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Ungelesener BeitragVerfasst: 5. Dezember 2009 03:22 
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„Harry?“ Unverständnis konnte er in Hermines Stimme ausmachen. „Du willst heute den ganzen Tag im Bett bleiben?“ Ein Grunzen seinerseits sollte Antwort genug sein. „Fein!“ Jetzt klang sie beleidigt. „Glaub ja nicht, dass ich dir ein Kürbistörtchen mitbringen werde.“

Schritte, eine Tür. Sie war gegangen. Erleichtert drehte sich Harry im kuscheligen Bett um. Nochmals knarrte die Tür. Harry blinzelte verschlafen und sah Ron. „Keine Lust auf Halloween, häh? Ich kann es dir nicht verübeln.“ Sein Freund seufzte. „Ich bringe dir ein paar von den Kürbistörtchen mit, die du so magst. Versprochen!“

Grinsend richtete sich Harry im Bett auf. „Danke, Ron. Hab ich dir schon mal gesagt, dass ihr beide euch ganz wunderbar ergänzt?“

„Wer?“

„Hermine und du!“

Ron lächelte schüchtern. „Kommst du jetzt nicht mal zum Mittag runter?“

„Ich bleibe hier. Dobby lässt mich schon nicht verhungern.“

„Dann wünsche ich viel Spaß beim Rumhängen.“


Den hatte Harry bis zum Abend. Rons Buch über berühmte Quidditchspieler hatte er endlich ausgelesen. Obwohl er seine Zeit genießen wollte, machten ihm Erinnerungen zu schaffen. Vor drei Monaten waren Dudley und er von Dementoren angegriffen worden. Widerliche Kreaturen, denen eine eisige Kälte vorausging. Passend zu seinen trüben Gedanken schlug das launische Oktoberwetter blitzschnell um. Regen peitschte an die beschlagenen Scheiben. Überall pfiff der Wind durch unsichtbare Ritzen. Harry ließ seinen Blick im vertrauten Saal schweifen.


Es quakte leise. Trevor saß gemütlich auf Nevilles Bett und träumte von Prinzessinnen, die er mit einem Kuss in liebliche Unken verwandeln wollte. Der plötzliche Temperaturwechsel ließ sämtliches Holz im Raum knarren, selbst Harrys Bett seufzte wie ein betagter Mann. Von irgendwoher kam ein Windhauch. Der Vorhang an Harrys Bett schaukelte sanft hin und her. Ein kaum wahrnehmbares Zischen entwich dem kleinen Ofen in der Mitte des Raumes. Dafür, dass niemand außer ihm anwesend war, passierte ganz schön viel, staunte Harry. Wenn im Wald ein Baum fiel und niemand da war, der es hören könnte, gab es dann trotzdem ein Geräusch?


„Unsichtbar müsste man sein“, murmelte er, bevor ihm einfiel, dass dieser Wunsch für ihn leicht zu erfüllen war. „Der Tarnumhang!“ Sofort zog Harry seinen Koffer unter dem Bett hervor und fischte den Unsichtbarkeitsmantel seines Vaters heraus. Mit einer Gummischlange, die er am ersten Samstag des Monats während des Hogsmeadewochenendes im Honigtopf gekauft hatte, machte er es sich auf dem Bett gemütlich – unter dem Tarnumhang. Er genoss das eigentümliche Gefühl, ein Teil des Zimmers zu sein.


Genüsslich lutschte und kaute er an der Süßigkeit herum, als etwas in seiner Nähe leise scharrte. Instinktiv stellte er jede Bewegung ein, hörte sogar für einen Moment auf zu atmen. Das Scharren wurde zu einem hohen Piepsen. Nur seine Augen bewegten sich, als er die Quelle des Geräusches ausmachen wollte. Wieder das Scharren, dann ein Trippeln. Krätze? Vorsichtshalber tastete Harry nach seinem Stab. An dem Pfosten von Nevilles Bett bemerkte er eine kleine Maus, die mit Leichtigkeit die Höhe erklomm, um sich auf dem Baldachin zur Ruhe zu begeben. Seine Beobachtung dürfte er Neville auf keinen Fall mitteilen. Sein Freund würde lieber freiwillig im Gemeinschaftsraum nächtigen, als das Bett mit einem Nager zu teilen.


