Moment so richtig, es konnte nicht falsch sein.

Doch dann merkte ich, dass er zitterte. Er hatte seinen Umhang um mich geschlungen um mich zu wärmen, und jetzt fror er selbst. Aber als ich mich etwas aufrichtete sah ich auch den Grund: er hatte sich zu mir auf den Steg gesetzt, und seine Füße baumelten im kalten Wasser. Und er hatte etwas an den Füßen, das mal Schuhe gewesen sein mochten, aber jetzt sahen sie nicht mehr allzu toll aus.
Er hatte meine Blicke bemerkt und sah jetzt selbst auf seinen Füße: "Also die werde ich wohl auch mit reparo nicht mehr hinbekommen" und er zog sie aus und ließ sie ins Wasser plumpsen. "Vielleicht findet sich ein Krebs, der darin wohnen will." grinste er.

"Du gehörst schleunigst ins Warme. Du bist ja schon ganz verfroren. Komm - hoch mit dir. Ich bring dich zum Schloss hoch." jetzt war ich es die den fürsorglichen Part übernommen hatte.
"Wie Madam befehlen. .............. Ich bin ja nur froh, dass dir nicht kalt ist." und wir liefen die Stufen zum Schloss hoch, um möglichst rasch aus der Kälte zu kommen.
Vor dem Tor hielt ich kurz ein: "Ich werde jetzt gleich schlafen gehen, und mich unter meiner Decke aufwärmen. Mit dem verheulten Gesicht kann ich mich sowieso nirgends mehr sehen lassen."
"Aber das kommt doch gar nicht in Frage." meinte Marcel und zog mich durch den Eingang mit sich, "Du kannst dich da in den Waschräumen kurz frisch machen und dann gehst du mit mir tanzen. Ich hab den ganzen Abend versucht dich aufzufordern, aber du warst ja ständig von Jungs umlagert. Also vite vite beeil dich." und er sah mir tief in die Augen: "Und keine Widerrede."

Und ich tat wie mir befohlen. Eigentlich war ich auch gar nicht müde.
Gemeinsam gingen wir dann in den Saal. Es waren nicht mehr allzu viele Schüler im Raum, schließlich war es doch schon sehr spät geworden. Jacques hatte uns gesehen und kam auf mich zu: "Wo warst du denn? Ich dachte schon du wärst schlafen gegangen. Tanzt du mit mir?" aber Marcel fiel ihm ins Wort: "Tut mir leid. Diesen Tanz hat Claire schon mir versprochen."

Und wir tanzten zum ersten Mal miteinander, und er zog mich immer enger an sich heran, dass die Verbliebenen rundum schon aufmerksam wurden. Schließlich hatte wohl keiner bisher bemerkt, dass wir uns so nahe gekommen waren. Vielmehr waren unsere Streitgespräche Tradition, die wir seit Schulbeginn in den Aufenthaltsräumen geführt hatten, meist so nebenbei, als ob wir gar nicht recht bei der Sache wären, aber doch bissig und pointiert, Streitgespräche vor allem über die Konkurrenz Hexen gegen Zauberer. Ein sich nie erschöpfen wollendes Thema.

Marcel ließ mich den Rest der Nacht nicht mehr los. Wir setzten uns noch kurz zu Jacques an den Tisch, der uns skeptisch beobachtete, schließlich hatte er mich unter seine Fittiche genommen und wusste nun nicht so recht was er davon halten sollte, dass sein bester Freund mit seinem Schützling knutschte.

Irgendwann holte mich dann doch die Müdigkeit ein, aber Marcel ließ es nicht zu, dass ich auf mein Zimmer ging. Er führte mich zu dem geheimen Raum, in dem wir uns schon öfters getroffen hatte, und wir fielen beide erschöpft ins Bett. Er hielt mich die ganze Nacht in seinen Armen und ich hatte schon lange nicht so tief und fest und vor allem albtraumlos geschlafen. Irgendwann wurden wir im Laufe des vormittags zwar wach, und nutzten die Situation zu zweit in einem Bett zu liegen weidlich aus, schliefen dann aber wieder ein um kurz vor dem Abendessen erneut aufzuwachen. Und dann beeilten wir uns aber rasch auf unsere Zimmer zum Umziehen zu kommen. Schließlich hatten wir beide Hunger und außerdem war unsere Abwesenheit beim Mittagessen auch aufgefallen.
Das neugierige Geraune der anderen hab ich noch heut im Ohr, als wir beide Hand in Hand zum Abendessen kamen.

Ich war mir nicht sicher, wie das mit uns weitergehen würde. Aber es war einfach nur toll. Ich hatte in Marcel einen Freund gefunden, den ich nie mehr missen wollte. Er konnte zuhören, von sich selber erzählen und wenn es mir mal nicht so gut ging nahm er mich einfach in seine Arme und durch die Geborgenheit, die ich bei ihm empfand ging es mir bald besser.

Doch als das Ende des Schuljahrs nahte, und damit sein Abschluss, und vorweg noch sein Vater diese blöde Bemerkung über meine nicht Reinblütigkeit geäußert hatte, obwohl er gar nicht wusste, dass wir zusammen waren da gingen die Gedanken wieder los, dass ich Marcel nicht verdient hatte. Ich konnte es drehen und wenden wie ich wollte, ich kam immer nur zu dem gleichen Schluss: ich musste unsere Beziehung beenden. Es fiel mir so schwer, wie noch nichts zuvor in meinem Leben. Und ich habe es bitter bereut. Seine unverständige Reaktion – und den Schmerz, den ich selbst lange Zeit danach noch empfand. Vielleicht wäre es sowieso nicht lange mit uns weitergegangen, aber ich würde das nun nie mehr erfahren. Ich war traurig und konnte doch nur mir selbst die Schuld daran geben.
Und seither habe ich es nicht mehr gewagt einen Mann so nah an mich rankommen zu lassen. Immer wenn eine Freundschaft zu eng wurde, hab ich Schluss gemacht. Ob ich das wohl je ändern kann?


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Ungelesener BeitragVerfasst: 16. April 2006 20:33 
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39. Wenn wir nicht nach Hogsmeade dürfen ..............

Beim Abendessen sahen Harry und seine Freunde ein wenig enttäuscht drein. Sie hatten sich an die Anwesenheit von Claire schon so gewohnt, dass sie sich sicher waren sie zu vermissen.

Aber das war nichts im Vergleich zu Michels Zustand. Er stocherte nur lustlos in seinem Essen herum, und von Zabini nach dem Grund seiner Unlust befragt fuhr er ihn nur wütend an: "Das geht dich gar nichts an." und rauschte mit eiligen Schritten hinaus.

Draco war wieder zum Essen erschienen, war aber sehr schweigsam und blass, und man hörte keinen bissigen Kommentar von ihm. Er schien ganz in Gedanken versunken.

"Ich finde es unfair, dass Claire so einfach abhaut. Sie hätte doch auch hier bleiben können" motzte Ron.
"Aber du hast doch auch Augen im Kopf, oder?" fragte ihn Hermine, "Dann hättest auch du merken müssen, dass es ihr nicht gut geht. Sie ist ja nur noch ein dünnes Gerippe.
Sie war ja auch zu Schulbeginn nicht gerade dick, aber noch erträglich anzusehen. Aber jetzt hatte ich ja Angst, dass sie ein Windstoß umwerfen könnte."

"Okay, du hast ja recht. Aber ich wollte noch mit ihr reden. Und jetzt ist sie weg." Ron machte ein beleidigtes Gesicht.
"Du kannst ihr ja schreiben. Sie bekommt doch gerne Post." schmunzelte Jules.

Die kommenden Wochen waren wieder mal sehr lernintensiv. Harry hatte viel weniger Zeit um sich mit Luna zu treffen, aber er nutzte jede freie Minute. Aber Luna war ja auch in der fünften Klasse und hatte genauso ein volles Lernpensum zu bewältigen.

Das Quidditchtraining wurde immer unwirtlicher, es war bereits extrem kalt für Ende November und stets regnerisch, nebelig oder windig. Beruhigend war nur, dass sie ihr nächstes Match erst Anfang Februar bestreiten mussten.

Eines Tages verkündete Dumbledore beim Abendessen: "Ich freue mich ihnen mitteilen zu können, dass wir uns ein Ersatzprogramm für den ausfallenden Hogsmeadebesuch einfallen ließen." Fast alle Köpfe reckten sich neugierig in seine Richtung. "Da es wohl für einen Ausflug im Moment zu gefährlich ist, haben wir den Geschäftsleuten von Hogsmeade und der Winkelgasse vorgeschlagen am nächsten Samstag ihre Buden im Schlosspark aufzuschlagen. Und da das ja auf Hogwartsgelände stattfindet dürfen auch die Erst- und Zweitklassler und jene ohne Hogsmeadegenehmigung daran teilnehmen. Vielleicht ist das angesichts des näherkommenden Weihnachtsfestes eine ganz gute Idee." und er lächelte aufmunternd in die Runde.

Und seine Worte hatten die Wirkung im Saal nicht verfehlt. Ein gewaltiges Klatschen setzte ein und wurde zu einem tosenden Applaus.
"Da werden Fred und George sicher auch kommen" jubelte Ron. "Ich hab auch fleißig gespart, da kann sogar ich diesmal ein wenig einkaufen." und er grinste übers ganze Gesicht.
Harry freute sich mit den anderen. Das war mal wenigstens eine Ablenkung. Schließlich hatten sie zuletzt soviel gelernt, da würde ihnen ein freies Wochenende gut tun.

Und dann war es so weit. Vor allem die Erst- und Zweitklässer waren besonders aufgeregt, schließlich hätten sie nach Hogsmeade ja nicht mit dürfen.
Als Harry mit Luna ins Freie trat war er selbst überwältigt.
Im ganzen Park waren Zelte und Holzbuden aufgestellt. Es hatten scheinbar viele die Einladung Dumbledores angenommen und boten ihre Waren feil.
Die meisten Geschäftsleute von Hogsmead aber auch einige aus der Winkelgasse waren gekommen.

Der Honigtopf hatte ein Zelt aufgestellt, mit den köstlichsten Süßigkeiten, die man sich nur vorstellen konnte. Es roch betörend süß und appetitlich. Harry kaufte einige Dinge für sich und Luna, die sie auf ihrem weiteren Weg verzehrten.

Auch Zonko's Scherzartikelladen war vertreten, aber im Vergleich zu Weasleys Zauberhafte Zauberscherze nur spärlich besucht. Dafür wurden Fred und George buchstäblich belagert. Bei ihnen gab es solch einen Andrang, das Harry es fürs erste gar nicht versuchte ranzukommen.

Dafür stöberten sie in dem Zelt von Florish & Blotts nach Büchern. Dort trafen sie auch auf Snape, der mit dem Buchhändler sprach: "Aber sie wissen, dass sie mich sofort unterrichten sollen, wenn sie ein Exemplar des Buches entdecken. Der Preis ist Nebensache."
Als er Harry sah kräuselte sich seine Stirn wie gewöhnlich, aber Harry bemühte sich ihn nicht anzusehen. Snape hätte sicher mal wieder etwas an ihm auszusetzen. Aber zu Harrys Verwunderung suchte Snape in einem Stapel Bücher und reichte Harry eines davon.
"Ich würde ihnen dieses Werk empfehlen. Ihre Leistungen in Tränke lassen noch immer zu wünschen übrig, und nachdem mir Prof. McGonagall mitgeteilt hat, dass sie nicht unbedingt aus dem Fach fliegen wollen, sollten sie sich darin mal ein wenig vertiefen." Harry sah erstaunt zu ihm hoch, aber Snape drehte sich um und entfernte sich.

Harry besah sich jetzt das Buch genauer. Es hieß "Zaubertrankzutaten: ihre Wirkung und Nebenwirkungen und ihr Zusammenspiel." Sie verwendeten zwar bereits ein sehr umfassendes Buch über Trankzutaten im Unterricht, aber dieses schien ganz anders und bei weitem übersichtlicher und verständlicher aufgebaut. Harry blätterte kurz darin und beschloss es zu kaufen. Wenn sich Snape schon herabließ ihm einen Tipp zugeben, sollte er es wohl besser nicht ignorieren. zusätzlich kaufte er noch ein besonders schönes bebildertes Exemplar der letzten Quidditchweltmeisterschaften als Weihnachtsgeschenk für Ron und für Luna ein Buch, das sie besonders eifrig durchblätterte, aber bei dessen Preis sie enttäuscht den Mund verzogen und es wieder beiseite gelegt hatte.

Bei Slug&Jiggers erstand er außerdem etliche Trankzutaten, von denen er wusste, dass Hermine sie gebrauchen konnte.

"Was denkst du wäre das passende Geschenk für Claire und ihre Mutter?" wandte er sich dann an Luna. "Schließlich bin ich bei ihnen zu Weihnachten eingeladen, da würde ich ihnen auch gern was schenken."
"Och Claire ist schwierig zu beschenken, andererseits freut sie sich sicher über alles. Sie selbst schenkt aber nur Dinge, die sie nichts kosten, kein Wunder, wo sie bisher immer das Schulgeld für Beauxbatons zusammenkratzen musste. Also freut sie sich wohl über was einfallsreiches, das wenig kostet am meisten."
"Danke, das hilft mir jetzt sehr weiter." Harry verdrehte die Augen. "Geht's ein wenig konkreter?"
"Tja, mal sehen, vielleicht fällt mir ja was ein."

Sie schlenderten weiter zwischen den Zelten und Buden. Zu Mittag gingen sie kurz zum Essen ins Schloss zurück. In der großen Halle waren die Tische diesmal umgruppiert, und nicht wie sonst üblich in vier Reihen, sondern einzeln gestellt.

Harry und Luna setzten sich zu Ron und Neville an den Tisch. Ron erzählte begeistert: "Ward ihr schon bei Fred und George? Also, die übertreffen sich mal wieder selbst. Ich kann mich gar nicht entscheiden, was ich kaufen soll, so umfangreich ist die Auswahl. Sie haben ihre Mitarbeiterin sogar noch mal in die Winkelgasse schicken müssen um Nachschub zu holen. Und Dad haben wir auch getroffen. Der ist bei den Leuten vom Ministerium, welche die Leute, die heute in den Park gekommen sind kontrolliert haben. Sie wurden ganz besonders genau untersucht, damit ja kein Todesser oder ein gefährlicher Zauberartikel nach Hogwarts gelangt."

Ja Harry hatte schon vermutet, dass Dumbledore spezielle Sicherheitsvorkehrungen getroffen hatte. Auch beim Eingang zum Schloss waren einige Leute postiert, die genau schauten, wer das Schloss betrat.

Am Nachmittag schafften sie es dann zu Fred und Georges Laden durchzudringen. Sie sahen ziemlich mitgenommen aus. "Hi Harry, Luna. wenn du was bestimmtes wolltest müssen wir es dir wohl zuschicken. Wir sind total ausgeplündert. Nur ganz wenig ist uns noch über geblieben. Da müssen wir wohl einige Nachtschichten einplanen um unser Sortiment wiederaufzufüllen." japste Fred.

"Nö, lass mal. Vielleicht schaff ich es ja in den Ferien in die Winkelgasse zu kommen."
"Ach ja, du bist ja in den Ferien bei Claire. Dann besucht uns aber auch wirklich. Zu Silvester kommen wir auch. Ma hat sich besorgt gezeigt, dass ihr kleines Mädel zu Fremden geht. Da haben wir sie zu beruhigen versucht und gemeint wir würden ein wenig auf sie aufpassen. Dass sie sich mit Jules herumtreibt passt mir ja ganz und gar nicht." motzte George. "Und da sie den bei den Aquilas auch wieder trifft, darfst du ein wenig auf sie aufpassen."
"Ach ich bin sicher Ron erledigt das. Er hat immer ein Auge auf eure kleine Schwester." lachte Harry.

Sie sahen sich noch ein wenig um und setzten dann ihren Weg fort. Es war angenehm, hier im Park von Hogwarts zwischen all den Zelten herumzuschlendern, sich in Sicherheit zu fühlen und das Stimmengewirr und die verschiedensten Gerüche auf sich einwirken zu lassen.
"Schau nur - es schneit!" rief Luna jetzt aus. Ja wirklich, es hatte ganz zart zu schneien begonnen. Und innerhalb kürzester Zeit bekamen die Zelte und Buden und die Bäume ringsherum eine Schneehaube aufgesetzt. Es war ein herrlicher Anblick.

Langsam wurde es dunkel und überall wurden Laternen entzündet. Ein paar Schüler hatten sich zusammengestellt und begannen Weihnachtslieder zu singen. Das war so richtig passend. Luna hatte sich eng an Harry geschmiegt und er schloss seine Arme fest um sie. Es fühlte sich schön an hier mit ihr gemeinsam zu stehen, dem Schneetreiben zuzusehen, den Liedern zuzuhören und mal nicht an die Schule zu denken. Es versetzte einen so richtig in vorweihnachtliche Stimmung. Dieses Jahr würde er dieses Fest vielleicht zum ersten Mal ganz anders feiern als je zuvor. Bei den Dursleys war er sich immer als Störfaktor vorgekommen, in Hogwarts war es ja ganz nett, aber nie so ungeheuer feierlich, und im vergangenen Jahr hatte der Krankenhausaufenthalt von Arthur Weasley die Stimmung getrübt.

Er war schon gespannt auf Mirandas Haus, auf die Umgebung, auf Claires Hexenküche, auf Mirandas Erzählungen Er erhoffte sich endlich ein wenig mehr aus der Vergangenheit seiner Mutter zu erfahren. Und Luna hatte versprochen zu Silvester auch zu kommen. Harry war selig. Nichts konnte seine Stimmung heute noch trüben. Noch zwei Wochen bis Weihnachten. Und er genoss jeden Tag, der ihn zu diesem Fest näherbrachte.


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Ungelesener BeitragVerfasst: 22. April 2006 09:41 
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40. Bei den Aquilas

Der Schnee blieb liegen und so die Vorfreude auf Weihnachten erhalten. Harry und seine Freunde nutzten die Zeit oftmals nachmittags ins Freie zu gehen und kindlich verspielt Schneeballschlachten zu machen.
"Schaut mal, was ich da habe!" rief Ron einmal. Er hatte einen kleinen Schneemann gebaut, der starke Ähnlichkeiten mit Snape hatte.
"Lass ihn das bloß nicht sehen" kicherte Ginny, "Sonst bekommst du noch Hausarrest während der Weihnachtsferien."
"Oh Merlin beschütze mich, und schnell korrigierte er den Snape-Nachbau ein wenig, so dass er wieder wie ein ganz normaler Schneemann aussah.

Endlich war der letzte Schultag vor den Weihnachtsferien, der 22. Dezember zu Ende. Ron und Hermine würden mit dem Hogwartsexpress fahren, aber Lupin hatte Harry erklärt, er wolle mit ihm gemeinsam zum Haus der Aquilas apparieren, das ginge schneller, sei sicherer und außerdem würde er sowieso gern nach Claire und ihrer Mutter sehen.

Am nächsten Morgen ging es nach dem Frühstück los. Sie fuhren noch gemeinsam mit den Kutschen nach Hogsmeade und dann verabschiedete sich Harry von seinen Freunden. Und er wusste, er würde sie in einer Woche bereits wiedersehen. Remus ergriff Harrys Hände und dann drehte sich auf einmal alles um Harry herum. Er schloss die Augen und als er sie wieder öffnete befanden sie sich auf einem Weg, etwas entfernt von einem kleinen Dorf. Vor ihnen lagen friedlich nebeneinander liegend zwei Häuschen. Diese hatten nichts mit dem Haus der Dursleys gemeinsam. Sie waren von Hecken und großen alten Bäumen umrahmt, und sahen zwar schon etwas älter, aber sogar von außen anheimelnd aus.

Remus ergriff Harrys Koffer, den er schon mit einem Zauberspruch vorausgeschickt hatte und ging zur Tür des nächstgelegenen Hauses. Er läutete an einer am Türstock befestigten Glocke und trat ein. Harry folgte ihm dichtauf. Sie befanden sich nun in einem kleinen Vorraum. Da lagen verstreut mehrere Winterschuhe, an einer Ablage hingen Umhänge und eine Wand wurde vollkommen von Büchern verdeckt.

Da kam auch schon Miranda aus der nächstgelegenen Tür. "Oh Remus, schön dass ihr da seid. Herzlich willkommen Harry. Ich hoffe, du fühlst dich bei uns wie zu hause. Kommt doch rein in die gute Stube." und sie trat einen Schritt zurück und ließ die beiden eintreten.

Sie kamen in eine gemütlichen Wohnküche. Auf dem Herd blubberte ein Kessel, ein einladender Ecktisch, mit allerlei verschiedenfarbigen Polstern stand neben dem Fenster. An den Wänden waren eine Unzahl von Fotografien zu sehen. Harry erkannte auch sofort, dass auf einigen seine Mutter abgebildet war. Neugierig trat er näher. Manche der Bilder kannte er aus den Fotoalben, die Claire ihm geben hatte, andere waren ihm neu. Und auch sein Vater war auf einigen wenigen Bildern zu sehen. Und eine Überzahl von Bildern, die Claire darstellten, oftmals gemeinsam mit Lee.

"Sieh dich nur ruhig um. Wollt ihr Tee? Ich habe gerade frischen gemacht. Oder lieber Kaffee? Der ist natürlich auch da. Claire wird gleich kommen, die ist in ihrer Hexenküche beschäftigt. Da solltet ihr sie vielleicht nicht stören. Sie hat deine Fläschchen glaub ich schon fertig Remus. Setzt euch doch."

Und Remus nahm Platz und Harry trennte sich widerwillig von den Fotografien. Aber er würde schon noch Zeit finden, sie zu betrachten. Sie tranken und aßen ein paar Kekse, und Remus unterhielt sich mit Miranda und fragte nach Neuigkeiten. Und kurz darauf kam Claire bei der Tür herein. Sie trug Jeans und ein gelbes sehr verwaschen aussehendes Hemd, das ihr viel zu groß war. Und wie könnte es anders sein: keine Schuhe.

"Oh ihr seid schon da! Schön euch zu sehen. Ma hast du noch Kaffee für mich?" und sie setzte sich zu ihnen. "Wie geht es euch? Was hat sich so getan in meiner Abwesenheit?"
Harry musste bei ihrer Frage schmunzeln, wusste er doch, das sie eine Unzahl von Briefen aus Hogwarts bekommen hatte, einige ja auch von ihm.

"Ach ich glaube du bist schon auf dem laufenden. Was spricht die Waage?" erkundigte sich Remus.
"Och die ächzt bereits unter meinem Gewicht." Claire fing an hellauf zu lachen. Und es klang süß, wenn sie so unbeschwert lachte, das klang viel mehr nach dem Gurren einer Taube.
"Ich bin ganz brav und artig und esse fast alles was Mutter von mir verlangt. Und ich hab die ganze Zeit nichts angestellt." grinste sie.

"Ja, sie hält sich ganz gut. Wenn nicht wieder was dazwischenkommt, kann ich sie nach den Ferien wieder beruhigt nach Hogwarts schicken. Obwohl ich mir gar nicht so sicher bin, ob sie das will." Miranda sah ihre Tochter zweifelnd an, "Sie genießt es allem Anschein nach hier zu sein und zu faulenzen. Und nimmt Lee vollauf in Beschlag. Merlin sei Dank hat er jetzt auch frei, sonst würde es ihm wohl zu viel."

"Och Ma, wo denkst du hin? Du glaubst doch nicht wirklich ich sei anstrengend?"
"Nein meine Süße, ich weiß, dass du es bist."
"Dem kann ich nur zustimmen." meldete sich jetzt Remus zu Wort, "Aber ich denke Lee ist nicht auf den Mund gefallen. Der sagt es schon, wenn es ihm zuviel wird."
"Nö, er ist doch so schüchtern. Übrigens zeig ich dir jetzt mal dein Zimmer Harry. Bis die anderen auftauchen hast du es allein für dich. Dann müsst ihr euch halt zusammenquetschen. Ich möchte heut übrigens noch mal gern in die Winkelgasse. Willst du mitkommen?"

Und ob Harry wollte. Aber Remus warf gleich ein: "Das solltet ihr aber nicht allein machen."
Aber Claire fiel ihm ins Wort: "Du weißt, dass ich im Normalfall vorsichtig bin. Und Lee kommt auch mit. Und wir apparieren direkt in die Winkelgasse, erledigen unsere Besorgungen und kommen dann gleich wieder zurück." sie hatte mal wieder ihren trotzigen Ausdruck aufgesetzt.

"Ach lass sie mal ruhig. Ich denke sie können schon auf sich aufpassen." warf Miranda ein.
"Na denn, wenn ihr glaubt." Remus schien nicht so ganz davon überzeugt. "Hast du nicht was für mich Claire?"
"'türlich. Sie stand auf und holte zwei Fläschchen aus einer Lade. "Hier. Du siehst ich bin nicht nur auf der faulen Haut gelegen." und sie zwinkerte ihm verschwörerisch zu. Remus war ebenfalls aufgestanden und nahm die Flaschen in Empfang. "Das weiß ich doch." und er küsste sie auf die Wange. "Danke für alles. Wenn ihr es noch immer wollt komm ich morgen Abend wieder."
"Na wehe, wenn du nicht erscheinst." knurrte Miranda. "Das haben wir doch so abgemacht." und sie begleitete Remus zur Tür.

"So Harry, dann komm mal mit." Claire ging Harry voraus über eine gewundene Treppe in den oberen Stock. Dort befanden sich zwei Türen. Die eine stand offen und Harry erspähte ein ziemliches Durcheinander. Der Boden war übersät mit Büchern und Zeitungen. Das Bett war zerwühlt aber an den Wänden waren überall Bücher. Bücher gab es auch am Gang. Harry hatte bisher nur in der Bibliothek in Hogwarts so viele Bücher gesehen.

"Gehören die dir oder deiner Mutter?" fragte er.
"Och, das sind meine. Aber da gibt es noch mehr davon." erwähnte sie beiläufig.
"Und hast du die alle gelesen?" erkundigte er sich zweifelnd.
"Fast alle. Manche haben mich nicht wirklich interessiert. Aber ich kann einfach kein Buch wieder weggeben. Außer es findet sich jemand, der es wirklich haben will. Bücher sind für mich was ganz besonderes. Die schmeißt man nicht so einfach ins Feuer. Das würde ich nicht übers Herz bringen."

Claire hatte die Tür zu dem zweiten Raum geöffnet. Das Zimmer war etwas kleiner als Claires und im Gegensatz zu ihrem ordentlich aufgeräumt. Darin stand ein Bett, ein Schreibtisch und zwei Kästen, und es war durch zwei Fenster angenehm hell.
"Wenn die anderen kommen, vergrößern wir nächtens das Zimmer und organisieren noch Betten. Aber bis dahin reicht es wohl von der Größe, oder?"

Na klar reichte es. Und Harry fühlte sich auch sofort wohl hier. Auf dem Schreibtisch stand eine Vase mit Feldblumen - woher die wohl stammten, jetzt im Winter? Auf den Wänden waren wiederum Fotos zu finden, und das Bett war mit einer größeren Anzahl von Kissen bestückt, so dass es sich wohl herrlich darin herumlungern ließ.
"Lee kommt nach dem Mittagessen uns abholen. Und am Abend wollen wir eventuell mit Mutter auswärts essen gehen. Magst du die italienische Küche?"
Harry hatte keine Ahnung. Er wusste gerade noch, dass Spaghetti und Pizza dazugehörten.
"Ach es wird schon was für dich dabei sein. Pack mal aus und komm dann rüber zu mir." und sie ging auf ihr Zimmer nach nebenan.

Harry bugsierte seinen Koffer auf das Bett und begann auszupacken. All zuviel hatte er sowieso nicht mitgenommen. Nur Kleidung für die zwei Wochen und seine Unterlagen für ausstehende Hausaufgaben. Dann trat er ans Fenster und war überwältigt. Er sah jetzt in den Garten der Aquilas. Er war von einer weißen Schneeschicht bedeckt und lag friedlich vor seinen Augen. Da gab es eine große Wiese auf der auch einige Schneegestalten zu finden waren - Lee und Claire schienen auch zuweilen noch ganz verspielt zu sein - mittendrin standen einige Bäume und dahinter lag ein kleines Wäldchen. Und hinter diesem Wald sah er noch einen zugefrorenen See in der Sonne glitzern. Zum Garten der Jordans gab es keine Abgrenzung, die beiden Familien schienen wirklich in trauter Eintracht zu leben.

Er war sich sicher, dass er sich hier wohl fühlen würde. Dann ging er zu Claire. "Fertig?" fragte sie ihn. Sie knotzte auf ihrem breiten Bett und grinste ihm entgegen. "Komm her" und sie klopfte auf einen freien Platz auf ihrem Bett. "Schau mal was ich hier entdeckt habe." Und sie reichte ihm ein altes Buch mit ziemlich abstossend wirkenden Abbildungen von Leuten die sich in Qualen wanden. Sie schienen Opfer von diversen Flüchen zu sein. Darunter waren diese Flüche auch genannt, und Harry konnte sich nicht erinnern auch nur einen von ihnen schon mal gehört zu haben.

"Was ist das? Wo hast du das her?"
"Och ich war letztens mit Lee mal wieder auf einem Flohmarkt der Muggel. Da finden sich oft die erstaunlichsten Sachen. Und das hier" sie deutete auf das Buch "hab ich ganz billig erstanden. Der Händler war wohl froh es los zu sein. Kein Wunder, wo solche Bücher doch oft den Fluch habe nur von Magiern in Besitz genommen zu werden. Das ist ein Buch über uralte Folterungsmethoden. Früher, vor wohl mehr als tausend Jahren wurden sie sogar von den Ministeriumsleuten zur Strafe genutzt. Aber heute kommen sie in keinem Lehrbuch mehr vor. Das Problem ist, dass auch kaum einer sie anwenden kann. Und wenn ich mir die Auswirkungen so ansehe, werde ich es wohl auch gar nicht ausprobieren."

"Da bin ich ja beruhigt. Ich dachte schon du wolltest mich als Versuchskaninchen verwenden."
"Ach ja? Das wäre ja direkt eine Überlegung wert." lachte sie ihn aus.

Von unten rief Miranda zum Essen.
Sie beeilten sich runter zu kommen und als sie ihre Nachspeise verdrückt hatten kam Lee zur Hintertür herein.
"Hi Harry. Seid ihr fertig? Ich hab Fred und George versprochen ihnen heute Nachmittag kurz auszuhelfen. Also was ist? Wollen wir?"
"Sofort mein Lieber. Meinereiner muss noch aufs Töpfchen und mir was Wärmeres anziehen. Bin gleich soweit."
Und nach zehn Minuten gingen sie schwer vermummt hinaus - sogar Claire trug Stiefel - Claire ergriff Harrys Hände und schon waren sie, wenn auch von einem leicht mulmigen Gefühl begleitet in der Winkelgasse direkt vor dem Laden der Weasley Zwillinge angekommen.

"Oh, wen haben wir denn da? Schön euch zu sehen." Fred kam ihnen freudestrahlend entgegen. "Harry es ist mir eine Ehre euch hier in unserem bescheidenen Laden begrüßen zu dürfen. Lee, danke, wir können deine Hilfe heut wirklich gebrauchen. Clairchen - wie geht es dir? Du hast aber nicht vor hier entzweizubrechen? George! Haben wir noch was Essbares im Laden? Wir sollten mal Aufpäppeldragees entwickeln, damit so dürre Bohnenstangen wie du ein wenig Fleisch ansetzen." und er ging auf sie zu und hob sie einfach in die Luft. "He Frechdachs! Lass mich mal lieber wieder runter. Sonst brichst du noch zusammen unter meinem Gewicht." Claire japste nach Luft und strampelte mit den Beinen. "Ich will wieder auf den Boden zurück. Zum Fliegen hab ich heut doch gar keine Lust."
Da trat George aus dem hinteren Teil des Ladens heraus.

"Aber Fred, benimmt man sich so einer Dame gegenüber?" tadelte er seinen Bruder. Aber als dieser Claire wieder auf dem Boden abgesetzt hatte, war es George der sie von hinten umfasste. "Also wirklich Mädel, es wird Zeit, dass du deine ungesunde Lebensweise etwas umstellst. Ich lade dich zum Essen ein: zu Steak und so weiter."
"Das könnte dir so passen. Tote Tiere esse ich ganz bestimmt nicht - man sieht ja was daraus wird." und sie knuffte George in seinen doch wohlgepolsterten Bauch.
"Halt! Nicht knuffen. Da steckt viel Geld darin. Hab ich mir ganz ehrlich angefuttert." und George strich stolz über seine Leibesmitte.

"Keine Angst - behalt dein Bäuchlein nur. Aber ich muss jetzt sowieso weiter bevor ihr mir noch auf dumme Ideen kommt und mich mästet. Harry, bleibst du hier oder hast du auch noch was zu erledigen? Ich wär in einer Stunde wieder zurück."
Harry, der begeistert war von den Dingen ringsum meinte nur: "Tja ich glaub ich bleib lieber hier. Außerdem ist es im Moment draußen ziemlich kalt."
"Okay, dann bis später ihr Lieben." und schon war sie zur Tür hinaus.

"So Harry, dann werde ich dich mal ein wenig herumführen," meinte George, "Lee übernimmst du die Kassa?" und er zeigte Harry all ihre Angebote. "Es ist natürlich vieles ausgegangen, der Verkauf jetzt vor Weihnachten war wirklich enorm. Und unser Ausflug nach Hogwarts war auch sehr einträglich. Aber wir schließen über die Weihnachtsferien sowieso, die Weihnachtstage werden wir im Fuchsbau verbringen, und zu Silvester sehen wir uns ja bei Lee und Claire. Und ein paar Tage Verschnaufpause werden uns ja auch gut tun. Und dann geht's im neuen Jahr mit frischem Elan weiter. Übrigens: bevor ihr verschwindet muss ich dir noch was mitgeben. Ich bin schon so vergesslich, dass es eine Schande ist. Mein armes Hirn ist mir soviel Sachen vollgestopft, dass ich beinah auf die wichtigsten vergesse." und dabei verdrehte er gekonnt die Augen.

In dem Laden der Zwillinge war ständig was los. Viele schienen noch schnell vor Weihnachten ihre letzten Besorgungen zu machen.
Harry trat zu Lee: "Lee, kannst du mir vielleicht helfen? Ich hab für Claire und Miranda noch immer kein Geschenk. Hast du nen Tipp für mich?"
"Mal nachdenken. Also für Miranda würde alles passen was mit Fotografieren zu tun hat, ein paar magische Filme, ein schöner Bilderrahmen, Entwicklungszeugs und so halt. Und für Claire alles nur keine Bücher." und dabei zwinkerte Lee Harry verschwörerisch zu, "Da kannst du beinah nur was nehmen, das sie sowieso schon hat. Aber sie würde sich sicher über irgendwelche ausgefallenen Fläschchen für ihre diversen Tränke freuen. Oder Gläser zum Aufbewahren der Kräuter und so weiter."

"Und wo bekomm ich dergleichen?"
"Tja, ich denke am besten gehst du zu Mme Lucilles Allerlei. Die verkauft solche Dinge. Aber ich kann nicht mitkommen. Ich wollte doch den Zwillingen helfen."
"Macht nichts. Der Laden ist doch nicht weit von hier entfernt. Ich geh mal kurz hin und komm dann auch ganz brav und artig schnell wieder zurück." Harry hatte Claires Ausdrücke schon mit übernommen.
"Okay, dann bis gleich."

Harry schlüpfte wieder in seine Jacke, die er in dem wohltemperierten Laden nicht gebraucht hatte und machte sich auf den Weg. Ein eisig kalter Wind blies ihm entgegen. Die Menschen, die an ihm vorbeihasteten waren auch alle besonders gut eingemummt. Harry dachte daran, dass sich hinter den bis zu den Augen hochgezogenen Schals auch ein Todesser verbergen könnte.

Er betrat Mme Lucilles Geschäft und wurde auch schnell fündig. Er erstand zwei Filme, drei schöne Fotorahmen und erspähte auch einige hübsche bunte Fläschchen zum Aufbewahren von allerlei Tränken. Und zuletzt noch eine hübsche Schreibfeder mit roter Tinte für Lee, der ja zur Zeit seine Ausbildung zum Journalisten machte. Harry hatte bereits ein paar Artikel von ihm im Tagespropheten gelesen und musste zugeben, dass er wirklich spannend schreiben konnte und trotzdem scheinbar bei der Wahrheit blieb. - Ganz im Gegensatz zu Rita Kimmkorn.

Er bezahlte und verließ das Geschäft. Jetzt hatte auch noch heftiges Schneetreiben eingesetzt und Harry beeilte sich in Fred und Georges Laden zu kommen. Doch plötzlich gab es einen riesigen Knall und Harry wurde zurückgeschleudert. Er sah noch einen grellen Blitz und dann war es dunkel um ihn herum.


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Ungelesener BeitragVerfasst: 22. April 2006 09:42 
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Als Harry wieder zu sich kam war es noch immer dunkel um ihn. Er spürte, dass er auf einer weichen Unterlage lag, und er konnte mehrere Personen sprechen hören. Zuerst nur ganz undeutlich aber schon bald identifizierte er die Stimmen als die von Miranda, Claire, Lee und noch zwei, die er nicht kannte. Unwillkürlich hob er seine Hand um auf seine Augen zu greifen. Aber da wurde er sogleich gestoppt.

"Halt Harry, gut dass du wieder bei Bewusstsein bist. Deine Augen sind verbunden, mach dir keine Sorgen. Sag mir zuerst einmal wie es dir geht?" fragte Miranda.
"Was ist passiert? Wo bin ich? Wieso sind meine Augen verbunden?"
"Hast du Schmerzen?" fragte Miranda nochmals mit Nachdruck.
"Nein, eigentlich nicht. Mein Kopf tut ein wenig weh, aber ich will wissen was passiert ist. Ich kann mich nur an einen grellen Blitz und furchtbaren Lärm erinnern."

"Der Laden von Ollivander ist gesprengt worden, gerade als du knapp davor warst. Die Wucht der Explosion hat dich zurückgeworfen und dabei bist du mit dem Kopf auf der Straße aufgefallen. Und das grelle Licht hat deine Augen schwer verletzt und geblendet. Claire hat dich gefunden, da sie gerade auf dem Rückweg zu euch war und sofort mit Lee zu mir gebracht. Du hattest eine blutende Wunde am Hinterkopf, aber das ist nichts Beunruhigendes. Und deine Augen werden wieder in Ordnung kommen. Nur geht das nicht sofort. Wir werden dich heute stündlich behandeln und bis morgen Abend wirst du wieder normal sehen können. Solange musst du dich eben beruhigen. Hast du Durst? Oder Hunger?"

"Im Gegenteil, ich müsste aufs Klo." Harry verzog das Gesicht. Er sah nichts und wollte sich nicht von den Frauen auf die Toilette begleiten lassen.
"Dann dürfen wir dich vielleicht dorthin weisen? Ich bin Lees Vater und Lee ist auch hier. Ich könnte mir vorstellen unsere Gegenwart ist dir lieber, oder Harry?" die Stimme von Mr. Jordan klang angenehm gemütlich und doch bestimmend.
Ja, es war Harry lieber.

"Dann werde ich mal eine Minestrone aufsetzen. Du wirst ja wohl Hunger haben."
"Und ich muss noch mal in meine Hexenküche." meldete sich Claire zu Wort.
Harry war erleichtert, dass sich die Frauen zurückzogen. Er konnte schließlich nichts sehen und welcher Junge pinkelt schon gern im Dunkeln, in Gegenwart anderer Frauen?

Als Harry wieder in seinem Bett lag drängte er Lee: "Jetzt erzähl mal von Anbeginn. Wer hat den Laden gesprengt? Und was ist mit Ollivander?"
"Tja, da kommen wohl nur Voldemorts Anhänger in Frage. Sie müssen einen Sprengkörper in Ollivanders Laden deponiert haben und nur ein Zufall hat ihm selbst das Leben gerettet, da er gerade vor dem Laden mit einem anderen Zauberer geplaudert hat. Sicher ist er schwer verletzt, und beide wurden nach St. Mungos gebracht. Doch er wird durchkommen. Aber sein ganzer Bestand an Zauberstäben, und auch das dafür benötigte Holz und die Kernzutaten wurden total zerstört. Es wird eine Ewigkeit dauern, bis er, auch wenn er bald wieder auf den Beinen sein sollte für Nachschub gesorgt hat. Der Schlag der Todesser war wohl sehr gezielt geplant. Es gibt zwar noch ein paar andere Zauberstabmacher aber Ollivander war nun mal der Beste."

"Aber die meisten Zauberer und Hexen haben ja einen Zauberstab." Harry verstand nicht, wieso das so ein riesiger Verlust sein sollte.
"Sicher, aber du vergisst, dass viele Zauberer und Hexen ihre Stäbe nicht ein Leben lang haben. Wenn sie Entwicklungen durchmachen, sich ihre Lebensumstände verändern, dann benötigen sie einen neuen passenderen Stab. Und vor allem Zauberer, bei deren Arbeit Präzision nötig ist, müssen ihren Stab immer wieder eichen lassen oder eben einen neuen kaufen. Vor allem die Auroren betrifft das. Und wenn der Zauberstab nicht wirklich passt, sind sie im Kampf womöglich unterlegen. Nur ganz selten findet ein Zauberer einen Zauberstab, der ihn sein ganzes leben begleitet. Ich selbst hab schon den elften." Lees Vater hatte sich mit der Erklärung Zeit gelassen.

"So da bin ich wieder", Claire war ins Zimmer gekommen, "Hier Harry, trink das. Das ist ein Trank, der die Heilung beschleunigen helfen soll." Sie ergriff Harrys Hand, legte sie um das Glas und half ihm es zum Mund zu führen. Der Trank schmeckte leicht bitter, war aber trinkbar.

"Kannst du mir jetzt sagen, was wirklich mit meinen Augen ist?"
Claire seufzte: "Deine Augen sind schwerst beschädigt gewesen, aber Ma und ich kriegen das hin. Wenn wir dir jetzt den Verband abnehmen würden könntest du wohl grad mal hell und dunkel unterscheiden. Hab etwas Geduld. Morgen früh müsstest du bereits wieder verschwommen sehen können und zu Mittag schon fast wieder klar. Gegen Abend wird deine ganze Sehkraft wieder hergestellt sein. Du kannst uns vertrauen. Ich hoffe nur, du bist uns nicht böse dass wir dich nicht ins Krankenhaus geschafft haben, aber wir halten nicht gar so viel von den Methoden dort. Wir schaffen das effizienter und schneller."

Claires Worte taten Harry gut. Ja, er vertraute den beiden Frauen. Und diese eine Nacht würde er schon überstehen. Und nun stellte er auch fest, dass sein Magen knurrte.
"Da komm ich wohl gerade rechtzeitig." Miranda war zurückgekommen und Harry roch warme Gemüsesuppe. Sehend war er sich nie so sehr über Gerüche bewusst im Klaren gewesen. Er setzte sich auf, jemand schob mehrere Kissen hinter seinen Rücken und Miranda meinte: "Darf ich dich heute ausnahmsweise füttern? Ich glaub das geht schneller und einfacher."

Sie durfte. Und die Suppe mundete hervorragend. Als Harry satt war und auch noch getrunken hatte meinte er: "Aber ihr wolltet doch heute Abend essen gehen. Das hab ich euch vermasselt."
"Ja du bist schuld. Wieso musstest du auch aus dem Laden der Weasleys abhauen?" tadelte ihn Claire. Doch es war nicht wirklich Wut, die aus ihr sprach sondern vielmehr die Sorge um ihn. "Ich mach mir solche Vorwürfe, dass ich dich mit in die Winkelgasse genommen habe. Remus wird mir gehörig den Kopf waschen."

"Aber Merlin sei Dank ist nichts passiert, was nicht wieder gutzumachen wäre. Und essen können wir demnächst noch immer gehen. Und morgen Abend feiern wir so richtig kitschig Weihnachten. Bist du müde Harry? Sollen wir dich schlafen lassen?"
"Nein ich bin überhaupt nicht müde. Und ich glaub nicht, dass ich jetzt schlafen könnte."
"Willst du mit uns in die Küche kommen? Oder sollen wir hier bei dir bleiben?"
"Ich würde gern liegen bleiben. Aber ich hätte eine Bitte, falls das nicht zu unverschämt ist."
"Sprich nur"
"Könntest du mir von meiner Mutter erzählen? Ich würde gern viel mehr über sie erfahren."

"Aber gern" Miranda setzte sich zu Harry auf das Bett und begann:



"Lily ist ja so wie ich muggelstämmig. Und wir trafen uns bereits vor der Zugfahrt nach Hogwarts am Gleis 9 ¾ und sahen beide genau so planlos aus, dass wir uns nur angesehen haben und sofort losprusteten. Und im Hogwartsexpress saßen wir zusammen, und quatschten die ganze Zeit. Der sprechende Hut hat uns dem gleichen Haus zugeteilt und wir waren bald die dicksten Freundinnen. Wir hatten so viele gemeinsame Interessen, und die Welt der Hexen und Zauberer faszinierte uns beide. Ich hatte ja durch meine Heilkräfte schon ein wenig früher Kontakt mit einer Hexe, aber jetzt waren wir ständig umgeben von Dingen, die uns zuvor fremd gewesen sind. Und all die Unterrichtsgegenstände, die so anders waren als alles, was wir zuvor in der Grundschule erlernt hatten.

Lily war eigentlich in jedem Fach perfekt. Ich hab bald bemerkt, dass Zaubertränke nicht mein Fachgebiet waren, aber gerade dieses Fach brauchte ich so dringend. Also hat Lily immer wieder versucht mir zu helfen, aber wir konnten uns nicht lange konzentrieren, immer wieder wurden wir durch Kleinigkeiten abgelenkt, und so brachte das nicht allzu viel.

Deine Mutter war ein wunderbarer Mensch und eine treue Freundin. Ich hab durch sie vieles leichter überstanden, sie war immer hilfsbereit, und hat oft ihre Bedürfnissen zugunsten anderer zurückgestellt.

Und sie war ein Mensch, der sehr auf Gerechtigkeit achtete. Ich hab gehört Hermine hat auch etwas gegen die Ausbeutung der Hauselfen - deine Mutter war der gleichen Ansicht. Mir selbst ist das gar nicht so aufgefallen, ich nahm es einfach hin - aber Lily hinterfragte immer alles und wollte wissen wieso etwas so war wie es ist und wieso viele meinten Althergebrachtes dürfte nicht geändert werden.

Ich hab sie unheimlich gern gehabt. Wir verbrachten fast jede freie Minute zusammen. Erst als sie im letzten Schuljahr begann sich mit James zu treffen wurde unser inniger Kontrakt etwas lockerer, aber unsere Freundschaft blieb bestehen. Und dann wurde sie mit dir schwanger und obwohl die Zeiten nicht die besten für ein Baby waren haben sich deine Eltern unheimlich auf dich gefreut. Und dann war ich auch schwanger und Lily und ich hatten wieder eine Gemeinsamkeit.

Du bist dann am 31. Juli geboren und ich wollte euch eigentlich besuchen, aber da setzten auch bei mir die Wehen ein, zwei Monate zu früh, und ich bekam meine Tochter am nächsten Tag. Als wir uns von der Geburt wieder erholt hatten, verbrachten wir jedoch wieder viel Zeit zusammen. Ich hatte niemand anderen und Lily war auch oft allein, weil James ja nach wie vor im Orden mitarbeitete. Das heißt du und Claire ihr seid euch früher schon oftmals begegnet."

Harry hatte aufmerksam zugehört aber jetzt konnte er ein Gähnen nicht unterdrücken. Der Tag war doch anstrengender für ihn gewesen als er gedacht hatte. Zwischendurch hatte er immer wieder gespürt, dass Miranda ihre Hände auf seine Augen gelegt hatte und dabei ein intensives Hitzegefühl verspürt.

"Ach Harry, wieso sagst du nicht, dass du schon so müde bist. Jetzt wird aber geschlafen. Claire und ich schauen öfter nach dir, und wenn du was brauchst rufst du einfach ganz laut. Claire und Lee schlafen im Nebenzimmer, die hören dich jederzeit."
Nachdem sie ihm noch zu trinken gegeben hatte und Lee noch mal so nett war, ihn auf die Toilette zu bringen schlief Harry alsbald ein. In seinem Traum sah er sich nochmals durch die Winkelgasse gehen. Er hatte in eine Auslage geguckt, war dann ein Stück vor Ollivanders Laden gewesen und hatte ihn da nicht jemand angerempelt? Harry wurde das Gefühl nicht los, dass er für einen Moment ein ihm bekanntes Gesicht gesehen hatte. Aber er konnte es auch im Traum nicht fassen.

Am nächsten Morgen wusste er zuerst nicht, wo er war und wieso er nichts sehen konnte, aber das fiel ihm bald wieder ein. Da hörte er auch schon ein "Guten Morgen" von der Tür.
"Ich hoffe du hast gut geschlafen Harry. Ich werde dir jetzt kurz den Verband abnehmen damit ich deine Augen mit dieser Tinktur beträufeln kann. Versuch zu schauen und sag mir was du siehst." Harry war doch etwas verunsichert. Aber als er die Augen öffnete, erkannte er schemenhaft Miranda. Das Bild war nicht sehr klar, aber immerhin deutlich genug um Umrisse und hell-dunkel zu erkennen.

"Glaubst du, du kannst allein ins Bad? Dann lass ich den Verband solange weg. Später hätte ich gern, dass du ihn noch bis Mittag oben lässt. So können sich deine Augen schneller regenerieren."

Harry konnte allein frühstücken und musste nicht gefüttert werden. Dann verband Miranda wieder seine Augen. und erneut war es dunkel um ihn.
"Was möchtest du machen Harry?" fragte Claire. "Sollen wir dich spazieren führen? Oder Eislaufen gehen? Oder willst du damit warten, bis du wieder siehst?"
"Och ich warte lieber. Ich könnt euch ja zu mir setzen und mir was erzählen."

"Na da fangen wir am besten damit an, dir die Eulen vorzulesen, die du heute morgen erhalten hast. Ich habe sie abgefangen, damit sie dich nicht zu früh wecken.
Ist es erlaubt, dass wir deine Briefe öffnen?
Wir haben gestern natürlich deine Freunde und die Schule von dem Vorfall informiert. schließlich wurdest du in der Winkelgasse gesehen und bevor sie sich Sorgen machen haben wir ihnen gesagt, es ginge dir den Umständen entsprechend gut.

Also hier hätte ich einen Brief von Ron."