Die nächste halbe Stunde lauschte Harry dem immer stärker werdenden Regen. Im Ofen zischte es manchmal laut, wenn das Baumharz austrat und verbrannte. Es roch angenehm nach Fichte. Einen riesigen Schreck bekam Harry, als aus dem Nichts eine leuchtende Gestalt auftauchte. Zum Glück hatte er sich so unter Kontrolle, dass er keinen Laut von sich gab. Es war Peeves, der Poltergeist. Harry war gespannt darauf, was der hier im Jungenschlafsaal verloren hatte. Peeves blickte sich um und kicherte dabei hämisch, weil er etwas im Schilde führte. Der Geist öffnete Rons Nachttischschublade und nahm etwas heraus – ein paar Süßigkeiten. Die ließ Peeves in Seamus' Schultasche verschwinden. Das Gleiche mit Nevilles Zaubertränke-Hausaufgaben, die in Rons Nachttisch wanderten. Das war also der Grund, warum Dinge manchmal auf unerklärliche Weise verschwanden! Als sich Peeves seinem Koffer näherte, nahm Harry all seinen Mut zusammen und machte mit verstellter, tiefer Stimme lang gezogen: „Buuhuuu!“ Peeves erstarrte zur Salzsäule, bevor er abrupt im Boden versank. Ein kindisches Giggeln konnte sich Harry nicht verkneifen. Es hatte sich bereits gelohnt, dem in der großen Halle zelebrierten Halloween-Fest fernzubleiben. Keine Aufregung – nur Spaß.


Ein wenig später erschien Dobby. Er beäugte das Bett, auf dem Harry mucksmäuschenstill verweilte und fragte: „Harry Potter, Sir, ist es zu kalt? Dobby kann doch heizen!“ Ungefragt stopfte der Elf zwei Holzscheite in den kleinen Ofen. „Ist es so besser?“

Die sichere Anrede des Elfs hatte ihn überrascht. „Sag mal, kannst du mich etwa sehen?“

„Dobby kann Harry Potter sehen. Dick eingemummelt in einen warmen Umhang.“ Die Magie der Elfen war wahrlich eine völlig andere. „Dobby hat leckere Dinge aus der Küche gebracht.“ Einen Fingerschnipp später stand ein Tablett auf Harrys Nachttisch. „Wünscht Harry Potter noch etwas?“

„Nein, Dobby. Vielen Dank für das Essen.“ Er verschaffte sich einen Überblick. „Gab es keine Kürbistörtchen mehr?“

„Miss Granger sagte, Harry Potter mag keine Kürbistörtchen.“

„Hat sie das gesagt, ja?“, murmelte er zu sich selbst. „Danke, Dobby.“

„Dobby hilft doch gern.“

„Ach Dobby, da ist doch eine Sache“, Harry deutete mit einem Nicken zu Nevilles Bett hinüber. „Da oben ist eine Maus. Kannst du sie wegmachen?“

„Sicher, Sir. Soll Dobby auch gleich die unter Ihrem Bett mitnehmen?“

Harry schluckte. „Ja, bitte.“


Dobbys Dienste als Kammerjäger waren erfolgreich. Nachdem der Elf gegangen war, fehlte das leise Quieken und Scharren der Mäuse. Dafür konnte Harry andere Geräusche ausmachen – welche, die er nicht einordnen konnte, wie das zaghafte Kratzen und Klopfen. Sollte Peeves sich von seinem Schrecken erholt haben und nun zum Gegenschlag ausholen? Mit dem Poltergeist rechnete Harry ganz fest, nicht aber mit dem Rumpeln, das noch viel lauter war als das Donnergrollen des aufkommenden Gewitters. Harry rutschte das Herz in die Hose. Der Krach war aus der Ecke mit dem Kleiderschrank gekommen, in welchem die Umhänge untergebracht waren. Angestrengt lauschte Harry, doch nun war es still im Jungenschlafsaal – gespenstisch still. Nicht einmal mehr Trevor quakte.