"Den kannst du mir vorlesen, bitte." forderte Harry Claire auf

"Also dann:

Lieber Harry,
du hast uns ja einen gehörigen Schrecken eingejagt. Fred und George warteten bereits daheim auf uns und überbrachten die Mitteilung, dass du in der Winkelgasse Opfer einer Explosion wurdest. Ma wäre fast in Ohnmacht gefallen, aber auch mir blieb das Herz einen Moment lang stehen.
Sie haben zwar sofort korrigiert, dass Claire und Lee dich zu Mrs. Aquila geschafft hätten, und dass du da in den besten Händen seist, aber erst als die Eule der Aquilas mit dem Schreiben, dass du schon auf dem Weg der Besserung bist, ankam wurden wir ruhiger.
Sogar Dad hat ziemlich geschimpft, als er spät abends heimkam, dass du nichts in der Winkelgasse verloren hättest. Da haben Fred und George gefragt: "Und was ist mit uns? Machst du dir um deine Söhne keine Sorgen?" und da ist er ruhiger geworden und hat berichtet was passiert ist. Ein Sprengstoffanschlag auf Ollivanders Geschäft. Alle Zauberstäbe zerstört, er selbst schwer verletzt, und das verwunderlichste ist, dass dabei ein Sprengstoff verwendet wurde wie Muggel ihn verwenden. Aber keiner der Todesser würde doch so handeln? Oder?
Schreib bitte, wenn du wieder ganz in Ordnung bist.
ich soll dich von allen recht herzlich grüßen lassen
und dir ein hoffentlich trotzdem frohes Weihnachtsfest wünschen
Ron"

"Ein Sprengstoff, wie ihn die Muggel verwenden? Seltsam. Sie kommen doch immer auf blödere Ideen." Miranda schien empört. "Das ist doch ziemlich untypisch für die Todesser."

"Ja find ich auch. Ob man jetzt wohl die Sicherheitsvorkehrungen noch strenger macht?" Lee war sofort interessiert. Da merkte man doch seine Liebe zum Journalismus.

"Hast du eigentlich gar nicht darüber geschrieben?" erkundigte sich Harry, "Schließlich ist das doch jetzt dein Beruf."
"Ähem, hab ich doch. Aber ich hab den Tagespropheten noch gar nicht gelesen. Mal sehen."
Harry hörte das Rascheln der Zeitung und dann las Lee vor:

"Attentat auf den besten aller Zauberstabmacher!

Gestern Nachmittag, als die Welt der Zauberer und Hexen noch hoffte, ein ruhiges und friedliches Weihnachtsfest vor sich zu haben, detonierte eine Bombe in Ollivanders Laden und zerstörte das ganze Geschäft, mit all den Zauberstäben und den gelagerten Hölzern und Federn, etc.
Ollivander selbst überlebte nur durch ein Wunder, da er sich gerade vor seinem Laden und nicht in demselben aufgehalten hatte.
Er und der Zauberer Gregor Bell wurden schwer verletzt ins St. Mungos Krankenhaus gebracht.
Wie aus zuverlässiger Quelle berichtet wird, hat sich auch der junge Harry Potter gerade in der Nähe des Ladens aufgehalten. Unser junger Nachwuchsreporter Lee Jordan berichtet:

Harry Potter war in der Winkelgasse für Besorgungen unterwegs, nachdem er zuerst den Laden von Fred und George Weasley besucht hatte, deren Sortiment er überaus gelobt hat, und war bereits auf dem Rückweg, als vor ihm die Detonation erfolgt ist.
Er wurde zurückgeschleudert und zu Boden geworfen, und seine Augen bekamen schwere Verbrennungen ab. Doch seine Schulkameradin, bei deren Mutter er die Weihnachtsferien verbringt fand ihn rechtzeitig und brachte ihn nach Hause. Da sie und ihre Mutter Heeling-hands sind, hat er sich rasch erholt und dürfte bis zum Weihnachtsabend wieder vollauf genesen sein.

Tja, im restlichen Bericht dürfte eigentlich nichts neues stehen. Nur dass die Kontrollen in der Winkelgasse verschärft werden."

"Und du konntest es mal wieder nicht lassen ne Werbung für deine Freunde unterzubringen." Claire hatte bei Lees vorlesen zu lachen begonnen. "Aber was soll's. Das schadet ihnen sicher nicht. So Harry, ich hätte hier noch einen Brief von Jim und Jules, dann von Hermine und einen von Luna. Also den von den Jungs les ich dir noch vor, die Mädchenpost liest du dann besser selber."

Der Vormittag verging ganz rasch und vor dem Mittagessen wurde Harry der Verband wieder abgenommen. Und die beiden Frauen hatten Recht behalten. Harry sah schon fast ganz klar, nur Geschriebenes war noch zu verschwommen. Und so schmeckte ihm das Mittagessen noch mal so gut. Es hatte sich gezeigt, dass er zu Recht Vertrauen in die beiden gehabt hatte. Und nun freute er sich auch mit unbändiger Wucht auf den Weihnachtsabend.


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Ungelesener BeitragVerfasst: 25. April 2006 12:14 
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42. Weihnachten

"So, ich wollte noch meine Hexenküche aufräumen. Kommst du mit Harry?" wandte sich Claire an ihn.
"Gern. Bin ja schon neugierig." und er folgte ihr über den Gang zu einer Tür, die in den Keller führte.

Als er bei dem Spiegel vorbei ging, bemerkte er erst, dass er ja seine Brille gar nicht trug.
"Wo ist denn meine Brille? Ich habe ganz darauf vergessen. Vielleicht sehe ich damit ja bereits besser." fragte er Claire.
Da sah sie etwas verlegen auf den Boden und grinste ihn dann an: "Tja, ich kann mich ja auch irren, aber ich denke mal, das solltest du lieber lassen. Deine Augen wurden schließlich zur Gänze neu aufgebaut und ich glaube, dass du keine Brille mehr benötigen wirst. Ich kann es dir natürlich nicht hundertprozentig versprechen, aber ich vermute, dass es so sein wird."

Harry hatte die Augen weit aufgerissen. Er konnte sich gar nicht mehr daran erinnern, je ohne Brille herumgelaufen zu sein. Er sah nochmals in den Spiegel. Aber ja, das wäre natürlich gar nicht so schlecht, wenn er sie nicht mehr brauchte. Ein Grinsen überzog jetzt sein Gesicht und er meinte: "Na dann hätte das ja auch was gutes gehabt. Ich bin darüber keineswegs böse."
"Dann is ja gut." murmelte Claire und öffnete die Tür und schritt Harry voran über die Stufen hinab. Und Harry staunte mal wieder.

Die ganze Treppe entlang stapelten sich Bücher. Ja sie hatte nicht übertrieben als sie sagte, die Bücher im oberen Stock seien noch lange nicht alle.
Unten gab es zwei Türen. Eine davon öffnete Claire und entzündete mit einer Handbewegung eine Unzahl von Kerzen. Harry war nun noch mehr überrascht. Hier sah es beinah so aus, wie in Snapes Unterrichtsraum. Zwei längere Arbeitstische in der Mitte des Raumes, an den Wänden eine Vielzahl von Regalen teils wieder mit Büchern bestückt teils mit Flaschen, manche leer und viel mehr mit den interessantesten Flüssigkeiten gefüllt. Ein anderes Regal voller Behälter mit Kräutern und anderen Trankzutaten. Mehrere Kessel, Stapeln von Papier und Mappen.

Aber im Gegensatz zu dem Klassenzimmer wirkte der Raum hier doch persönlich, ja sogar wohnlich. Er strahlte etwas aus, dass Harry nicht sofort greifen konnte. Erst langsam wurde es ihm bewusst, dass es Claires Heiligtum war. Ein Platz, an dem ihre ganze Liebe und ihr volles Interesse hing. Sie liebte es Tränke zu kreieren, zu brauen, Kräuter zu sammeln und für eine längere Aufbewahrung vorzubereiten. An der Decke hingen Kräuter zum Trocknen, andere waren fein säuberlich aufgelegt, manche in Flüssigkeiten konserviert. Harry ging langsam herum und besah sich alles. Da war auch ein Schrank mit dunklem Glas. Neugierig wollte er ihn öffnen, aber es gelang ihm nicht.

"Oh Harry, die Tür ist versiegelt, die kann nur von mir geöffnet werden." und sie trat hinzu und öffnete den Schrank. Darin befanden sich wieder Flaschen und andere Behälter. "Das sind jene Ingredienzien und fertigen Essenzen, die zu den besonders gefährlichen zählen. Ich will nicht, dass jemand aus Versehen etwas davon in die Hände bekommt. Sie sind entweder giftig oder könnten zumindest schweren Schaden anrichten."

"Und wieso besitzt du so giftige Dinge?" Harry sah Claire zweifelnd an.
"Weil bei der Trankherstellung oftmals etwas davon benötigt wird. In bestimmter Verwendungsart verliert manch Kraut sein Gift und entwickelt etwas durchaus positives. Und sehr viele in der Heilkunst verwendeten Zutaten sind in erster Linie giftig. Nur wenn man die Dosierung genau beachtet können sie zur Heilung verwendet werden.
Belladonna zum Beispiel, die Tollkirsche - eigentlich hochgiftig aber bei manchen Herzerkrankungen unerlässlich."

Sie begann ein paar Fläschchen umzugruppieren, hier und da Papier neu zu stapeln.
"Wenn ich mir diesen Raum im Vergleich mit deinem Zimmer so ansehe, kommt mir der Verdacht, dass sich hier deine sonstige Neigung zur Unordnung nicht widerspiegelt."
"Ja, hier wäre es eher von Schaden. Ich kann nur effektiv hier unten arbeiten, wenn alles an seinem Platz ist. In meinem Zimmer ist das nun mal nicht so wichtig." lachte Claire, "Aber wir sollten jetzt rauf gehen, ich möchte mich noch ne Stunde ausruhen und dann kommen auch bald die Jordans zu uns rüber."
Harry fand den Vorschlag sich auszuruhen ganz gut, er spürte doch wieder eine gewisse Müdigkeit. Er hatte wohl doch etwas unruhig geschlafen nach dem gestrigen Tag.

In dem ihm zugeteilten Zimmer wollte er sich auch gleich aufs Bett werfen, da sah er aber die Tasche in welche er am Vortag seine Besorgungen gepackt hatte. Ob die wohl ganz geblieben waren? Nervös schaute er die Sachen durch, aber es waren alle Einkäufe heil geblieben. Er verpackte sie noch rasch in dem Geschenkspapier, das er auch mitgenommen hatte und legte sich dann hin.



"He Schlafmütze, willst du Weihnachten verschlafen?" Claire stand an Harrys Bett und schubste ihn unsanft. Harrys rieb sich die Augen und als er sie öffnete bemerkte er, dass er nun wieder völlig klar sehen konnte. Aber was hieß da wieder? Eigentlich erstmals ohne Brille.
Draußen war schon die Dämmerung ins Land gezogen und so beeilte er sich aus den Federn zu kommen.
"Zieh dich warm an. Wir gehen ins Freie." rief ihm Claire noch von der Tür aus zu bevor sie runter lief.

Harry beeilte sich und kurz darauf stand er in der Küche. Da waren bereits Mr. und Mrs. Jordan, Lee, Remus und natürlich seine beiden Gastgeberinnen versammelt.
"Nun scheinen wir ja vollzählig zu sein" meinte Miranda, "dann wollen wir mal raus in den Garten gehen."
Jeder schlüpfte in warme Schuhe und Jacke, und Harry folgte Lee nach draußen.

Der Garten war von einer dicken Schneeschicht bedeckt. Und durch das Mondlicht glitzerte es ringsum wie von Tausenden kleinen Sternen.
Mr. Jordan ergriff seinen Zauberstab und durch ein kurzes Schlenkern desselben, befreite sich ein großer Tannenbaum vor ihnen von seiner Schneelast. und aus einer bereitgestellten Truhe, flogen bunte Kugeln, Sterne, Kerzen, und allerlei weihnachtlich Süßes auf den Baum zu und dekorierten ihn.

Und alsbald erstrahlte er in hellem Kerzenschein, bestückt mit allen Farben des Regenbogens. Und als Miranda und Claire Weihnachtslieder anstimmten, fielen alle in den Gesang mit ein.
Harry wurde so richtig feierlich zumute. Das einzige was seine Stimmung etwas trübte war, dass er plötzlich seine Eltern mit ungeheurer Sehnsucht vermisste. Doch Miranda spürte seine aufsteigende Trauer und kam zu ihm und legte ihren Arm um seine Schulter. Und er ließ es nur zu gern zu. Er fühlte sich wohl in ihrer Nähe. Und im Gegensatz zu Mrs. Weasleys Zuneigungsbezeugungen hatte er bei Miranda keine scheu diese anzunehmen. Sie war die Freundin seiner Mutter gewesen. und sie war, obwohl er sie noch nicht oft gesehen hatte bereits eine Vertraute.

Lee und Claire hatten an einigen Stellen den Schnee weggeschafft und verteilten dort Heu, Nüsse, Karotten und Äpfel. Harry beobachtete ihr Tun mit Interesse. Und alsbald sah er den Grund für ihr Handeln. Von ringsumher kamen die Tiere des Waldes und machten sich über die dargebotenen Speisen her. Und sie zeigten keinerlei Scheu, kamen näher und ließen sich auch von Harry streicheln. Wie tat dieses friedliche Miteinander doch gut, nach all den schlimmen Artikeln rund um das Treiben der Todesser.

Noch immer sangen Claire und Lee, und viele der Lieder kannte Harry gar nicht. Es waren fremdklingende Texte und Melodien, aber alle hatten gemeinsam, dass sie in seinem Herzen ein wohliges Gefühl von Wärme und Frieden auslösten.

Nach einiger Zeit meldete sich Mrs. Jordan zu Wort: "So, eigentlich dürften wir selbst ja auch unser Festessen zu uns nehmen. Die Tierchen ringsum tun es ja auch." Und sie drehte sich um und es erschien ein prachtvoll gedeckter runder Tisch und nun merkte auch Harry, wie hungrig er war. Sie setzten sich und begannen zu essen.

Und sie plauderten und lachten und Harry hatte nicht das Gefühl dieses Fest bei Fremden zu verbringen sondern bei Freunden. Er saß zwischen Miranda und Remus, und mit den beiden an seiner Seite hatte er beinah das Gefühl seine Eltern wären bei ihm. Seine Eltern, die er manchmal so schmerzlich vermisste, wenn er andere sah, die das Vorhandensein ihrer Eltern als so selbstverständlich hinnahmen. Er dachte an Luna, die ebenfalls den Verlust ihrer Mutter zu beklagen hatte.

Und er sah Claire an, deren Vater nicht die Spur einer Ahnung davon hatte, dass er eine so wunderbare Tochter hatte. Zu gern hätte er gewusst, wie Miranda eigentlich zu Remus stand. Dass Remus besonderes Interesse an ihr zeigte war offensichtlich. Aber sie schien ihn nur als sehr guten Freund zu betrachten. Ob ihm das wohl genügte? Harry bezweifelte es. Ob Miranda wohl immer noch an Claires Vater dachte? Harry wusste es nicht. Er tat sich schwer wenn an Snape dachte, diesen widerwärtigen Kerl mit den fetten Haaren, der noch nie ein gutes Wort für Harry übrig gehabt hatte, sich diesen als einen Mann vorzustellen, in den sich eine Frau verlieben könnte.

Aber dennoch schien das einmal der Fall gewesen zu sein. Ob er sich seither sehr verändert hatte? Und wäre er ein anderer, wenn er von seiner Vaterschaft früher erfahren hätte? Aber Harry wischte diesen Gedanken schnell beiseite. Er wollte jetzt nicht an seinen Tränkelehrer denken. Er wollte diesen Abend genießen. Im Kreis von lieben Menschen, die ihn einfach in ihrer Mitte respektierten und liebevoll aufgenommen hatten, als wäre er schon immer bei ihnen gewesen.

Harry wunderte sich auch gar nicht, wieso ihm hier im Freien sitzend nicht kalt war. Seine neuen Freunde nutzten Magie ohne viel Federlesens und beherrschten alle notwendigen Zauber ohne Worte. Und jetzt fing es auch noch an zu schneien. Wenn er nach oben sah, kamen eine Vielzahl von weichen weißen Flocken auf ihn zugesegelt. Wie schön Weinachten doch sein konnte.

Der Abend zog sich noch lange hin und erst als Harry das Gähnen schon nicht mehr verbergen konnte nahmen sie Abschied und jeder zog sich in sein Haus zurück. Als Remus gehen wollte bot ihm Miranda an zu bleiben, aber das lehnte er ab. Er versprach aber, zu Sylvester wiederkommen.

"Harry, ich glaube du fühlst dich bei den beiden Mädels ganz wohl, oder?"
"Ja. ich fühl mich, als würde ich hierher gehören."
"Das tust du auch, mein Junge. Das tust du. Und nun Gute Nacht ihr Lieben, wir sehen uns in einer Woche wieder." und damit verschwand er.
Harry fiel an diesem Abend komplett erledigt ins Bett und schlief sofort ein. Aber das Gefühl von Geborgenheit und Zuneigung nahm er mit in seine Träume.


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Ungelesener BeitragVerfasst: 26. April 2006 11:19 
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43. Wintervergnügen und so

Als Harry am nächsten Morgen auf die Uhr schaute erschrak er heftig. Bereits zwölf Uhr vorbei. Er wollte nach alter Gewohnheit nach seiner Brille greifen, als ihm einfiel, dass er ja jetzt keine mehr benötigte. Er schwang seine Beine aus dem Bett und berührte dabei einen Berg von Geschenken. Rasch fing er an diese zu öffnen.
Hier gab es ein neues Besenpflegeset von Luna, eine Riesenpackung mit verschiedenen Artikeln von Weasleys Zauberhafte Zauberscherze von Fred und George, den obligaten selbstgestrickten Pullover von Mrs. Weasley, Eintrittskarten für das Freundschaftsspiel der Quidditchmannschaften England gegen Irland in den Osterferien von Ron und Hermine, ein Buch "Werwölfe in Europa" von Remus, der Gute hatte Sinn für Humor, von Miranda bekam er ein Paar neue Jeans und Boxershorts, von Lee ein dünnes von ihm selbst verfasstes Buch "Die Gnade Hogwarts-Schüler zu sein", darin blätterte Harry sofort ein wenig und er fand ein witziges, pointiertes Büchlein, voll mit dem Leben in Hogwarts abseits der Schulstunden, gespickt mit Streichen und Schelmereien von den Weasley Zwillingen und anderen Schülern. Und von Claire bekam er einige Gläser mit selbstgepflückten Trankzutaten und ein handgeschriebenes Heftchen mit Trankrezepturen.

Er hatte keine Eile sich anzuziehen, war es im ganzen Haus doch noch verdächtig ruhig. Als er schließlich doch fertig angekleidet rausging sah er die Tür zu Claires Zimmer offen stehen. Und wie er sich bereits gedacht hatte schlummerte sie noch friedlich, eng an ihr Brüderchen gekuschelt und die Geschenke von beiden waren noch unberührt.

Harry wollte die zwei nicht wecken und stieg leise die Treppe hinunter. In der Küche traf er auf Miranda. "Fröhliche Weihnachten Harry. Du bist wohl nicht so ein Langschläfer wie meine Tochter?" sie sah ihm freudestrahlend entgegen. "Vielen Dank für die schönen Rahmen und Filme, dergleichen kann ich doch immer gebrauchen. ich hab gestern Abend viel zu wenig fotografiert."
"Frohe Weihnachten, und danke für deine Geschenke." Harry konnte sich kaum vorstellen, dass es Miranda möglich gewesen sein sollte, noch mehr zu fotografieren, als sie es gestern bereits getan hatte.

"Komm setz dich. Ich hab heut keine Lust aufs Kochen. Ich hoffe eine kräftige Jause tut's auch. Und sie schenkte ihm Tee ein und zeigte auf den gedeckten Tisch. Na, mit den Bergen an Wurst, Käse und Aufstrich würde er wohl locker satt werden. Miranda, die schon gegessen hatte setzte sich zu ihm und erzählte:

"Heute Nacht ist mir eingefallen, wie wir Weihnachten in der siebten Klasse in Hogwarts verbrachten, deine Mutter Lily und ich. Zuvor sind wir ja immer heim zu unseren Eltern gefahren, doch in unserem letzten Schuljahr wollten wir Weihnachten mal in Hogwarts verbringen. James, Remus und Sirius waren auch dageblieben und das war die Zeit, wo Lily nicht mehr so abschätzig über James gesprochen hatte. Es waren kaum andere Schüler da und so hatten wir das Schloss fast für uns. Und da Lily soviel Kontakt zu James und seinen Freunden hatte, haben sie uns in die Geheimnisse des Schlosses eingeweiht. Sie haben uns eine von ihnen selbst verfertigte Karte gezeigt, auf der alle Personen im Schloss angezeigt wurden. Remus hat mir erzählt du hättest diese Karte zurzeit: die Karte der Rumtreiber."
Da Harry den Mund voll hatte, nickte er nur.

"Ich wurde als Lilys Freundin mit in ihren Kreis aufgenommen. Manchmal war es ja ganz lustig, aber zwischenzeitlich ging mir Sirius doch sehr auf die Nerven. Er war damals so ein eitler Fatzke, der von seinem strahlenden Aussehen überzeugt war und es nicht wahrhaben wollte, wenn ihn ein Mädchen nicht zum Freund wollte. Er hat seine Avancen mir gegenüber erst aufgegeben, als Remus ihm gesagt hat, wie sehr er mich mag. Der gute Remus. Ich hab ihn ja auch immer sehr gemocht, aber eben nicht im gleichen Ausmaß wie er mich. Das tut mir heute noch leid, aber ich kann in ihm nur den guten und verlässlichen Freund sehen. Er hat mir mal gesagt, er verstünde meine Distanzierung ja, weil er ein Werwolf ist, aber das ist es nicht. Ich hab mich nun mal leider in jemanden anderen verliebt, und Liebe lässt sich nicht lenken. Auch wenn der Verstand weiß, dass es falsch ist und es jemanden gibt, der viel geeigneter wäre, das Leben mit einem zu teilen. Als die Jungs mitbekamen, dass ich mich mit Severus traf haben sie mich auch nur noch geschnitten, Lily hin oder her, nur Remus Freundschaft blieb mir erhalten.

Aber ich wollte von dem Weihnachtsfest erzählen: Nach dem Festessen im großen Saal, haben die Jungs recht geheimnisvoll getan und wollten uns was zeigen. Und sie führten uns zu den Eingängen der Geheimgänge. Und schließlich wollten sie, dass wir mit ihnen nach Hogsmeade gingen, durch den Gang, der im Honigtopf endet. Aber das war Lily und mir zuviel. Also gingen sie allein und kamen nach längerer Zeit beladen mit Armen voller Süßigkeiten zurück.

Zuerst haben wir gelacht und uns über die Naschereien hergemacht, aber dann wollten wir wissen, ob sie wenigstens Geld dort gelassen hätten und als sie das verneinten waren wir Mädchen so empört, dass wir grußlos auf unser Zimmer gingen. Lange noch konnten wir nicht einschlafen und Lily hat geweint und gemeint aus diesem Tunichtgut James würde wohl nie ein reifer Mensch werden.

Aber als wir am nächsten Morgen in den Gemeinschaftsraum der Gryffindors kamen, warteten die drei wie begossenen Pudel auf uns. Sie waren noch in der Nacht zurückgekehrt, hatten die restlichen Süßigkeiten zurückgelegt und für den Rest eine ordentliche Bezahlung hinterlassen. Das hat uns beide dann wieder besänftigt.

Aber als nach Weihnachten die anderen Schüler zurückkamen, brachten sie seltsame Geschichten mit, dass es in Hogsmeade nun nicht nur in der heulenden Hütte spuke, sondern auch mitten im Dorf, aber das seltsame sei, dass die Gespenster die von ihnen entwendeten Süßigkeiten sogar bezahlt hatten.

Wir hielten natürlich unseren Mund und erzählten die Wahrheit nicht weiter, nur Direktor Dumbledore sah in der darauffolgenden Zeit während der Mahlzeiten einige Male sehr fragend zu uns herüber."

"Werden hier etwa alte Geschichten aufgewärmt?" Claires Stimme kam von der Tür und sie selbst schneite mit verschlafenem Gesicht in die Küche. Sie schlurfte zum Ofen, nahm sich eine Tasse Kaffee und setzte sich zu ihnen. "Lee ist dabei seine Geschenke auszupacken, ich mach das mal besser nach dem Kaffeetrinken, jetzt sehe ich ja noch gar nix!" Und sie gähnte ganz ungeniert.

"Danke für dein Geschenk,." sagte Harry.
"Und Fröhliche Weihnachten" fügte Miranda hinzu.
"Uahhh, Fröhliche Weihnachten euch beiden, müsst ihr mich unbedingt auf nüchternen Magen mit reden quälen?" und sie rieb sich ihre Augen und streckte sich. Ihr Aufzug war auch noch nicht unbedingt ausgehtauglich, hatte sie doch nur ein schlabberiges T-Shirt an, das ihr knapp über den Po reichte. Aber wenigstens trug sie noch so was wie ein Höschen darunter, wenngleich das sehr knapp bemessen schien. Harry hatte Mühe den Blick abzuwenden, und vergrub den Kopf hinter dem Tagespropheten.

Aber da standen keine Neuigkeiten über den Angriff auf Ollivanders Geschäft.
"Guten Morgen und Fröhliche Weihnachten" erklang es jetzt wieder von der Tür. Lee hatte wohl seine Geschenke fertig ausgepackt und machte sich mit Heißhunger an sein Frühstück.
Auch er trug nur Boxer-Shorts und ein T-Shirt, aber niemand schien sich daran zu stören, also sollte es Harry wohl auch recht sein. Scheinbar war er wirklich wie zur Familie gehörig aufgenommen worden. Er konnte sich nicht vorstellen, dass Tante Petunia solch einen unordentlichen Aufzug akzeptiert hätte. Und Onkel Vernon hatte er wahrlich auch noch nie in Unterhosen gesehen. Aber das war auch nichts, was er bereuen musste. Bei der Vorstellung musste er schmunzeln, so dass Claire ihn fragend ansah. "Steht was Witziges in der Zeitung?"
"Nein, ich hatte nur grad so nen absurden Gedanken. Was machen wir denn heute?" erkundigte er sich. Jetzt da er gefrühstückt hatte war er unternehmungslustig.