In dem Moment, als Harry das Geräusch als Einbildung abtun wollte, ließ ihn ein heftiger Schlag gegen die Schranktür das Blut in den Adern gefrieren. Das laute Geräusch hallte nach, war alles andere als ein Hirngespinst. Was war es? Mehrmals rekonstruierte Harry die letzte Minute. Das Ergebnis seiner Überlegung ließ ihm einen Schauer über den Rücken laufen. Es kam aus dem Schrank!


Verzweifelt suchte er nach einer logischen Erklärung, um sich selbst die Angst zu nehmen. Ein Irrwicht könnte es sein, vermutete Harry. Der nächste Schlag war so kraftvoll, dass sich sogar die Schranktür ein paar Zentimeter bewegte, doch das Schloss hielt. Etwas, das sich dort drinnen befand, wollte heraus. Harrys Herz schlug so schnell, dass er kaum noch etwas anderes als das Meer in seinen Ohren rauschen hörte. Ein unheilvolles Schaben wie von Fingernägeln war zu hören. Das Geräusch kannte Harry. Als kleiner Junge hatte er es selbst verursacht, wenn er in der Besenkammer eingesperrt war und nach Freiheit verlangte. Unerwartet löste diese Erinnerung einen Beschützerinstinkt in ihm aus. Wenn in dem Schrank jemand eingesperrt war, dann wollte er demjenigen die Qual der Einsamkeit und Dunkelheit nehmen.


Der nächste Stoß gegen die Schranktür war so wuchtig, dass sie Harry nicht nur aus seinen Gedanken riss, sondern gleichzeitig die Tür aus den Angeln. Laut scheppernd landete sie auf dem Boden. Trotzdem Harry einem Haus angehörte, deren Schüler für ihren Mut bekannt waren, überließ er sich blindlings der Führung seines Bauches und dieser riet ihm, keinen Mucks von sich zu geben.


Jemand trat aus dem Schrank heraus. Harry war wie gelähmt, als er den Jungen sah. Ein schmächtiger Lockenkopf, auf dessen Gesicht die Spuren so vieler Tränen zu sehen waren wie es Regentropfen am Fenster gab. Die verweinten Augen huschten durch das Zimmer, prüften die Betten. Als der fremde Junge sich allein glaubte, setzte er sich auf Rons Bett und legte das blasse Gesicht in die Hände.


Harrys Gedanken überschlugen sich, so dass er keinen einzigen von ihnen zu fassen bekam. Wer war der Junge? Warum war er eingesperrt? Einzig der Umhang des schluchzenden Schülers zeugte von der Zugehörigkeit zum eigenen Haus. Gerade wollte sich Harry einen Ruck geben und ein paar Fragen stellen, da erhob sich der Fremde. An dessen Gesichtszügen erkannte Harry Wut und den Wunsch nach Rache. Züge, die Harry manchmal bei sich selbst entdeckte, wenn er nach einer Auseinandersetzung mit Draco zufällig in einen Spiegel schaute. Der Lockenkopf zog etwas unter Rons Bett hervor. Harry staunte beim Anblick des riesigen Kürbisses, in dem bereits eine Furcht erregende Fratze geschnitzt war. Der Junge zog seinen Stab und wuschte mit ihm in einer Reihenfolge, die Harry nicht kannte. Zackige Zähne wurden gefletscht, der orangefarbene Mund wurde aufgerissen und die fiesen, schrägen Augen blickten böse drein. Der Zauberspruch hatte dem hässlichen Gesicht dunkles Leben eingehaucht. Während der Kürbis über seine neu gewonnene Mimik die Kontrolle erlangen wollte und zur Übung Grimassen schnitt, kramte der Junge in einer Kiste und legte wenig später eine Kerze auf das Bett. Mit einem Incendio entzündete er sie. Der Spruch, der ein kräftiges Kaminfeuer entfachen konnte, war so gewaltig, dass auch das Bettzeug Feuer fing. Die Farbe der roten Vorhänge vermischte sich in Windeseile mit dem flammenden Orange. Der Kürbis stieß ein tiefes, verderbliches Gelächter aus, als der Junge das Malheur endlich begriff. Mit der Decke von Seamus Bett versuchte er, die Flammen zu erschlagen. Als auch Harry das surreale Ereignis als lebensbedrohliche Realität erkannte, sprang er von seinem Bett.