"Nu mal langsam mit den jungen Pferden. Ich werde jetzt mal in Ruhe Kaffee trinken, dann meine Geschenke auspacken und danach .........."
"Danach würde ich ne Rodelpartie vorschlagen." Lee hatte die Vorhänge ein wenig zur Seite geschoben und sah zum Fenster hinaus. "Es schaut doch wunderbar winterlich aus. Und fürs Eislaufen liegt fast zuviel Schnee. Das würde den Muggeln auffallen, wenn wir ohne Probleme durch den tiefen Schnee durchfahren."
"Fürs Rodeln bin ich auch." stellte Claire klar. "Eislaufen können wir ja auch die nächsten Tage noch."
"Ich hab doch gar keine Eislaufschuhe." warf Harry ein.

"Du kannst meine Alten haben" meinte Lee, "Ich hab gerade eben neue von meinen Eltern bekommen. Mein Verdienst beim Tagespropheten ist noch ziemlich dürftig, aber sie sehen das netterweise ein." grinste er zu Harry herüber.

Tja Lee hatte ja bereits einen Job, wenn er auch noch in Ausbildung war. Beneidenswert. Wenn Harry die Ausbildung zum Auror weitermachen wollte, würde er noch längere Zeit kein eigenes Geld verdienen und die Vorräte in Gringotts schmolzen schon ziemlich dahin.

Es dauerte noch gut eine Stunde bis auch Claire ausgehfertig war. Dann aber zogen sie zu dritt mit einem langen Schlitten hinter sich nachziehend los, und gelangten nach kurzer Zeit zu einem Hügel. Dort tummelten sich bereits einige andere Kinder - sie schienen zu den ältesten zu gehören. Claire bemerkte Harrys Skepsis und meinte: "Ja es stimmt - manchmal sind wir noch sehr verspielt - aber Schlitten fahren ist doch wohl in jedem Alter witzig."

Und Harry musste ihr gegen Ende des Nachmittags, als es langsam begann dunkel zu werden, recht geben. Das war ein ganz ausgelassener Tag gewesen, sie waren gerodelt, hatten Schneefiguren gebaut, sich selbst scherzhaft kämpfend im Schnee gewälzt, und sich einige Male wieder magisch trocknen müssen, da der Schnee sie bis auf die Unterwäsche durchnässt hatte.

Harry konnte sich an so ein ausgelassenes Wintertreiben nicht erinnern. Dudley hatte zwar einmal eine Rodel besessen, da ihm das Hinaufsteigen aber zuviel Mühe gemacht hatte und Onkel Vernon ihn nicht ständig ziehen wollte, wurde die Rodel, anstatt sie Harry zu geben, verbrannt.

Am nächsten Tag, dem 26. Dezember verbrachten sie viel Zeit auf dem zugefrorenen See. Und Claire erzählte Harry von den Wassermenschen, die auf dem Grund des Sees lebten.
"Die meisten sind ja ganz nett. Aber es gibt eine kleine Gruppe, die auf die Muggel stocksauer sind. Da drüben am anderen Ufer, das zumeist von den Muggeln frequentiert wird, gibt es Stellen, wo sie einfach ihren ganzen Müll in den See kippen. Wenn du dort tauchst findest du soviel Gerümpel, dass du dich genierst zu diesen Menschen zu zählen.

Die meisten Wassermenschen haben sich ja damit abgefunden und sind den Muggeln trotzdem freundlich gesinnt, aber die eine Gruppe, ihr Anführer ist ein ziemlich unangenehmer Wassermann mit Namen Claudius, sind schon derart zornig, dass sie bereits des öfteren Menschen in die Tiefe des Sees gezogen haben. Einmal hab ich es im vorvergangenen Sommer gerade noch rechtzeitig geschafft, ein Kind aus seinen Fängen zu befreien. Aber das war gar nicht so einfach. Wenn mir Olivia nicht geholfen hätte, wäre es mir wohl auch nicht geglückt.

Sie sind auch im Winter oftmals so hinterhältig und lenken eine warme Strömung, die es an einer Stelle gibt, um, damit das Eis dort dünner ist und ahnungslose Muggel einstürzen. Vergangen Winter konnte ein Mann nur noch tot geborgen werden. Da kam auch ich viel zu spät. Und außerdem muss ich speziell im Winter ja aufpassen, dass mich die Muggel nicht beim Tauchen erwischen. Im Sommer ist das einfacher, aber im Winter würde ich mich doch zu verdächtig machen."

"Welche Hilfsmittel benutzt du um zu tauchen - Scleranthuskraut?" fragte Harry neugierig.
"Ehem, tja, gar keine. Unter meinen Vorfahren gab es ein Wasserwesen, und dadurch hab ich die Möglichkeit unter Wasser zu atmen, vergleichbar wie ein Wal oder Delfin. Ich muss theoretisch nur alle paar Stunden an die Oberfläche kommen. Und eben höllisch drauf aufpassen, dass es kein Muggel bemerkt. Aber im Normalfall sind sie eh so mit sich selbst beschäftigt, dass sie rein gar nichts mitbekommen." Claires reden merkte man nicht an, dass sie selbst Muggel als Großeltern hatte. Das sagte Harry ihr auch.

Da fing sie schallend an zu lachen. "Na ja, eigentlich komm ich mit Muggeln ja ganz gut aus. Mutters Bruder besuche ich ja auch zuweilen, und meine Großmutter lebt auch noch. Und wie du vielleicht bemerkt hast, besitzen wir sogar elektrischen Strom und ein Telefon. Ich verwende die Gerätschaften der Muggel eben dort, wo sie mir interessant erscheinen. Und modifizier eben ein wenig, wo ich mit Zauberei schneller voran komme."

An dem Abend wollten sie das versäumte italienische Essen nachholen. Harry war der Meinung gewesen, dass sie ein Lokal im nahegelegenen Ort aufsuchen würden, aber weit gefehlt. Miranda nahm ihn bei der Hand und kurz darauf fand er sich vor den Mauern eines kleinen Dorfes wieder, das einen eher fremden Eindruck auf ihn machte.
"Wo sind wir hier?" fragte er leicht verwirrt.
"Darf ich vorstellen: das ist Bolgheri, ein kleines uraltes italienisches Dörfchen in der Toscana. Hier haben meine Verwandten ein Lokal. Obwohl sie nicht wissen, dass ich mit ihnen verwandt bin, sondern mich einfach als Freundin von Jim und Jules herzlich aufgenommen haben. Nur meine Urgroßmutter weiß anscheinend wer ich bin, aber die ist verschwiegen."

Sie waren durch das Tor in die Stadt gegangen. Hier lag kein Schnee und es war auch ein wenig milder als kurz zuvor in England. Die Häuser waren alt und standen eng beieinander. Sie gingen ein Stück, bogen dann in ein anderes enges Gässchen ein und betraten kurz darauf ein sehr gemütlich wirkendes Lokal. Und bei ihrem Anblick kam ihnen auch gleich die Wirtin, eine rundliche kleine Frau freudig entgegen: "Ah Donna Chiara - wie schön dich zu sehen. Und du bringst auch noch Besuch mit. Herzlich willkommen bei Nonna."

Und sie umarmte zuerst Claire und schließlich auch Miranda, Lee und Harry. Bei diesem stutze sie dann und meinte: "Du musst wohl Harry sein. Es freut mich, dass ich dich auch mal kennen lernen darf. Schau nicht so verwundert. Klar kennt man auch in meinem Land die Geschichte von Harry Potter." und dann drehte sie sich in Richtung Küche und rief: "Alfredo, Maria, Alfonso, Giuseppe, Michaela - kommt und schaut einmal wer da ist. Aber setzt euch bitte. Hier ist ein schöner Platz am Kamin für euch. Was darf ich euch bringen? Eine große Platte gemischt?"

Harry war froh, dass er nicht die Speisekarte lesen musste. Von Italienisch verstand er nicht viel. Nach der Reihe kamen jetzt auch die anderen Familienmitglieder und begrüßten sie mit viel Hallo. Und die anderen Gäste im Lokal schienen sich keineswegs zu wundern. Wahrscheinlich wurden hier oft Gäste so einladend begrüßt.

"Ah Giuseppe, ich habe gesehen deine Frau ist mal wieder schwanger. Habt ihr denn gar nicht vor die Kinderproduktion einmal einzustellen?" Claire umarmte einen Mann mit krausem schwarzen Haar. "Oh Chiara, dann würden Frauen wie du doch arbeitslos. Si si, Maria ist wieder schwanger, und es werden Zwillinge." er klang sehr stolz. "Das werden dann also Bambini Nummer acht und neun?" lachte Claire.
"Si si, und ich will dafür sorgen, dass es mindestens ein Dutzend werden."
"Na vielleicht solltest du Maria auch mal eine Verschnaufpause gönnen."

Der Abend wurde urgemütlich. Sie saßen am Kaminfeuer, aßen und tranken, und unterhielten sich mit den unzähligen Familienmitgliedern. Harry hatte das Gefühl, sie schon seit langem zu kennen. Alle waren freundlich, und sprachen herzlich mit ihnen.

Als sie sich schließlich trennen mussten, wurden sie noch aufgefordert recht bald wieder zu kommen. Und das Essen bezahlen ließen sie sich auch nicht.
"Ihr seid Nonnas Gäste - kapito? Sonst Nonna werden ganz ganz böse mit uns."

Harry fühlte sich satt und schläfrig, aber Claire hatte noch gar nicht vor nach hause zu apparieren. Ich muss dir noch was zeigen Harry. Und schon hatte sei seine Hand ergriffen und als er seine Augen wieder öffnete fand er sich an einem Sandstrand wieder. Hier tobte das Meer und die Luft roch salzig. Das machte ihn schnell wieder munter. Zu viert liefen sie ein Stück am Strand entlang, der um diese Jahres- und Tageszeit natürlich menschenleer war.
"Na wie gefällt es dir hier? Wäre das nicht auch ein schöner Platz für die Sommerferien?" fragte Claire.

"Oh es ist wunderschön hier. Klar könnt ich mir vorstellen im Sommer hierher zu kommen."
"Gut, dann werden wir das mal im Auge behalten."
Aber nach einiger Zeit, war es auch Claire genug und Harry war letztlich froh wieder in seinem Bett zu liegen.

Und er träumte von hohen Wellen, von einem langen heißen Sandstrand und er fühlte sich so frei wie schon lange nicht.


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Ungelesener BeitragVerfasst: 27. April 2006 10:32 
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44. Jahreswechsel

Auch die nächsten Tage vergingen wie im Fluge mit Eis laufen, Rodeln, Schneemännern bauen, und einmal unternahmen sie eine Fahrt mit einer von Pferden gezogenen Kutsche. „Die gehört einem Bauern im Ort. Der stellt sie uns jeden Winter einmal zur Verfügung.“ erklärte Miranda. „Claire hat seine Tochter vor einigen Jahren einmal vorm Ertrinken gerettet und jetzt noch ist er ihr so dankbar dafür, dass er immer wieder mal Obst und Gemüse von seinem Hof vorbeibringt.“

Harry hatte schon einmal den Eindruck gehabt, dass die Aquilas nicht wirklich vermögend waren, aber sie hatten wohl das lebensnotwendige. Und er hörte kein einziges Mal, dass sie sich darüber beschwerten, dass sie nicht wohlhabend waren. Im Gegenteil teilten sie auch das was sie hatten gern mit anderen.

Der 31. Dezember kam so rasch, dass es Harry beinah schade fand, dass das Haus bald noch mehr Gäste beherbergen würde. Gleich nach dem Mittagessen läutete es an der Tür und davor standen einige Mitglieder des Weasley-Clans: Ron, Ginny, Fred und George. Die beiden Älteren hatten ihre Geschwister mit Apparieren hergebracht. „Ist Lee da?“ fragte Fred sogleich.
„Nee, ausnahmsweise findest du ihn drüben im Nachbarhaus.“ antwortete Claire und daraufhin machten sich die Zwillinge auf, um Lee ihre Ankunft mitzuteilen.

Ron staunte über all die Fotos in der Küche. Und noch mehr staunte er, als er die vielen Bücher im ersten Stock erblickte: „Sag mal, das kann doch kein Mensch lesen. Bist du’n Hamster, dass du soviel Papier hortest?“
Doch Claire lachte und antwortete: „Stell dir vor: bis auf ein paar wenige Ausnahmen, habe ich die meisten gelesen. Auch die, die noch im Keller stehen.“
Ron sah sie mit einem zweifelnden Blick an, er hatte wohl Angst um ihren Verstand. „Na, jedem das seine. Da liest ja Hermine noch wenig im Vergleich zu dir.“

Harry half ihm seinen Koffer im Jungenzimmer zu verstauen. Und nun wunderte sich auch Harry. Das Zimmer war viel größer als in den Tagen zuvor und es standen vier Betten darin.

Ginny war Claire gefolgt, und als die Jungen rüber kamen, sahen sie, dass auch dieses Zimmer gewachsen war und nun auch vier Betten beherbergte.
Claire sah Harrys erstaunten Blick und meinte: „Na wir wollen doch ein wenig Platz haben. Ich fühl mich so als Sardine in ner engen Dose nicht recht wohl. Ma hat vorhin die Zimmer vergrößert und die Betten organisiert.“

„Was bedeutet bei dir: organisiert?“ fragte Ginny.
„Na ausgeliehen halt. Sooft brauchen wir sie ja nicht. Und wenn wir sie nur so herzaubern würden, könnte es passieren, dass sie plötzlich in der Nacht verschwinden und ihr auf dem Fußboden landet. Und das wollt ihr ja wohl nicht?“
Nö, das war keine so tolle Vorstellung, dass sie mitten in der Nacht auf den Boden knallen würden.

Sie hörten Stimmen von unten und alsbald erschienen Jim und Jules mit Hermine im Schlepptau. Die beiden Jungen beherrschten das Apparieren auch schon längere Zeit und so hatten sie Hermine von zu Hause abgeholt. Dabei waren sie sehr eindringlich von Hermines Mutter begutachtet worden, aber sie waren wohl als vertrauensselig eingestuft worden und so hatte diese nichts dagegen, dass sie ihre Tochter mitnahmen. Schließlich ersparte sie sich dadurch eine längere Autofahrt.

Kurz darauf erschien auch Luna, die von ihrem Vater gebracht worden war. Diesen hatte Miranda auch gleich zum Bleiben überreden können. Seit dem Tod seiner Frau hatte er nicht oft Grund zum Feiern, und so gern eingewilligt.

Die Horde ging zusammen in den Garten, wo Lee, Fred und George gerade dabei waren, ein großes Partyzelt zum Sich-selber-aufbauen zu bewegen. Im Nu standen darin drei Tische und ziemlich viele Stühle und ein offenes magisches Feuer brannte in der Mitte, so dass es sofort angenehm temperiert war. Und außerdem gab es noch genug Platz zum Tanzen. Auf diesen Platz hätte Harry durchaus verzichten können, aber als er Lunas verzückten Blick bemerkte, ergab er sich seinem Schicksal, dass er wohl diese Nacht auch selbst tanzen müsste.

„Aber sag mal Claire, sind das nicht viel zu viele Plätze?“ fragte Hermine, als sie die Stühle durchzählte.
„Ach keine Ahnung – wir werden ja sehen, wer noch hier auftaucht.“

An der einen Seite des Zeltes war ein Buffet aufgebaut mit Speisen und Getränken. „So und damit ihr gleich Bescheid wisst: hier gibt es schließlich keine Hauselfen, also lautet das Motto Selbstbedienung. Und wenn geht bitte persönlich und nicht durch Zauberei.“ und dabei schaute sie stirnrunzelnd zu George, „Ich kann mich noch gut an das Saftmassaker im Sommer erinnern. Junge Zauberer, die bereits ein wenig zu tief ins Glas geschaut haben, sollten Saftkrüge nicht quer über die Tische segeln lassen und sie dann versehentlich über den Köpfen der anderen entleeren.“

„He, das ist mir ein einziges Mal passiert. Ich hab mich doch eh entschuldigt. Musst nicht so nachtragend sein.“ murrte George. „Ich verspreche auch, dass ich mich heute ganz gesittet benehmen werde.“ und dabei setzte er einen so treuherzigen Blick auf, dass Claire lachen musste und ihn einfach umarmte und ihm einen Kuss auf die Wange drückte.
George schaute ganz baff und wurde doch tatsächlich so rot, wie Harry es sonst nur von Ron gewöhnt war.

Und bald erkannten sie, dass die Stühle nicht zuviel sondern im Gegenteil zuwenig waren. Auf der Bildfläche erschienen schön langsam Remus, Miranda und Mr. Lovegood, die Lees, Bill und Fleur, und einige Personen, die Harry noch nie gesehen hatte.
Nach dem Wortgewirr zu schließen mussten das einige aus Frankreich und Italien sein.

Und sie alle wurden stürmisch von Claire begrüßt: „Oh, Giacomo, come stai? Schön, dich zu sehen. Maria, Bellisima – ich hoffe du hast deine bambini daheim gelassen, sonst haben wir alle hier keine ruhige Minute.“

Ein großgewachsener dunkelhäutiger junger Mann, mit krausem schwarzen Haar erregte Harrys Aufmerksamkeit. Claire flog förmlich auf ihn zu und fiel ihm um den Hals: „Jacques, du hast es doch noch geschafft. Das ist die schönste Überraschung. Bien venue. Darf ich dir meine neuen Schulkameraden vorstellen?“ und sie präsentierte ihm Harry und seine Freunde. „Das ist Jacques, mein Mentor aus Beauxbatons, was hätte ich ohne ihn gemacht?“

Jacques grinste breit und meinte: „Tja, wohl nicht mal auf Toilette gefunden ohne meinen Beistand.“
„He, Frechdachs – immer diese ollen Kamellen. Das war bloß an meinem ersten Schultag, dass ich mich so hoffnungslos verlaufen hab. Aber was für ein Glück, dass du mich entdeckt und gerettet hast.“ Beide lachten lauthals und Jacques mischte sich unter das bunte Treiben.

Zwei Gäste kamen ziemlich spät, als alle schon beisammen saßen und sich über die Köstlichkeiten des Buffets hermachten. Zuerst dachte Harry, es handele sich um Kinder, aber bei genauerem Betrachten bemerkte er, dass beide, Mann und Frau bereits erwachsen waren, aber kaum einen Meter groß. Und nach ihrem Aussehen zu schließen waren sie keineswegs Elfen sondern abgesehen von ihrer Größe ganz normale Menschen.

Auch sie wurden von Claire begrüßt: „Barbara, Piere – wie immer die letzten – seid ihr zu Fuß gegangen, dass ihr so spät dran seid?“
Harry erschrak und bemerkte auch, dass es Hermine wie ihm erging. Die sonst so korrekte Claire spottete über ihre Gäste?

„Oh meine Große, wo denkst du hin, wenn wir zu Fuß gegangen wären, wären wir wohl erst nächstes Silvester bei dir gelandet. Und so lange wollten wir dich doch nicht warten lassen. Nein, wir hatten noch einen kleinen Abstecher machen müssen und bei meinem kleinen Bruder vorbeigesehen.“ sagte die Frau namens Barbara und lachte hellauf, „Der Kleine ist mittlerweile 1,91 Meter groß. Schön langsam brauch ich ne Leiter wenn ich mit ihm sprechen will.“

„Ach was, du schwebst doch sowieso immer zu ihm hinauf – aber sie schwebt zumeist noch ein Stückchen höher als notwendig, damit sie auf ihn hinunter schauen kann.“ blinzelte Pierre Claire verschwörerisch zu.
Die beiden nahmen ihre geringe Körpergröße selbst ganz gehörig aufs Korn, und niemand der anderen Gäste schien sich an ihrer Größe zu stoßen – sie schienen die meisten zu kennen, und als Harry sich erst einmal an ihren Anblick gewohnt hatte, lachte er genauso herzhaft mit den anderen über die Scherze der beiden. Immer wieder fiel ein Wortfetzen, der auf ihre Größe zielte, aber keiner meinte es böse, vielmehr zeigte es nur, dass sie denn Unterschied sahen, aber keinen Unterschied in der Behandlung machten. Sie hatten extra hohe Sessel und so vergaß Harry tatsächlich bald ihre Größe. Dafür fielen auch oft kleine Sticheleien bezüglich der Hautfarbe der Lees und Jacques, die diese auch genauso parierten. Die roten Haare der Weasleys kamen genauso dran, wie Claires dürre Arme, Mirandas Fototick und Remus „wildes“ Aussehen. Auch Harry musste es zulassen, dass über sein störrischen Haare gerätselt wurde, so in der Art: „Also ich kann mir vorstellen, dass du jeden Tag ne halbe Stunde mindestens vorm Spiegel stehst um diese kreative Frisur hinzukriegen.“

Es wurde gequatscht und getanzt und das Buffet füllte sich ständig von neuem, so dass keiner hungern musste, vielmehr war selbst Ron zuletzt so satt, dass er sich kaum noch bewegen konnte.
Um Mitternacht starteten Fred und George das von ihnen mitgebrachte Feuerwerk. Harry war ja schon einiges von den beiden gewohnt, aber dieses Feuerwerk stellte alles bisher gesehene in den Schatten. Harry hielt Luna im Arm und wünschte ihr und auch sich selbst ein schönes neues Jahr. Was dieses Jahr wohl bringen würde?

Erst ab vier Uhr morgens begannen sich einige Gäste zu verabschieden und gegen fünf beschlossen sie alle, sich zurückzuziehen.

Hermine wandte sich noch an Claire: „Die beiden, Pierre und Barbara, als du sie begrüßt hast war ich ganz schön erschrocken, ich dachte du spottest sie aus. Aber sie sprechen selbst auf die gleiche scherzhafte Art über ihre Größe. Wie kommt das eigentlich?“

Und Claire sah für einen Moment ernst aus und meinte: „Wenn du dich heute umgesehen hast: was ist dir aufgefallen? Hier waren einige Leute versammelt: jung und alt, groß und klein, schwarz und weiß, mit allen Haarfarben und so einigen Marotten.

Jeder sollte sich selbst einfach so akzeptieren wie er eben ist. Erst wenn du dich nämlich selber magst, so wie du bist, können das andere auch tun. Und es macht nichts, wenn man in geselliger Runde über die Andersartigkeit des anderen zarte Scherze macht. Solange jeder weiß, wie es gemeint ist, nämlich mit der Kernaussage:

ich und du – wir sind nicht gleich – aber das wäre auch schade – wir sind froh, dass es so viele Unterschiede gibt, sonst wäre die Welt nicht so schön und bunt und vielfältig wie sie ist. Ich mag dich, wie du bist, egal ob du nur halb so groß bist, ich sehe es, aber für mich ist nicht deine Körpergröße sondern dein Wesen wichtig – erst wenn sich jemand über einen anderen lustig macht, weil er glaubt etwas besseres zu sein, weil er glaubt die Andersartigkeit des anderen mindere dessen Wert, dann wird es Zeit aufzuhorchen. 3

Die Unterschiede zu sehen heißt nicht intolerant zu sein. Intoleranz beginnt erst beim Unterdrücken derer, die sich unterscheiden. Ich glaube hier in dieser Runde wirst du keinen finden, dem es wichtig ist, ob jemand reinblütig oder muggelstämmig ist. Vielleicht interessiert es uns ein wenig, aber letztendlich wichtig ist es nicht.“


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Ungelesener BeitragVerfasst: 2. Mai 2006 17:03 
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45. Abschied

Den Neujahrstag verschlief Harry fast zur Gänze. Erst als es draußen schon wieder dämmerte, konnte er sich aufraffen aufzustehen, und da schliefen die anderen Jungs noch immer. Er schlurfte die Treppen hinunter und fand Hermine am Küchentisch vor, mit roten Wangen über ein Buch gebeugt und vor ihr noch einen Stapel anderer Bücher liegend.

„Oh Guten Morgen Harry – oder vielleicht doch besser Guten Abend.“ Sie grinste ihn an. „Miranda ist unterwegs. Dort stehen die Reste vom Buffet, wenn du hungrig bist. ............. Ich fass es nicht, wie viele Bücher Claire besitzt. Und sie hat behauptet, sie fast alle gelesen zu haben. Hast du dir diese Bücher mal genauer angesehen? Das ist ein Mix aus den verschiedensten Sprachen, sogar chinesisch und arabisch hab ich bereits entdeckt. Ob sie die wirklich lesen kann? Ich hab mir nicht gedacht, dass man so viele Sprachen beherrschen kann.“ und sie vertiefte sich wieder in das vor ihr liegende Buch.

„Sie hat mal gesagt, sie verstünde einfach die meisten Sprachen, ohne sie je gelernt zu haben. Ich kann es mir auch nicht vorstellen - ich hatte schon in Italien Probleme den Gesprächen zu folgen, dabei haben sich unsere Gastgeber bemüht und zumeist englisch gesprochen, aber eben nicht immer. Immer wenn sie besonders eifrig in ein Thema vertieft waren, sind sie ins italienische zurückgefallen und Claire selbst hat das nicht mal gemerkt, sondern einfach in der gleichen Sprache geantwortet. Aber nachdem sie in Beauxbatons zur Schule gegangen ist musste sie wohl auch französisch perfekt beherrscht haben. Und nach ihren Worten ist das eine Fähigkeit, die sie von ihrem Vater geerbt hat. Ich kann mir Snape gar nicht so wortgewandt vorstellen.“ Harry verzog angewidert das Gesicht.

„Ach Harry – kannst du dich nicht an Snapes Flaschenrätsel in der ersten Klasse erinnern? Dieses Rätsel war in Reimen abgefasst. Damals ist mir das eigentlich auch nicht seltsam vorgekommen, erst einige Zeit danach habe ich mir überlegt, ob er das wohl selbst so geschrieben hat. Und ich bin zum Entschluss gekommen, dass es wohl tatsächlich seine Worte waren. So wie er sich manchmal auszudrücken pflegt, wenn er von der Braukunst schwärmt ................ ja, ich denke hinter der Fassade des strengen biestigen Lehrers steckt noch einiges mehr, als wir uns vorstellen können.“

Mit lautem Hallo erschienen jetzt die anderen auf der Bildfläche. Sie stürzten sich auf die Überreste des gestrigen Essens und die Küche war alsbald gefüllt von lautem Schmatzen und einer höchst gemischten Unterhaltung.

Hermine versuchte Claire über ihre Bücher auszufragen und woher sie die alle hatte.

Jim und Jules diskutierten über das Feuerwerk der Weasley-Zwillinge, Jim fand es großartig, Jules fand es gar nicht so außergewöhnlich. Ja, manchmal schienen die beiden sich so ähnlich sehenden Jungs eben nicht einig zu sein.

Luna schaute sich mit Ginny gemeinsam Fotoalben an und beide fanden, dass Lee doch ganz schnuckelig aussehe.
Harry hörte das aus Lunas Mund nicht allzu gerne.
Ron war noch ziemlich einsilbig und vor allem mit dem Vertilgen der Lebensmittel beschäftigt.

„Habt ihr Lust noch Eis laufen zu gehen?“ fragte Claire nachdem auch wirklich alle satt waren und kaum noch etwas von dem Mahl über war.

„Eigentlich gern, aber ich hab keine Eislaufschuhe.“ murmelte Luna.

„Kein Problem“ meinte Claire und deutete auf einen Haufen Schlittschuhe in verschiedenen Größen, der plötzlich in der Mitte der Küche lag. „Hier sind ein paar Leihschuhe“ erklärte sie lachend den verdutzen Jugendlichen.

Und so gingen sie, nachdem sie sich noch warm verpackt hatten Richtung See hinunter. Lee, der ausnahmsweise in seinem Elternhaus genächtigt hatte gesellte sich zu ihnen.

Am See angelangt schlüpften sie in die Schuhe und plötzlich brannten rund herum unzählige Kerzen. Das war diesmal das Werk Lees gewesen, der seinen Zauberstab mit einem leichten Schlenkern auf den See gerichtet hatte.

„Benötigst du keinen Zauberspruch für solche Sachen?“ erkundigte sich Ginny.
„Oh doch, aber es reicht sich den Zauberspruch zu denken. Das werdet ihr demnächst wohl auch lernen. Ihr seid sowieso schon spät dran damit. Wir haben das zu Beginn der sechsten Klasse bereits gelernt.“

Harry konnte sich erinnern, dass Lupin es einmal im Unterricht erwähnt hatte, aber bisher waren sie noch nicht zur Praxis übergegangen.
Genauso wie sie noch keinen Unterricht fürs Apparieren gehabt hatten. Aber das müsste wohl auch bald erfolgen, schließlich könnten sie die Prüfung mit 17 Jahren ablegen.

Der Abend wurde noch sehr schön. Das Eis glitzerte durch die vielen Kerzen rundherum, am Himmel leuchten unzählige Sterne und sie fuhren über das Eis, als ob sie nie etwas anderes getan hätten.

Harry bemerkte erst spät, dass sich Lee und Claire von den anderen abgesetzt hatten. Sie standen ein Stück von den anderen entfernt und schienen in ein ernstes Gespräch vertieft, das damit endete, dass Lee Claire fest in seine Arme schloss und sie an sich drückte. Dabei fuhr er ihr sanft durchs Haar und sprach beruhigend auf sie ein.

Später dann, als sie nach Mitternacht, nachdem sie nochmals gespeist hatten, sich auf ihre Zimmer zurückzogen, verabschiedete Claire sich kurz von ihnen und folgte Lee mit ins Nachbarhaus.

Luna sah ihr stirnrunzelnd nach. „Sie hat sehr unruhig geschlafen diese Nacht. Wenn sie nicht bald einen Weg findet ihrer Albträume Herr zu werden, kann sie auch das restliche Schuljahr schmeißen. Wenn ich nur wüsste, wie ich ihr helfen kann?“
Ginny legte den Arm um sie und meinte: „Scheinbar können wir das nicht. Aber bei Lee ist sie doch in guten Händen.“

Und Hermine fügte hinzu: „Ich hab schon ein richtig schlechtes Gewissen, dass ich sie zu Beginn so schlecht behandelt habe. Wie gern würde ich das wiedergutmachen.“

Doch Jim trat zu ihr, nahm sie in den Arm und sagte: „Claire hat einige schlechte Eigenschaften, aber nachtragend ist sie nicht. Und ich kann mich zwar auch irren, aber ich glaube, dass du ihr sehr wohl einmal helfen kannst. Aber noch ist nicht der richtige Augenblick dafür.“ dann küsste er sie und die Jungen und die Mädchen zogen sich auf ihre Zimmer zurück.

„Wie hast du dass eben gemeint?“ fragte Ron Jim.
„Das kann ich dir nicht sagen. Es ist auch bloß so ein Gefühl. Aber auch in Hermine stecken Kräfte, die sie noch nicht einmal selber zu kennen scheint.“



Der Rest der Ferien verging wie im Flug. Und als sie mit gepackten Koffern im Flur standen um sich von Miranda Aquila zu verabschieden hatte Harry einen Kloß im Hals. Er hoffte, dass er wiederkommen würde. Hier in diesem Haus hatte er sich seit langem wieder daheim gefühlt. Das war ein Gefühl, das er auch in seinem ersten Jahr in Hogwarts verspürt hatte. Aber noch intensiver.

Und obwohl er sich auch bei den Weasleys immer willkommen wusste, war es hier irgendwie anders gewesen. Miranda hatte seine Eltern gekannt. Sie wusste Geschichten zu erzählen, die ihm seine Eltern richtig lebendig vor Augen führten.

Harry wusste, dass seine Eltern unwiederbringlich tot waren. Aber zumindest durfte er sie auf diese Weise ein wenig näher kennen lernen. Er erfuhr von ihrem Leben und ihrer Zeit in Hogwarts. Und auch Miranda brachte es auf warmherzige Weise zum Ausdruck, wie liebenswert seine Mutter Lily gewesen war.


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Ungelesener BeitragVerfasst: 5. Mai 2006 09:43 
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46. Ursula, die Seherin

Als sie am nächsten Morgen zu Hagrids Stunde mussten, hatten sie einen mühsamen Weg durch einen Berg Neuschnee zu bewältigen. Es hatte die ganze Nacht durchgeschneit und schneite noch immer. Alle waren dick vermummt und keiner hatte so Recht Lust den Vormittag im Freien zu verbringen. Michel hatte Claire ganz vorsichtig gegrüßt und man merkte die Spannung zwischen den beiden. Harry hätte zu gern gewusst, was Claire zu Michel gesagt hatte, aber sie wahrte Distanz und war freundlich aber bestimmt zurückhaltend.

Auf ihrem Weg, kamen sie bei den Zelten der Wachtposten vorbei, und da fiel es Harry wieder ein, dass ja dieser Marcell, den ja anscheinend mehr mit Claire verband, zurzeit hier sein müsste. Und als er versuchte in dem dichten Schneetreiben etwas zu sehen entdeckte er ihn auch ein Stück entfernt. Marcell unterhielt sich gerade mit Tonks. Diese rief Harry, Hermine und Ron einen Gruß zu und Marcell drehte sich interessiert nach ihnen um und grüßte ebenfalls. Aber wenn Harry geglaubt hatte, er würde bei Claires Anblick irgendeine Regung zeigen so hatte er sich getäuscht. Seltsam, und dabei waren die beiden mal zusammen?

Aber Harry vergaß die Sache bald und begrüßte es, dass Hagrid die Unterrichtsstunden in den Wald verlegt hatte, wo der Wind ihnen nicht um die Ohren pfiff, und das dichte Geäst über ihren Köpfen eine Menge Schnee abhielt.

Trotzdem waren sie immens froh, als sie zum Mittagessen wieder in die guttemperierte große Halle zurückkehren konnten. Der Nachmittagsunterricht behagte ihnen gleich viel mehr, waren sie doch wenigstens in trockenen geheizten Klassenzimmern.
Besonders Trelawney, bei der sie zurzeit Wahrsagen besuchten, hatte ihre Räume überheizt, schenkte allen heißen Tee aus und beschwerte sich fortwährend über das schlechte Wetter, das ihre Sehfähigkeiten angeblich beeinträchtigte.

„Aber Professor: wieso sollten sie vom Wetter abhängig sein? Inwiefern stellen die äußeren Bedingungen ein Hemmnis für ihre seherischen Fähigkeiten dar? Ich habe gelesen, dass manche Seher bei solch Wetter erst zu Hochform auflaufen.“ fragte Claire provozierend.

Trelawney kam zu ihrem Platz gewuselt und sah sie über den Rand ihrer großen Brille zweifelnd an. „Ach mein liebes Kind“ und dabei ergriff sie Claires Hand, „du scheinst mir mal wieder ein Exemplar einer Hexe mit absolut keinen seherischen Fähigkeiten. Armes Ding, und dabei lese ich in deiner Hand, dass dir noch Böses bevorsteht und dass dir Unheil droht, von einem großen blonden Mann.“

Claire entzog ihr mit voller Wucht ihre Hand, so dass Trelawney zurücktaumelte und fauchte sie an: „Ich brauche von ihnen nichts über Vergangenes zu erfahren. Meine Vergangenheit kenn ich schon selbst.“ Ihre Worte klangen wie das Zischen einer bösen Schlange.
Trelawney wollte schon zu einer Antwort ansetzen, als sie von einem eigenartigen Geräusch gestört wurde, und sich zu dessen Ursprung umsah.

Auch Harry hatte es gehört, sowie auch die anderen Schüler in der Klasse. Und erstaunt sahen sie zu Ron, dessen Gesicht ganz bleich geworden war und der unnatürlich keuchte und dann mit einer fremdartig klingenden Stimme zu sprechen anhob:

„Hüte dich vor dem Augenscheinlichen. Das Auge kann getäuscht werden, aber das Herz sieht tiefer. Gefahr lauert dort, wo du sie nicht erwarten würdest. Sei nicht vertrauensselig sondern prüfe mit Bedacht. ......“

Danach wurde es grabesstill, bis sich Rons Gesichtsausdruck wieder normalisierte und er sie verwundert anstarrte. „Was’n los?“ murmelte er, „Habt ihr ein Gespenst gesehen?“ und leise an Harry gewandt: „Hab ich leicht geschnarcht?“

Aber bevor Harry etwas sagen konnte war bereits Trelawney an Rons Seite. „Sie betastete seine Stirn ergriff seine Hand und murmelte: „Erstaunlich, äußerst erstaunlich, solltest du wirklich diese Fähigkeit ererbt haben? Ursulas Gabe zu Prophezeiungen? Ich kann es kaum glauben und doch schien es mir so wahrhaftig, als stünde sie hier vor mir. Erstaunlich, erstaunlich ....................................“


Doch zu mehr Erklärungen ließ sie sich nicht herab – schließlich wollte sie von Ron, dass er ihr aus der Wahrsagekugel etwas herauslesen sollte, doch damit war er genauso überfordert wie stets zuvor.
„Erstaunlich, erstaunlich, das heißt, Sie fangen mit den Utensilien nichts an, sondern sagen, wenn es wichtig ist von selbst voraus? Erstaunlich, erstaunlich – ja das ist in der Tat eine Parallele zu Ursula.“

Harry hatte keine Gelegenheit Ron zu erklären was vorgefallen sei, erst nach der Stunde kam er dazu, aber Ron war bloß selbst erstaunt und wollte Harrys Worten keinen Glauben schenken.

Beim Abendessen erzählten sie Hermine davon und die sah Ron nur äußerst vorwurfsvoll an: „Also Ron, da hast du dir ja wirklich einen ganz fiesen Scherz erlaubt. Das ist nicht nett deinen Freunden gegenüber ...........“

„Aber ich hab doch keine Ahnung was los war. Ich hab ja selbst erst von Harry erfahren, was ich angeblich gesagt habe. Ihr müsst mir glauben, bitte.“ Ron schien die Wahrheit zu sagen. Er war ziemlich durcheinander und sein Blick heischte um Bestätigung.

„Hermine, nur weil du nichts von Wahrsagen hältst, heißt das noch lange nicht, dass es nicht möglich ist. Das was Ron da vollbracht hat war allem Anschein nach eine echte Voraussage. Und wenn es denn wirklich Ursulas Art ist, auf die sich Trelawney da bezogen hat, dann sollten wir seine Worte nochmals schleunigst Revue passieren lassen. Ursulas Vorraussagen sind immer nach kurzer Zeit schon wahr geworden. Also könnte es in diesem Fall genauso sein.“ Jules hatte diese Worte an Hermine und die anderen gerichtet.

„Aber wer in Merlins Namen ist diese Ursula eigentlich?“ Ron verstand rein gar nichts mehr.

„Ursula Flint – Phineas Nigelus Ehefrau und wahrscheinlich auch deine Urururgroßmutter.“
„Auch?“
„Tja, das wäre dann wohl was, das wir gemeinsam haben.“ jetzt war es Jim der schmunzelnd antwortete.

„Aber wieso weiß ich dann nichts davon?“ Ron war ziemlich verwirrt. „Phineas – das ist doch der Verwandte von Sirius gewesen, oder? Also auch euer Verwandter. Aber wie sollte ich mit diesem verwandt sein?“
Jetzt war es Harry, dem eine Antwort leicht fiel: „Sirius hat doch erwähnt, dass er mit deiner Mutter und auch mit deinem Vater entfernt verwandt ist. kannst du dich nicht an den Wandteppich am Grimmauldplatz erinnern?“
Ron schüttelte noch immer ungläubig den Kopf.
„Und diese Ursula, die angeblich mit uns verwandt sein soll, war Seherin?“ Ginny hatte diese Frage gestellt.

„Ja, ein ziemlich bekannte sogar. Sie hat wie gesagt nie mit irgendwelchen Utensilien gearbeitet, wenn Gefahr drohte hatte sie einfach eine Vision, die sie dann vor Publikum prophezeite.“
„Aber ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich was gesagt habe.“ Ron mochte es nicht glauben.,

„Das kommt noch. Das scheint zu Beginn bei Sehenden oft so zu sein. Aber mit ein wenig Training, kannst du das dann gewollt steuern. Und du wirst auch klar erkennen können, was bloß ein Phantasiegebilde ist, und was eine echte Prophezeiung.“ erklärte Jules.
„Kannst du das auch? Bist du deshalb in Wahrsagen? Und warum du nicht Jim?“ Ron hatte Feuer gefangen..

„Ich hab mit der Wahrsagerei nix am Hut. Ich bin mit Sicherheit kein Seher und damit tu ich mir den ganzen Hokuspokus auch gar nicht an.“ antwortete zuerst Jim.
Daraufhin sahen die Umsitzenden neugierig zu Jules: „Tja, ich hatte wohl schon ein paar mal Träume, die sich bewahrheitet hatten. Aber was richtig Greifbares war nicht dabei gewesen. Es war auch nie eine deutliche Aussage möglich. Erst im Nachhinein konnte ich manche Warnung zuordnen. Keine Ahnung, ob das mal stärker werden wird. Aber bei dir hatte ich das Gefühl, dass es sich durchaus um eine richtige Prophezeiung handelt Ron. Daher sollten wir uns ernsthaft überlegen, was du gesagt hast.“

Dabei schaute Jules fragend zu Claire. Sie hatten ja bereits öfters bemerkt, dass sie bei Streitigkeiten den genauen Wortlaut eines Disputs wiedergeben konnte, obwohl sie nicht besonders aufgepasst hatte. „Okay, wenn ihr das so ernst nehmen wollt: „Hüte dich vor dem Augenscheinlichen. Das Auge kann getäuscht werden, aber das Herz sieht tiefer. Gefahr lauert dort, wo du sie nicht erwarten würdest. Sei nicht vertrauensselig sondern prüfe mit Bedacht. ......“ Das ganze klingt mir denn doch ein wenig an den Haaren herangezogen. Obwohl man es natürlich auch ganz allgemein als Vorsichtsmaßnahme deuten könnte. Ich kann mir nicht vorstellen, was derzeit so Gefährliches auf uns lauern sollte. Hier in Hogwarts? Wir dürfen ja fast keinen Schritt alleine machen, bin ja nur froh, dass die Aufpasser uns noch nicht aufs Klo folgen, also wo sollten wir denn momentan bedroht werden?“ Claire besuchte zwar Wahrsagen, aber sie selbst hielt nicht übermäßig viel von Prophezeiungen und machte auch keinen Hehl daraus.

„Aber du hast es doch gerade gesagt: Dort wo wir es nicht erwarten würden. Hüte dich vor dem Augenscheinlichen. Also ist es etwas, dass uns nicht verdächtig vorkommt, aber in Wirklichkeit etwas ganz anderes ist.“ Jules steigerte sich schön langsam in die Sache hinein.

„Das Auge kann getäuscht werden, aber das Herz sieht tiefer.“ Claire lachte hell auf. „Wir sehen zwar etwas, aber in unserem Herzen erkennen wir es erst? Na wenn ihr mich fragt, erscheint mir das ganze doch ein wenig zu dubios. Wenn euch noch was dazu einfällt, könnt ihr es mir ja sagen. Ich hab noch ein paar Aufgaben zu erledigen. Ich geh schon mal hoch.“ Und Claire stand auf und verließ den Gryffindortisch. Aber auch die anderen erhoben sich und folgten ihr.

Auch Hermine war in Gedanken versunken: „Also Wahrsagen ist ja wirklich nicht meines. Aber wenn es sich bei dem von Ron Gesagtem wirklich um eine Prophezeiung handelt, sollten wir wohl besser auf der Hut sein.“ Dabei sah sie Ron neugierig an, als würde sie ihn zum ersten Mal sehen.

Ron wurde unter ihren musternden Blicken regelrecht rot bis zu den Ohren, was sich etwas mit seiner Haarfarbe schlug. Harry wollte sich schon dazu äußern, unterließ es dann aber doch.

Draußen in der Einganshalle sahen sie Professor Dumbledore mit Snape und Marcell stehen. Sie nickten ihnen im Vorbeigehen zu, aber Jim rief: „Ich heiße dich herzlich in Hogwarts willkommen Marcell.“
Dieser hob verwundert die Augen und meinte rasch: „Oh danke dir. Ich fühl mich hier auch schon richtig wohl.“ Jim setzte seinen Weg fort, aber Jules blieb wie angewurzelt stehen.

„Sag mal kommt dir das nicht auch seltsam vor? Wir waren zwei Jahre im gleichen Quidditchteam und er ignoriert uns fast.“ fragte er seinen Bruder.
„Na das hat wohl seine Gründe, oder? Du musst ja nur zurückdenken von wem er vor fast drei Jahren abserviert worden ist.“ Jim konnte die Bedenken seines Bruders nicht verstehen.


Erst später, als sie spätabends vor dem Kamin saßen, Ginny an Jules geschmiegt, Hermine an Jim, Harry, Ron, Claire und Neville um sie gruppiert, fing Jules erneut an: „Mich lässt diese Prophezeiung nicht los. Ich hab das Gefühl ich wüsste eigentlich schon genau, was Ron meinte, aber es scheint sich im Nebel verfangen zu haben. Ich komm nicht drauf, was der Auslöser war. „Hüte dich vor dem Augenscheinlichen“ Was haben wir gesehen, das es so nicht gegeben hat?“

„Ja und was erkennst du dann mit deinem Herzen mein lieber Cousin? Bist du heute einem süßen wunderhübschen Mädel über den Weg gelaufen, das in Wirklichkeit eine Veela ist? feixte Claire. Sie schien dieses Gesprächsthema nicht unbedingt zu mögen.

„Ach dieses wunderhübsche Mädchen sitzt hier an meiner Seite, und ist ganz sicher keine Veela, oder? Das ist es ja, was mich stutzig macht: das mit dem Herzen sehen. Ich war bisher immer der Meinung, dass man nur in Liebesdingen mit dem Herzen sieht. Aber ich hoffe mal mein Schatz du bist auch wirklich Ginny. Nicht dass ich hier ein fremdes Mädel küsse.“ Jules sah Ginny herausfordernd an.
„Oh welchen Beweis soll ich dir denn erbringen?“ Ginny lachte und verschloss ihm den Mund mit einem langen Kuss.

Jetzt wandte Hermine ein: „Vielleicht übersehen wir ja etwas. Vielleicht hat es noch eine andere Bedeutung: das mit dem Herzen sehen. Claire, du hast doch soviel gelesen, ist dir der Ausdruck noch nie untergekommen?“

Claire sah hoch und Hermine direkt in die Augen. Ihr vorher so skeptischer Blick wandelte sich und ihr Gesicht spiegelte zugleich Erstaunen und Verstehen wieder. Sie wandte dabei ihren Blick nicht von Hermine ab, aber ließ sich zu keiner Antwort herab.

Bis Ron sie in die Seite knuffte: „Jetzt mal raus mit der Sprache, du hast doch grad nen Einfall gehabt. Lass uns an deinen Überlegungen teilhaben.“

„Ich muss diesen Gedanken erst mal weiterdenken. Ich darf nichts sagen, auch wenn ich wollte. Ich wird jetzt mal auf mein Zimmer gehen und nachdenken. .......... Obwohl, vielleicht fällt mir ja noch anderes ein.“ und sie stand auf und wandte sich dem Porträtloch zu.
„He - wo willst du jetzt noch hin?“ rief ihr Harry nach.
„Ich möchte Trelawney noch rasch einen Besuch abstatten. Vielleicht kann sie mir weiterhelfen. Ansonsten muss ich wohl noch kurz in die Eulerei. Aber ich glaube, dafür reicht sogar Trelawneys Wissen.“ sprach’s, drehte sich um und verschwand und ließ einige verdutzt dreinblickende Gryffindors zurück.


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Ungelesener BeitragVerfasst: 13. Mai 2006 10:15 
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47. überführt

Nach Claires Entschwinden bestürmten Harry und Ron die Zwillinge, ob sie sich vorstellen könnten, woran Claire gedacht hatte.
„Wenn ich es wüsste, würde ich es euch sagen. Aber wenn es wirklich was ist, was sie uns nicht sagen darf, dann ist es wohl so’n Hexenzeugs.“ Jules zuckte mit den Schultern.
„Hexenzeugs?“ Ron kapierte nicht, was er gehört hatte.

„Na so Sachen eben, die nur Hexen was anzugehen scheinen. Ginnys Fähigkeit eine Peaceley zu sein gehört da zum Beispiel dazu. Oder die Hebammenschaft. Die besteht auch nur aus Hexen. Und die Hohen Priesterinnen. Da gibt es so allerlei Sachen, die du als Mann nie erfährst. Aber da können wir euch beide ja,“ und dabei schielte Jim zu Hermine und Ginny „vorschicken. Vielleicht erzählt sie euch ja genaueres.“

„Also mir ist es so vorgekommen, als würde sie uns allen nichts erklären wollen.“ murmelte Ginny. „Aber wir können es ja versuchen. Du hast deine Feindschaft mit Claire ja auch so ziemlich begraben Hermine, oder?“
„Ja mittlerweile schon. Ich war zu Beginn wohl ein gehöriges Rindvieh. Aber zuletzt konnte ich ganz gut mit ihr sprechen. Über fast alles halt.“ und dabei sah sie ein klein wenig verlegen zu Boden.

„Was heißt das: über fast alles? Das würde mich doch mal brennend interessieren, was ihr Frauen da so zu bequatschen habt.“ stichelte Jim.
„Also alles brauchst du ja auch nicht zu wissen.“ lachte Hermin auf, „Wir reden über die Schule und den Unterricht, über Bücher und manchmal eben auch über Jungs.“ dabei zwinkerte sie Jim verschwörerisch zu.

„Über Jungs? Du spricht in der Mehrzahl meine Liebe. Das hör ich jetzt aber gar nicht gern.“ schalt sie Jim.
„Ach hab ich das? Muss wohl ein Versehen gewesen sein.“

„Das heißt also ihr habt keine Ahnung welche Erleuchtung ihr gekommen ist?“ fragte Harry erneut.
„Nö, nicht wirklich. Aber Jim liegt wohl nicht so ganz falsch, wenn er von Hexenwissen spricht. Und dass Claire Trelawney befragen will, wundert mich enorm. Sie hält ja bekannterweise nicht allzu viel von ihr. Es kommt mir so vor, als würde sie sich bloß in eine Richtung hin vergewissern wollen, und eigentlich schon genau wissen, was Sache ist. Aber ich fürchte ich werde ihr Zurückkommen nicht abwarten können. Ich bin wirklich hundemüde und sollte schon längst im Bett sein. Seid ihr noch nicht müde?“ fragte Jules die anderen.

„Oh doch, eigentlich schon. Also werden wir die Sache überschlafen und schauen, ob Claire morgen bereit ist uns was zu erklären. Also dann gute Nacht mein Schatz.“ und Ginny verabschiedete sich ausgiebig von Jules.

Als Harry in seinem Bett lag, überdachte er die ganze Sache noch einmal. Und auch er hatte das Gefühl, dass an diesem Tag etwas nicht so gewesen war, wie er es erwartet hätte. Aber was war das bloß gewesen?
Aber trotz längerem Grübeln kam er nicht darauf und schlief schließlich doch ein.

In seinem Traum durchlebte er die Unterrichtsstunde bei Trelawney noch einmal. Und dabei sah er in einen Spiegel und es blickte ihm das Antlitz Lord Voldemorts entgegen. Erschrocken fuhr er zurück und plötzlich hatten alles seine Klassenkameraden ebenfalls das Gesicht Voldemorts.

Er wachte schweißgebadet auf und konnte sich einige Zeit nicht beruhigen. Erst als er sich noch ein Glas Wasser geholt und das verschwitzte Schlafgewand gewechselt hatte, konnte er wieder einschlafen und war froh, dass er den Rest der Nacht traumlos hinter sich brachte.