„Wir müssen weg hier!“, schrie er dem schmächtigen Schüler zu. Der Junge reagierte nicht, schlug stattdessen mit der Decke die Feuersbrunst versehentlich hinüber zu Harrys Bett, das sich sofort in inniger Liebe von ihm verzehren ließ. „Hörst du nicht?“ Wut und Angst war eine sehr unangenehme Mischung. Harrys Wut richtete sich momentan vollends auf den fremden Jungen, nach dessen schmalen Oberarmen er greifen wollte. „Wir müssen ...“ Seine Worte blieben ihm im Hals stecken, als seine Hände durch den dünnen Körper hindurchgingen.


Ein Geist!


Der Junge schien Harry nur wie in einem Traum wahrzunehmen. Der Lockenkopf blinzelte einige Male, konnte Harrys Anwesenheit nicht einordnen. Harry gehörte nicht hierher – nicht an diesem Abend, zu dieser Stunde. Der Raum war jedes Jahr menschenleer, nur heute nicht. Der Schüler schien uneins, wollte einerseits das jährlich wiederkehrende Unglück nachspielen, das für seinen Tod verantwortlich war, konnte andererseits nicht den einzigen Gryffindor ignorieren, der sich um sein Wohlergehen sorgte.


„Du musst gehen“, flüsterte der Geist, dessen Umhang bereits am unteren Saum Feuer gefangen hatte.

„Komm mit!“

„Das geht nicht.“

Harry trat einen Schritt zurück, als sich die Lohen am Umhang des Jungen hinauffraßen. „Wer bist du?“

„Roderick Clayton.“ Die Flammen schlugen höher und umhüllten das Haupt des Lockenkopfs mit einem Übermaß an Wärme, nach der er sich sein kurzes Leben lang gesehnt hatte. „Jetzt geh“, hörte man ihn hinter einer Feuerwand sagen.


Die Worte des Geistes und das kalte Echo eines Brandes, das vor unzähligen Jahren im Schlafsaal der Gryffindors gewütet haben musste, ließen Harry nicht mehr zögern. Er griff sich das einzige Haustier im Raum und rannte hinunter in den Gemeinschaftsraum.


Hier war nichts von der Katastrophe im Schlafsaal zu merken. Man vernahm keinen Rauch und spürte nicht die Hitze der hochschlagenden Geisterflammen. Aufgewühlt ging Harry im Gemeinschaftsraum auf und ab, kraulte dabei Trevor den Nacken. Er nahm sich vor, seinen Freunden von dem heutigen Erlebnis zu berichten. Man könnte das nächste Halloween im Schlafsaal feiern und Roderick viel früher aus dem Schrank befreien, in dem er von gehässigen Mitschülern gesperrt worden war. Womöglich könnte diese freundliche Geste den Geist des Schülers von dem Zwang befreien, Jahr für Jahr aufs Neue den Feuertod zu finden.


All das würde Harry gemeinsam mit seinen Freunden herausfinden. Bis dahin war Trevor ihm für die heutige Heldentat als Lebensretter ein halbes Königreich und die Hand einer lieblichen Unke schuldig.


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