Am nächsten Morgen fehlte Claire beim Frühstück, aber Hermine erklärte, sie hätte es bloß nicht geschafft diese aus dem Bett zu kriegen. „Ich hab keine Ahnung, wann sie schlafen gegangen ist, aber allem Anschein nach hat sie nicht viel Zeit im Bett verbracht. Und“ dabei wurde ihre Stimme merklich leiser, „nachdem sie mit Michel Schluss gemacht hat, war sie wohl so lange bei Trelawney.“ Eine zarte Röte überzog dabei ihr Gesicht.

Zum Unterricht erschien Claire gerade noch rechtzeitig, beantwortete aber nicht ihre Fragen und war selbst sehr nachdenklich.

Erst beim Abendessen murmelte sie: „Ich kann euch doch nichts sagen. Ich bin mir ja selbst nicht sicher.“
„Und wozu hast du die letzten zwei Stunden dann in der Bibliothek verbracht? Du findest doch sonst meist alles, weil du weißt, wo du nachschauen musst.“ tadelte sie Jules.

„In dem Fall ist diese Bibliothek leider nicht das Richtige. Aber ich hoffe ich bekomme auf meine Frage bald eine Antwort.“ und kaum hatte sie diesen Satz ausgesprochen, landete auch bereits ihr schwarzer Rabe am Tisch und streckte ihr sein Bein entgegen.
Mit Windeseile nahm sie ihm den Brief ab, und öffnete das Schreiben. Und was sie las, schien sie zufrieden zu stellen. Der Postbote hatte einiges Aufsehen verursacht, war es doch üblich, dass die Eulen nur frühmorgens in die große Halle kamen.

Auf die fragenden Blicke der anderen Gryffindors reagierte sie nicht, doch verließ sie diesmal gemeinsam mit ihren Freunden den Tisch. „Ich will noch ein wenig Frischluft schnuppern.“ erklärte sie, als die anderen ihre Schritte zur Treppe lenkten. Aber da Harry und die anderen hofften, sie würde ihnen vielleicht doch was erzählen, folgten sie ihr unaufgefordert ins Freie.

„Nu sprich mal Klartext, meine Liebe. Was hast du bisher herausgefunden?“ löcherte sie Jules erneut.
„Nicht viel. Und worauf sich diese Voraussage bezieht, weiß ich schon gar nicht, nur was das „mit dem Herzen“ sehen bedeuten könnte, ist mir ein wenig klarer.“ meinte Claire. „Von den ganzen Prophezeiungen habe ich ja sowieso nicht die beste Meinung. Obwohl ich natürlich weiß, dass sie manchmal zutreffen. Aber nachdem ihr sie für wichtig haltet, habe ich eben nachgefragt.“

„Wieso hast du was gegen Prophezeiungen?“ Ron war es anzusehen, dass er mit dieser Aussage nicht ganz klar kam. Schließlich hatte er gerade bemerkt, dass er vielleicht doch auch selbst eine Fähigkeit besaß, die ihn zu was besonderem machte, etwas was ihn vom Rest seiner Familie unterscheiden könnte. „Du tust ja geradezu, als ob du persönlich schon Erfahrung damit gemacht hättest.“

Da musste Claire grinsen und legte Ron beruhigend die Hand auf die Schulter: „Nun reg dich mal wieder ab. Aber du hast recht. Ich kann mich da an etwas erinnern, als ich so zirka 5 Jahre alt war. Die Mutter von Lee ist eine begeisterte Kartenlegerin. Und sie hat auch schon manchmal Wahres herauslesen können.

Nun wie gesagt: als ich 5 war, besuchte sie meine Mutter und ich wurde raus geschickt. So etwas mochte ich schon damals nicht, und so hab ich halt an der Tür gelauscht. Und da hat Mrs. Lee meiner Mutter erzählt, sie hätte in den Karten für den folgenden Tag eine große Gefahr für mich herausgelesen. Etwas, wobei ich schwer verletzt werden würde. Ma selbst hat kein besonderes Interesse an dieser Art vorauszusehen und sie hat sie beschwichtigt und gemeint, sie würde schon auf mich aufpassen.

Dummerweise musste sie am nächsten Tag dann zu einem Kranken, und so blieb ich bei den Jordans. Aber auch Mrs. Jordan musste kurz weg, obwohl man ihr ansah, dass ihr nicht sehr wohl dabei war, mich und Lee allein zu lassen. Ich war zuvor immer unbekümmert, Lee und ich liebten es auf die höchsten Bäume zu klettern, und wir beide waren ja auch geschickt genug, dass uns noch nie etwas gröberes passiert war.

Aber an diesem Tag war ich durch die Worte seiner Mutter verunsichert. Und indem ich besonders Acht geben wollte, passierte natürlich genau das Gegenteil: ich rutschte von einem Ast ab und fiel hinunter. Nachdem ich mich instinktiv mit den Armen abfangen wollte, brach ich mir beide Arme. Als Mrs. Jordan heimkam jammerte sie fürchterlich und machte sich die größten Vorwürfe. Und Mutter kam erst nach zwei Stunden zurück, und so musste ich die ganze Zeit mit den Brüchen und ziemlich starken Schmerzen ausharren. Ist keine schöne Vorstellung beide Arme gebrochen zu haben. Da kannst du nicht mal alleine aufs Klo gehen.

Ma hat mir dann rasch helfen können, aber Mrs. Jordan hat ständig vorgebetet, dass sie recht behalten hat. Später dann, als ich schon im Bett lag, hat Ma mich gefragt, wie mir das passieren konnte. Und ich hab ihr gestanden, dass ich gelauscht hätte. Da ist sie sehr ernst geworden und hat mir einen Vortrag gehalten. Sie hat gemeint: „Nimm dich vor diversen Prophezeiungen in Acht. Sie richten oftmals schlimmeres an. Wenn du z. B. nicht gelauscht hättest, wärst du mit großer Wahrscheinlichkeit nicht vom Baum gestürzt. Erst durch dein Bemühen besonders aufzupassen, deine Unsicherheit, konnte es dazu kommen. So ist es auch mit anderen Prophezeiungen oft. Erst wenn derjenige, von dem die Prophezeiung handelt, von ihr erfährt, tritt sie mit höherer Wahrscheinlichkeit ein. Das bezeichnet man auch als sich selbst erfüllende Prophezeiungen, die eben erst durch unser Mittun in Erfüllung gehen.“

Darum mochte sie solche Dinge nicht, und ich stimme darin mit ihr voll überein. Aber ich räume ein, dass es auch Ausnahmen gibt.“ und dabei lächelte sie Ron aufmunternd zu.

„So du hast mal wieder viel geredet, doch unsere Fragen hast du nicht beantwortet.“ Jim war jetzt schon etwas genervt.
„Nö, lass sie mal.“ warf Harry ein. „Claire, ich hab dir ja von der Prophezeiung im Ministerium erzählt. Glaubst du, damit verhält es sich ähnlich? Ist sie vielleicht gar nicht wortwörtlich zu nehmen?“

Da sah ihn Claire nachdenklich an und meinte: „Ja im Prinzip schon. Aber dadurch, dass Voldemort sie - zumindest nen Teil davon - gehört hat, hat er dafür gesorgt, dass sie wichtig wurde. Aber ich hab dir das schon mal gesagt: es heißt noch lange nicht, dass du ihn umbringen musst, weil es sonst kein anderer könnte. Es liegt in deiner Hand, sie wahr werden zu lassen, oder selbst nach anderen Möglichkeiten Ausschau zu halten. Wobei ich mir vorstellen kann, dass du falls du ihm nochmals direkt gegenüberstehen würdest, es sehr wohl versuchtest ihn zu entmachten. Das muss aber nicht unbedingt mit seinem Tod gleich zu setzen sein. Vielleicht solltest du ja ein wenig mehr darüber selbst nachlesen. Ich bin mir sicher, dass in der Bibliothek einiges über Prophezeiungen zu finden ist.“

„Könnt ihr darüber vielleicht ein andermal quatschen? Also jetzt sagst du uns endlich, was wir wissen wollen? Was hast du bei Trelawney gemacht?“ nun war es Ron, der weiterbohrte. Er wollte doch endlich wissen, was an dem, was er „gesagt“ hatte dran war.

„Okay: Trelawney hab ich über Ursula Flint ausgefragt. Ein wenig wusste ich ja schon über sie von den beiden da,“ und dabei schielte sie zu den Zwillingen, „aber so recht interessiert hat es mich zuvor nicht.
Trelawney hat sich sehr geschmeichelt gefühlt und wollte gar nicht mehr mit Reden aufhören. Wenn die mal loslegt kommt sie ständig vom eigentlichen Thema ab. Ja ihr müsst gar nicht so blöd grinsen, ich weiß, dass ich das auch oft tu.
Auf jeden Fall kam bei dem Gespräch raus, dass Ursula im Normalfall über Dinge sprach, die in ihrer unmittelbaren Umgebung und vor allem in Bälde schon einzutreffen pflegten. Und sie hat wohl eine ziemlich hohe Trefferquote mit ihren Vorraussagen erzielt. Wenn Ron nun wirklich eine Gabe wie sie hat, dann betrifft es wohl mit Sicherheit unsere nähere Umgebung, sagen wir mal Hogwarts und etwas, dass jetzt oder zumindest in den nächsten Tagen wichtig werden wird.“

„Und worauf es sich beziehen könnte wusste sie wahrscheinlich nicht, oder?“ fragte Ginny.
„Nein, sie murmelte zwar irgendwas von Dingen, die sie in der Kristallkugel gesehen hätte, aber das war nicht wirklich hilfreich. Da müsst ihr euer Hirn wohl selbst zermartern.“

„Und was heißt jetzt: mit dem Herzen sehen?“ hackte Hermine nach.

„Tja, einerseits kann es sich auf Liebesdinge beziehen: Liebende spüren doch auch oft, wenn mit dem Partner was nicht in Ordnung ist. Sei es er würde vom Imperiusfluch beherrscht, sei es er wäre nicht er selbst, sondern ein anderer, der Vielsafttrank genommen hat.
Aber diesen Punkt schließ ich wohl eher aus.

Die zweite Möglichkeit – und hier musste ich Mater Major befragen, von der war die Nachricht zuvor, ................. es gibt in der Hexenwelt so Anzeichen, dass zur Zeit eine Hexe unter uns weilt, eine Hohe Priesterin, die ganz besondere Fähigkeiten besitzt. Genaugenommen ist das natürlich nur eine vage Vermutung, man weiß es nicht wirklich und doch gibt es eben Anzeichen dafür, ................... diese Hexe solle eine ganz besondere Verbundenheit zu Mutter Erde haben. Im äußersten Fall könnte sie sogar Einfluss auf die Geschehnisse in der Natur ausüben, aber mit ziemlicher Sicherheit dürfte sie die Fähigkeit haben, Dinge „im rechten Licht“ oder eben „mit dem Herzen“ zu sehen.“

„Kannst du uns das vielleicht etwas genauer erklären?“ Harry verstand nicht so recht, was er da hörte.

„Diese Hexe sieht den Dingen auf den Kern, „ins Herz“ eben. Sie könnte, wenn sie ihre Fähigkeiten denn bewusst einzusetzen gelernt hat, sehen, wer die Wahrheit spricht und wer lügt, sie würde sehen, wenn ein Mensch sein Äußeres durch Vielsafttrank verändert hat, oder sein Handeln von anderen bestimmt wird.
Auf Rons Prophezeiung bezogen finde ich den Vielsafttrank ja am wahrscheinlichsten. Aber wir wissen nicht mit Sicherheit, ob es diese Hexe überhaupt wirklich gibt. Auch Mater Major hat darüber nichts genaueres gewusst. Und wenn wir auf Rons Prophezeiung zurückkehren: das hieße dann ja, dass diese Hexe hier unter uns weilt. Und ich hab da nur eine Vermutung, aber ich kann mich auch irren. Es käme auf einen Versuch drauf an. Wobei es aber von Nutzen wäre, wenn einer von euch bereits einen Verdacht hegte, um wen sich die Prophezeiung drehen könnte. Mir ist nämlich niemand dazu in den Sinn gekommen.“

Es war Harry, der als erster antwortete: „Naja, mir ist gestern schon etwas seltsam vorgekommen. Und zwar als wir zu Hagrid gegangen sind und bei den Aufsehern vorbeikamen. Ihr habt doch gesagt ihr kennt diesen Marcell recht gut. Also mir kam es so vor, als würde er keine Anzeichen von Erkennen zeigen.“

„Da geb ich dir recht Harry. Ich bin am Abend auch stutzig geworden, als er zurückgegrüßt hat und eigentlich kein Anzeichen dafür da war, dass er uns erkannt hatte.“ meinte Jules.

„Paperlapapp!“ Claire schüttelte energisch den Kopf, „Marcell ist ein zu fähiger Zauberer, als dass ich mir vorstellen könnte, es hätte ihn jemand so ausgetrickst, dass er in seine Rolle geschlüpft wäre. Er hat seine Ausbildung zum Auror in Rekordzeit gemacht. Nein, das glaube ich nun wirklich nicht.“

„Du darfst dabei aber eins nicht vergessen, Mad Eye Moody wurde vor zwei Jahren auch gekidnappt und obwohl er ja besonders misstrauisch und wachsam ist, konnte er überwältigt werden. Also wieso nicht auch dieser Marcell?“ Hermine war nachdenklich geworden. „Aber das könnte sich dann doch auf die erste Möglichkeit, des mit dem Herzen sehen, die du genannt hast, beziehen. Du müsstest doch erkennen können, ob es der richtige Marcell ist.“

Claire hatte ihre Augen bei Hermines Worten weit aufgerissen und wich zurück: „Nein, nein, das könnt ihr nicht von mir verlangen. Sicher - ich kenn ihn ganz gut, aber du vergisst, dass ich es nicht schaffen würde, ihm unter die Augen zu treten. Ich bemüh mich sehr, dass er mich erst gar nicht bemerkt. Und hingehen und ihn ansprechen, das kann ich nicht. Da verlangst du eindeutig zuviel.“
„Aber wieso eigentlich? Habt ihr euch so im Streit getrennt?“ fragte Ginny nach.

Es folgte ein betretenes Schweigen bis Claire Antwort gab: „Na ja, ich hab damals Schluss gemacht. Und er hat meine Gründe nicht verstehen wollen. Er hat mir danach noch ein paar mal geschrieben, aber ich hab seine Eulenpost ungelesen wieder zurück geschickt. Ich bin nicht stolz darauf, aber ich wusste keinen anderen Ausweg.“
„Das sieht dir eigentlich überhaupt nicht ähnlich.“ meinte Harry.

„Danke, das war auch das einzige Mal, dass ich so gehandelt habe. Und ich hatte meine Gründe. Und die hab ich noch. Also verlangt bitte nicht von mir, dass ich ihm auf den Zahn fühle. Ich werde mir dazu was anderes überlegen, okay?“ Aber weiter kam sie auch gar nicht, da in dem Moment Tonks und Marcell um die Ecke bogen. Sie waren in Begleitung von Dumbledore und Snape, und scheinbar angeregt in ein Gespräch vertieft.

Es war Snape, der sie als erster sah: „Was treibt euch dazu, euch um diese Zeit noch im Freien herumzutreiben? Glaubt ihr die Regeln gelten für alle, nur nicht für euch? Zehn Punkte Abzug für jeden von Ihnen.“
Doch Dumbledore fiel ihm ins Wort: „Nun, ihr habt Professor Snape gehört. Gibt es eine Erklärung für euer hier sein, oder habt ihr den Punkteabzug verdient?“

Claire war etwas zurückgewichen und suchte hinter Jim Deckung. Marcell stand in der Nähe von Hermine, und da geschah etwas, was Harry äußerst verwunderte. Claire schien zu straucheln, stieß gegen Jim, der seinerseits gegen Hermine torkelte, die beinah stürzte und gerade noch von Marcell aufgefangen wurde. Seit wann war Claire so ungeschickt?


Doch er kam nicht dazu, sich weiter darüber Gedanken zu machen, als er Hermines bestürztes Gesicht sah.
„Was ist mit dir mein Kind? Ist dir nicht gut?“ erkundigte sich Dumbledore besorgt bei Hermine.

Doch diese schüttelte nur den Kopf und starrte fassungslos auf Marcell. Und jetzt bemerkte Harry auch, dass Claire ihren Zauberstab gezogen hatte. Und Jim und Jules taten es ihr sogleich nach.

„Hermine, was hast du gesehen?“ Claire betonte besonders das Wort was.
„Einen Mann, einen, der auch im Ministerium anwesend war, als Sirius getötet wurde, aber ich weiß nicht wieso. Was hat das zu bedeuten?“

Dumbledore hatte das Szenario aufmerksam verfolgt und als sich seine Blicke mit Claires trafen, zog er ebenfalls seinen Zauberstab. „Ich denke, da ist uns jemand eine Erklärung schuldig. Accio Vielsafttrank.“ und auf seine Worte hin flog ein kleines Fläschchen aus Marcells Brusttasche in seine Hände.

Tonks und Snape waren mit leichter Verzögerung Dumbledores Beispiel gefolgt.
„Wieso konnten Sie das wissen?“ wandte sich Snape an Dumbledore. „Zuvor schienen Sie doch keinen Verdacht zu hegen.“

„Ich habe gelernt, auch auf andere zu hören. Mrs. Granger, können sie sich an den Namen dieses Herrn erinnern?“

„Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube es war Rabastan Lestrange.“ stammelte Hermine.

„Rabastan? Hier?“ Snape war beinah sprachlos.

„Professor, haben sie vielleicht ein wirkungsvolles Gegenmittel für den Vielsafttrank parat? Oder müssen wir abwarten, bis die Wirkung vergeht?“ richtete Dumbledore seine Frage an Snape.

„Nein, bisher benötigte ich kein Gegenmittel. Aber ich bin sicher, dieser Herr wird uns auch so Rede und Antwort stehen.“
Dumbledore hatte zwischenzeitlich den vermeintlichen Marcell mit Seilen, die aus seinem Zauberstab quollen, gefesselt.

„Wo ist Marcell?“ fragte er jetzt eindringlich.

Doch dieser lachte nur und sagte verächtlich: „Von mir werdet ihr das nicht erfahren. Soll er doch verrecken wo er jetzt ist. Mir ist das einerlei.“ und sein Lachen klang dermaßen fies, dass es absolut nicht zu seinem jetzigen Aussehen passte.

Doch Claire trat zu Snape, der das Fläschchen mit Vielsafttrank jetzt in seinen Händen hielt und entwendete es ihm kurzerhand. Dann trat sie zu Hermine, drückte es in ihre Hände, legte ihre eigenen Hände auf deren Schultern und fragte: „Hermine, wo befindet sich Marcell? Schließe deine Augen und schau dich um.“
Und Hermine, die bei Claires Aktion noch verwunderter aussah, als sie es schon zuvor tat, folgte, schloss ihre Augen, runzelte die Stirn, und begann: „Es ist ziemlich dunkel, ich kann fast nichts erkennen, aber da bewegt sich etwas, ich sehe Staub, zerkratzte demolierte Möbel, und einen Mann, der verletzt und beinah leblos in einer Ecke gefesselt liegt.“
„Kennst du den Platz?“ fragte Claire erneut.

„Es könnte, ja ich bin mir ziemlich sicher, es müsste die heulende Hütte sein.“ erschöpft brach Hermine zusammen und wurde gerade noch von Claire aufgefangen. Jim nahm ihr ihre Last ab und hob Hermine hoch. „Ich denke das reicht, oder? Ich bringe Hermine hinein.“

Der falsche Marcell war bei Hermines Worten bleich geworden. „Professor Snape, würden sie mit Tonks in der heulenden Hütte nachsehen? Ich kümmere mich einstweilen um diesen Gefangenen.“, Dumbledore hatte den Gefesselten in die Luft schweben lassen und dirigierte seinen Weg in Richtung Schloss.

Snape nickte bloß und machte sich mit Tonks auf den Weg. „Und nun zu euch: Ich glaube, Professors Snapes Punkteabzug kann ich ruhig rückgängig machen. Im Gegenteil habt ihr euch Pluspunkte für euer Haus verdient. Aber nun geht in euren Turm. Ich denke es hat bis morgen Zeit, dass ihr mir euer Handeln begründen könnt. Und diesen Mann hier, werde ich sofort dem Ministerium überstellen. Ich wollte doch mit den zusätzlichen Wachen einen besonderen Schutz für Hogwarts erreichen. Und nun muss ich feststellen, dass ich einem Todesser Einlass gewährt habe. Ich danke euch für eure Umsicht. Mehr dann morgen.“

Harry und Ron sahen sich verständnislos an. Was soeben hier vorgefallen war, überstieg ihre Vorstellungskraft. Und sie wollten Antworten. Und diesmal würde Claire ihnen nicht auskommen. Sie hatten noch eine lange Nacht vor sich.


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Ungelesener BeitragVerfasst: 18. Mai 2006 19:31 
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48. Die sagenumwobene Hexe

Doch als sie in ihrem Gemeinschaftsraum ankamen, kümmerte sich Claire erst einmal um Hermine, die noch immer sehr bleich war und sehr verständnislos dreinblickte. Sie legte ihre Hände auf Hermines Schultern und langsam färbten sich wieder ihre Wangen und sie wurde ruhiger.

„Claire, erklär mir was das grad war. Ich habe doch keine seherischen Fähigkeiten, wieso hab ich den Lestrange Bruder gesehen? Ich versteh das alles nicht.“
„Beruhige dich zuerst einmal. Wie fühlst du dich jetzt? Alles in Ordnung mit dir?“ erkundigte sich Claire in besorgtem Tonfall.
„Ich fühl mich ein wenig schwindlig, aber sonst geht es. Aber ich will endlich Antworten auf meine Fragen haben.“
„Die sollst du auch bekommen, aber nicht von mir.“ und kaum hatte sie den Satz zu Ende gesprochen, ging das Porträtloch auf und herein kam Professor McGonagall, und an ihrer Seite, die Hexe, die sie bereits auf Bills Hochzeit gesehen hatten: Mater Major.

Claire eilte auf sie zu und umarmte sie stürmisch. „Ich bin ja so froh, dass du da bist. Ich fühl mich dem ganzen nicht gewachsen. Hermine braucht jetzt jemanden, der ihr auf all ihre Fragen Antwort gibt. Und dafür bist du die einzig richtige Person.“
Die greise Hexe strich ihr übers Haar und meinte: „Ich bin deinem Ruf gefolgt. Auch wenn ich mir sicher bin, dass du das auch hinkriegen würdest. Aber Minerva benötigt deine Hilfe jetzt woanders.“
„Ja, das stimmt. Ich möchte dich bitten mit mir auf die Krankenstation zu kommen. Professor Snape und Tonks haben den echten Marcell in der Hütte angetroffen, und ihn gerade ins Schloss gebracht. Aber er ist sehr entkräftet und verletzt. Er hat wohl versucht sich zur Wehr zu setzen. Kommst du bitte mit?“ richtete McGonagall die Bitte an Claire.
„Natürlich, ich komme.“ Claire drehte sich noch einmal zu Hermine um, blinzelte ihr aufmunternd zu und folgte Minerva.

Die alte Hexe trat auf sie zu und setzte sich zu Hermine aufs Sofa. „Na das muss wohl ein gehöriger Schock für dich gewesen sein, liebe Hermine. Ich kann verstehen, dass du nicht weißt, was mit dir geschehen ist. Aber lass mich einmal von vorne weg erzählen. Und wenn du dann noch Fragen hast, bin ich jederzeit bereit mit dir gemeinsam nach einer Antwort zu suchen.

Ich hatte gerade meine Schulzeit in Durmstrang hinter mich gebracht – ja ihr habt schon richtig gehört; ich war in Durmstrang – meine Eltern fanden, das wäre die richtige Schule für mich, sie waren selbst Lieb-Kind mit den dunklen Künsten, und nicht sehr begeistert, als sie schließendlich bemerkt hatten, dass ihre Tochter nicht mit ihnen übereinstimmte. Ja ich kam gerade aus der Schule und wusste noch nicht so recht welchen weiteren Weg ich einschlagen würde, nur eins wusste ich mit Sicherheit: ich würde mir nicht von meiner Familie einen passenden Ehemann aussuchen lassen.

Ich begab mich auf Reisen, wobei mich meine Urgroßmutter unterstützte und kam dabei eines Tages in einen Wald, wo ich – unvorsichtig, wie ich damals war, von einer Bande Jungs angegriffen wurde. In meiner Überraschung vergaß ich ganz auf meine Zauberkräfte und wäre nicht eine uralte Frau im rechten Moment auf dem Weg erschienen, wer weiß was mit mir geschehen wäre. Ich wusste gar nicht so recht, wie es ihr gelingen konnte meine Angreifer zu vertreiben, war ihr aber herzlich dankbar und folgte ihr bereitwillig zu ihrer Hütte. Diese stand – so recht in alter Hexenmanier – auf einer kleinen Waldlichtung. Die Hütte war nicht allzu groß, und man betrat sogleich eine Küche, die vollbehängt mit Kräutern war und auf dem Ofen standen Kessel aus denen es dampfte und recht eigentümlich roch. Ich war mir nicht ganz sicher, ob ich es wirklich mit einer Hexe, oder bloß einer kräuterkundigen Alten zu tun hatte, aber sie half mir indem sie mich begrüßte:

„Was macht eine so junge Hexe wie du allein in meinem Wald? Und wieso hast du nicht deinen Zauberstab parat um dich zu verteidigen. Volljährig bist du doch schon, oder?“
Da musste ich lachen und meinte erleichtert: „Ich hab einfach darauf vergessen. Die letzten Jahre war ich so bemüht, abseits der Schule nicht zu zaubern, dass ich gar nicht auf den Gedanken gekommen bin meinen Zauberstab zu ziehen.“

„Na das solltest du dir aber eine Lehre sein lassen: auch von Muggeln droht uns zuweilen Gefahr – also nutze den Vorteil, denn es bietet, eine Hexe zu sein. Aber setz dich nur. Ich werde dir einen Tee auf den Schock eingießen. Und dann erzählst du mir, was dich hierher geführt hat.“

Ich fühlte mich in diesem Haus gleich wohl und erzählte von meiner Ziellosigkeit und meiner Suche nach dem richtigen Weg.
„Tja, mag sein, dass es nicht ein Zufall war, der dich zu mir geführt hat.“
Und je länger ich mich mit ihr, ihr Name war übrigens Mary Bellfort, unterhielt, umso überzeugter wurde ich davon, dass ich hier Unterstützung bei meiner Suche finden würde. Ich blieb bei ihr und sie brachte mir alles Wissenswerte um die Kreaturen und Pflanzen des Waldes bei.

Sie selbst war als Hebamme tätig, zu der selbst die Muggelfrauen des nahegelegenen Dorfes kamen um um ihre Hilfe zu bitten. Immer öfter nahm sie mich mit auf ihren Wegen und als wir eines Nachts zu einer Geburt gerufen wurden, erfasste mich eine ungeheure Unruhe. Ich pflückte auf dem Hinweg einige Blumen, ohne darauf zu achten was ich da eigentlich mit mir nahm, aber kurz vor dem Haus hielt Mary inne und sah mich besorgt an: „Was tust du da? Wieso bindest du den Todeskranz?“ Und als ich so wie sie auf meine Hände sah, bemerkte ich erst, dass ich die Blumen zu einem eigenartigen Kranzgebilde geschlungen hatte – es sah so aus wie eine 6. „Du bist eine hohe Priesterin?“ Es war mehr eine Feststellung denn eine Frage und sie ließ einen tiefen Seufzer hören. „Nun denn, wir können das Schicksal nicht ändern.“ Und sie zog mich, die ich ihr nur verständnislos nachblickte mit sich in das Haus. Die werdende Mutter war bereits sehr geschwächt und ihre Mutter und Schwester hatten Angst um sie und ihr Ungeborenes. Mary tat, was in ihrer Macht stand, das Baby konnte sie noch auf die Welt holen, aber die Mutter war bereits zu schwach und verstarb wenige Stunden nach der Geburt. Und ich wusste gar nicht wie ich dazu kam, aber ich hatte die Sterbende in meinen Armen gehalten und nach ihrem Hinscheiden, tröstete ich die Hinterbliebenen. Ich hatte nicht gewusst, dass ich so etwas konnte. Aber sie schienen wirklich Kraft zu schöpfen aus meinen Worten und Gesten, und erst als wir wieder in Marys Hütte angelangt waren, konnte ich ihr meine Überraschung offenbaren. Da sah sie mich lächelnd an und meinte: „Du bist eine Hohe Priesterin. Du wirst doch schon von diesen weisen Frauen gehört haben? Sie haben die Kraft, anderen auf ihrem letzten Weg Mut zuzusprechen und die zurückgelassenen zu trösten. Bereits auf deinem Weg dorthin hast du instinktiv gewusst, dass jemand sterben würde. Und so war es ja dann auch. Der Kranz des Todes, der einer Zahl 6 so ähnlich sieht ist schon seit je her ein Zeichen für Gevatter Tod. Nur selten, dass eine Hohe Priesterin sich in so einem Fall geirrt hat. Manchmal passiert aber auch das, und jede ist froh darüber, wenn sie sich geirrt hat.“

Nach dieser Nacht packte mich eine unsagbare Unrast und ich wusste, ich musste mich wieder auf den Weg machen. Mary wünschte mir alles Glück dieser Erde und meinte noch, wir würden uns an ihrem Totenbett wiedersehen. Ich verwarf diesen Gedanken rasch wieder und landete nach einer weiten unsteten Reise irgendwo mitten in Afrika.

Ich hatte keine Ahnung, was mich bewog gerade diesen Weg einzuschlagen aber letztendlich kam ich zu einem kleinen Dorf, das nur von Frauen bewohnt wurde. Anfangs war ich mir sicher, dass ich nicht willkommen sein würde, aber die Dorfälteste empfing mich mit offenen Armen und meinte, sie habe mich bereits erwartet. In diesem Dorf nun blieb ich für einige Jahre. Ich lernte von den Hexen mehr, als ich in meiner Schulzeit je lernen konnte. So sehr mich diese Gabe, den Tod vorherzuspüren auch ängstigte, diese Frauen gingen ganz selbstverständlich damit um. Sie erst brachten mir bei, dass Leben und Tod nun einmal eng zusammengehören, dass eins ohne das andere nicht existieren kann.

Nach kurzer Zeit begann ich dann, mit Hilfe von Meditationen, die die Dorfbewohnerinnen mir beigebracht hatten, zu Sterbenden zu apparieren. Und ich wurde immer mit offenen Armen empfangen, und habe zumeist nur Dankesworte zu hören bekommen. Vor allem Menschen, die in der Todesstunde allein waren, waren mir für die wenigen Stunden, die ich noch mit ihnen gemeinsam verbringen durfte überaus dankbar. Und ich habe auch gelernt mit dem Schmerz, der jede Trennung eines Menschen mit dem Leben mit sich bringt umzugehen.

Vor allem zu Beginn konnte ich nicht gut damit umgehen, dass es oft auch sehr junge Menschen, ja selbst Kinder und Babys traf. Ich machte mir Vorwürfe, als sei ich an ihrem Tod mit Schuld. Nur sehr sehr langsam habe ich begriffen, dass dem nicht so ist.
Hin und wieder, kam ich in ein Haus, wo ein Mensch seit längerer Zeit schon im Sterben lag, aber sich nicht mit der Welt versöhnt hatte und nicht willens war zu gehen. Dort blieb ich manchmal für einige Tage und wir haben geredet und geredet, bis dem Tod Einlass gewährt wurde. Es mag euch erschrecken, aber es ist nichts schlimmes dabei, einem Sterbenden die Hand zu halten. Es gibt einem immer wieder viel Kraft, das Leben als das zu sehen was es nun einmal ist: eine Zeitspanne, die wir auf der Erde zubringen dürfen, die Zeit zwischen Geburt und Tod eben.

Nun denn, ich habe ziemlich abgeschweift, aber auch dieser Teil gehört ab nun zu deinem Leben dazu, Hermine. Aber du kannst beruhigt sein: du hast alle Zeit, die du brauchst bis du dazu bereit bist.
Aber nun zu deiner besonderen Fähigkeit.

Es war um die Jahrhundertwende – ja ich bin wirklich so alt, wie ich aussehe – dass sich in dem Dorf eine Seherin niedergelassen hatte. Viele der Frauen hatten ja seherische Fähigkeiten, aber diese war etwas ganz besonders. Sie hieß Kassandra Blue, und verbrachte ihre Zeit damit, dass sie den Sand der nahegelegenen Wüste durch ihre Finger rieseln ließ und auf die Stimmen von Mutter Erde hörte. Und so kam sie nach einem längeren Aufenthalt in der Wüste zurück, ihr Gesicht war gezeichnet mit einer unbändigen Freude und sie rief uns alle zusammen um zu berichten, was sie erfahren hatte.

Wir kannten sie schon gut genug, um zu wissen, dass sie wirklich ganz hervorragende Fähigkeiten hatte und schon unzählige ihrer Prophezeiungen in Erfüllung gegangen waren.
Sie begann:

„Liebe Freundinnen: ich habe Mutter Erde sprechen gehört. Sie ächzt und stöhnt unter der Last, die sie zu tragen hat. Sie krümmt sich und jammert, dass ihr viel zuviel zugemutet wird. Und sie sagt, dass es in den nächsten hundert Jahren immer schlimmer werden wird. Aber sie sagt auch, dass sie einen Hoffnungsschimmer am Horizont sieht. Sie spricht von der Geburt einer Hexe – einer, die mehr Macht haben wird, als es je eine Hexe hatte.

Diese Hexe wird Ohren haben um wirklich zu hören, Augen um wahrlich zu sehen, und ein Herz um wirklich die Wahrheit zu spüren. Sie wird langsam lernen, die Natur zu verstehen. Sie wird sich einsetzen für all jene, die unterdrückt werden, sie wird helfen, wo sie nur helfen kann, sie wird wissen, was zu tun ist, um Mutter Erde erneut ein friedliches glückliches zufriedenes Leben zu bescheren. Doch zuvor, wird die Welt knapp vor dem Abgrund stehen. Sie wird viele Helfer zur Seite haben, die ihr einen Teil ihrer Bürde abnehmen werden – Helfer die sie unterstützen, die sie beraten, die sie als getreue Freundin in ihrem Kreise aufnehmen, sie wird sich ihrer Fähigkeiten durch ein Ereignis bewusst, wo sie nicht zum ersten Mal einem Menschen das Leben retten kann.

Und sie wird nicht wahrhaben wollen, was für eine Macht in ihren Händen liegt. Aber es werden Dinge geschehen, die sie langsam aber bestimmt, davon überzeugen werden. und eine aus diesem Kreis, wird ihr dabei helfen.“

Das waren Kassandras Worte. Es begann ein Geraune ringsumher – wann würde dies Hexe kommen, wer würde sie sein, wer von uns würde ihr begegnen ..... ???
Nun, bevor Kassandra uns ein Jahr danach verließ, gab sie mir einige Schriftrollen zur Aufbewahrung und sagte mir, ich solle sie öffnen, wenn ich dächte es sei die Zeit dafür gekommen. Nun eine der Rollen habe ich gestern geöffnet: und was da zu lesen stand scheint dich zu betreffen Hermine.“

Und dabei zog sie eine Pergamentrolle aus ihrem Umhang und reichte ihn Hermine. „Ich gebe sie dir weiter, lies sie wenn du bereit dafür bist.“
Hermine sah betreten auf das Papier und es machte den Anschein, als würde sie am liebstem im Erdboden versinken. „Sie müssen sich irren. Das kann nicht sein. Sie haben die falsche Hexe in Verdacht.“

Doch Mater Major legte ihr die Hände auf die Schultern und meinte: „Ich irre mich nicht. Lies und du wirst verstehen. Aber jetzt ist es Zeit für mich zu gehen. Aber ich komme wieder, und dann werde ich dir mehr erzählen.“
Und sie erhob sich etwas schwerfällig und wandte sich zum Gehen.
„Nein, bleiben sie doch bitte. Sie können doch jetzt nicht gehen.“ Hermines Flehen war fast weinerlich.
„Wir sehen uns ja wieder.“ und damit wandte sie sich endgültig ab und verließ den Gemeinschaftsraum.


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Ungelesener BeitragVerfasst: 6. Juni 2006 15:43 
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49. Auf der Krankenstation

Harry war ganz verwirrt. Und das sollte jetzt die ganze Erklärung gewesen sein?
Hermine war in Tränen ausgebrochen und Jim hatte sie tröstend in die Arme genommen. Die anderen sahen sich betreten an. So richtig ergiebig waren Mater Majors Ausführungen ja nicht gewesen. Andererseits natürlich ganz interessant. Harry hatte sich unter dem Stand der hohen Priesterinnen nicht so richtig was vorstellen können. Und diese Erklärung hatte ihnen die Alte ja gegeben.

Aber dass auf Hermines Schultern so eine schwere Last liegen sollte, das konnte Harry nicht so recht verstehen und eigentlich war das auch nichts, worum er sie beneidet hätte.

Ron brach das Schweigen: „Hermine, vielleicht solltest du das Pergament jetzt gleich lesen? Vielleicht findest du darin doch mehr Antworten.“

Doch Hermine schüttelte den Kopf und schniefte kräftig in ihr Taschentuch: „Nein, nicht jetzt. Ich fff bin ja noch immer der Meinung fff dass dieses Schreiben nicht für mich bestimmt ist. fff sie muss sich irren – beide müssen sich irren.“ Diesen Zusatz hatte sie angefügt, da in dem Augenblick Claire den Gemeinschaftsraum betrat. Sie war blass und schien überrascht zu sein, sie alle noch am Kamin anzutreffen.

„Was ist? Wie geht es Marcell?“ bestürmte sie Jules.
„Nicht allzu gut. Er ist schwer entkräftet. Und da er sich zur Wehr gesetzt hat, weist er schlimme Verletzungen auf. Rabastan hat nur dafür gesorgt, dass er gerade noch so am Leben blieb. Er hatte wohl nicht vor, diese Verkleidung allzu lange aufrecht zu erhalten. Mme Pomfrey umsorgt ihn und Severus hat sich bereit erklärt ihm einen Trank nach meiner Rezeptur zu mixen. Aber meine Kräfte reichen heute nicht mehr aus, um mehr für ihn zu tun. Ich werde jetzt versuchen zu schlafen und gleich morgen früh wieder in die Krankenstation sehen. Aber er scheint zumindest fürs erste außer Lebensgefahr. Wie geht es dir Hermine? Du siehst auch gar nicht gut aus.“ Und Claire eilte auf sie zu und legte ihren Arm um sie. „Komm Kleines, für heute ist es genug. Du musst jetzt versuchen zu schlafen. Ich kann dir was geben, damit du die Nacht durchschläfst und morgen werde ich versuchen dir bei zu stehen. Aber jetzt nicht mehr.“ und sie half Hermine hoch und gemeinsam mit Ginny geleitete sie Hermine hoch zu ihrem Schlafsaal.

Die Jungs blieben in bedrückter Stimmung zurück.
„Ich versteh das alles nicht.“ murmelte Jim, „Ich hätte doch was bemerken müssen. Seitdem wir mehr Kontakt zu Claire haben, beschäftige ich mich ja auch mit allerlei von diesem Hexenkram. Wieso ist es mir nicht aufgefallen, dass Hermine eine Hohe Priesterin ist? Ich hätte das doch wissen müssen.“
„Wieso eigentlich? Sie selbst wusste es ja auch noch nicht.“ wollte Harry wissen.

„Ach jetzt im Nachhinein kann ich dir das leicht sagen: Hermine hat nie weiße Sachen getragen. Weiß ist für die Hohen Priesterinnen die Farbe des Todes. Ich hab das selbst bei Claire gut beobachten können: die trägt wenn es sich vermeiden lässt nicht einmal weiße Unterwäsche. – he schau nicht so süffisant. Sie läuft bei ihr zuhause doch oft nur mit Slip und Leibchen bekleidet herum. Und ich war ja schon mal bei so einer Toten Gedenkfeier dabei. Da war sie ganz in weiß gekleidet und das sah so richtig schaurig aus. Diese Farbablehnung hätte mir auf jeden Fall bei Hermine auffallen müssen.“
„Das trifft auf mich doch auch zu, und mir ist ebenfalls nichts aufgefallen. Und ihr Engagement für die Hauselfen fällt ja wohl auch in diese Kategorie. Aber wir sollten jetzt wohl auch schlafen gehen. Es ist schon weit nach Mitternacht.“ antwortete Jules.

Harry schlief diese Nacht wieder besonders unruhig. In seinen Träumen wechselten die Personen ständig ihre Gesichter und Hermine saß auf einem großen weißen Pferd, eingehüllt in weiße Seide, gekrönt mit einem Kranz von Lilien und sprach zu ihm: „Harry, es ist Zeit. Dein Leben geht nun zu Ende. Lass los. Deine Eltern warten bereits auf dich.“

Harry erwachte frühmorgens schweißgebadet und zitterte noch unter der wärmenden Dusche am ganzen Körper. Was hatte das zu bedeuten? Hatte er seinen Tod vorausgesehen?

Er war wieder mal als erster im Gemeinschaftsraum, aber kurz nach ihm kam Claire die Stufen von ihrem Schlafsaal herab. Sie sah nicht wirklich ausgeruht aus und erschrak, als sie ihn erblickte.

„Oh Harry, du bist es. Ich hatte nicht erwartet hier schon jemand anzutreffen. Ich möchte noch vor dem Frühstück zur Krankenstation hoch. Aber wieso bist du schon auf?“

Und aus Harry sprudelten die Worte nur so heraus: seine seltsamen Träume und zuletzt seine Traumbegegnung mit Hermine.

Claire ließ ihn ausreden, trat dann auf ihn zu, umarmte ihn und sprach: „Beruhige dich mein Lieber. Das was gestern geschehen ist, und was du von Mater Major erfahren hast, war doch ein wenig viel. Aber keine Angst: ich weiß aus Erfahrung, dass Leute, die von der Befähigung von hohen Priesterinnen erfahren, oft solche Träume haben. Da bist du kein Einzelfall. Und bei keinem ist der Tod deswegen schon in der Tür gestanden. Dieser Traum spiegelt bloß die Ängste, die wohl ein jeder hat, wenn er mit dem Tod konfrontiert wird wieder. Und eins kannst du mir glauben: ich bin selbst Hohe Priesterin und würde es dir nicht verheimlichen, wenn es wirklich Zeit wäre für dich zu gehen. Natürlich betrifft das nur jene Situationen und Krankheiten, die bereits eingetreten sind und unabänderlich sind. Ich kann dir natürlich nicht garantieren, dass du dich nicht an deinem Frühstück verschluckst oder die Treppe runterpurzelst und dir dabei das Genick brichst. Aber das ist heute genauso wahrscheinlich wie an jedem anderen Tag auch. Also Kopf hoch. Manchmal müssen wir uns eben mit dem Tod beschäftigen um das Leben besser zu verstehen und es als Geschenk anzunehmen. Aber nun muss ich mich sputen.“

„Kann ich dich begleiten?“ fragte Harry, den Claires Worte Mut gemacht hatten.
„Ja, von mir aus. Aber es könnte natürlich sein, dass dich Madam Pomfrey hochkant wieder rauswirft. Aber versuchen wir es halt.“

Und nebeneinander schritten sie flott in Richtung des Krankenflügels.

Madam Pomfrey war gerade dabei Marcell eine dickliche graugrüne Tinktur einzuflössen. Marcell selbst sah schrecklich aus. Auf Bills Hochzeit, war er einer der best aussehensten Männer gewesen, aber jetzt war er leichenblass, sein Gesicht wies eine Unzahl von Schnittwunden auf und seine Haut sah richtig pergamentartig aus.

Harry hielt sich im Hintergrund, als Claire zu Marcells Krankenbett eilte und ihm ihre Hände auflegte. Harry war erneut verwundert um den goldenen Glanz, der ihren Händen entströmte. Aber selbst Madam Pomfrey hielt den Atem an und sah ihr schweigend bei der Heilarbeit zu. Sie hatte Harry gesehen und trat zu ihm: „Ich bin doch immer wieder erstaunt über die Fähigkeiten einer Heeling-Hands. Ich habe ja bereits ihre Mutter hier an der Schule erlebt, aber immer wieder aufs neue versetzt mich ihre Kraft ins Staunen. Ich bin mir sicher, dass ich Marcell nicht mehr hätte heilen können. Seine Verletzungen waren zu stark und seine Lebenskraft schon fast erloschen. Wenn sie nicht gewesen wäre, und Professor Snape, der mir vor zwei Stunden dieses Elexier gebracht hatte – ich glaube Marcell wäre nicht mehr am Leben.“ und sie ließ einen lauten Seufzer hören, und da sie Marcell in guten Händen zu wissen schien, wandte sie sich ihren anderen Patienten zu.

Harry trat vorsichtig näher an das Krankenbett heran. Claire hatte sich erschöpft auf einen Stuhl niedergelassen und kühlte ihre Hände in einer Schüssel mit Eiswasser.
„Du und deine Mutter, ihr habt meine Augen innerhalb von einigen Stunden wieder geheilt. Ist es bei Marcell denn schwieriger?“

„Ja, leider. Kleinere Wunden lassen sich sofort beheben. Aber schwere Verletzungen, noch dazu Fluchverletzungen brauchen ihre Zeit. Und ich muss zugleich Marcells Lebensgeister erst wieder wecken. Er war zu geschwächt. Und erst wenn er auch diese Kraft wieder besitzt können all seine Wunden geheilt werden. Nur leider geht das nicht auf einmal. Vor allem kostet es mich immens Kraft, so dass ich ihn nicht allzu lang auf einmal behandeln kann.“ Madam Pomfrey war wieder zu ihnen getreten: „Ich glaube ihr solltet jetzt einmal frühstücken gehen. Und komm wieder vorbei, wenn du neue Kräfte gesammelt hast. Oder bist du so schwach, dass du selbst hier bleiben möchtest?“
„Nein, es geht, außerdem kann ich auch Hermine nicht allein lassen.“

Beim Frühstück war sie recht schweigsam. Genauso wie Hermine, die außer ein schwach gemurmeltes „Guten morgen“ noch kein Wort gesagt hatte.
Bevor sie noch fertig waren kam McGonagall mit besorgtem Gesichtsausdruck zu ihrem Platz. „Wie geht es euch beiden? Wäre es nicht besser, ihr verbringt den Tag auf der Krankenstation?“

„Ja, das habe ich mir auch schon gedacht. Ich werde jetzt mit Hermine einen kleinen Spaziergang unternehmen, damit sie wieder etwas Farbe bekommt und dann gehen wir zu Madam Pomfrey hoch.“
Und Hermine, die doch stets darauf bedacht gewesen war, nur ja keine Unterrichtstunde zu versäumen nickte nur wortlos.
Die beiden Mädchen erhoben sich gleichzeitig und gingen hinaus, und Harry und seine Freunde sahen sie erst beim Abendessen wieder.


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Ungelesener BeitragVerfasst: 11. Juni 2006 20:29 
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11. Sichtwechsel

„Hermine, es tut mir so leid, dass du das auf so eine harte Tour erfahren musstest. Aber so wie du dreinschaust, sind deine Fragen noch nicht alle beantwortet. Tja, wenn man Mater Major nicht kennt ist es schwierig sie zu verstehen. Das ist mir am Anfang auch so gegangen. In ihrem Bemühen alles so genau wie möglich zu erklären, kann es ewig dauern, bis du weißt was Sache ist. Aber du wirst später bemerken, dass es für das große Ganze wichtig ist, alle Details zu wissen. Aber vielleicht kann ich dir ja ein wenig helfen?“ Claire sah mich auffordernd an, und ich fasste mir endlich ein Herz.

„Ach Claire, ich bin nur noch zerstreuter seit Mater Majors Worten. Wenn ich dem folge, was sie gesagt hat, dann wäre ich eine ganz besondere Hexe, eine Auserwählte. Aber das bin ich nicht! Meine Eltern sind Muggel und das, was ich hier in Hogwarts erreicht habe, ist nur meinem Eifer und Wissensdurst zuzuschreiben. Ich wollte immer das Manko, das es mit sich bringt unter Muggel aufzuwachsen auf diese Art ausgleichen.“

„So, gleich mal Stopp meine Liebe! Es ist keineswegs ein Manko muggelgebürtig zu sein. Es ist vielmehr eine große Gnade, sich in beiden Welten zurechtzufinden. Wie oft stoßen diese Welten aufeinander und wie oft sind es die fähigsten Hexen und Zauberer, die sich in der Muggelwelt nicht zurechtfinden. Es ist wichtig beide Seiten zu kennen. Nicht umsonst wird hier in Hogwarts Muggelkunde gelehrt. Dumbledore hätte ja beinah auf Wahrsagen verzichtet – wenn du mich fragst wäre das ja kein Schaden gewesen – aber auf Muggelkunde legt auch er Wert.

Du bist 11 Jahre in ihrer Welt aufgewachsen und hast von klein auf gelernt in ihr zu leben. Und du kehrst in den Ferien für kurze Zeit dorthin zurück. Du behältst dir den Blick für all das Nichtmagische, das doch auch genauso wichtig ist wie unsere Magie. Die Muggel haben seit Anbeginn danach getrachtet ihren Horizont – geistig wie körperlich – zu erweitern. Sie haben Schiffe gebaut, um andere Länder zu entdecken, Raumschiffe um zum Mond zu gelangen und noch weiter hinaus. Sie haben geforscht und durch viele ihrer Entdeckungen Möglichkeiten erreicht, wie sie uns Hexen und Zauberern schon seit jeher zur Verfügung stehen. Wobei das natürlich auch nicht so ganz richtig ist: auch in unserer Welt gibt es immer wieder Fortschritte, neue Erkenntnisse, neue Zauber, neue Zaubertränke, neue Möglichkeiten.
Und es sind Hexen wie du, die sich nicht mit dem Althergebrachten zufrieden geben, sondern immer auf der Suche nach Neuem sind.

Dein Hineingeborensein in die Welt der Muggel ist sogar eine ganz wichtige Eigenschaft, die dich auszeichnet: du bist so strebsam, alles wissenswerte aus der Welt der Magie in dich hineinzusaugen, weil du glaubst reinblütige Hexen und Zauberer wüssten alles über diese Welt. Aber da irrst du dich gewaltig. Gerade diejenigen, die so stolz auf ihre Abstammung sind, kümmern sich recht wenig um Dinge, die sie nicht direkt betreffen. Sie nehmen vieles als selbstverständlich hin und hinterfragen kaum. Du bist da anders, und das ist sehr wichtig.“

Wenn sich Claire mal in Fahrt geredet hatte, war sie kaum zu stoppen. Aber ihre Worte taten gut. Wie lang schon, hatte ich mit meinem vermeintlichen Schicksal gehadert, war neidisch auf die Hexen und Zauberer, die von Kind an mit Magie umzugehen gelernt hatten. Ja, Harry war zwar der Sohn von Hexe und Zauberer, aber auch er war in der Welt der Muggel groß geworden. Aber Ron, mit seinen vielen Geschwistern, lebt ein Leben wie ich es mir oft gewünscht habe. Und auch Jim, der mir ja sehr am Herzen liegt, ist in dieser magischen Welt aufgewachsen. Und er scheint soviel zu wissen, dass ich in ständig danach ausfrage, aber ihm ist wohl gar nicht so sehr bewusst, welches unschätzbare Wissen er da in sich trägt.

„Du siehst es also als einen Vorteil an, dass ich Muggel als Eltern habe?“ fragte ich dennoch zweifeln.

„Ja das tue ich. Ich selbst habe durch meine Mutter gelernt, wie wichtig es ist, sich nicht von der Muggelwelt abzukapseln. Ja, wir müssen darauf achten, dass sie nicht hinter unsere Geheimnisse kommen. Aber auch wir können von ihnen lernen, und was uns alle verbindet ist, dass wir Menschen sind. Die Magie ist nur eine Draufgabe.

Und du siehst ja, wie viel Böses dadurch auch existieren kann. Ein Zauberer wie Riddle es ist, kann durch Ausübung schwarzer Magie soviel Unheil anrichten. Ich will gar nicht sagen, dass die Muggel um so viel besser sind. Auch unter ihnen gibt es Menschen, die nur nach Macht streben, die Kriege anfangen, Unschuldige in den Tod schicken, die Welt ausrauben, bis sich die Erde zur Wehr setzen wird.

Und jetzt bin ich auch schon auf dem Punkt angelangt, wo du ins Spiel kommst: Mutter Erde war so lange Zeit geduldig, aber wenn du an den Ausbruch des Vesuvs vor einiger Zeit denkst, an die unzähligen Naturkatastrophen, die doch scheinbar immer häufiger auftreten: die Geduld der Erde scheint erschöpft. Sie hat viel zulange zugesehen. Sie hat sich ihrer Schätze berauben lassen, und gehofft, die Menschheit würde endlich einmal zum Nachdenken anfangen. Aber es scheint nicht so zu sein.

Sie denken erst nach, wenn es keinen Ausweg mehr gibt, und dann mag es längst zu spät sein. Mutter Erde zählt auf dich. Und was noch wichtiger ist: wenn du gelernt hast ihr zuzuhören, wird sie auch dir zuhören. Schau nicht so skeptisch. Ich kenn diese Geschichte von der einen Hexe, die die Schwester der Erde genannt wird seit einigen Jahren. In Mater Majors Gegenwart ist auch kaum anderes möglich. Ich war bei Treffen von Hexen dabei, wo mir der Mund offen stand und ich meine Ohren spitzte um ja kein Wort zu überhören.

Es gibt abseits dieser magischen Welt, die du bisher kennen gelernt hast noch eine geheime Welt der Hexen. Die wenigsten wissen darüber, aber es steckt uraltes Wissen in diesen Frauen. Es sind diejenigen unter uns, die wirklich hören und mit offenen Augen durch die Welt ziehen. Viele von ihnen haben weite Reisen hinter sich, haben versucht ihr Wissen mit dem Wissen anderer zu teilen und so zu vermehren. Vieles gilt heutzutage als schick und modern und das Althergebrachte wird abgelehnt.

Aber diese Hexen sind nicht gegen den Fortschritt – so es wirklich einer ist – sondern erhalten dazu parallel das alte Wissen am Leben. Nimm nur Mater Major her: sie stammt aus einer Familie, die versessen auf den Gedanken an die Erhaltung des reinen Blutes war. Sie ging in Durmstrang zur Schule, und wenn sie nicht so stark gewesen wäre, wäre sie wohl irgendwann gebrochen und hätte sich ihren Eltern gefügt. Aber sie war stark und hat sich auf die Suche gemacht. Und auf ihrem Weg hat sie soviel erfahren, soviel Wissen gesammelt, und sie trachtet, dieses Wissen weiterzugeben.

Sie hat sich geweigert dieses Wissen niederzuschreiben, aber ich habe ihr so lange zugeredet, bis sie mir erlaubt hat, das was sie mir erzählt hat aufzuschreiben. Aber das ist bis jetzt nur ein ganz kleiner Teil, dessen was sie alles weiß. Und ich hüte diese Aufzeichnungen als meinen größten Schatz. Ich weiß nicht, wie lange ich leben werde, aber ich habe Vorkehrungen getroffen, dass diese Bücher bei meinem Tod in die richtigen Hände gelangen werden.“

Ich war stehen geblieben und starrte sie erschrocken an: Claire sprach so selbstverständlich über ihren Tod, dass ich es nicht fassen konnte.
„Was meinst du damit? Wieso denkst du bereits an deinen Tod?“

„Ach Hermine. Ich bin dem Tod schon mal von der Schaufel gehüpft, und damals war es sehr knapp. Ich weiß nicht, was die Zukunft bringt. Aber ich möchte nicht unvorbereitet sein. Und ich gehöre wohl auch zu den eher risikobereiten Menschen, die sich zuweilen in Gefahr begeben. Das kann man dir, Ron und Harry ja wohl auch nachsagen. Und mir ist bewusst, dass es nicht das Wichtigste ist, am Leben zu bleiben, es gibt Dinge für die es sich zu sterben lohnt. Vor allem wenn damit Schrecklicheres verhindert werden kann. Ich habe auch schon ein paar Menschen beim Sterben begleitet. Es verliert mit der Zeit seinen Schrecken – für diejenigen, die zurückbleiben ist es zumeist weitaus schlimmer, als für die Hinscheidenden. Auch wenn jeder am Leben hängt. Und ich natürlich genauso. Aber wenn es denn sein müsste, hätte ich keine Scheu es hinzunehmen.“

Mir schwirrten die Gedanken durch den Kopf. Sie war sogar 10 Monate jünger als ich und sprach vom Tod, als wäre es bloß das nächste Abenteuer.
Wir waren die ganze Zeit am Seeufer entlange gegangen, aber nun fröstelte mich.
„Lass uns hineingehen.“ schlug Claire vor. „Du brauchst jetzt Ruhe, und reden können wir drinnen auch.“

Sie hakte sich bei mir unter und zog mich zurück Richtung Schloss. Ja ich war erschöpft, aber der Spaziergang hatte mir gut getan. Mein Kopf schien frisch durchlüftet und ich konnte wieder klarer denken.

„Aber ich weiß doch gar nicht, wie ich mit der Erde Kontakt aufnehmen könnte.“

„Ach Hermine, dafür ist es auch noch viel zu früh. Wenn ich nicht etwas nachgeholfen hätte, weil es die Situation erfordert hat, wüsstest du noch gar nichts davon. Keine Angst, wenn es soweit ist, wirst du wissen, was zu tun ist. Und du wirst Menschen um dich haben, die dir dabei helfen. Wir lassen dich dabei noch nicht allein.“

Wir hatten das Schlossportal erreicht und gingen hoch zum Krankenflügel. Ich wäre viel lieber auf unser Zimmer gegangen, aber Claire bestand darauf. Sie wollte nach Marcell sehen, und meinte ich solle mich von Madam Pomfrey ein wenig betreuen lassen. Das würde die Schulschwester zufrieden stellen und auch mir gut tun.

Vor der Tür zum Krankenzimmer jedoch blieb Claire einen Augenblick stehen: sie schien zu zögern und machte einen sehr verletzlichen, unsicheren Eindruck.
„Was ist mit dir?“ fragte ich.
„Ach – es ist nur: ich hatte nie vor Marcell wiederzusehen, schon gar nicht unter diesen Umständen.“
Aber sie gab sich einen Ruck und öffnete die Tür.

Madam Pomfrey stand etwas abseits der Krankenbetten und unterhielt sich mit Professor Snape. Ich war zuerst erstaunt, aber dann fiel mir ein, dass Snape ja den Trank für Marcell gebraut hatte. Jetzt drehte er sich um und ging zur Tür, hielt aber bei uns an: „Du hast da eine recht eigenwillige Trankkomposition aufgeschrieben. Es erschien mir fast – nun wie soll ich sagen – fast ein wenig kompliziert.“ und dabei sah er Claire herausfordernd an.

„Tja, wenn es irgendwie möglich ist versuche ich nur pflanzliche und mineralische Ingredienzien zu verwenden. Nur wenn es gar nicht anders geht, greife ich auf tierische Inhaltsstoffe zurück.“
„Ja, das erklärt einiges. Aber du scheinst unseren Patienten recht gut zu kennen. Das verrät der Trank ebenfalls.“
„Na ja, wir waren ein paar Jahre an der gleichen Schule.“ gab Claire ausweichend zur Antwort. So richtig schien Snape diese Aussage zwar nicht zufrieden zu stellen, aber er beließ es dabei und ging hinaus. Madam Pomfrey war auch bereits zu uns geeilt.

„So meine Lieben. Ich hab euch eure Betten bereits gerichtet. Was ihr jetzt vorrangig braucht ist ein wenig Schlaf.“
„Wie geht es Marcell?“ fiel ihr Claire ins Wort.
„Er ist noch nicht aufgewacht. Aber ich nehme an, du willst dich wohl selbst davon überzeugen.“

Sie ließ Claire an Marcells Bett treten, aber mich bugsierte sie zu einem der anderen Betten. Ich wollte mich auch gar nicht zur Wehr setzen, fühlte ich mich doch wirklich müde, da ich die vergangen Nacht fast nichts geschlafen hatte. Ich legte mich hin und Madam Pomfrey brachte mir einen Trank, damit ich schneller einschlafen sollte. Aber ich wollte ihn noch nicht nehmen, zu sehr interessierte mich, was an Marcells Bett vor sich ging.

Claire war an das Kopfende getreten und hielte ihre Hände in einigem Abstand über seinen Kopf. Und langsam bewegte sie sich an seinem Körper entlang, ganz ohne ihn zu berühren bis sie an das Fußende angelangt war. Zuletzt umfasste sie noch sein Füße und in dem Moment schlug er die Augen auf.

Claire zuckte erschrocken zusammen. Sie hatte wohl nicht damit gerechnet. Aber er sah sie sofort und murmelte ganz schwach ihren Namen.
So konnte sie nicht anders: sie trat wieder an seine Seite und sprach leise auf ihn ein. Ich ärgerte mich, dass mein Bett so weit von seinem entfernt stand. Aber als ich mich sehr auf ihre leisen Stimmen konzentrierte bemerkte ich, dass sie sowieso französisch miteinander sprachen. Marcell hatte nach Claires Hand gegriffen und schien sie nicht mehr loslassen zu wollen. Schließlich setzte sie sich auf den Bettrand zu ihm. Bis Madam Pomfrey einschritt und meinte er dürfe sich nicht überanstrengen. Claire strich ihm noch einmal behutsam mit der Hand über die Wange und kam dann zu mir und legte sich in das Bett an meiner Seite.

Erst jetzt sah ich, dass ihre Augen tränennass glänzten.
„Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Ich kann das nicht. Ich hab vor Jahren den einfacheren Weg gewählt – davonzulaufen nämlich. Das fällt mir jetzt wohl auf den Kopf.“
„Du empfindest noch zuviel für ihn?“ fragte ich behutsam nach.
„Viel zuviel. Ich hab versucht ihn zu vergessen, habe mir selbst eingeredet, dass das mit uns nie gut gehen würde, aber ich war wohl nicht ganz ehrlich zu mir. Jetzt darf ich wohl die Konsequenzen tragen.“

Aber schon wieder war Madam Pomfrey bei unseren Betten. „So meine Lieben: quatschen könnt ihr später auch noch. Jetzt wird geschlafen.“
Und sie zwang uns den Trank zu nehmen und so sehr ich mich auch bemühte die Augen offen zu lassen, fiel ich alsbald in tiefen Schlaf.


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Ungelesener BeitragVerfasst: 20. Juni 2006 18:34 
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50. Neville, Marcel und andere Mitschüler

Zum Abendessen waren Hermine und Claire wieder dabei. Aber sie sagten, sie würden die Nacht noch auf der Krankenstation verbringen. Sie hatten nur Reißaus genommen, weil das Krankenzimmer so voll belagert war.

Marcels Vater, der französische Zaubereiminister und seine Frau waren angereist um sich über den Gesundheitszustand ihres Sohnes zu erkundigen.
„Mrs. Achemiste war ganz schön bleich. Ständig ist sie Mme Pomfrey in den Ohren gelegen, ihren Sohn doch wohl besser in die Pariser Heilanstalt Saint Fabrice für magische Krankheiten und Verletzungen zu bringen. Aber Marcel selbst hat das abgelehnt.“ erzählte Hermine. „Er hat beteuert, dass es ihm schon viel besser ginge, und er nur noch kurze Zeit Erholung bedürfte. Dann könne er endlich seinen Dienst hier in Hogwarts antreten. Sein Vater hat lautstark betont, dass er ja schon von Anbeginn an dagegen war, dass Marcel hierher kam, aber dieser hat ihn nur höchst böse angefaucht, dass das nun wirklich seine Sache sei. Er solle sich doch besser um sein Amt kümmern, als um ihn seinen Sohn, so wie er es sonst auch immer getan hat.“
„Das klingt ganz so, als ob Marcels Vater sich nicht sonderlich um seinen Sohn gekümmert hätte.“ sagte Ginny.
„Tja, der werte Herr Zaubereiminister war doch auch immer soooo beschäftigt. Er ist Fudge nicht ganz unähnlich, wenn er auch ein fähigerer Zauberer sein mag als dieser.“ mischte sich Jim ein.

„Ich vergesse immer, dass ihr an der gleichen Schule wart.“ murmelte Ron zwischen zwei Bissen. „Und dass ihr eure Mitschüler viel besser zu kennen scheint, als wir hier. Ja in unseren eigenen Häusern kommen wir uns schon etwas näher. Aber vor allem bei den Schülern der anderen Häuser hab ich so gar keine Ahnung, woher sie stammen und wie sie leben.“

Harry hatte ihm aufmerksam zugehört. Wenn er so zurückdachte, dass sie zu Beginn nicht mal wussten, dass Neville, der doch ein Zimmer mit ihnen teilte, seine Eltern in St. Mungos hatte, bekam er so ein beklommenes Gefühl. Ja, es schien so, dass sie in Beauxbatons mehr Zusammenhalt zeigten. Oder waren die drei nur eine Ausnahme?

Jim antwortete Ron: „Ach weißt du: über alle meine ehemaligen Mitschüler weiß ich natürlich auch nicht alles. Aber bei den meisten kann ich schon sagen, welchen Beruf die Eltern ausüben, oder weiß ihre wichtigsten Interessen. Aber ich glaube, das hat auch sehr viel mit der Lage Beauxbatons zu tun.“

„He, was soll denn die Lage der Schule mit deinem Wissen über deine Mitschüler zu tun haben?“ fragte Harry erstaunt.
„Na ja, unsere Schule liegt direkt am Meer, und solange es das Wetter zulässt, verbringen wir viel Zeit am Strand und im Wasser. Und wenn du so faul in der Sonne im Sand liegst dann kommst du viel eher in ein Gespräch mit den neben dir liegenden, als im normalen Schulbetrieb. Und quatscht eben auch mit vielen Leuten, nicht nur mit deinen engen Freunden.“

„Eure Schule würde ich zu gern einmal sehen.“ sagte Ginny begeistert. „Schade, dass sich das wohl nie erfüllen wird.“
„Aber wieso denn?“ erkundigte sich Jules, „So geheim hält Madam Maxime unsere Schule nun auch wieder nicht. Vielleicht ergibt sich ja die Gelegenheit, dass du mal mitkommen kannst.“

Nach dem Abendessen erkundigte sich Hermine noch nach dem, was sie tagsüber gelernt hatten und dann machte sie sich mit Claire wieder auf den Weg zu Madam Pomfrey. Mr und Mrs. Alchemiste waren nämlich in der großen Halle erschienen und wurden von Prof. Dumbledore zum Essen eingeladen.

Luna hatte diesen Abend keine Zeit für Harry und so kam er wenigstens mal dazu seine aufgeschobenen Hausarbeiten zu erledigen.

Am nächsten Tag nahmen die beiden Mädchen wieder normal am Unterricht teil, und Marcel wurde nach einer Woche aus der Krankenstation entlassen. Und jetzt stellte sich auch heraus, dass Harry nicht so falsch gelegen war, mit seiner Verwunderung über das Verhalten des „falschen Marcels“. Der richtige plauderte angeregt mit den Zwillingen wann immer sich ihre Wege kreuzten, nur Claire ging ihm so gut wie möglich aus dem Weg.
Aber sie schaffte es nicht immer. Dann bemühte sie sich um ein paar belanglose Worte, aber Marcel ließ das nicht gelten.
„Hast du mal ein wenig Zeit? Gehst du ein Stück mit mir spazieren?“ fragte er sie denn auch.
Und es schien ihr keine passenden Ausrede einzufallen, so dass sie zögernd zustimmte.

Harry und Luna sahen den beiden nach. „Ich würde jetzt gern so wie Rita Kimmkorn die Gestalt eines Käfers annehmen und ihnen lauschen.“ meinte Harry.
„Ach komm. Es ist besser so, wenn du es nicht tust. Ich glaube Claire wäre verärgert, wenn sie dir dahinter käme.“ meinte Luna ernst.
„Ach ich hab das doch nicht so gemeint.“ warf Harry rasch ein. „Aber das Verhältnis der beiden scheint doch ziemlich angespannt zu sein. Und man sah Claire an, dass sie sich liebend gern gedrückt hätte.“
„Ja das stimmt allerdings. Aber anderen predigt sie auch ständig, man solle Unangenehmes am besten gleich erledigen und nicht ewig aufschieben.“ seufzte Luna, „Sie hat wohl Angst, dass er nachfragt, nach den wahren Gründen ihrer Trennung. Und ich glaube nicht, dass er sie wirklich verstehen wird. Ich hab das auch nicht getan. Sie hat mit ihm Schluss gemacht, weil sie sich sicher war, dass er sowieso bald mit ihr Schluss gemacht hätte. Und das nur, weil sie glaubt seine Liebe nicht wert zu sein. Ein komisches Mädel aber auch.“

Ja, da konnte Harry ihr nur zustimmen. Ron hatte sich von Claire anhören dürfen, dass er ein wenig mehr Selbstvertrauen brauche. Aber sie selbst war in der Hinsicht um keinen Deut besser. Sie war doch ein wunderbarer Mensch, nur sah sie an sich selbst zumeist nur das ihrer Meinung nach negative.

Schön langsam wurden die Tage wieder länger und es gab kaum mehr Schnee auf dem Hogwartsgelände. Das Quidditchmatch gegen Ravenclaw Anfang Februar hatten sie mit großem Vorsprung gewonnen.
Doch im Tagespropheten gab es wieder vermehrt Unglücksnachrichten, es schien als hätte der Winter die Angriffe der Todesser deutlich verringert.

Aber eines Tages bekam Neville die Nachricht, dass seine Großmutter schwer verwundet in St. Mungos eingeliefert worden war. McGonagall begleitete ihn nach London und als er einige Tage später zurückkam war er so traurig und niedergeschlagen wie nie zuvor.
„Wie geht es deiner Großmutter?“ fragte Hermine auch sogleich herzlich besorgt.
„Ach, die Heiler in St. Mungos können noch nicht recht viel sagen. Sie wurde scheinbar von einigen Flüchen getroffen, überleben wird sie wohl schon, aber ob sie je wieder auf die Beine kommt – und ob sie mich je wieder erkennen wird ... ?“ Nevilles Worte waren immer leiser geworden.

Hermine legte einfach ihre Arme um ihn und versuchte ihm Trost zuzusprechen. Aber sie erreichte damit nur, dass er kläglich zu heulen anfing und sich eine Entschuldigung stammelnd in den Jungenschlafsaal zurückzog.
Der Arme. Wo er doch schon seine Eltern in St. Mungos hatte. Nun auch noch seine Großmutter zu verlieren, die er zwar stets gefürchtet hatte, aber die doch immer für ihn da gewesen war.

Claire schien sich unsicher zu sein, ob sie eingreifen sollte, fasste sich dann aber ein Herz und folgte ihm einfach aufs Zimmer. Erst nach einer Stunde kam sie wieder zurück und meinte Neville hätte sich jetzt hingelegt. „Er kann nun hoffentlich schlafen und ich werde mal sehen, ob wir nicht was für seine Großmutter tun können.“
Und sie setzte sich, nahm ein Stück Papier zur Hand und schreib ein paar Zeilen darauf. Dann öffnete sie das Fenster stieß einen merkwürdig krächzenden Laut aus und kurz darauf erschien ihr schwarzer Rabe am Fensterbrett. „So meine Liebe. Den Brief bringst du mal flott zu Muttern.“

Ihre sowieso schon spärliche Freizeit wurde zunehmend noch weniger. Sie bekamen so einen Haufen Hausarbeiten zu erledigen, dass es schon schwierig war, das Quidditchtraining immer durchzuführen. Und Harrys Zeit mit Luna wurde auch immer weniger.

Als Harry Hermine dann Mitte Februar fragte, ob sie die Pergamentrolle schon geöffnet hatte, antwortete sie: „Ich hab sie gleich nachdem sie Mater Major mir gegeben hat ganz tief in meinen Koffer vergraben. Ich hatte bisher nicht den Mut dazu es zu lesen.“
Aber sie war den restlichen Abend sehr ruhig, und als sie sich gemeinsam mit Claire, die mal wieder etwas später von draußen reingekommen war, auf ihr Zimmer zurückzog, hatte Harry den Verdacht, sie würde sich doch endlich ein Herz nehmen und lesen.

12. Sichtwechsel

Hier sitze ich nun auf meinem Bett und weiß nicht so recht, ob ich diese Rolle jetzt öffnen soll.
„Claire, hilf mir. Soll ich das jetzt lesen?“
„Wenn du bereit dafür bist. Mater Major hat sie dir gegeben und ich denke, sie weiß was sie tut.“
„Dann setz dich aber zu mir und lies mit mir gemeinsam. Allein trau ich mich nicht.“
„Wenn du meinst. Ich bin ja selbst schon immens neugierig.“
Und Claire setzte sich neben mich und ich brach das Siegel, das Mater Major wieder erneuert hatte auf und begann zögerlich zu lesen:

Mutter Erde hat mit mir gesprochen. Ihre Worte waren so deutlich wie nie zuvor. Sie erträgt ihre Last noch mit Geduld. Doch diese Geduld wird bald erschöpft sein. Anastasia, ich gab dir diese Aufzeichnungen weil ich weiß, du wirst sie dereinst in die richtigen Hände legen. Du wirst keinen Zweifel daran haben, dass du sie der richtigen Hexe weitergibst, denn die Zeichen werden ganz klar und eindeutig auf sie weisen.

Nun denn, meine treue Freundin, auf dein Einfühlungsvermögen vertrauend nehmen ich an, dass du bereits weißt von wem ich sprach.

Ja, dich meine ich liebste junge Hexe, die du die Jahre deiner Kindheit unwissend in Muggelkreisen gelebt hast. Die du dich in den letzten Jahren als wissbegierige junge Hexe gezeigt hast und dein Herz am rechten Fleck trägst.

Woher ich das weiß? Ich habe nun einmal in meinen vielen Lebensjahren gelernt, auf alles zu achten, was mir die Natur an Geheimnissen preisgibt. Und Mutter Erde war es, die mir viel über dich vorhergesagt hat. Ich bin eigentlich nur eine Vermittlerin zwischen ihr und dir. Sie bezeichnet dich liebevoll als ihre Schwester, und sie wird dich bei Zeiten lehren sie zu verstehen. Und dann wird sie dir auch zuhören.

Glaub mir, ich weiß wie dich diese Gedanken erschrecken müssen. Aber keine Angst: du bist nicht allein. Du wirst erfahren, dass du wahrlich treue Freunde auf deiner Seite hast, die zu dir stehen und dir helfen werden, soweit es in ihrer Macht steht.

Wenn du diese Worte liest, wirst du noch viel Zeit zur Verfügung haben. Du wirst dich langsam an die Tatsache gewöhnen können, dass du eine ganz besondere Hexe bist. Jetzt glaub mir doch, und sag nicht es sei alles nur ein Irrtum. Nein, ich weiß, dass du es bist.
Vielleicht wirst du im Laufe deines Lebens mal auf meinen Namen, Kassandra Blue stoßen, und es wird dir bewusst, dass ich mich wirklich nur offenbart habe, wenn ich mir einer Sache ganz sicher war.

Was du nun tun sollst?
Na weiterleben wie bisher. Du wirst ganz von selbst aufmerksam werden, auf die vielen kleinen Geheimnisse in der Natur, du wirst die Sprache der Sterne verstehen lernen und das Raunen des Windes.

Aber noch hast du Zeit. Lebe dein Leben, wie du es bisher getan.
Doch wenn du das Gefühl hast, es wäre an der Zeit mehr zu erfahren, dann wende dich vertrauensvoll an Anastasia, sie wird dir im Laufe der Zeit die restlichen Schriftstücke übergeben.

Nun denn, soviel dazu – ich segne dich meine Liebe und umarme dich,

deine Kassandra

Ich hatte langsam und beinah ehrfürchtig gelesen. Ja, sie schien auch gewusst zu haben, dass ich muggelstämmig bin. Aber wie konnte sie das wissen? Ich war noch ganz verwirrt. Aber doch schienen mir ihre geschriebenen Worte, den endgültigen Beweis zu liefern, dass Mater Major sich nicht geirrt hatte. Ich würde es wohl hinnehmen müssen, dass mir eine Aufgabe bevorstand, deren Umfang und Größe ich noch gar nicht ermessen konnte.

Claire hatte kurz ihre Arme um mich gelegt und war dann in ihr eigenes Bett gegangen. Eigentlich wollte ich sie ja fragen, mit wem sie sich zur Zeit ständig abends traf, ich hatte ja Marcel in Verdacht, aber im Moment wollte ich die Worte, der mir unbekannten Hexe nachwirken lassen. Ich verzichtete sogar aufs Zähneputzen und kuschelte mich in mein Bett, doch lag ich noch lange wach.


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